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Städte, Gemeinden und Landkreise: Sechs Länder wählen ihre kommunalen Parlamente

In Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt entscheiden die Bürger am 13. Juni auch über die Zusammensetzung der kommunalen Vertretungen. Ein Überblick.

In sechs Bundesländern lohnt sich der Weg in die Wahllokale am 13. Juni gleich zweifach: Neben der Europawahl finden dort auch Kommunalwahlen statt. Insgesamt sind dabei rund 17 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen.

Baden-Württemberg

Am Wohnort des für die Kommunen zuständigen baden-württembergischen Innenministers Thomas Schäuble (CDU) müssen die Wähler nachsitzen. Denn ausgerechnet im badischen Gaggenau ist die Gemeinderatswahl wegen fehlerhafter Stimmzettel verschoben worden. Die Wähler dürfen dort im Gegensatz zu den übrigen Kommunen des Südweststaats am kommenden Sonntag nur ihr Kreuzchen für die Europa- und Kreistagswahl machen.

Viele Wähler kommen in Baden-Württemberg bereits mit fertig ausgefüllten Stimmzetteln in das Wahllokal. Die Unterlagen wurden schon einige Zeit vorher verteilt, denn das Kommunalwahlrecht im Südwesten gehört zu dem kompliziertesten in Deutschland. Mit Kumulieren und Panaschieren können die Wähler die Personalplanungen der Parteien und Listen kräftig durcheinander wirbeln. Und weil das Wahlrecht so kompliziert ist, wird mit den Ergebnissen auch erst mehrere Tage nach der Kommunalwahl gerechnet.

CDU mit hauchdünnem Vorsprung 1999

Die Fünf-Prozent-Hürde gilt bei Kommunalwahlen in diesem Bundesland nicht. In 1.110 Kommunen sind über sieben Millionen Bürger zur Stimmabgabe aufgerufen. Neben den Gemeinderäten werden auch in den Landkreisen die 35 Kreistage neu bestimmt. Die Kommunalpolitiker werden für fünf Jahre neu gewählt. Beim letzten Urnengang im Oktober 1999 erreichte die CDU bei den Gemeinderatswahlen mit einem Landesdurchschnitt von 34,0 Prozent der Stimmen einen hauchdünnen Vorsprung vor den traditionell starken Wählervereinigungen, die auf 33,7 Prozent kamen. Die SPD landete damals abgeschlagen mit 19,8 Prozent auf dem dritten Platz. Dann folgten die Grünen mit 3,9 und die FDP/DVP mit 2,3 Prozent der Stimmen. Von ihrem Wahlrecht hatten seinerzeit nur 53 Prozent der Bürger Gebrauch gemacht.

Eine Neuerung gibt es im baden-württembergischen Kommunalwahlrecht: Erstmals dürfen Bewerber zur Kreistagswahl in zwei Wahlkreisen antreten. Genaue Zahlen über die Doppelkandidaturen liegen nicht vor. Vor allem kleinere Parteien sollen von der Änderung profitieren. Und für den Fall der Fälle hat der Gesetzgeber vorgebeugt, falls ein doppelter Kandidat gleich zwei Mal in den Kreistag gewählt wird: Er vertritt dann den Wahlkreis, in dem er mehr Stimmen erhalten hat.

Bei der Neubestimmung der Kommunalparlamente ist nicht nur für die Wahlhelfer, sondern auch schon für den Wähler selbst exaktes Zählen ratsam, um nicht durcheinander zu kommen. Dabei kann jeder nämlich einem Kandidaten bis zu drei Stimmen geben (Kumulieren) und gleichzeitig eine ihm genehme Mischung von Bewerbern verschiedener Parteien und Listen vornehmen (Panaschieren). Der Wähler darf aber nicht mehr Stimmen verteilen, als er hat. Sonst ist der teilweise meterlange Stimmzettel ungültig.

20.000 Mandate zu vergeben

Rund 20.000 Mandate sind in Baden-Württemberg bei den Kommunalwahlen neu zu vergeben. In den Landkreisen geht es um rund 2.300 Kreistagssitze. Dazu kommen noch in 440 Gemeinden Ortschaftsratswahlen für rund 13.000 Mandate in 1.700 unselbstständigen Gemeinden. In der Region Stuttgart wird außerdem noch die Regionalversammlung neu bestimmt.

Die Parteien spielen in den Kommunen oft die zweite Geige - die Persönlichkeit des Kandidaten ist von größerer Bedeutung. Das gilt vor allem in kleinen Städten und Gemeinden. So stellen sich im Südwesten auch rund 100 Frauenlisten zur Wahl. Ebenso tritt der arbeitslose Lehrer, der Bundeskanzler Gerhard Schröder in Mannheim geohrfeigt hat, für die Kreistagswahl auf der SPD-Liste des Wahlkreises Ehrenkirchen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald an. Nach Auffassung der SPD, die ihn nicht mehr streichen konnte, hat er auf Grund seines Listenplatzes jedoch keine Chancen auf Einzug in den Kreistag. Sollte er es dennoch schaffen, wollen ihn die Sozialdemokraten sofort aus ihrer Fraktion ausschließen.
Oliver Schmale/AP

Rheinland-Pfalz

Es geht um rund 33.000 Mandate, es geht um persönliche Schicksale und es geht um die Ausgangsposition für die Landtagswahl 2006. Mehr als 3,1 Millionen Rheinland-Pfälzer sind am kommenden Sonntag aufgerufen, die Parlamente in 2.294 Städten und Gemeinden sowie 24 Landkreisen neu zu wählen. Dazu kommt die Abstimmung über mehr als 2.000 Bürgermeister und Ortsvorsteher, den Landrat im Kreis Alzey-Worms sowie die Zusammensetzung des Bezirkstags der Pfalz.

Die Wähler müssen also eine Menge Kreuze machen, nicht zuletzt wegen des komplizierten Wahlrechts mit Kumulieren und Panaschieren. Als Favorit geht die CDU in die Wahl. Die von Christoph Böhr geführte Landespartei, die vor fünf Jahren mit 46,1 Prozent der Stimmen die bei weitem stärkste Kraft wurde, hat einen intensiven Wahlkampf geführt.

Ein Zurückfallen hinter das Kommunalwahlergebnis von 1999 wäre für Böhr selbst gefährlich. Eine mächtige Minderheit in der rheinland-pfälzischen CDU hält den promovierten Philosophen an der Spitze der Landespartei für eine Fehlbesetzung. Nach der Kommunalwahl will die Partei entscheiden, wer die Union als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2006 führen wird. Ein schwaches Ergebnis könnte Böhr von seinen Gegnern persönlich angekreidet werden.

Hervorragende Chancen für Union

Nach den Umfragen stehen die Chancen der Union hervorragend. Die jüngste Erhebung im Auftrag des Südwestrundfunks sieht die CDU in Rheinland-Pfalz bei 45 Prozent, die SPD bei 34, Grüne und FDP bei jeweils acht Prozent. 1999 hatten die SPD 36,1 Prozent erreicht, die Grünen fünf und die FDP 4,1 Prozent. Diese vier Parteien treten in Rheinland-Pfalz wieder flächendeckend an. Das heißt, sie bewerben sich in allen 24 Landkreisen sowie den zwölf kreisfreien Städten.

Die größte Verunsicherung ist derzeit bei den Sozialdemokraten zu spüren. Die Partei von Ministerpräsident Kurt Beck wäre bereits zufrieden, wenn sie angesichts des bundesweiten Stimmungstiefs für die SPD ihr Ergebnis von 1999 wiederholen könnte. Dagegen geben sich Grüne und FDP ehrgeiziger. Die Liberalen unter der Führung von Rainer Brüderle setzen nicht zuletzt darauf, dass SPD und Grüne für den Frust über die Berliner Reformpolitik abgestraft werden.

Als Wahlziel hat sich die FDP landesweit fünf Prozent vorgenommen. Die Grünen dagegen haben ihren Kommunalwahlkampf sehr eng mit dem Rennen für das Europaparlament verquickt. In den rheinland-pfälzischen Kommunen wollen die Grünen acht Prozent erreichen.

Freie Wähler als große Unbekannte

Die große Unbekannte sind bei der Kommunalwahl die traditionell starken Freien Wähler. Vor allem die Vertreter von CDU und FDP fürchten, dass die auch im bürgerlichen Lager spürbare Verunsicherung den Wählergruppen viele Stimmen bescheren könnte. Bereits bei der Kommunalwahl 1999 kamen die Wählergemeinschaften auf insgesamt 7,5 Prozent und wurden so zur drittstärksten kommunalpolitischen Kraft in Rheinland-Pfalz.
Guido Rijkhoek/AP

Saarland

Kaum ein Laternenpfahl ohne Wahlplakat - die Materialschlacht deutet an, dass es für die Parteien im Saarland am Sonntag um mehr als Kommunal- und Europawahlen geht. Einige Motive könnten denn auch problemlos bis zum 5. September hängen bleiben, wenn die über 800.000 Wahlberechtigten über die Zusammensetzung des Landtags und damit die Regierungsmacht für die nächsten fünf Jahre bestimmen. Vor allem die Opposition hofft auf Rückenwind aus den Gemeinden, um die schwarze Vorherrschaft ins Wanken zu bringen.

Glaubt man jedoch den Umfragen, können die Christdemokraten unter Ministerpräsident Peter Müller den Wahlen gelassen entgegensehen. Die letzte Erhebung vor wenigen Wochen sah die CDU bei satten 54 Prozent, die SPD bei 33, die Grünen bei 5 und die FDP nur bei 3 Prozent. So versuchen alle Konkurrenten, sich durch zunehmend schärfere Angriffe zu profilieren. Spricht die regierende CDU vom "Aufsteigerland", verwandelt SPD-Chef Heiko Maas den Slogan spöttisch in "Aufschneiderland". Müller geriere sich als "Dackel von Stoiber" und vernachlässige das Land, schimpft der Grünen-Vorsitzende Hubert Ulrich, während FDP-Generalsekretär Jorgo Chatzimarkakis dem Regierungschef "Kirmespolitik" vorwirft.

Den populären Ministerpräsidenten scheint dies nicht anzufechten: Ob eine Pfingstwallfahrt oder die Einweihung eines Fußballtors in einer Grundschule - Müller zieht wacker durch das Land, um am Sonntag die kommunale Basis der CDU weiter zu stärken. 1999 hatte seine Partei mit landesweit 45,8 Prozent erstmals seit 15 Jahren wieder die Nase in den Städten und Gemeinden vorn. Die SPD verlor mit 42,3 Prozent ihre führende Stellung. Die 3,9 Prozent der Grünen und die 2,3 Prozent der FDP waren die Vorboten des Scheiterns auch bei der anschließenden Landtagswahl.

Ob sich der Trend dieses Mal wieder umkehrt, wird am Sonntagabend wohl erst nach einigen Stunden klar sein. Zuerst müssen die Stimmen für die Europawahl ausgezählt werden. Außerdem entscheiden die Saarländer nicht nur über 1.806 Mandate in den Kommunalparlamenten, sondern auch über Orts- und Bezirksräte, den Stadtverband Saarbrücken, die Kreistage, mehrere Landräte und den Oberbürgermeister von Saarlouis.

Saarbrücken hofft auf stabile Verhältnisse

Mit besonderem Interesse wird dabei das Ergebnis der Stadtratswahl in Saarbrücken erwartet. In der Landeshauptstadt herrschen seit langem instabile Verhältnisse: Eine rot-grüne Koalition ging ebenso in die Brüche wie ein schwarz-grünes Bündnis. Als Stadtoberhaupt amtiert der grüne Bürgermeister Kajo Breuer, nachdem der SPD-Politiker Hajo Hoffmann als OB suspendiert worden und später nach einer noch nicht rechtskräftigen Verurteilung wegen Untreue zurückgetreten war.

Der neue Oberbürgermeister wird zwar erst im September zeitgleich mit der Landtagswahl bestimmt, doch werben die Parteien schon jetzt mit ihren Spitzenkandidaten. Zumindest diese Plakate mit Sozialdezernentin Charlotte Britz (SPD) und dem Gesundheits-Staatssekretär Josef Hecken (CDU) könnten die beiden großen Parteien nach dem 13. Juni gleich hängen lassen.
Michael Kuderna/AP

Mecklenburg-Vorpommern

Ein widersprüchliches Bild bietet sich wenige Tage vor der am Sonntag bevorstehenden Kommunalwahl in Mecklenburg-Vorpommern. Entgegen aller bisherigen Erfahrungen besteht nach jüngster Umfrage der "Schweriner Volkszeitung" ein rekordverdächtiges Wahlinteresse im Lande. Nur drei Prozent der 1,47 Millionen Wahlberechtigten bezeichnen sich als Nichtwähler, wie die repräsentative Befragung von 3.000 Bürgern ergab. An der letzten Kommunalwahl 1999 hatte sich allerdings nur gut die Hälfte der Stimmberechtigten beteiligt, und der Rostocker Politwissenschaftler Nikolaus Werz sieht keine Anzeichen dafür, dass sich am Sonntag spürbar etwas daran ändern wird.

Zweifel an dem angeblich hohen Kommunalwahlinteresse lässt auch der dramatische Mangel an freiwilligen Wahlhelfern aufkommen, von denen in Mecklenburg-Vorpommern rund 22.000 benötigt werden. Trotz eines dringlichen Appells von Innenminister Gottfried Timm mussten unter anderem in den größten Städten des Landes, Rostock und Schwerin, erstmals Beamte aus den Landesbehörden zwangsverpflichtet werden.

Insgesamt bewerben sich am Sonntag etwa 20.000 Mitglieder von Parteien, Vertreter von Wählergemeinschaften oder auch Einzelkandidaten um die gut 10.000 kommunalen Mandate in zwölf Kreistagen, sechs Bürgerschaften sowie in mehr als 850 Gemeindevertretungen Mecklenburg-Vorpommerns, wie Landeswahlleiter Klaus Hüttebräuker bekannt gab.

Fünf-Prozent-Hürde fällt weg

Erstmals fällt bei Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern die bisherige Fünf-Prozent-Sperrklausel weg, womit die Chancen kleiner Parteien und Wählergruppen für den Einzug in Kreistage und große Stadtvertretungen wächst. Gleichzeitig wurde allerdings für die kommende Legislaturperiode das Kommunalgesetz so geändert, dass zur Bildung einer Fraktion in Kreistagen und größeren Gemeindeparlamenten künftig vier statt der bisher zwei Mandate notwendig sind. Dagegen haben die Grünen beim Landesverfassungsgericht in Greifswald inzwischen Beschwerde eingelegt und bis zur Entscheidung des Gerichts den Erhalt der alten Regelung per einstweiliger Verfügung beantragt.

Was die Wahlaussichten der größten Parteien im rot-rot regierten Mecklenburg-Vorpommern angeht, scheint es ähnlich zu laufen, wie vor fünf Jahren. Die CDU dürfte laut Umfrage wieder klar in den Kreisen dominieren, während SPD und PDS gemeinsam in den größeren Städten des Landes das rote Übergewicht verteidigen könnten. Allerdings zeichnet sich ab, dass dabei die PDS ihre Position als bislang stärkste Partei in Rostock und Schwerin nicht behaupten dürfte.

CDU-Landeschef Eckhardt Rehberg ist sicher, dass seine Partei auch diesmal als stärkste kommunalpolitische Kraft aus der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern hervorgehen wird. Im Jahr 1999 hatte die CDU mit 39,9 Prozent der SPD mit lediglich 24 Prozent eine peinliche Schlappe beschert. Die PDS erreichte mit 21,9 Prozent Rang drei. Die FDP brachte es 1999 auf 4,1 und die Grünen auf 1,9 Prozent der Wählerstimmen. Mit 378 Vertretern in Kreistagen und Bürgerschaften sowie 2.501 in Gemeindeparlamenten kam die CDU 1999 auf mehr Sitze als SPD und PDS zusammen.
Lutz Jordan/AP

Sachsen

In Dresden streiten sich die Kommunalpolitiker um eine neue Elbbrücke, in Leipzig kämpft die FDP unter der Bezeichnung "Soko Filz" um mehr Transparenz im Rathaus und in der Sächsischen Schweiz geht die Angst vor Neonazis um. Ansonsten bietet der sächsische Kommunalwahlkampf landesweit kaum Höhepunkte. "Der Wahlkampf ist ziemlich ruhig", stellte der Dresdner FDP-Stadtrat Jan Mücke fest. Zu der gleichen Einschätzung kommt der Sprecher der Stadt Chemnitz, Andreas Bochmann.

3,6 Millionen Sachsen sind aufgerufen, am 13. Juni in den 22 sächsischen Landkreisen, sieben kreisfreien Städten und den Gemeinden über die Zusammensetzung der Kommunalparlamente neu zu entscheiden. Von besonderem Interesse sind dabei natürlich die großen Städte.

In Dresden verbindet Mücke den Wahlkampf mit dem Projekt neuer Elbübergang, auch Waldschlösschenbrücke genannt. Die Wahl komme einem Volksentscheid gleich. Wenn das Ergebnis im Dresdner Rathaus eine linke Mehrheit zulasse, werde die Brücke nicht gebaut. Bei der Fortsetzung der jetzigen Koalition aus CDU, FDP und DSU könne das Vorhaben umgesetzt werden.

"Gefahr" eines Wahlerfolges der NPD

Ganz andere Sorgen hat der parlamentarische Geschäftsführer der PDS-Landtagsfraktion, Andre Hahn. Der Politikwissenschaftler aus Heidenau, der für seine Partei auch im Kreistag des Landkreises Sächsische Schweiz sitzt, sieht die Gefahr eines Wahlerfolges der rechtsextremen NPD. Sollte die Partei Fraktionsstatus erhalten, und dazu wären drei Sitze notwendig, hätte das für den Ruf der Sächsischen Schweiz verheerende Auswirkungen, denn die Region lebe nun mal vom Tourismus.

Für den Leipziger Politiker und PDS-Fraktionsvorsitzenden im sächsischen Landtag, Peter Porsch, ist eines klar: Die CDU vertraue in Sachsen auf die Kräfte ihrer Beziehungen, und die anderen Parteien seien ziemlich ratlos. Angesichts der schwarzen Wand bleibe nur noch Frust. Das werde gerade in den Städten und Gemeinden deutlich, wo angesichts von Geldknappheit nur noch der Mangel verwaltet werde, sagte Porsch. Er habe die Angst, dass die stärkste Partei die Partei der Nichtwähler sein könnte, und "das wäre für die Demokratie eine Katastrophe". Ihm sei fast schon "wurscht, wen die Leute wählen". Am besten sei natürlich die PDS aber Hauptsache, die Menschen würden überhaupt zur Wahl gehen, sagte der Politiker.

Mancherorts können die Wähler Namen hinzufügen

Unter juristischen Aspekten bietet das sächsische Wahlgesetz eine Besonderheit. Überall dort, wo nur ein Wahlvorschlag einer Partei oder Bürgerinitiative vorliegt, können die Wähler auf dem Wahlzettel drei weitere Namen als Vorschläge hinzufügen. Dies sei in 12 sächsischen Gemeinden der Fall, sagte Michael Lober vom Statistischen Landesamt in Kamenz. Nach seinen Angaben bewerben sich allein für die Kreistage in den 22 Landkreisen neun Parteien und 30 Wählerinitiativen.

Die CDU tritt insgesamt mit 8.775 Kandidaten an, die SPD mit rund 2.000, die PDS mit 1.900, die FDP mit 1.500, und Bündnis 90/Grüne haben zur Kommunalwahl 515 Kandidaten aufgestellt.

1999 gewann die CDU die Wahl in den 22 Landkreisen und sieben kreisfreien Städten Leipzig, Dresden, Zwickau, Chemnitz, Görlitz, Plauen und Hoyerswerda mit einem Landesdurchschnitt von 44,5 Prozent. Die PDS erhielt 19,2 Prozent, die SPD 18,7, die FDP erreichte 5,2 und Bündnis 90/Grüne 3,7 Prozent der Wählerstimmen. Die Wahlbeteiligung lag 1999 bei 53,8 Prozent und damit noch einmal deutlich unter den 66,9 Prozent von 1994.
Frank Ellmers/AP

Sachsen-Anhalt

Das Votum über die Sitze in den 1.163 Kommunen Sachsen-Anhalts könnte maßgeblich von Jugendlichen und den Eltern von Kindern bestimmt werden. Denn junge Leute ab 16 Jahren haben am kommenden Sonntag zum zweiten Mal Stimmrecht bei einer Kommunalwahl in dem ostdeutschen neuen Bundesland. Wahlbeteiligung und Stimmverhalten der insgesamt 70.000 jungen Leute zwischen 16 und 18, bei denen die Unzufriedenheit mit den Politikern als eher hoch gilt, werden daher mit Spannung erwartet.

Aber auch die Kinderstuben im Land könnten für den Wahlausgang ausschlaggebend werden, nachdem ein Volksbegehren für einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung im Kindergarten Erfolg hatte. Weil dabei 260.462 gültige Stimmen für einen Gesetzentwurf zusammenkamen, muss jetzt der Landtag über den Entwurf abstimmen.

Doch Ministerpräsident Wolfgang Böhmer wehrte mit Blick auf die Ebbe in der Landeskasse bereits ab. "Ich denke nicht daran, den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung auszuweiten", sagte der CDU-Politiker und fügte hinzu: "Wenn die Leute dies wollen, dann sollen sie eine andere Regierung wählen." Dabei nicht wenige der insgesamt 2,2 Millionen Wahlberechtigten angekündigt, ihr Votum über die 18 vom Landeswahlausschuss zugelassenen Parteien von deren Haltung zur Volksinitiative abhängig zu machen.

Böhmer muss aufpassen, dass er sich mit seinem Konfrontationskurs gegen die Bürgerinitiative den Bonus des beliebtesten Politikers im Lande nicht verspielt. Immerhin könnte laut jüngster Umfrage des Marktforschungsinstituts IWD die Regierungskoalition deutliche Verluste einfahren. Die CDU käme danach auf 33,4 Prozent der Stimmen und würde 3,9 Prozentpunkte gegenüber der Landtagswahl 2002 und 3,4 gegenüber der letzten Kommunalwahl 1999 verlieren. Die FDP würde von 13,3 auf sieben Prozent abrutschen, läge aber noch über den 5,6 Prozent der Kommunalwahl.

Deutlich zulegen könnten dagegen die Oppositionsparteien. Die SPD würde sich mit 28,6 Prozent um 8,6 Prozentpunkte gegenüber der Landtagswahl, allerdings nur um 0,8 Prozentpunkte gegenüber der Kommunalwahl 1999 steigern. Die PDS wäre mit 23 Prozent gegenüber 20,4 Prozent im Jahr 2002 und 18,4 bei der Kommunalwahl drittstärkste Partei. Die Grünen würden nach der Umfrage 6,6 Prozent einfahren. Bei der Landtagswahl kamen sie nur auf zwei und bei der Kommunalwahl auf 2,5 Prozent.

Indes gibt sich Böhmer kämpferisch. Er setzt auf die 6.500 Kandidaten seiner Partei, "die mit Tatkraft an die Lösung der vielfältigen Probleme in unserem Land gehen". Sachsen-Anhalt wird von einer hohen Arbeitslosigkeit von 20 Prozent und einem Schuldenberg über 17 Milliarden Euro gedrückt.

FDP will stärkster Landesverband werden

So gibt sich die SPD zuversichtlich. Landesvorsitzender Manfred Püchel kritisiert im Wahlkampf "die verfehlte Kommunalpolitik der Landesregierung". Die FDP dagegen setzt auf eine "Denkzettelwahl für Rot-Grün in Berlin". Die Landesvorsitzende Cornelia Pieper, auch Generalsekretärin der Bundes-FDP, will im bundesweiten Vergleich stärkster Landesverband der Liberalen werden und das Ergebnis der Brandenburger Kommunalwahl von 6,3 Prozent überbieten.

Die PDS hat ihre Schwerpunkte auf die "Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen" sowie "günstige Bedingungen für die Klein- und mittelständische Wirtschaft" gelegt. Und die Grünen setzen auf auf "Kinder- und Familienfreundlichkeit sowie auf zukunftsfähige Bildung".
Birgitt Pötzsch/AP

DPA
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(