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14. März 2011, 20:16 Uhr

Alte AKW müssen vom Netz

Spektakuläre Kehrtwende in der Energiepolitik: Die Katastrophe von Japan bewegt Berlin zum Stopp der AKW-Laufzeitverlängerung. Mehrere alte Meiler müssen nun vom Netz, darunter Neckarwestheim 1 in Baden-Württemberg.

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Das AKW Krümmel gilt als störanfällig und ist ein Kandidat für eine mögliche vorzeitige Abschaltung© Marcus Brandt/DPA

Die Bundesregierung rückt von der Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke ab: Unter dem Eindruck der Jahrhundertkatastrophe in Japan werden mehrere deutsche Meiler in Kürze vom Netz genommen. Das ist letztlich die Konsequenz des von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag angekündigten Moratoriums für die erst im Herbst beschlossenen längeren Atom-Laufzeiten. Es soll drei Monate gelten.

So wird das seit 1976 laufende Atomkraftwerk Neckarwestheim 1 in Baden-Württemberg abgeschaltet, wie Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) in Berlin deutlich machte - kurz vor wichtigen Wahlen in drei Bundesländern. Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) will das umstrittene Kernkraftwerk Isar I abschalten. Und der umstrittene südhessische Atommeiler Biblis A geht nach Angaben der hessischen Landesregierung im Juni für eine Revision vom Netz. Biblis hat damit die schon von Rot-Grün festgelegte Betriebszeit erreicht. Die Landesregierung will eine Verlängerung nur dann in Anspruch nehmen, wenn dies nach dem Moratorium noch möglich ist.

Röttgen sagte, er gehe davon aus, das, was in Folge des Moratoriums einmal vom Netz sei, nicht wieder ans Netz gehe. Trotz der Abschaltungen sei die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet, hieß es. Nach dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) angekündigten dreimonatigen Aussetzen der von Schwarz-Gelb beschlossenen Laufzeitverlängerung verloren die Aktien der Atomkonzerne Eon und RWE am Montag kräftig.

Mit der Laufzeitverlängerung hatten Union und FDP jedem der 17 Atomkraftwerke bestimmte neue Reststrommengen zugestanden. Dies ergab in Jahre umgerechnet für die sieben bis 1980 ans Netz gegangenen AKW acht Jahre längere Laufzeiten und für die anderen 14 Jahre mehr.

Sicherheit soll überprüft werden

Mit den Entscheidungen vom Montag deutet sich eine Zäsur in der schwarz-gelben Atompolitik an. Kanzlerin Merkel sagte: "Damit kein Zweifel entsteht: Die Lage nach dem Moratorium wird eine andere sein als die Lage vor dem Moratorium." Angesichts der Katastrophe in Japan will Merkel auch auf internationaler Ebene eine Debatte über die Kernkraft. "Sicherheit steht über allem", sagte Merkel. "Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen."

Solche Erdbeben und Flutwellen wie in Japan seien in Deutschland zwar nicht wahrscheinlich, sagte die Kanzlerin. Dennoch zeigten die Ereignisse in Japan, dass für unmöglich gehaltene Risiken eintreten könnten. Deshalb sollen alle Meiler im Lichte der Erkenntnisse aus Japan von unabhängigen Experten geprüft werden. "Es gibt bei dieser Sicherheitsprüfung keine Tabus." Dabei gehe es zum Beispiel um die Kühlsysteme. Erst dann folgten Entscheidungen.

Die Spitzen der Koalitionsfraktionen unterstützen die Regierungsvereinbarung für ein Moratorium bei der Verlängerung der Atomlaufzeiten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur halten sie grundsätzlich aber an dem schwarz-gelben Energiekonzept fest, das auf lange Sicht noch einen Mix aus Kernenergie und alternativen Energiequellen vorsieht. In den Fraktionsvorständen von CDU/CSU und FDP wurde am Montag über einen entsprechenden gemeinsamen Antrag beraten, der bei der Debatte im Bundestag über die Folgen von Japan eingebracht werden soll.

Röttgen: "Beherrschbarkeit in Frage gestellt"

Röttgen sagte: "Erstens bedeutet die Erfahrung von Japan, dass Verlängerung von Laufzeiten Verlängerung von Restrisiko ist. Und Restrisiko ist seit Japan nicht mehr nur eine statistische Größe, sondern eine schreckliche Lebenserfahrung." Damit sei "die Beherrschbarkeit der Technologie grundlegend infrage gestellt". Röttgen hatte sich im Herbst innerhalb der Koalition für kürzere Restlaufzeiten eingesetzt. Die Frage, grundsätzlich von der Kernkraft abzurücken, sei ein Thema, das zur Debatte stehe.

Merkel will am Dienstag mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atommeilern sprechen. Für die Aussetzung der Laufzeitverlängerung ist nach Merkels Ansicht keine Gesetzesänderung nötig. Über die Pläne für die Abschaltung älterer Anlagen will sie erst mit den Energiekonzernen reden, voraussichtlich am Freitag will Merkel dann im Bundestag eine Regierungserklärung abgeben.

ben/DPA
 
 
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