Freilassung Chrobog auf dem Weg nach Deutschland


Der im Jemen entführte Jürgen Chrobog und seine Familie sind nach viertägiger Geiselhaft wieder auf freiem Fuß. Einen Tag nach Ende der Entführung kehrt er nun mit seiner Familie nach Deutschland zurück.

Glückliches Ende eines Geiseldramas: Der im Jemen entführte frühere Staatssekretär Jürgen Chrobog und seine Familie sind nach viertägiger Geiselhaft freigekommen. Einen Tag nach Ende der Entführung kehrt der frühere Staatssekretär Jürgen Chrobog mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Chrobog hatte sich zuvor bei der Ankunft in Aden ausdrücklich für alle Bemühungen um die Freilassung bedankt. Er kündigte auch an, "dieses faszinierende Land" eines Tages wieder besuchen zu wollen. Er liebe den Jemen.

"Nach unserem ersten Eindruck hat die Familie die Geiselnahme ohne Schäden an Leib und Seele überstanden", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Er äußerte sich nicht dazu, wie die Deutschen freikamen. Steinmeier bedankte sich aber ausdrücklich bei der jemenitischen Regierung und besonders bei Präsident Ali Abdullah Saleh für die Vermittlung in dem Fall. Chrobog, seine Frau und die drei erwachsenen Söhne seien wohl durch Zufall Opfer der Entführung geworden, sagte Steinmeier.

Hintergrund seien Stammesstreitigkeiten, von terroristischen Motiven sei nicht auszugehen. Der jemenitische Vize-Außenminister habe sich bei ihm für die Entführung Chrobogs entschuldigt. In jemenitischen Regierungskreisen hieß es, nach der Freilassung seien vier der Entführer festgenommen worden.

Chrobog war am Mittwoch zusammen mit seiner Frau sowie den drei erwachsenen Söhnen während eines Urlaubsaufenthaltes entführt worden. Die Geiselnehmer vom Stamm der Al-Abdullah hatten erklärt, mit der Entführung solle Druck auf die Regierung in Sanaa ausgeübt werden, fünf Mitglieder des Stammes aus der Haft zu entlassen. Die jemenitischen Behörden hätten den Entführern versprochen, in den kommenden Wochen eine Lösung für ihre Forderungen zufinden, hieß es im Jemen. Nach der Freilassung der Chrobogs seien am Samstag vier der Entführer festgenommen worden. Sie würden verhört.

Faire Behandlung in der Geiselhaft

Zu den weiteren Reiseplänen der Chrobogs äußerte er sich nicht. Medienberichten zufolge wollte die Familie den Silvesterabend in Aden verbringen. Steinmeier sagte, er habe kurz mit Chrobog telefoniert. "Natürlich ist er, ist seine Familie erleichtert, wieder in Freiheit und Sicherheit zu sein". In der Geiselhaft sei die Familie offenbar fair behandelt worden, alle seien gesund. Dies dürfe allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die vergangenen Tage für die Chrobogs mit großen Belastungen verbunden gewesen seien. "Natürlich haben wir uns Sorgen gemacht. Um so glücklicher bin ich, ist die gesamte Bundesregierung, dass die Entführung jetzt doch einen guten Ausgang genommen hat", sagte Steinmeier.

Er bedankte sich bei der jemenitischen Regierung für ihre Vermittlung in dem Fall. "Unser Dank gilt unseren jemenitischen Partnern, deren wie ich finde, professionelle Arbeit am Ende eine gute Lösung des Falles möglich gemacht hat", sagte der Außenminister. Der jemenitische Vize-Außenminister und frühere Botschafter in Deutschland habe sich bei ihm für den Vorfall entschuldigt. "Er hat mir gegenüber ausdrücklich bedauert, was der Familie zugestoßen ist, und hat sich im Namen des Jemen dafür entschuldigt", sagte Steinmeier. "Diese Geste, lassen Sie mich das sagen, erfüllt uns mit großem Respekt."

Ein erster Einigungsversuch mit den Entführern in der Nacht zum Samstag war nach den Worten Steinmeiers am Widerstand einiger Stammesmitglieder gescheitert: "Es ist ganz offensichtlich so, oder war jedenfalls ganz offensichtlich so, dass gestern Abend noch ein Teil der Gruppe das von der Führung des Stammes verhandelte Ergebnis nicht oder noch nicht mittragen konnte."

Erleichterung bei den Parteien

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil und FDP-Chef Guido Westerwelle äußerten sich erleichtert über das Ende der Geiselnahme. Besonderer Dank gelte Steinmeier und seinen Mitarbeitern, die wie gewohnt mit der nötigen Umsicht gehandelt hätten, erklärte Heil. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, er freue sich sehr, dass die Familie noch 2005 freigekommen sei. "Wir freuen uns mit der Familie und den Freunden, dass Herr Chrobog mit seinen Angehörigen unversehrt wieder in Freiheit und Sicherheit ist", teilte Westerwelle mit.

Der 65-jährige Chrobog war vor wenigen Monaten als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes in Ruhestand gegangen. Bis dahin war er oft als Krisenmanager der Bundesregierung eingesprungen und hatte vor einigen Jahren selbst einen Krisenstab zur Rettung verschleppter deutscher Touristen in der Sahara geleitet. In den Wochen vor der Entführung der Familie Chrobog musste sich der Krisenstab bereits mit einer anderen Geiselnahme beschäftigen: Ende November entführten Unbekannte im Irak die deutsche Archäologin Susanne Osthoff. Gut drei Wochen später kam sie frei, die Umstände ihrer Freilassung sind unklar.

Fünf Italiener im Jemen entführt

Derweil wurde bekannt, dass erneut westliche Touristen im Jemen entführt wurden: Stammesmitglieder hielten im Norden des Landes zunächst fünf Italiener fest. Dies verlautete aus Sicherheitskreisen in Sanaa. Die Entführer ließen jedoch noch am Sonntag drei weibliche Geiseln frei.

Zwei Italiener befänden sich weiterhin in der Hand der Entführer, hieß es in den Kreisen weiter. Verhandlungen über deren Freilassung seien im Gange. Stammesangehörige hatten den Angaben zufolge die Europäer in der östlichen Provinz Maarib in ihre Gewalt gebracht. Die Entführer verlangten die Freilassung von acht inhaftierten Stammesmitgliedern, hieß es.

Reuters/DPA/AP AP DPA Reuters

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