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Treffen in Camp David Darum geht es beim G8-Gipfel


Sparkurs, Afghanistan-Einsatz, Syrien-Konflikt - das sind die Hauptthemen des Gipfelmarathons der wichtigsten Staatenlenker der Welt. Los geht es mit dem G8-Treffen, auf dem Streit bereits jetzt absehbar ist.

Eine solche Gipfelserie hat es bisher nur selten gegeben: Innerhalb von sechs Tagen treffen sich ab diesem Freitag die Staats- und Regierungschef der G8, der Nato und der EU zu Beratungen in Camp David, Chicago und Brüssel. Von der Euro-Krise bis zum Syrien-Konflikt stehen dabei alle wichtigen internationalen Themen auf der Tagesordnung. Insgesamt werden weit mehr als 60 Staats- und Regierungschefs teilnehmen.

Der Gipfelmarathon beginnt am Freitagabend in Camp David, dem Landsitz des US-Präsidenten rund 100 Kilometer nördlich von Washington. Hauptthema beim Treffen der Gruppe von acht großer Industriestaaten wird die Wirtschafts- und Finanzpolitik sein. Daneben wird es um weitere Anstrengungen für den Klimaschutz, Hilfe für Afrika, die Konflikte in Syrien und Afghanistan sowie den Atomstreit mit dem Iran gehen.

Zur G8 gehören die USA, Kanada, Japan, Russland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Auch die Spitze der Europäischen Union sitzt am Verhandlungstisch.

Die EU ist sich uneins, Putin hat abgesagt

Die USA drängen die Europäer zu mehr Reformen und Wachstumsimpulsen. Die EU will auf dem Treffen der Acht ihren Konsolidierungskurs verteidigen, ist sich selbst aber nicht einig. Erstmals nimmt der französische Präsident François Hollande, der mit dem Fiskalpakt der EU nicht einverstanden ist, an einem internationalen Gipfel teil.

Abgesagt hat dagegen der neue russische Präsident Wladimir Putin, der sich von Ministerpräsident Dmitri Medwedew vertreten lässt. Bei Themen wie dem Syrienkonflikt und dem Atomstreit mit dem Iran, bei denen Russland eine wichtige Rolle spielt, werden daher keine wesentlichen Fortschritte erwartet.

Hilfen für Afrika und ziviler Aufbau in Afghanistan

Die G8 will auch über die Verlängerung eines Programms gegen Hunger in Afrika beraten, das sie 2009 für zunächst drei Jahre beschlossen hatte. Damals waren dafür 22 Milliarden US-Dollar zugesagt worden. Die internationale Entwicklungsorganisation One hatte höhere Hilfszusagen für die ärmsten Länder der Welt angemahnt. "Die Lage ist weiter dramatisch", sagte Deutschland-Chef Tobias Kahler. "Über eine Milliarde Menschen gehen immer noch jeden Abend hungrig ins Bett."

Zudem stehen auf dem Gipfelprogramm die zivile Hilfe für Afghanistan und Wirtschaftshilfe zur Unterstützung des Arabischen Frühlings auf der Tagesordnung.

Ab Sonntag tagt die Nato

Der Afghanistan-Einsatz ist auch das Kernthema des Nato-Treffens, das unmittelbar nach dem G8-Gipfel in Chicago beginnt. Am 20. und 21. Mai findet der bisher größte Nato-Gipfel in der Heimatstadt von US-Präsident Barack Obama, statt. Die 28 Mitgliedstaaten wollen über den Abzug aus Afghanistan und die Hilfe für das Land nach dem Ende des Kampfeinsatzes 2014 beraten. Daneben soll es um den Aufbau eines Raketenabwehrsystems in Europa, die gemeinsame Finanzierung großer Rüstungsprojekte und nukleare Abrüstung gehen. Zu dem Gipfel sind auch die mehr als 20 weiteren Truppensteller in Afghanistan sowie weitere Partnerländer der Nato eingeladen.

Deutschland will nach 2014 Afghanistan unterstützen

Die Nato-Partner wollen 3,1 Milliarden Euro für die Finanzierung der afghanischen Streitkräfte nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes zur Verfügung stellen. Deutschland will sich daran mit 150 Millionen Euro im Jahr beteiligen. Der Rückzug aus Afghanistan, der derzeit knapp 130.000 Mann starken Kampftruppen aus 50 Staaten soll wie geplant bis Ende 2014 erfolgen. Danach sollen nur noch Ausbilder und Berater im Lande bleiben.

Die Bundesregierung kündigte unterdessen an, auch nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes in Afghanistan 2014 um die 430 Millionen Euro pro Jahr in Wiederaufbau und Entwicklung des Landes investieren. "Wir wollen die Unterstützung zunächst auf dem bisherigen Niveau fortsetzen", sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) der Nachrichtenagentur DPA.

Gipfelergebnisse für Obamas Zukunft entscheidend

Russlands Präsident Putin wird neben dem G8-Treffen auch dem Nato-Gipfel fernbleiben. Somit fällt in Chicago ebenfalls ein wichtiges Thema flach: Die Frage, wie man Russland in die europäische Raketenabwehr einbinden kann, wird weiter vertagt. Bis zur US-Präsidentschaftswahl wird es wohl keine Annäherung mehr geben. Die Nato wird nun in Chicago lediglich die erste Einsatzbereitschaft des Abwehrsystems verkünden, dass 2020 komplett sein soll.

Dass die Ergebnisse den Aufwand des Gipfelmarathons auch rechtfertigen, ist vor allem für einen wichtig: US-Präsident Barack Obama, der wenige Monate vor den Präsidentschaftswahlen im November die Chance hat, sich zu profilieren.

lin/DPA DPA

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