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MINERALÖLKONZERNE: Eine Preisrunde jagt die andere

Einen Tag nach der jüngsten Preisrunde an den Tankstellen haben die Mineralölkonzerne die Benzinpreise auf einen neuen Rekordwert angehoben.

Einen Tag nach der jüngsten Preisrunde an den Tankstellen haben die Mineralölkonzerne die Benzinpreise auf einen neuen Rekordwert angehoben. Ein DEA-Sprecher sagte am Donnerstagabend, der Preisanstieg um drei Pfennig je Liter Ottokraftstoff sei diesmal von BP ausgegangen. Der Erhöhung hätten sich die anderen Mineralölfirmen angeschlossen. Ein Shell-Sprecher ergänzte, der leichte Rückgang der Preise am Rotterdamer Markt für Raffinerieprodukte vom Vortag habe sich am Donnerstag in einen erneuten Anstieg umgekehrt. ADAC-Präsident Otto Flimm warf den Ölkonzernen »Abzocker-Mentalität« vor.

Nach der neuen Preisrunde kostete der Liter Normalbenzin den Angaben von DEA zufolge durchschnittlich 2,149 Mark, Super 2,189 Mark und schwefelärmeres Super plus 2,279 Mark. Dagegen wurde der Dieselpreis bei rund 1,69 Mark unverändert belassen.

BP begründete die Preisanhebung mit einem höheren Rohölpreis. Allerdings verringerte sich bis zum Donnerstagabend in London der Preis der Markt führenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni um 47 Cent auf 26,82 Dollar je Barrel (das Fass zu 159 Liter). Als weiteren Grund für die neue Preisrunde führte BP-Sprecherin Claudia Braun gestiegene Preise am Rotterdamer Markt für Raffinerieprodukte an.

In Rotterdam erhöhte sich der Preis je Tonne Superbenzin nach Angaben des Shell-Sprechers Rainer Winzenried am Donnerstag um fünf Dollar auf rund 335 Dollar, nachdem er am Vortag um etwa vier Dollar zurückgegangen sei. Als Grund für den erneuten Preisanstieg gelten vor allem Aufkäufe aus den USA, wo die Benzinbestände knapp sind und außerdem die Reise intensivere Jahreszeit für höhere Nachfrage sorgt. Außerdem ist der Benzinmarkt wegen des Ausfalls zweier Raffinerien in Nordengland und auf der Karibikinsel Aruba angespannt.

Rekordpreise nochmal überboten

Am Mittwoch hatten die Mineralölunternehmen die Benzinpreise um fünf Pfennig je Liter und für Diesel um vier Pfennig angehoben, wodurch die über Ostern gerade erst erreichten Rekordpreise noch übertroffen wurden. Nach der Preisrunde, der sich nach Angaben von Esso auch die freien Tankstellen angeschlossen hatten, lag der so genannte Volumen gewichtete Durchschnittspreis für Normalbenzin bei 2,119 Mark je Liter. Super kostete 2,16 Mark, schwefelärmeres Super plus 2,24 Mark und Diesel 1,691 Mark. In dieser gewichteten Rechnung wird auch berücksichtigt, wie viel Sprit zu welchem Preis verkauft wurde.

In Rotterdam hatte sich die Tonne unverbleites Normalbenzin bis Mittwochabend auf 321 Dollar je Tonne verbilligt. Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann hatte dies als Zeichen für ein Ende des Preisanstiegs gewertet. »Der Anstieg ist erst einmal gebremst«, sagte Schulte-Bornemann. Seit Anfang April hat sich Benzin in Rotterdam allerdings um 53 Dollar je Tonne verteuert. Der Anstieg auf dem internationalen Markt sei so groß, dass die bisherigen Preisanhebungen an den Tankstellen nicht ausgereicht hätten, sagte Shell-Sprecher Winzenried.

Scharfe Kritik an Mineralölunternehmen

Nach den Preisanhebungen unmittelbar vor Ostern hatten Politiker und Automobilclubs die Mineralölunternehmen scharf kritisiert und das Bundeskartellamt aufgefordert, deren Verhalten zu untersuchen. Die Kartellbehörde kann jedoch nur einschreiten, wenn sie konkrete Hinweise für wettbewerbswidrige Preisabsprachen hat. Wenn die Tankstellenkonzerne ihre Preise lediglich zur gleichen Zeit anhöben, könne die Behörde nicht tätig werden, hatte ein Behördensprecher erklärt.

ADAC-Präsident Flimm sagte, weder der starke Dollar noch der aktuelle Rohölpreis rechtfertigten eine derart drastische Preispolitik der Mineralölkonzerne. Zudem sei die Steuerpolitik der Bundesregierung für die hohen Spritpreise mitverantwortlich.

Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) teilte unterdessen mit, nach den hohen Verlusten des vergangenen Jahres hätten sich die Erträge der Tankstellen in den ersten drei Monaten 2001 stabilisiert. Im Jahr 2000 schrieben die Tankstellen mit dem Verkauf von Benzin Verluste von rund einer Milliarde Mark.