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Umstrittener Foto-Dienst startet Ende des Jahres: Google macht Ernst mit Street View

Google wird seinen umstrittenen Straßenfotodienst Street View Ende des Jahres in Deutschland starten. Wer sein Haus nicht online sehen will, kann auf verschiedenen Wegen dagegen vorgehen.

Von Ralf Sander

Angesichts der Prügel, die Google für seinen Dienst Street View hierzulande bezogen hat, erschien es durchaus fraglich, ob der Suchmaschinenriese sein umstrittenes Produkt überhaupt in Deutschland veröffentlichen würde. Das US-Unternehmen hat jetzt geantwortet: Google Street View wird in Deutschland Ende des Jahres eingeführt. Einen konkreten Termin gibt es nicht, angepeilt wird der November. Dann sollen die öffentlichen Straßen der 20 bevölkerungsreichsten deutschen Städte virtuell begehbar sein (siehe Kasten). Vorher sollen die skeptischen Deutschen außerdem in einer Art Aufklärungskampagne vorbereitet werden. Auf dass sie die Vorteile von Street View zu schätzen lernen ...

Street View ist ein Bestandteil des Onlinekartendienstes Google Maps, der mit Stadtplänen und Satellitenfotos ein hoch detailliertes Bild unserer Welt zeigt. Die Funktion Street View bietet aus Fotos zusammengesetzte Ansichten von Straßenzügen, aus der Perspektive eines Autofahrers. Der Rundum-Blick zeigt Häuser, Autos und Fußgänger. Der zuständige Google-Manager Raphael Leiteritz nennt das "die letzte Zoomebene". Detaillierter geht es kaum. (Mehr zur Technik im Kasten "So wird Street View gebaut".)

Harte Kritik von Datenschützern

Googles Erfassung der Welt hatte besonders in Deutschland monatelange hitzige Datenschutzdebatten ausgelöst und dem Konzern harsche Kritik eingebracht (siehe Kasten "Kritik an Street View"). Verbraucherschutzminsterin Ilse Aigner rang Google das Versprechen ab, Street View erst dann zu starten, wenn Widersprüche der Bürger berücksichtigt worden seien. Als im Mai auch noch publik wurde, dass die Google-Fahrzeuge "aus Versehen" private Daten aus ungeschützten Wlan-Netzwerken erfasst hatten, hatte die Angst vor der Datenkrake ihren Höhe- und Googles Image seinen Tiefpunkt erreicht.

Um in dieser Atmosphäre des Misstrauens doch noch ein Produkt an den Markt bringen zu können, versucht sich Google in Offenheit. Per Meyerdierks, der Datenschutzbeauftragte der Firma, sagt, Google habe intensiv mit dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar zusammengearbeitet, um die Kritikpunkte bei Google Street View zu beseitigen. Eine Hauptforderung der Datenschützer und der Verbraucherministerin war, jedem Bürger mehr Kontrolle über die Inhalte auf Street View zu verschaffen. Die Privatsphäre der Bürger werde, so Meyerdierks, auf folgende Weise geschützt:

1. Automatische Anonymisierung

Standardmäßig werden in allen Street-View-Versionen auf der Welt die Gesichter von Menschen sowie Autokennzeichen vor der Veröffentlichung automatisch erkannt und durch Verwischen unkenntlich gemacht. Die Software, die das übernimmt, ist aber nicht unfehlbar. In Einzelfällen übersieht sie Menschen und Nummernschilder oder verwischt Motive, die eigentlich unproblematisch sind. Die Fehlerquote schätzt Googles Datenschutzbeauftragter Meyerdierks im niedrigen Prozentbereich.

2. Auf Knopfdruck Alarm schlagen

Am unteren Rand des Darstellungsfensters von Google Street View gibt es einen Link "Probleme melden". Dieser Alarmknopf öffnet ein Formular und soll benutzt werden, wenn Gesichter oder KfZ-Kennzeichen nicht ordnungsgemäß unkenntlich gemacht werden. Auf diesem Weg - und das ist besonders wichtig für die Diskussion in Deutschland - können Eigentümer und Mieter Google auch auffordern, die Fassade des eigenen Hauses zu verschleiern. Meyerdierks verspricht, dass Google die Meldungen zügig bearbeitet.

3. Vorab einer Veröffentlichung widersprechen

Für Deutschland hat Google die Möglichkeit geschaffen, vor dem Start von Street View einer Veröffentlichung von Bildern des eigenen Hauses zu widersprechen. Unter www.google.de/streetview wird es ab kommenden Montag für vier Wochen ein Onlineformular geben, mit dem Mieter und Hausbesitzer in den 20 Street-View-Städten beantragen können, dass ihr Gebäude unkenntlich gemacht wird. Anträge per Post, die in dieser Zeit bei Google eintreffen, werden ebenfalls bearbeitet, verspricht Google-Mann Meyerdierks. Wer bereits einen schriftlichen Antrag eingeschickt hat, muss das Onlineformular nicht noch einmal ausfüllen. Die Vier-Wochen-Frist sei nötig, so Meyerdierks, um die Änderungen zum Start des Produkts einpflegen zu können. Danach bestünde immer die Möglichkeit, die Verschleierung eines Gebäudes direkt in Street View einzufordern (siehe Punkt zwei).

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat die angekündigte Einführung von Google Street View in Deutschland inzwischen als überstürzt kritisiert. "Die Leute wissen gar nicht, was sie da erwartet", sagte Caspar. Es sei es nicht sinnvoll, die Zeit für Widersprüche vor Einführung des Kartendienstes so knapp zu befristen. "Meine Bedenken, das komplexe Widerspruchsverfahren so kurzfristig in Gang zu setzen, wurden leider nicht berücksichtigt", so der für Google zuständige Landesdatenschutzbeauftragte. Er kritisierte zudem, dass bislang keine telefonische Hotline von Google für Anfragen von Bürgern geplant sei.

Schutz vor Missbrauch

Onlineformulare sind schnell ausgefüllt, Links noch schneller angeklickt - wie will Google Missbrauch seiner Meldesysteme verhindern? Wenn Spaßvögel ganze Einkaufszentren verschwinden lassen wollen oder ein Wirt die Konkurrenzkneipe gegenüber? Bei jedem Antrag muss die Postadresse angegeben werden. Die benötigt Google zum einen, um das richtige Gebäude zu identifizieren. Zum anderen wird per Briefpost ein Bestätigungscode an die Anschrift geschickt, den der Auftraggeber online eingeben muss.

Widerstreitende Interessen

Soll das Haus weg oder nicht? Nicht immer wird in dieser Frage Einigkeit herrschen. Googles Regeln für solche Fälle: Bei reinen Wohnimmobilien genügt der Antrag eines Bewohners für die Unkenntlichmachung, auch wenn die anderen mit einer Darstellung in Street View einverstanden sind. Bei Hausfassaden mit deutlich sichtbarer gewerblicher Nutzung soll es einen Mittelweg geben, erklärt Meyerdierks: "Ein Laden mit Schaufenster im Erdgeschoss beispielsweise würde unverändert gezeigt, und wir würden nur die Stockwerke darüber unkenntlich machen, wenn die Bewohner das wünschen." Wie viele Anträge bereits eingegangen sind und wie viele Google noch erwartet, wollte Meyerdierks nicht sagen. Verbraucherministerin Aigner hatte vor einigen Monaten von einer Zahl "im fünfstelligen Bereich" gesprochen. Meyerdierks sagte, diese Größenordnung sei realistisch. Er erwarte, dass der Anteil der Beschwerden im Promillebereich bleiben werde.

Kampagne gegen das Misstrauen

Das erweiterte Meldeverfahren ist Googles Reaktion auf die Forderungen nach mehr Kontrolle für den Nutzer, die von den Datenschutzbeauftragten und Ministerin Aigner erhoben worden sind. Um das Misstrauen der Bürger abzubauen, wird Google außerdem etwas tun, was bisher einmalig in Deutschland ist: Das Unternehmen wird Anzeigen schalten. Auf Papier. Von Donnerstag an werden in regionalen und überregionalen Tageszeitungen und Wochenmagazinen Werbemotive erscheinen, die fünf Fragen zu Google beantworten sollen. "Es ist so viel Falsches über Google berichtet worden", sagt eine Unternehmenssprecherin, "dem wollen wir Fakten gegenüberstellen." Zwei Fragen werden sich mit Googles Geschäftsmodell beschäftigen, drei drehen sich um Street View.

Auch ohne diese vertrauensbildenden Maßnahmen scheinen viele Deutsche das Angebot von Street View längst eifrig zu nutzen. Google-Manager Raphael Leiteritz zitiert aus firmeneigenen Statistiken: "Täglich rufen deutsche Nutzer mehr als eine Million Street-View-Ansichten auf, vor allem in ihren Hauptreisezielen USA, Großbritannien, Italien und Frankreich. Und eine Million Deutsche nutzt mindestens einmal pro Woche eine Street-View-Ansicht." Dann schwärmt er vom praktischen Nutzen. Wie einfach man prüfen könne, ob das Hotel nicht doch an einer vierspurigen Straße liegt. Oder ob ein Restaurant über Parkplätze und einen behinderten freundlichen Eingang verfügt. Und vielleicht könne man in Deutschland auch bald - wie jetzt schon bei Street View in Zürich - auf das Foto einer Bushaltestelle klicken und den dortigen Fahrplan angezeigt bekommen.

Nach der Einführung von Street View sei in den betreffenden Ländern die Nutzung von Google Maps um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen, sagt Leiteritz. Das erklärt, warum Google den ganzen Aufwand betreibt, um Deutschland gnädig zu stimmen. Einen solchen Zuwachs lässt sich kein Unternehmen entgehen, schon gar nicht auf dem größten Markt in Europa.

P.S.: Wie stehen Sie zu Google Street View? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook.

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.