Ungewöhnlicher Gast
Wal nach Besuch in Wismar wieder aufgetaucht

Es handelt sich um einen zehn bis zwölf Meter langen Finnwal. Foto: Tom Schultz/WISMAR.FM/dpa
Es handelt sich um einen zehn bis zwölf Meter langen Finnwal. Foto
© Tom Schultz/WISMAR.FM/dpa
Ein Großwal verirrt sich in den Wismarer Hafen – und wird von einem Netz befreit. Meeresschützer wollen dem Tier weiteren Ballast abnehmen. War der Wal zuvor schon in der Flensburger Förde?

Nach seinem aufsehenerregenden Besuch im Wismarer Hafen ist ein Finnwal wieder in der Lübecker Bucht aufgetaucht. "Wir haben es jetzt geschafft, den Wal zu finden", sagte Florian Stadler von der Meeresschutz-Organisation Sea Shepherd. Demnach ist ein Team mit dem Schiff "Triton" am Mittwoch wieder ausgelaufen, nachdem es zuvor schon aus Wismar kommend nach Travemünde zurückgekehrt war. 

Die Meeresschützer wollten den großen Meeressäuger von einer Leine befreien, die sich am vorderen Teil des Körpers als Rest eines Stellnetzes befindet. Dies könnte gegebenenfalls auch von einem kleineren Polizeiboot aus erfolgen, das ebenfalls in der Bucht unterwegs sei.

Am Dienstag hatte die Feuerwehr nach Angaben der Stadt Wismar von einem Boot aus das schätzungsweise zehn bis zwölf Meter lange Tier von dem Netz befreit, in dem es sich verheddert hatte. Zahlreiche Schaulustige hatten sich im Hafen von Wismar versammelt.

Die verbliebene Leine könnte laut Sea Shepherd zum Problem werden, wenn der Meeressäuger weiter wächst. Nach Aussage Stadlers muss man aber sehr behutsam mit dem ohnehin gestressten Tier umgehen. Nach Rücksprache mit dem Deutschen Meeresmuseum passe man die Taktik an. Statt sich gegebenenfalls mit einem Taucher zu nähern, wolle man die Leine von einem Boot aus mit einem an einem Stab befestigten sogenannten Line Cutter durchtrennen. "Das ist im Endeffekt ein Haken, auf dessen Innenseite ein Messer ist." Außen sei der Haken stumpf und rund. 

Stress für großen Meeressäuger

Der Finnwal sei am Dienstag sehr gestresst gewesen, weshalb eine weitere Annäherung zur Entfernung der Leine nicht funktioniert habe. "Deswegen wurde das Tier gestern Abend beobachtet, bis es dunkel geworden ist und dann in Ruhe gelassen", sagte Stadler. "Da befand es sich aber noch in der Nähe vom Hafen."

Auch die Biologin Lisa Klemens vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund war am Dienstag an Bord der "Triton". "Finnwale sind schon seltene Gäste", sagte sie. Sie seien in der Ostsee nicht heimisch. Hier sei etwa der Salzgehalt nicht der richtige. "Auch die Nahrung ist nicht die optimale." Finnwale ernährten sich von Plankton - winzig kleinen Meeresorganismen. "Aber die verspeisen auch gerne ab und zu mal kleine Fische, wie zum Beispiel Heringe oder Sprotten." Es könne sein, dass der Finnwal Fischen gefolgt sei, die zum Laichen in die Ostsee gezogen sind - etwa Heringen.

War der Wal vorher in der Flensburger Förde?

"Umso schneller er wieder raus zum Atlantik kommt, umso besser." Finnwale lebten normalerweise in Polarregionen, ziehen demnach aber etwa zur Fortpflanzung in wärmere Gewässer. Solche Großwale seien eigentlich die unendlichen Weiten großer Gewässer gewohnt. Der Aufenthalt im Hafenbecken habe das Tier schon allein deshalb gestresst. Finnwale seien es etwa nicht gewohnt, auf der Stelle zu wenden. "Es war eng, es war flach und dann war es auch noch unheimlich laut" - wegen der Schiffe.

Das Tier sei wahrscheinlich schon geschwächt. "Und hier bei uns in der Ostsee findet es sowieso schon nicht genug Nahrung."

Erst Anfang des Jahres war wiederholt ein Finnwal in der Flensburger Förde in der westlichen Ostsee gesichtet worden. Er lockte Neugierige auf die Spazierwege, Molen und Uferpromenaden in und um Flensburg. Könnte das Tier nun in Wismar aufgetaucht sein?

"Das können wir leider nicht so genau sagen, weil er uns gestern leider nicht so wirklich seine Rückenfinne gezeigt hat, mit der wir praktisch eine Abstimmung oder einen Abgleich hätten machen können", sagte Klemens. "Aber es könnte schon sein. Also es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass es das Tier sein kann."

dpa