HOME

Weihnachtsfeier: Restalkohol – Wann darf man wieder Auto fahren, ohne den Führerschein zu verlieren?

Weihnachtsfeiern enden selten nüchtern. Nach der Feier steigt kaum jemand betrunken ins Auto, aber morgens, wenn es wieder zur Arbeit geht, sieht das anders aus. Das Problem: Alkohol bleibt sehr lange im Blut.

Weihnachsfeiern können lang werden - wenn man morgens wieder ins Büro muss.

Weihnachsfeiern können lang werden - wenn man morgens wieder ins Büro muss.

Getty Images

Zu keinem Zeitpunkt wird so viel Alkohol getrunken wie vor Weihnachten. Autohersteller Ford ließ im vergangenem Jahr von Wissenschaftlern Social-Media-Kanäle nach Einträgen mit dem Thema "Kater" durchsuchen. Ergebnis: Der Schnaps-Höhepunkt des Jahres fällt auf den 14. Dezember. Kluge Kollegen nehmen am Tag nach der Weihnachtsfeier gleich frei, viele schleppen sich irgendwie zur Arbeit. Problematisch wird es, wenn man den Weg mit dem Auto zurücklegt. Denn Alkohol baut sich nicht so schnell ab.

Hausmittel bauen keinen Alkohol ab

Es gibt unzählige Hausmittel um nach einem Rausch Übelkeit und dicken Kopf zu vermeiden. Manche schwören auf Kopfschmerztabletten und Wasser, andere auf Gemüsesäfte, und auch der Hering als klassisches Katerfrühstück hat immer noch Anhänger. Tatsächlich mögen diese Mittel auch helfen, wieder auf die Füße zu kommen. Aber im besten Fall lindern diese Mittel die Probleme, die Abbauprodukte des Alkohols im Körper verursachen. Eines machen sie aber ganz gewiss nicht: Sie führen nicht dazu, dass der Alkohol schneller abgebaut wird. Ist Alkohol erst einmal im Blut, wird er relativ konstant von der Leber umgewandelt. Nur das Erbrechen des Mageninhalts direkt nach Alkoholgenuss mindert den Alkoholspiegel ein wenig, weil ein paar Drinks ausgespuckt werden, bevor sie ins Blut gelangen.

Es ist leider nicht einfach zu berechnen, wie viel Alkohol zu wie viel Promille führen. Neben der Menge des Alkohols spielen Gewicht, und die Zufuhr anderer Nahrungsmittel eine Rolle.

Als grobe Faustformel kann man rechnen, dass ein Bier, ein Glas Wein und ein Schnaps bei 65 Kilogramm Körpergewicht etwa zu 0,2 Promille führen. Vorsicht aber auf Weihnachtsfeiern: Wenn gut ausgeschenkt wird oder "richtige" Drinks gemixt werden, wird häufig sehr viel mehr Alkohol ins Glas geschüttet, als sonst üblich ist.

Man trinkt schneller, als die Leber arbeitet

Sind die Promille erst einmal im Körper, bauen sie sich ziemlich konstant ab. Als Faustformel gilt: Etwa 0,1 Promille pro Stunde verschwinden. Ein oder zwei Gläser Wein zum Abendessen sind morgens also kein Problem mehr. Bei echter Trunkenheit sieht das anders aus. Personen, die auch sonst mal ein Gläschen trinken, können bei einer Party am Ende leicht auf Werte von 1,5 bis 1,8 Promille kommen – ohne dass sie unter extremen Ausfallerscheinungen wie Stürzen oder kompletter Desorientierung leiden.

Warum sind Weihnachtsfeiern so gefährlich?

Bei Weihnachtsfeiern machen Mitarbeiter mit, die das Trinken in geselliger Runde nicht gewohnt sind. Sie überrascht die Dynamik in der Gruppe mit gemeinsamen Runden und Trinkspielen. Vor allem aber: Anders als bei privaten Partys finden Weihnachtsfeiern meist an Wochentagen statt – häufig mit einem normalen Arbeitstag am nächsten Morgen. Anstatt lange Ausschlafen und Kater-Nachmittag steht dann frühes Aufstehen auf dem Programm. Die Nacht zwischen letztem Drink und Fahrt ins Büro kann sehr kurz sein. Die Kombination von viel Alkohol und kurze Abbauzeit macht die Weihnachtsfeier so brisant.

Beispielrechnungen 

Ein extremes Beispiel: Der letzte Drink erfolgte um zwei Uhr in der Nacht, mit 1,8 Promille geht es dann ins Taxi und um sieben Uhr soll es wieder losgehen: Dann dürften immer noch 1,1 bis 1,3 Promille im Blut sein. Damit wäre man absolut fahruntüchtig, die Fahrt lebensgefährlich und bei einer Kontrolle oder einem Unfall wäre der Führerschein weg. 1,8 Promille ist sicher nicht die Regel, aber ein Schwips von 1,0 Promille ist auf einer Feier kaum zu vermeiden. Und auch davon können nach fünf Stunden immer noch 0,5 Promille übrig sein.

Endet die Weihnachtsfeier früh, entschärft sich die Lage deutlich. Bei einem gemeinsamen Essen bis 22 Uhr wird zwar auch getrunken, der Alkoholkonsum artet aber selten aus. Und zum anderen ist die Abbauzeit sehr viel länger. Wer um zehn mit 1,3 Promille im Blut nach Hause geht, hat bis sieben Uhr morgens immerhin neun Stunden Zeit seinen Wert auf 0,4 Promille zu drücken.

Und so kommen die Promille zusammen: Ein Mann von 80 Kilogramm trinkt zwischen acht Uhr abends und ein Uhr nachts fünf Gläser Bier mit je 0,5-Liter. Dazu gibt es zwei größere Schnäpse. Dann erreicht er kurz nach eins einen Maximalwert von 1,54 Promille.

Trinkt eine Frau von 55 Kilo in der gleichen Zeit drei Gläser Bier (0,5 l) und dazu zwei Schnäpse, liegt ihr Maximalwert bei 1,69 Promille.

Angesichts des drohenden Morgens sollte man sich auf jeden Fall den "Absacker" vor dem Einschlafen verkneifen.

Die Konsequenzen

Wird man kontrolliert, führen 0,5 Promille bei einem Erstverstoß zu einem Bußgeld von 500 Euro, zwei Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot. Für Wiederholungstäter wird es teurer. Ab 1,1 Promille ist man absolut fahruntüchtig. Bestraft wird man mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Der Führerschein kann zwischen sechs Monaten und fünf Jahren entzogen werden. In Flensburg gibt es drei Punkte. Ab 1,6 Promille wird zudem regelmäßig die gefürchtete Eignungsprüfung MPU angeordnet.

Aber auch wer nur 0,3 Promille im Blut hat, muss eine Strafe fürchten, wenn er sich auffällig im Straßenverkehr verhält. 

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity