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Berliner Ex-Rapper: Neue Botschaft von IS-Terrorist Denis Cuspert aufgetaucht

Er ist Deutschlands bekanntester IS-Terrorist und war schon mehrfach totgesagt: Denis Cuspert hat sich mit einem Internetvideo möglicherweise zurückgemeldet. Die Botschaft des früheren Berliner Rappers ist überraschend defensiv.

Denis Cuspert im "al-Hudhud"-Video

"Habt Ihr gewusst?": Denis Cuspert im "al-Hudhud"-Video

Der Berliner Dschihadist Denis Cuspert hat womöglich ein neues Lebenszeichen geschickt: In einem Video, dass der deutsche IS-Medienkanal "al Hudhud" am Montag im Internet veröffentlichte, ist unverkennbar die Stimme des früheren Rappers Deso Dogg zu hören. Zudem wird der Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers mehrfach eingeblendet. Der mehr als fünf Minuten lange Film trägt den Titel : "Abu Talha al-Almani - 'Habt Ihr gewusst?'"

Abu Talha al-Almani (al-Almani = der Deutsche) ist der Name, unter dem Cuspert seit Jahren in Syrien für den Islamischen Staat aktiv ist. In dem nun aufgetauchten Video verkündet der 41-Jährige mit sanfter Stimme, unterlegt von arabischer Musik, eine überraschend defensive Botschaft. Während Cuspert in früheren Videos um neue Rekruten warb, Leichen von Feinden schändete, dem Westen mit Terror drohte oder zu Anschlägen in Europa aufrief, beklagt er diesmal vor allem die fehlende Unterstützung für die Familien ausgereister oder gefallener IS-Kämpfer. Die Botschaft vermittelt fast den Eindruck von Untergangsstimmung: Die IS-Kämpfer sterben und wollen vor dem Ende noch für die Versorgung ihrer Angehörigen sorgen.

Cuspert verspricht "gewaltigen Lohn"

"Diese Nachricht ist von einem Löwen für die Unterstützer der Familien derjenigen, die ausgewandert sind, und eine Nachricht gegen diejenigen, die es unterlassen haben", sagt der Deutsche in dem mehr als fünf Minuten langen Film. Als Löwen bezeichnen die Terroristen des sogenannten Islamischen Staates sich selbst.

"Habt Ihr gewusst?", fragt Cuspert in der Aufnahme immer wieder vorwurfsvoll, "habt Ihr gewusst, dass ... es Männer gibt, die aufmarschiert sind, und ihre Frauen und Kinder zurückließen, und keiner sich um sie kümmert?" Geschwister würden tagein, tagaus gequält. Löwen hätten ihre Familien zurückgelassen und seien gefallen oder eingesperrt worden und müssten sogar die Ungläubigen um Hilfe bitten, weil die Gemeinschaft der Muslime sie im Stich gelassen habe.

Denjenigen, "die sich um die Witwen und Weisen der edlen Löwen kümmern", kündigt Cuspert einen "gewaltigen Lohn" an. "Vom Boden der Ehre, aus dem Schützengraben" verspricht der Terrorist allen, die den Familien derer, "die auf Allahs Weg ausgewandert sind", Allahs Erbarmen.

Datum der Aufnahme ist unklar

Die Bilder, mit denen Cusperts Botschaft in dem Film untermalt wird, sind zum Teil friedlich, ja fast idyllisch und zeigen Kinder beim Spielen oder Schlafen, die Verteilung von Nahrungsmitteln und einen Dschihadisten, der Autofahrern zuwinkt. Dazwischen sind aber auch immer wieder brutale oder bedrückende Szenen zu sehen: ein Gefecht, ein sterbender Kämpfer, Muslime in einem Gefängnis oder eine blutige Kinderleiche.

Wann das Video und Cusperts Audiobotschaft aufgenommen wurden, und ob sie tatsächlich neu sind, ist unklar. Einen Bezug zu konkreten aktuellen Ereignissen gibt es in dem Film nicht. Es könnte sich daher auch um eine alte, von "al-Hudhud" erst jetzt veröffentlichte Konserve handeln. Die bislang letzte Nachricht des Deutschen stammte aus dem Frühjahr 2016. In einem Naschid, ein Lied, das die Taten der Dschihadisten verherrlicht, rief er zu Anschlägen in Europa auf und sang von "Bomben in Berlin". In den damaligen Aufnahmen war Cuspert nicht zu sehen, aber seine Stimme war, wie auch in dem jetzt veröffentlichten Video, gut zu erkennen. Doch auch bei der Botschaft von 2016 ist nicht klar, wann sie tatsächlich aufgenommen wurde.

Cuspert ist in den vergangenen Jahren mehrfach für tot erklärt worden, zuletzt nach einem Luftangriff im Oktober 2015 vom US-Verteidigungsministerium. Doch die Todesnachrichten erwiesen sich immer wieder als unhaltbar. Auch das Pentagon musste sich im August 2016 korrigieren: "Es scheint jetzt, dass diese Einschätzung inkorrekt war und Denis Cuspert den Luftangriff überlebt hat", erklärte ein Ministeriumssprecher damals. Zweifelsfreie Beweise, dass Denis Mamadou Gerhard Cuspert, wie der Deutsche mit vollem Namen heißt, noch am Leben ist, fehlen allerdings ebenfalls. Daran ändert auch das nun veröffentlichte Video nichts.

Jürgen Todenhöfer exklusiv im stern: Seine lebensgefährliche Reise ins Kalifat