Kampf gegen den IS Bayern will Allgäuer Salafisten abschieben


Der Kemptener Erhan A. ist festgenommen worden und sitzt in Abschiebehaft. Derweil spitzt sich die Lage um Kobane zu. Syrien warnt die Türkei vor einem Einsatz. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

+++ 20.33 Uhr: Erster US-Soldat im Einsatz gegen IS getötet +++

Im Einsatz gegen den IS haben die USA den ersten toten Soldaten vermeldet. Der Mann war am Donnerstag aus einem Flugzeug gesprungen, als dieses kurz nach dem Start von einem Schiff im Persischen Golf vorübergehend versagte und abzustürzen drohte. Der Truppentransporter konnte zwar sicher landen, doch der Soldat blieb verschollen und wurde für tot erklärt.

+++ 20.22 Uhr: Kanadas Premier plant Beteiligung an Luftschlägen +++

Kanadas Premierminister Stephen Harper will sein Land am Kampf gegen den IS beteiligen. Bis zu sechs kanadische Kampfflugzeuge könnten sich bis zu sechs Monate lang an den Luftschlägen beteiligen, schlägt Harper nach kanadischen Medienberichten dem Parlament vor. Bodentruppen sollen nicht entsandt werden. Bislang hat Kanada nur Militärberater zur Verfügung gestellt. "Wenn unsere Verbündeten eine Gefahr erkennen und darauf reagieren, dürfen wir Kanadier nicht an der Seite stehen", schreibt Harper bei Twitter. Das kanadische Parlament will den Plan Harpers am Montag diskutieren und darüber abstimmen.

+++ 17.42 Uhr: Syrien warnt Türkei vor Militäreinsatz +++

Syrien hat die Türkei vor einem militärischen Eingreifen gegen den IS im Land gewarnt. Jede türkische Intervention auf syrischem Boden werde als "Verletzung der Souveränität und Akt der Aggression" angesehen, erklärt das Außenministerium in Briefen an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und den UN-Sicherheitsrat. Zugleich ruft das Regime die internationale Gemeinschaft dazu auf, das "Abenteuer der türkischen Regierung" zu stoppen. Das türkische Parlament hatte am Donnerstag Militäreinsätze in Syrien und im Irak gebilligt. Damit kann die Regierung dort mit Bodentruppen oder anderen militärischen Mitteln gegen Terrororganisationen vorgehen.

+++ 16.45 Uhr: Allgäuer Salafist zur Abschiebung festgenommen +++

Der Kemptener Salafist Erhan A. ist festgenommen worden und soll umgehend in die Türkei abgeschoben werden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bestätigt einen entsprechenden Bericht der "Augsburger Allgemeinen". Der 22-Jährige sei eine erhebliche Gefahr für die Sicherheit Deutschlands.

Der Salafist hatte in einem Interview des "SZ-Magazins" gesagt, er beneide seinen Freund David G. aus Kempten, der als "Gotteskrieger" in Syrien umgekommen war. Die vom IS enthaupteten Journalisten seien Feinde gewesen - "und die darf man töten." Selbiges gelte für Kriegsgefangene. "Ich würde sogar meine eigene Familie töten, wenn sie sich gegen den Islamischen Staat stellt", sagte der 22-Jährige. In 30 Jahren werde auch Deutschland wahrhaft islamisch sein.

Erhan A. steht laut Herrmann seit eineinhalb Jahren im Fokus der Polizei. Nachdem er vergebens versuchte habe, als Kämpfer ins Bürgerkriegsland Syrien einzureisen, sei sein Pass vorübergehend eingezogen worden. Der Mann stamme aus der Türkei, lebe aber bereits seit 20 Jahren mit seinen Eltern im Allgäu, wo er das Abitur gemacht und ein Studium der Wirtschaftsinformatik begonnen habe. Er gelte als Kopf der örtlichen Salafisten-Szene, die aus schätzungsweise zehn Mitgliedern bestehe. Hinweise auf konkrete Straftaten oder Anschlagspläne lägen jedoch nicht vor, so Herrmann. Daher gebe es auch keine Rechtsgrundlage, ihn in Deutschland dauerhaft festzusetzen. "Es gibt keinen anderen Weg, als ihn in sein Heimatland abzuschieben."

+++ 16.38 Uhr: Kurden-Kommandant sieht Kobane kurz vor dem Fall +++

Laut dem kurdischen Kommandanten in Kobane steht die Stadt kurz vor der Einnahme. "Wir befinden uns in einem kleinen, eingeschlossenen Gebiet. Wir haben keinerlei Verstärkung bekommen und die Grenzen sind dicht", schildert der Chef der kurdischen Verteidigungskräfte, Esmat al-Scheich, der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch die Lage. Er rechne mit viele Toten, Massakern und Zerstörung durch die Gruppe "Islamischer Staat". Seine Kämpfer stünden unter Beschuss von Panzern, Artillerie, Raketen, Granatwerfern.

+++ 14.49 Uhr: Pentagon sieht Kobane immer mehr unter Druck +++

Das Pentagon bestätigt, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit ihren Angriffen immer heftigeren Druck auf die Kurden-Stadt Kobane in Nordsyrien ausübt. "In einigen Gegenden schreiten sie sicherlich voran", sagt ein Sprecher. Er sricht von einem "gemischten Bild" auf dem Schlachtfeld in Syrien und dem benachbarten Irak. Zugleich werde die Terrormiliz aber von den Kurden und den irakischen Sicherheitskräften in Schach gehalten. Der Kampf werde jedoch Zeit brauchen und könne nicht allein mit Luftangriffen gewonnen werden.

+++ 13.28 Uhr: Merkel ruft die ganze Welt zum Kampf gegen den IS auf +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel ruft zu einem internationalen Kampf gegen die radikal-islamischen IS-Milizen auf. "Die ganze Welt ist gefordert", sagt Merkel beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Hannover. Sie bezeichnet die Gruppe "Islamischer Staat" als eine Terrororganisation, deren "barbarischer Vormarsch" in Syrien und im Nordirak gestoppt werden müsse. "Die Größe dieser Aufgabe ist nicht zu leugnen", erklärt die Kanzlerin. Man können diese Problem nicht allein den USA und den arabischen Staaten der Region überlassen - alle seien gefordert.

+++ 13.27 Uhr: Kurden fordern schärfere Luftangriffe +++

Angesichts heftiger Angriffe der IS-Terrormiliz auf Kobane fordern die syrischen Kurden von den USA schärfere Luftangriffe gegen die Extremisten. Die internationale Bündnis gegen den IS müsse deren Kämpfer nun direkt an der Frontlinie in Kobane bombardieren, sagt die Ko-Vorsitzende des syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Asia Abdullah.

Die bisherigen Angriffe der Koalition seien nicht effektiv gewesen, erklärt sie weiter. So habe das von den USA geführte Bündnis in der Nacht auf Freitag den IS weit entfernt von Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) bombardiert.

Zugleich warnte Abdullah die Türkei vor einem einseitigen Eingreifen. Sollte das türkische Militär in Syrien aktiv werden, müsse das eine "internationale Entscheidung" sein, sagt sie. Das Parlament in Ankara hatte Militäreinsätze in Syrien und im Irak am Vorabend gebilligt.

+++ 12.02 Uhr: Iran kritisiert möglichen türkischen Militäreinsatz +++

Iran hat die Türkei vor den Folgen eines Militäreinsatzes gegen die IS-Terrormiliz gewarnt. "Zumindest die Länder in der Region sollten nicht etwas unternehmen, was die Lage weiter eskalieren würde", sagt Außenminister Mohammed Dschawad Sarif laut iranischem Staatsfernsehen. Man sollte verantwortungsvoll auf die derzeitige Situation reagieren und sie nicht noch komplizierter machen, sagt er demnach in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu. Das Parlament in Ankara hatte am Donnerstagabend Militäreinsätze in Syrien und im Irak gebilligt.

+++ 10.45 Uhr: Türkei will IS an Erstürmung von Kobane hindern +++

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat den Kurden in der von der IS-Terrormiliz belagerten syrischen Stadt Kobane Hilfe zugesichert. "Wir würden nicht wollen, dass Kobane fällt", sagt Davutoglu. "Wir werden tun, was immer nötig ist, um zu verhindern, dass das passiert."

Seit mehr als zwei Wochen versuchen IS-Kämpfer die nordsyrische Stadt an der Grenze zur Türkei einzunehmen. Das Parlament in Ankara hatte am Donnerstag einen Militäreinsatz im Irak und Syrien zum Schutz der Landesgrenze bewilligt. Bereits mehr als 160.000 Syrer, die meisten von ihnen Kurden, sind seit den Angriffen auf Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) in die Türkei geflohen.

Gegen den IS kämpfen im syrisch-türkischen Grenzgebiet weiter kurdische Volksschutzeinheiten, die der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe stehen. Entsprechend hatte sich der türkische Außenminister dagegen ausgesprochen, Waffenlieferung an die PKK zuzulassen. Der in türkischer Haft sitzende PKK-Chef Abdullah Öcalan hat indes gewarnt, dass ein Massaker in Kobane auch den Friedensprozess der Kurden mit Ankara beenden würde.

+++ 10.28 Uhr: Kurden wehren sich gegen IS-Ansturm auf Kobane +++

Kurdische Kämpfer wehren sich seit der vergangenen Nacht erbittert gegen den Ansturm der IS-Miliz auf die nordsyrische Stadt Kobane. Über der Stadt direkt an der Grenze zur Türkei steht dichter Rauch, in kurzen Abständen ist der Abschuss von Granaten zu hören. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) hätten zwei gepanzerte IS-Fahrzeuge zerstört, die weniger als zwei Kilometer vor der Stadt waren, teilt die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die IS-Extremisten belagern die Kurdenmetropole seit zwei Wochen und konnten trotz der Luftangriffe der US-geführten Koalition immer weiter vorrücken.

Die US-geführte Koalition habe ihre Angriffe trotz des Vorrückens der Extremisten nicht verstärkt, sagt der Leiter der Beobachtungsstelle. Nach seinen Angaben harren in der einst drittgrößten Kurdenstadt in der Region, die auf arabisch Ain al-Arab genannt wird, nur noch wenige tausend Menschen aus. Der IS ist den kurdischen Kämpfern zahlenmäßig und von der Ausrüstung weit überlegen.

+++ 08.27 Uhr: Islamexperte: Al-Kaida hat an Strahlkraft verloren +++

Die Terrororganisation Al-Kaida kann nach Ansicht deutscher Verfassungsschützer Anhänger aus dem Westen nicht mehr so leicht für sich einnehmen wie früher. "Ihre Stelle hat nun die Terrormiliz IS eingenommen", sagt der Islamismusfachmann des Landesamtes für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg, Herbert Landolin Müller. "Al Kaida kann nicht mehr so viele Leute binden, in ihrem Namen Anschläge zu verüben." Vielmehr zeige die Enthauptung des französischen Bergsteigers Hervé Gourdel durch IS-Verbündete in Algerien, dass der Islamische Staat weit über den arabischen Raum hinaus hohe Anziehungskraft ausübe.

Müller geht davon aus, dass sich der IS-Idee eines eigenen "Islamischen Kalifats" noch viel mehr Sympathisanten anschließen werden. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sprach jüngst von weit über 450 radikalisierten Dschihadisten, die aus Deutschland in Richtung Syrien und Irak ausgereist sind.

+++ 05.44 Uhr: Australien beteiligt sich an Luftangriffen +++

Im Kampf gegen die IS-Terrormiliz beteiligt sich Australien an Luftangriffen im Irak. Nach Angaben von Ministerpräsident Tony Abbott billigte das Kabinett den Einsatz von Kampfflugzeugen auf Bitten der irakischen Regierung. Der IS habe der Welt den Krieg erklärt, und die Welt antworte darauf, sagt Abbott. Das Kabinett stimmte zugleich der Entsendung von Spezialkräften zu. Die Soldaten sollen die Iraker beraten.

Mehrere australische Kampfflugzeuge sind derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert. Seit Monatsbeginn hatten australische Maschinen den Kampf gegen den IS im Irak mit Aufklärungs- und Tankflügen unterstützt.

+++ 01.58 Uhr: USA begrüßen türkische Zustimmung zu Militäreinsatz +++

Die US-Regierung begrüßt die Zustimmung des türkischen Parlaments zu einem Militäreinsatz gegen die IS-Miliz im Irak und in Syrien. Es habe bereits im Vorfeld "zahlreiche Gespräche auf ranghoher Ebene über die Zusammenarbeit" gegeben, sagt eine US-Außenamtssprecherin. Diese sollten nun fortgesetzt werden.

Das Parlament in Ankara hatte zuvor einen Militäreinsatz gegen den IS im Irak und in Syrien gebilligt. Mit der Entscheidung wird die türkische Armee zum Eingreifen in den Nachbarstaaten ermächtigt. Das Mandat ist für ein Jahr gültig. Durch die Entscheidung wird auch ausländischen Truppen der Transit durch die Türkei zum Einsatz gegen den IS gestattet.

Bislang gab Präsident Recep Tayyip Erdogan noch keine genauen Pläne für einen Militäreinsatz bekannt. Nach Einschätzung türkischer Medien steht ein direktes militärisches Eingreifen Ankaras in den Kampf gegen den IS nicht bevor. Stattdessen wird die Türkei demnach den Verbündeten Militärbasen wie den Luftwaffenstützpunkt Incirlik zur Verfügung stellen.

car/lie/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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