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Überfall von Al-Kaida-Ableger in Algerien: Terroristen wollen mit Geiselnahme Intervention in Mali stoppen

Islamistische Terroristen haben in Algerien ein Gasfeld überfallen und zahlreiche Ausländer als Geiseln genommen. Die Aktion gilt als Vergeltung der französischen Militäroffensive in Mali.

Islamistische Terroristen wollen mit einer Geiselnahme von Ausländern in Algerien die französische Militärintervention in Mali stoppen. Im Zentrum des westafrikanischen Landes wurden erstmals französische Spezialkräfte in direkte Kämpfe mit islamistischen Rebellen verwickelt. Mutmaßliche Al-Kaida-Kämpfer überfielen am Mittwoch in Algerien ein Gasfeld und brachten zahlreiche Ausländer in ihre Gewalt. Die Geiselnehmer sprechen von Vergeltung - und fordern nach Angaben der mauretanischen Nachrichtenagentur AMI ein Ende der französischen Mission in Mali.

Deutschland wird sich bereits in Kürze an dem internationalen Militäreinsatz beteiligen - zunächst allerdings nur mit zwei Transportflugzeugen. Die beiden Maschinen des Typs Transall sollen Soldaten aus anderen afrikanischen Ländern in Malis Hauptstadt Bamako bringen.

In der Stadt Diabali sei es am Mittwoch zu schweren Kämpfen französischer und malischer Einheiten mit islamistischen Rebellen gekommen, meldete der französische Sender BFM TV unter Berufung auf Augenzeugen. Die Rebellen hatten die Stadt am Montag eingenommen.

Übergreifen des Konflikts auf Nachbarländer

Der Konflikt droht auf Nachbarstaaten überzugreifen. Bei dem Überfall islamistischer Terroristen auf das Gasfeld im Osten Algeriens wurden mindestens zwei Menschen - ein Brite und ein Algerier - getötet. Mindestens sieben weitere Menschen wurden verletzt. Am Mittwochabend behauptete die Brigade der Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI), sie halte 41 Ausländer als Geiseln fest, darunter sieben US-Bürger, zwei Franzosen und zwei Briten. Nach algerischen Quellen sind es gut 20 Geiseln. Laut Algeriens Innenminister Dahou Ould Kablia wurden inzwischen Truppen zu dem Gasfeld entsandt, das unter anderem von BP und Statoil betrieben wird.

Die Terrorgruppe wird nach Angaben des Innenministers von dem einäugigen Islamisten Moktar Belmoktar angeführt. Es handele sich um etwa 20 bewaffnete Männer, die aus Algerien stammten, sagte der Innenminister am Mittwochabend. Sicherheitskräfte hätten das Gasfeld In Amenas, das die Islamisten am Morgen überfallen hatten, inzwischen umstellt. Die Geiseln seien in einem Teil des Geländes zusammengetrieben worden. Algerien lehnt Verhandlungen mit den Extremisten ab.

"Unsere gesegnete Expedition ist Teil eines internationalen Feldzugs zur Bekämpfung der Juden und Kreuzritter", erklärte die AQMI. "Wir machen die Regierungen Algeriens und Frankreichs und der Geiseln voll verantwortlich für jede Verzögerung bei der Erfüllung unserer Forderungen, deren wichtigste die sofortige Einstellung des Angriffs auf unser Volk in Mali ist."

Finanzielle und logistische Hilfe der EU

Die EU will den Einsatz von Militärausbildern in Mali beschleunigen. Insgesamt soll die Ausbildungsmission rund 450 Personen umfassen. Außer Frankreich haben bisher Deutschland, Italien, Spanien, Schweden, Estland, Slowenien und Belgien die Bereitschaft zur Teilnahme erklärt. Die Außenminister der 27 EU-Staaten befassen sich am Donnerstag bei einer Sondersitzung in Brüssel mit den möglichen Risiken.

Die Minister wollen auch über finanzielle und logistische Hilfe für die Entsendung der 3300 Mann starken Kampftruppe der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas sprechen. Die Afrikaner sollen an der Seite Frankreichs gegen die radikalen Islamisten in Mali kämpfen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, der Einsatz der Transall-Maschinen werde "sehr kurzfristig" erfolgen. Der islamistische Terrorismus in Afrika sei auch für Europa eine Bedrohung. "Ich glaube, dass wir hier unter einem hohen Zeitdruck stehen", sagte sie nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, Alassane Ouattara, dem Präsidenten der Elfenbeinküste. Der Bundeswehr-Einsatz könnte noch in dieser Woche anlaufen.

Keine direkte Hilfe für französische Truppen

Wie viele deutsche Soldaten genau entsandt werden, ist noch unklar. Normalerweise besteht eine Transall-Besatzung aus sechs Soldaten. Zwischenzeitlich hatte die Bundesregierung die Verlegung von insgesamt fünf Flugzeugen nach Afrika geprüft. Dem Kampfgebiet sollen die Transporter aber fernbleiben. Direkte Unterstützung für die französischen Truppen leistet Deutschland zunächst nicht.

Paris, das bis zu 2500 Soldaten in Mali einsetzen will, hatte auch Unterstützung für die französischen Truppen angefragt. Die Bundeswehr soll aber zunächst nur afrikanische Soldaten transportieren. Merkel sagte dazu, die Anfrage Frankreichs sei "sehr breit gefächert" gewesen. Deutschland sei schon in anderen Weltregionen wie Afghanistan stark engagiert.

Zusätzlich zum militärischen Engagement sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) eine Million Euro für humanitäre Hilfe in Mali zu. Das Geld soll vor allem für die Versorgung von Flüchtlingen eingesetzt werden.

Zehntausende Menschen sind in Mali auf der Flucht, rund 150 000 suchten bereits in Nachbarstaaten Zuflucht. Mehrere Hilfsorganisationen wie die Welthungerhilfe wiesen auf die prekäre humanitäre Lage in Mali hin. Vor allem Frauen und Kinder seien bedroht.

fle/DPA/DPA