FLUGZEUGUNGLÜCK »Sie sind alle tot«


Die »Tupolew« war beim Landeanflug auf Irkutsk in Sibirien. Um 19.10 Uhr MESZ verschwand das russische Verkehrsflugzeug plötzlich von den Radarschirmen und stürzte nahe der Stadt ab. Alle 143 Passagiere kamen ums Leben.

143 Menschen sind am Dienstagabend beim Absturz eines Passagierflugzeuges in der Nähe von Irkutsk in Sibirien ums Leben gekommen. Die dreistrahlige Tupolew Tu-154 war beim Landeanflug auf die Stadt um 19.10 Uhr MESZ von den Radarschirmen verschwunden und in der Nähe der Ortschaft Budjonnowka knapp 34 Kilometer von Irkutsk entfernt am Boden zerschellt, berichtete die Agentur Interfax unter Berufung auf das russische Zivilschutzministerium.

Die ersten Rettungsmannschaften, die am Unglücksort eintrafen, bestätigten nach Angaben der Agentur Itar-Tass, dass keiner der Insassen den Absturz überlebt hatte. Die brennenden Trümmer des Flugzeugs lagen in der Nähe einer der Hauptstraßen nach Irkutsk.

133 Passagiere und 10 Besatzungsmitglieder

An Bord der Maschine befanden sich 133 Passagiere und zehn Besatzungsmitglieder. Das Flugzeug mit der nationalen Kennnummer 85845 war in Ekaterinenburg (ehemals Swerdlowsk) im Uralgebiet gestartet und sollte auf dem Weg nach Wladiwostok eine Zwischenlandung zum Auftanken in Irkutsk einlegen. Die Tupolew gehörte der regionalen Gesellschaft »Wladiwostokawia«.

Stichwort: Tupolew Tu-154

Die Tupolew Tu-154 war das erste moderne Verkehrsflugzeug der Sowjetunion. Es absolvierte seinen Jungfernflug am 4. Oktober 1968. Die Maschine ist normalerweise für 164 Passagiere ausgerüstet und im Grundmodell 47,9 Meter lang. Die TU 154 M mit einem Vier-Mann-Cockpit erreicht eine maximale Reisegeschwindigkeit von 950 Kilometern pro Stunde. Die Reichweite liegt bei maximal 6 600 Kilometern.

Es wurden mehr als 350 Exemplare des Flugzeugs gebaut. Über 300 davon wurden an die einst größte Fluggesellschaft der Welt, die sowjetische Aeroflot, ausgeliefert. Versuche, das Flugzeug auch außerhalb des Ostblocks zu verkaufen, scheiterten immer wieder an den hohen Unterhaltungskosten.

Schwere Flugzeugunglücke der vergangenen fünf Jahre

In den vergangenen fünf Jahren gab es eine Reihe schwerer Flugzeugunglücke. Eine Auswahl:

31.10.2000: Taiwan - Auf dem Tschian-Kai-Schek-Airport in Taipeh verunglückt eine Boeing 747-400 der Singapore Airlines. Die Piloten hatten beim Start die falsche Startbahn benutzt und waren mit Baugeräten kollidert. 83 der 179 Insassen an Bord kommen ums Leben.

25.10.2000: Georgien - 84 Menschen sterben bei einem der schwersten Unglücke der Militärluftfahrt Russlands, darunter Frauen und Kinder. Eine bei Moskau gestartete Kuriermaschine vom Typ Iljuschin 18 war nahe dem Schwarzen Meer beim Landeanflug an einem Berg zerschellt.

23.08.2000: Bahrain - Beim Absturz eines Airbus A320 der Fluggesellschaft Gulf Air sterben alle 143 Menschen an Bord. Die Passagiermaschine kam aus Kairo und stürzte beim Landeanflug auf die bahrainische Hauptstadt Manama in den Persischen Golf.

25.07.2000: Frankreich - 113 Menschen sterben durch den Absturz einer Concorde kurz nach dem Start bei Paris. Unter den Opfern sind auch 97 Deutsche.

17.07.2000: Indien - Eine Boeing 737 der indischen Gesellschaft Alliance Air stürzt beim Landeanflug auf den Flughafen von Patna im Osten Indiens. 55 Menschen kommen ums Leben.

19.04.2000: Philippinen - Eine Maschine vom Typ Boeing 737-200 der Air Philippines zerschellt auf der Insel Samal, 900 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila. Alle 131 Insassen kommen ums Leben.

31.01.2000: USA - Eine MD-83 der Alaska Air mit 88 Menschen an Bord stürzt vor der kalifornischen Küste ab.

30.01.2000: Afrika - Ein zweistrahliger Airbus A310-Jet der Kenya Airlines stürzt kurz nach dem Start in Abidjan vor der Elfenbeinküste ins Meer. Für 169 Menschen gibt es keine Rettung mehr.

31.10.1999: USA - Eine Boeing 737 der Egypt Air stürzt vor der US- Ostküste ab. 217 Menschen kommen ums Leben.

02.09.1998: Kanada - Beim Absturz einer Swiss-Air-Maschine vom Typ MD-11 sterben vor der Küste Kanadas 229 Menschen.

16.02.1998: Taiwan - Ein Airbus A300-600R verfehlt bei Nebel die Landebahn des Flughafens bei Taipeh, kracht in eine Häuserzeile und explodiert. 203 Tote.

26.09.1997: Indonesien - Ein Airbus vom Typ A300-B4 mit 222 Passagieren und 12 Besatzungsmitgliedern an Bord stürzt beim Landeanflug in Nord-Sumatra ab. Niemand überlebt.

12.11.1996: Indien - Bei Chakhi Dadri im nordindischen Bundesstaat Haryana prallen in etwa 4000 Metern Höhe eine Boeing 747-100 und eine kasachische Iljuschin Il-76 zusammen. 349 Tote.

17.07.1996: USA - Nach einer Explosion stürzt eine Boeing 747-100 kurz nach dem Start von New York in den Atlantik. Keiner der 230 Insassen überlebt.

06.02.1996: Dominikanische Republik - Kurz nach dem Start in Puerto Plata stürzt eine Boeing 757 ins Meer. 189 Insassen, darunter 164 deutsche Urlauber, kommen um.


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