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Gefährlicher als gedacht Hunderte Drohnen aus dem Iran – mit ihnen will Putin die Luftherrschaft über die Ukraine erkämpfen

Masse statt Klasse - der Iran verfügt über einen großen Vorrat an Drohnen jeder Art.
Masse statt Klasse - der Iran verfügt über einen großen Vorrat an Drohnen jeder Art.
© SalamPix/ABACA/ / Picture Alliance
Die ersten Drohnen aus dem Iran sind in Russland angekommen. Angeblich soll es Probleme geben, doch Kiew muss diese Waffen fürchten – auch wenn die Drohnen aus dem Iran nicht so gut sind wie die neuesten US-Modelle.

Seit Wochen wird darüber berichtet, dass Russland Kampfdrohnen aus dem Iran für den Krieg in der Ukraine bekommen wird. Russische Militärs sollen schon im Sommer einen Militärstützpunkt bei Teheran besucht haben, um die Drohnen des Irans in Augenschein zu nehmen. Dann passierte erst mal nichts. Es wurden sogar Spekulationen laut, dass diese Drohnen den Russen so viele Schwierigkeiten machen sollen, dass sie nicht für den Einsatz im Kriegsgebiet geeignet seien.

Solche Meldungen kann man als das sprichwörtliche Pfeifen im Walde bezeichnen. Denn tatsächlich wurde erst Ende August berichtet, dass nun die ersten Drohnen in Russland abgekommen sind. Ein Einsatz bereits eine Woche später, wäre vollkommen unrealistisch. US-Beamte berichteten, dass es Probleme mit der Lieferung gäbe. Grundsätzlich werden diese Drohnen vom Iran bereits genutzt, es ist wenig wahrscheinlich, dass sie dauerhaft nicht einsetzbar sein sollten.

Integration in die Luftabwehr

Die Integration vollkommen neuer Drohnentypen in die russischen Streitkräfte wird Zeit in Anspruch nehmen, selbst wenn Vorarbeiten bereits geleistet worden sind. Putin hat im Iran keine kleinen Mini-Drohnen bestellt, wie man sie häufig in der Ukraine sehen kann, sondern ausgewachsene Kampfdrohnen. Die Drohnen aus dem Iran sind "richtige" Flugkörper. Sie müssen bedient und gewartet werden und vor allem müssen sie in die eigene Luftverteidigung integriert werden. Russland hat eine dicht gestaffelte Luftverteidigung über seinen Truppen aufgebaut, um so den Einsatz der ukrainischen Kampfdrohnen türkischer Bauart zu behindern. Alle Systeme der russischen Luftverteidigung müssen zunächst auf die Neuzugänge aus dem Iran "geeicht" werden, damit die Mullah-Drohnen nicht von den eigenen Raketen vom Himmel geholt werden. Erst wenn dieser Prozess und die Schulung des Personals abgeschlossen sind, werden diese Drohnen über auf dem Schlachtfeld erscheinen.

Schon als die ersten Gerüchte hochkamen, wurde der Kampfwert der iranischen Drohnen herunter geredet. Und tatsächlich werden sie nicht das Niveau der neusten Kampfdrohnen aus USA oder Israel erreichen. Doch das erreichen die von Kiew benutzten Bayraktar-TB2-Drohnen aus der Türkei auch nicht. Und auch ohne technisch High-End zu sein, können diese Drohnen eine wichtige Rolle in dem Krieg spielen.

Die Menge macht es 

Von Stalin stammt der Satz: "Quantität hat seine eigene Qualität." Und das gilt für den Drohnen-Import aus dem Iran. Denn Putin will nicht drei oder vier Drohnen importieren, auch nicht ein oder zwei Dutzend. Der Iran soll bereit sein, Hunderte von Drohnen zu liefern. Mit dieser Menge könnte Moskau endlich die Luftherrschaft über der Ukraine erringen. Ein solcher Zustrom an Drohnen würde es möglich machen, alle Einrichtungen der Luftabwehr der ukrainischen Streitkräfte konsequent anzugreifen und auszuschalten. Die zu erwartenden Verluste würde Moskau einfach wegstecken können. Diese Drohnenschwärme wären dann auch das Mittel, mit dem Russland versuchen wird, der Raketenwerfer und der Präzisionsartillerie Herr zu werden, die die USA Kiew geliefert haben.

Schon die erste Lieferung sollen Drohnen der Shahed-Baureihe (Typen 129 und 191) und Modelle vom Typ Mohajer-6 enthalten. Die Drohne Mohajer-6 dient vor allem der Überwachung und der Zielaufklärung dienen, dazu kann sie zwei kleinere Präzisionsraketen mitnehmen. Ihre Nutzlast beträgt nur etwa 20 Kilogramm. Mohajer-6 soll bis zu 12 Stunden in der Luft bleiben können, sie kann Infrarot-Bilder aufnehmen und besitzt einen Laserentfernungsmesser.

Drohnen entsprechen der BT-2

Die Drohnen Shahed-129 und Shahed-191 sollen von russischen Experten auf dem Luftwaffenstützpunkt Kashan bei Teheran geprüft worden sein. Die Shahed-129 ist deutlich von der israelischen Drohne Hermes 450 und der MQ-1 Predator der USA "inspiriert". Ihr Flugdauer liegt bei 24 Stunden, die militärische Nutzlast bei über 400 Kilogramm. Die Reichweite soll relativ groß sein, das dürfte in die Ukraine allerdings nicht von Belang sein. Wird die Drohne von einer Bodenstation und nicht aus der Luft gesteuert, kann sie nur bis zu 200 Kilometer Entfernung von der Station oder einem Signalverstärker genutzt werden. Die Weiterentwicklung Shahed-191 soll bereits Stealth-Eigenschaften besitzen. Angeblich ist sie ein Nachbau der RQ-170 Sentinel-Drohne aus den USA. Neben diesen großen Kampfdrohnen baut der Iran eine Vielzahl von Kamikaze-Drohnen. Sie könnte Moskau für Präzisionsschläge nutzen - als billigen Ersatz für die eigenen Cruisemissiles.

Ukraine-Krieg: Bundeswehr-General über Gegenoffensive gegen Russland

Sehen Sie im Video: Die Vorstöße der ukrainischen Truppen haben laut Einschätzung von Bundeswehr-Brigadegeneral Christian Freuding bedeutsame Auswirkungen auf den gesamten Krieg. Die Ukraine habe örtliche Überlegenheiten und gehe taktisch geschickt vor.

Trotz der unverhohlenen Drohungen aus den USA hat der Iran diese Drohnen geliefert. Und nichts spricht dafür, dass Teheran das Programm stoppen wird. Für Putin heißt das: Die Rüstungsindustrie eines großen Landes ist bereit, für seine Kriegsmaschine zu arbeiten. Der Iran selbst unterliegt seit Jahren strengen Sanktionen seitens der USA und ihre Verbündeten. Das bedeutet, die iranische Rüstungsindustrie ist sanktionsfest.

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