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Afrikabeauftragter der Bundesregierung: Immer wieder Günter Nooke: die wiederholten Missverständnisse des Merkel-Beraters

Günter Nooke, 62, sorgt mit kontroversen Äußerungen für Schlagzeilen. Schon wieder. Ein CDU-Parteikollege hat als Konsequenz nun das Handtuch geworfen. Wer ist der Mann, der unter anderem die Kanzlerin berät? 

Günter Nooke

Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Afrikabeauftragte der Bundesregierung Günter Nooke

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Fragt man Charles M. Huber, dann leistet sich die Kanzlerin "einen Afrikabeauftragten, der in Bezug auf Afrika überhaupt noch nie positiv in Erscheinung getreten ist". 

Das ist schon mal eine Ansage. Aber sie ist nicht wirklich neu.

Günter Nooke, 62, ist der Afrikabeauftragte der Bundesregierung und persönlicher Berater der Kanzlerin. Immer mal wieder werden Stimmen laut, die das ändern wollen. 

Charles M. Huber hat nun aber selbst Konsequenzen gezogen. Er verlässt die CDU, wie er am Donnerstag mitteilte. Nooke hat es für ihn zu weit getrieben.

Grund für seinen Unmut ist aber nicht das Gespräch mit der "Zeit", in dem Nooke meinte, EU-Staaten hätten "den afrikanischen Regierungen genug Vorträge über moderne Demokratie, Rechtsstaat, Verwaltungsrecht und so weiter gehalten". Auch nicht dessen Äußerung im ZDF-"Morgenmagazin", dass "in afrikanischen Staaten in gewissem Sinne auch autoritärer regiert werden muss." Und auch nicht das Interview mit der "B.Z.", in dem Nooke behauptet hatte, dass die Kolonialzeit dazu beigetragen habe, "den Kontinent aus archaischen Strukturen zu lösen." 

Allesamt kontroverse Aussagen, die Schlagzeilen machten.

Nein, Huber hat es nach einer Wortmeldung des Afrikabeauftragten zur Causa Tönnies gereicht. Der Aufsichtsratschef von Schalke 04 hatte bei einer Festrede etwa gesagt, dass Afrikaner "Kinder produzieren, wenn's dunkel ist". Eine Aussage, die viele als rassistisch empfunden hatten. Der Afrikabeauftragte Nooke erklärte die "angesprochenen Probleme" für "real" und forderte eine kontroverse Debatte.

Oder wie CDU-Aussteiger Huber sagt: "Gibt Flankenschutz für eine diskriminierende, rassistische Äußerung."

Günter Nooke und das wiederholte Missverständnis

Nooke selbst will das nicht so verstanden wissen. "Ich lege Wert darauf, dass ich Herrn Tönnies in keiner Weise verteidigt habe", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Meine Aussage war auch in keiner Weise relativierend gemeint." 

Also alles nur ein Missverständnis? Vielleicht.

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der Afrikabeauftragte kontrovers äußert. Oder womöglich unüberlegt. Auch nach seiner umstrittenen Aussage über den Kolonialismus erklärte Nooke: "Es liegt mir fern, in irgendeiner Weise die Verbrechen der Kolonialzeit zu relativieren." Spürbar verärgert habe er das gesagt, notierte die "Süddeutsche Zeitung", in der Nooke manche Formulierung nochmal erklärte.

"Der Kalte Krieg hat Afrika mehr geschadet als die Kolonialzeit"? Nooke: Der Vergleich komme nicht von ihm, er habe sich auf den britisch-sudanesischen Unternehmer Mo Ibrahim bezogen, ohne ihn sich zu eigen zu machen.

"Afrika ist anders", wegen "Clan-Strukturen", der "Rolle von Stammesführern" und der "Vielzahl an Ethnien und tradierten Verhaltensweisen"? Nooke: "Das heißt doch nicht, dass eine Gesellschaft besser oder wertvoller sein soll als die andere." 

Ist das rassistisch, wird hier Geschichte revidiert?

"Ich will eine faktenbasierte Debatte aus der Mitte heraus", sagte Nooke der "Süddeutschen Zeitung" zur Kritik. "Mir geht es nicht darum, Verbrechen der Vergangenheit zu relativieren oder rassistische Klischees zu bedienen. Das sollte man mir, auch wenn man auf meine Biografie schaut, nicht vorwerfen."

Nooke kam 1959 in Forst (Lausitz) zur Welt, ist Diplom-Physiker, hat den Demokratischen Aufbruch (DA) mitbegründet und war als Bürgerrechtler in der DDR aktiv. Nach der Wende trat er für kurze Zeit den Grünen bei, bevor er 1996 CDU-Mitglied wurde. Von 1998 bis 2005 war er Mitglied des Deutschen Bundestages, war von 2000 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion. 2010 wurde er von Kanzlerin Merkel zum ersten Afrikabeauftragten der Bundesregierung ernannt. 

Ob sich Merkel gut beraten fühlt? "Ja."

"Merkel-Berater Nooke wird zum Problem für die Regierung" – etwaige Schlagzeilen, wie die des "Tagesspiegels", dürften der Kanzlerin wohl nicht gefallen. Trotz Rücktrittsforderungen, die seit jenem umstrittenen "B.Z."-Interview im Oktober 2018 öfter aufkommen, schien sie sich aber dennoch gut beraten zu fühlen. 

Das geht zumindest aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage hervor, über die der "Tagesspiegel" berichtete. Im Februar 2019 wollte die Bundestagsfraktion der Grünen wissen, ob sich die Kanzlerin von Nooke "in Bezug auf den afrikanischen Kontinent sachkundig beraten" fühle. 

Demnach die Antwort der Bundesregierung: "Ja."

Aus ihrer Sicht sei Nooke aber auch weiterhin ein geeigneter Gesprächspartner für afrikanische Regierungen und Organisationen sowie Forscher und wissenschaftliche Einrichtungen, so der "Tagesspiegel". So der Stand vor sechs Monaten.

Nooke bedauere sowohl den CDU-Austritt von Huber als auch seine Äußerungen zu seiner Person. "Wir haben zu seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter gut zusammengearbeitet", sagte er dem RND, "zumindest hat er mich und meine Afrikapolitik in der Vergangenheit nicht kritisiert, sondern eher unterstützt."

Quellen: "Tagesspiegel", "Süddeutsche Zeitung", "Welt", "Die Zeit", "Märkische Allgemeine" (RND), ZDF-"Morgenmagazin", "B.Z."

fs