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Dramatische Szenen: Mazedonien attackiert Flüchtlinge mit Tränengas und Blendgranaten

Es sind schlimme Szenen, die sich an mazedonischen Grenze abspielen. Die Polizei versucht mit Tränengas und Blendgranaten die Flüchtlinge zu stoppen und lässt nur noch vereinzelt Einwanderer ins Land.

Dramatische Szenen an der mazedonischen Grenze zu Griechenland

Weinende Kinder, verzweifelte Erwachsene: An der mazedonischen Grenze spielen sich dramatische Szenen ab.

Sie kommen aus dem Krieg und was sie in Europa erwartet, ist ebenfalls blanke Gewalt: Mazedonische Sicherheitskräfte gingen an der Südgrenze des Landes mit Tränengas und Blendgranaten gegen Flüchtlinge vor, mindestens acht Menschen wurden verletzt. Bulgarien kündigte einen verstärkten Schutz seiner südwestlichen Grenze an.

Mazedonien hat seine Grenze zu Griechenland weitgehend abgeriegelt und lässt nur noch vereinzelt "verletzliche" Flüchtlinge ins Land. Eine "begrenzte Zahl" Einwanderer werde hereingelassen und versorgt - soweit dies die Kapazitäten des Landes zuließen, teilte das Innenministerium am Freitag mit. 

Kurz nach der Erklärung des mazedonischen Innenministeriums durften etwa 500 Menschen, meist Familien und Schwangere, die Grenze passieren. In den vergangenen 24 Stunden seien 181 Einwanderern "aus verletzlichen Kategorien" Reisepapiere ausgehändigt worden, teilte das Ministerium mit. Die meisten von ihnen kamen demnach aus Syrien.

Mazedonien verhängt Ausnahmezustand

Mehr als 3000 Menschen stecken teils seit Tagen im Niemandsland fest. Bislang hatte die Regierung in Skopje täglich im Schnitt 1300 Flüchtlinge ins Land gelassen und mit Papieren für die Zugfahrt nach Serbien ausgestattet, von wo es weiter in EU-Länder wie Deutschland oder Schweden gehen soll. Am Donnerstag hatte die Regierung dann den Ausnahmezustand verhängt und Bereitschaftspolizisten an die Südgrenze geschickt.


In der Nacht zum Freitag wurde die Polizeipräsenz an der Grenze verstärkt, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Bereitschaftspolizisten feuerten Blendgranaten ab und setzten ihre Schlagstöcke ein, als hunderte Flüchtlinge, darunter Frauen und Kinder, über die gerade mit Stacheldraht befestigte Grenze klettern wollten. Mindestens acht Menschen wurden verletzt, wie Hilfsorganisationen und Reporter berichteten. Ein Sprecher des mazedonischen Innenministeriums bestritt die Angaben. 

Hilfsorganisationen verurteilen Vorgehen

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen verurteilte das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Die Schließung von Grenzen und der Einsatz von Gewalt seien keine Lösung, "sondern führen zu einer humanitären Krise auf der anderen Seite der Grenze". Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty kritisierte den "paramilitärischen" Einsatz der Sicherheitskräfte gegen Flüchtlinge.


Nach der Schließung der mazedonischen Südgrenze erwägt nun Bulgarien, den Schutz seiner südwestlichen Grenze durch die Entsendung von Soldaten zu verstärken, um aus Griechenland kommende Flüchtlinge zu stoppen. "Die Streitkräfte würden gemeinsam mit der Grenzpolizei die Grenzkontrollen verstärken", teilte das Verteidigungsministerium am Freitag in Sofia mit. Noch sei kein "ernsthafter Anstieg" der Flüchtlingszahlen verzeichnet worden, erklärte Innenministerin Rumjana Baschwarowa. Gleichwohl sei gemeinsam mit Ministerpräsident Boiko Borissow über zusätzliche Vorkehrungen beraten worden.

30 Kilometer langer Grenzzaun soll Flüchtlinge stoppen

In Sofia wird befürchtet, die Flüchtlinge würden nach der Abriegelung der mazedonischen Grenze nun versuchen, weiter östlich über die bulgarische Grenze zu gelangen. Die meisten Flüchtlinge kamen bislang über die Türkei nach Bulgarien. Dort wird derzeit ein 30 Kilometer langer Grenzzaun ausgebaut, tausend zusätzliche Polizisten sichern die Grenze ab.

Die mazedonisch-griechische Grenze ist einer von vielen Brennpunkten der gegenwärtigen Flüchtlingskrise. Um die Weiterreise der Einwanderer aus Griechenland und Italien weiter Richtung Norden zu stoppen, fordern Deutschland und Frankreich die Einrichtung von Auffanglagern, sogenannten Hotspots. Flüchtlingsorganisationen wie Pro Asyl lehnen solche Pläne ab.

Der UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres forderte Europa unterdessen auf, seine Einstellung zur Einwanderung zu überdenken. Europa müsse erkennen, dass es angesichts niedriger Geburtenraten auf Zuwanderung angewiesen sei, sagte er der Nachrichtenagentur AFP im UN-Sitz in Genf. "Diejenigen, die von dieser Situation des Leugnens profitieren, sind die Schmuggler und Schleuser."

jek / AFP