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Krise in der Ukraine: Klitschkos finanzieren Schutzwesten für Nationalgarde

Bei Kämpfen in der Ostukraine sind mindestens zehn Soldaten gestorben. Kurz vor der Wahl kaufen die Klitschkos der Nationalgarde schusssichere Westen. So lief der Tag in der Ukraine.

+++ 19.17 Uhr: Ukrainischer Regierungschef nennt russischen Truppenabzug "Bluff" +++

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk hat die russischen Berichte über einen Truppenabzug von der gemeinsamen Grenze als "Bluff" bezeichnet. Die Führung in Kiew habe Moskau eine Protestnote übersandt, weil das Nachbarland "weiterhin einen Konflikt provozieren" wolle, sagte Jazenjuk am Donnerstag in Kiew. Moskau zweifelte die Legitimität der ukrainischen Präsidentenwahl an diesem Sonntag erneut an. Mit dem im Februar nach Russland geflüchteten Viktor Janukowitsch gebe es einen "lebenden und rechtmäßigen Staatschef", sagte Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch nach Angaben der Agentur Interfax. Die ukrainische Staatsanwaltschaft leitete unterdessen ein Strafverfahren gegen die Separatisten im Osten des Landes ein. Mit ihrer Behinderung der Präsidentenwahl würden die Aktivisten eine schwere Straftat begehen, sagte ein Justizsprecher.

+++ 16.47 Uhr: Klitschkos finanzieren Schutzwesten für Nationalgarde +++

Die aus der Ukraine stammenden Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir haben der staatlichen Nationalgarde schusssichere Westen für den Kampf gegen prorussische Separatisten finanziert. Die Einheit werde nächste Woche in die krisengeschüttelte Ostregion des Landes verlegt, sagte Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko in Kiew. "Die wirkliche Schutzweste für sie sind aber finanzielle und soziale Garantien auch für Ihre Familien", sagte Klitschko, der an diesem Sonntag für das Bürgermeisteramt der Hauptstadt kandidiert.

+++ 16.35 Uhr: Zahl der Toten steigt auf mindestens 14 +++

Bei den zwei Angriffen von Separatisten im Osten der Ukraine sind nach jüngsten Angaben schon mindestens 14 Soldaten getötet worden. Bei einem Granaten- und Mörserangriff nahe der Donbass-Stadt Wolnowacha wurden 13 Menschen getötet, sagte Übergangspräsident Alexander Turtschinow. Bei einer Attacke auf einen Militärkonvoi in der Region Lugansk wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums ein weiterer Soldat getötet. Zuvor hatten die ukrainischen Behörden von insgesamt neun Toten gesprochen. Zudem wurden bei den Angriffen demnach fast 20 Regierungssoldaten verletzt.

+++ 16.20 Uhr: Wahl soll auch ohne Ostukraine gültig sein +++

Die Präsidentenwahlen in der Ukraine sind aus Sicht der Führung in Kiew auch trotz der Undurchführbarkeit im abtrünnigen Osten gültig. Die Wahl sei gemäß ukrainischem Recht auf jeden Fall gültig, weil es keine Mindestwahlbeteiligung gebe, sagte Interims-Außenminister Andrej Deschtschiza dem "Tagesspiegel". "Wir schätzen, dass weniger als zehn Prozent der Wahlberechtigten betroffen sind", betonte Deschtschiza. Allerdings sei die Unterstützung für die Einheit der Ukraine derzeit mit 70 Prozent so hoch wie nie zuvor. "Eigentlich müssen wir dem russischen Präsidenten Putin dafür danken, dass er die Ukraine geeint hat."

+++ 14.55 Uhr: Russland fordert von Großbritannien Erklärung zum Putin-Hitler-Vergleich +++

Russland fordert eine offizielle Erklärung von Großbritannien, nachdem Prinz Charles den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Hitler verglichen haben soll. Sollten diese Worte wirklich gesprochen worden sein, seien sie "zweifellos eines künftigen britischen Monarchen nicht würdig", sagt der russische Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch am Donnerstag. Moskau habe daher eine offizielle Erklärung der britischen Behörden eingefordert.

Die Zeitung "Daily Mail" hatte am Mittwoch berichtet, dass Charles bei einem Besuch des Einwanderungsmuseums mit Blick auf den Ukraine-Konflikt gesagt habe, Putin mache nun "fast dasselbe wie Hitler".

+++ 14.35 Uhr: Russisches Verteidigungsministerium spricht von Truppenabzug +++

Das russische Verteidigungsministerium erklärt, vier Züge und dutzende Flugzeuge hätten bereits Material und Truppen aus der Grenzregion gebracht. Staatschef Wladimir Putin hatte am Mittwoch gesagt, mit dem Abzug sollten "günstige Bedingungen" für die Präsidentschaftswahl in der Ukraine geschaffen werden. Nach Nato-Schätzungen sind 40.000 russische Soldaten nahe der ukrainischen Grenze im Einsatz.

+++ 14.15 Uhr: Kiew bestätigt den Tod von zehn Soldaten +++

Das Verteidigungsministerium in Kiew bestätigt den Tod von zehn Soldaten bei den jüngsten Kämpfen. Bei Gefechten nahe Wolnowacha etwa 60 Kilometer südlich von Donezk seien neun Sicherheitskräfte erschossen und 17 verwundet worden, hieß es. Ein weiterer Soldat sei bei Lugansk getötet worden. Auch die Gegenseite habe Verluste erlitten.

+++ 13.44 Uhr: Separatisten sprengen Brücke im Raum Lissitschansk +++

Mit der Sprengung einer Brücke verzögern militante Aktivisten in der Ostukraine das Vorrücken von Regierungseinheiten im Raum Lissitschansk. Die Sicherheitskräfte hätten am Morgen mit gepanzerten Fahrzeugen den Ort rund 90 Kilometer nordwestlich der Gebietshauptstadt Lugansk erreicht, sagt Separatistenführer Alexej Tschmilenko. Die prorussischen Kräfte brachten daraufhin die Verkehrsverbindung über einen Nebenfluss des Don zum Einsturz. Es habe zudem Schusswechsel gegeben, so Tschmilenko.

+++ 12.05 Uhr: Ukraine beantragt Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats +++

Die ukrainische Führung bittet den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen um eine Dringlichkeitssitzung. Vor der Präsidentenwahl an diesem Sonntag würden sich die Hinweise auf "russische Sabotageakte" häufen, sagt Regierungschef Arseni Jazenjuk. "Wir werden bei der Sitzung Beweise vorlegen, dass Russland mit einer Eskalation des Konflikts die Präsidentenwahl vereiteln will." Russland hat wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, die Abstimmung zu behindern.

+++ 11.48 Uhr: Nato sieht erste Zeichen für russischen Truppenabzug +++

Wenige Tage vor der Präsidentenwahl in der Ukraine sieht die Nato erste Anzeichen für einen Teilabzug russischer Truppen aus dem Grenzgebiet. Wie Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen über Twitter mitteilt, gebe es Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine, die darauf hindeuten könnten, dass sich einige Einheiten auf einen Abzug vorbereiteten. Für eine Beurteilung sei es zu früh, aber er hoffe, dass es der Beginn eines vollständigen Abzugs sei. Die meisten Einheiten blieben aber bisher im Grenzgebiet zur Ukraine.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat wiederholt angekündigt, die Truppen aus dem Gebiet zurückzuziehen. Bisher hat die Nato stets erklärt, dass sie für einen solchen Schritt keine Anhaltspunkte habe.

+++ 10.25 Uhr: Mindestens acht Tote bei Kämpfen in der Ostukraine +++

In der Ostukraine sind bei Gefechten zwischen Regierungstruppen und prorussischen Kräften mindestens acht Soldaten getötet und 18 weitere Mitglieder der Sicherheitskräfte verletzt worden. Prorussische Kämpfer hätten etwa 60 Kilometer südlich von Donezk einen Kontrollposten angegriffen, meldet die Agentur Interfax.

Ob es auch Opfer unter den moskautreuen Kämpfern gibt, war zunächst unklar. Die prowestliche Regierung geht in der Region mit einem "Anti-Terror-Einsatz" gegen Separatisten vor. Die Führung hat die Kontrolle über weite Teile der Gebiete Donezk und Lugansk verloren und bereits eingeräumt, dass die Präsidentenwahl an diesem Sonntag dort nicht stattfinden kann.

+++ 5.00 Uhr: Kasparow fordert stärkere Unterstützung für Ukraine +++

Der russische Oppositionspolitiker und frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow fordert den Westen zu einer stärkeren Unterstützung der Ukraine auf. "Was fehlt, ist Führungsstärke", sagt Kasparow bei einer Preisverleihung in New York. "Wenn die westlichen Staatschefs die Ukraine doch nur so leidenschaftlich unterstützen würden, wie Reagan und Thatcher Polen in den 80er Jahren unterstützt haben", so der 51-Jährige in Anspielung auf den Fall des Eisernen Vorhangs. "Wenn Männer wie Obama und Cameron in den 80er Jahren an der Macht gewesen wären, würde ich jetzt immer noch für die Sowjetunion Schach spielen."

+++ 1.15 Uhr: Ukrainischer EU-Botschafter fordert, Russland die WM zu entziehen +++

Russland sollte nach Willen des EU-Botschafters der Ukraine wegen der Angliederung der Krim die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 nicht austragen dürfen. Die Weltgemeinschaft solle Russland das Recht wieder entziehen, Gastgeber der WM zu sein, fordert Botschafter Kostiantyn Jelisieiew im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Meiner Meinung nach ist das machbar, denn Russland ist Mitglied des Weltfußballverbandes Fifa und muss bestimmte Werte und Pflichten einhalten", sagt er.

car/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters