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Gillamoos-Volksfest Söder und Kühnert streiten beim Frühschoppen über Atomkraft – auch Winnetou-Debatte bekommt Bühne

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (r.) und sein Kollege aus NRW, Hendrik Wüst, beim Politischen Frühschoppen auf dem Volksfest Gillamoos
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (r.) und sein Kollege aus NRW, Hendrik Wüst, beim Politischen Frühschoppen auf dem Volksfest Gillamoos
© Armin Weigel / DPA
Im bayrischen Abensberg hieß es am Montag wieder Politik trifft Bierzelt-Atmosphäre. Beim traditionellen politischen Frühschoppen des Gillamoos-Volksfests stand vor allem die Energiekrise im Fokus. Doch auch die Winnetou-Debatte schaffte es – wortwörtlich – auf die Bühne.

Beim traditionellen politischen Frühschoppen des Gillamoos-Volksfests im bayerischen Abensberg haben sich die Parteien am Montag einen Schlagabtausch geliefert. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) kritisierte die Entlastungspläne der Bundesregierung als "große Worte, große Zahlen". Die Ampelkoalition taste sich "im Schneckentempo" voran, sagte der CDU-Politiker im Hofbräu-Zelt. Wüst bemängelte zudem die geplante Besteuerung sogenannter Zufallsgewinne von Energieunternehmen. "Zufallsgewinn – was soll das sein?", fragte er. Der einzige Zufallsgewinn, denn er kenne, sei der Sieg von Olaf Scholz (SPD) bei der Bundestagswahl gewesen.

CSU-Chef Markus Söder äußerte sich hingegen lobend über das Entlastungspaket der Ampelkoalition. "Da geht vieles in die richtige Richtung", sagte er in seiner auf Wüst folgenden Rede. So werde manche Ungerechtigkeit beseitigt, etwa durch die geplanten Hilfen für Rentner und Studenten. Allerdings sei manches nicht ausreichend. Unter anderem falle die Erhöhung des Kindergelds zu gering aus. Söder kritisierte zudem, dass die Ampelkoalition sich zu wenig um die Energiekrise kümmere. 

Gillamoos: Söder wirbt für Atomkraft – Kritik von Kühnert

Der bayerische Ministerpräsident bekräftigte deshalb auch seine Forderung, die Laufzeiten der derzeit noch laufenden Atomkraftwerke zu verlängern. "Wir brauchen den Strom." Dem erteilte SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert eine deutliche Absage. "Mit der SPD gibt es keinen Wiedereinstieg in die Atomkraft", sagte er im Härteis-Festzelt. Diese sei keine nachhaltige Energie, sondern eine gefährliche. Auch sei die Endlagerfrage noch immer nicht geklärt. Kühnert kritisierte Söder für seine mehrmals getätigte Äußerung, dass Bayern als Standort für ein Endlager nicht in Frage komme. Das sei "Egopolitik à la Söder – was interessiert's mich, wie's anderen am Ende damit geht". 

Auch Bayerns FDP-Chef Martin Hagen griff Söder scharf an. Dieser habe seit Jahresbeginn erst an drei Landtagssitzungen teilgenommen, aber in den vergangenen fünf Wochen 13 Volksfeste besucht, sagte Hagen. "Gut so – im Bierzelt kann er deutlich weniger Schaden anrichten als auf der Regierungsbank", ergänzte der FDP-Politiker.

Bei den Grünen hielt der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter, die Hauptrede. Die Menschen in der Ukraine würden die Freiheit von ganz Europa und die Demokratie für uns alle verteidigen, sagte er. "Und das wenigste, was wir dabei tun können, ist sie zu unterstützen und ihnen zu helfen."

Auch Winnetou bekommt Bühne beim Frühschoppen

Nachdem der Frühschoppen in den letzten beiden Jahren pandemiebedingt ohne bundespolitische Prominenz und ohne Volksfest stattgefunden hatte, kehrte er nun wieder traditionell in die Bierzelte zurück. CSU, AfD und Freie Wähler nutzten das Volksfest um die aktuelle Debatte über den Umgang mit Winnetou-Büchern in ihrem Sinne zu thematisieren. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger ließ dazu einen Mann auf die Bühne kommen, dessen Kostümierung an den Karl-May-Helden erinnerte.

Markus Söder konterte mit den Worten, er sei in Spielen früher immer lieber Winnetous treuer Begleiter Old Shatterhand gewesen – schließlich habe der länger überlebt. Die Titelmelodie der Winnetou-Filme dröhnte im CSU-Zelt zur Einstimmung aus den Lautsprecherboxen – gleich nach dem umstrittenen Ballermann-Hit "Layla".

In Deutschland gibt es derzeit eine Debatte um kulturelle Aneignung und Rassismus rund um die Winnetou-Erzählungen. Sie begann, nachdem der Verlag Ravensburger Mitte August angekündigt hatte, die Auslieferung zweier Kinderbücher zum gleichnamigen Film "Der junge Häuptling Winnetou" zu stoppen und aus dem Programm zu nehmen. Um das Lied "Layla" von DJ Robin und Schürze gab es im Sommer eine wochenlange Sexismus-Debatte.

les DPA AFP

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