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+++ Ukraine-Newsticker +++: Krim stimmt für Russland-Beitritt

Die Bewohner der Krim haben gewählt, die Hälfte der Stimmen ist ausgezählt. 95,5 Prozent votieren demnach für den Anschluss an Russland. Ein Rückblick auf die Ereignisse des Tages im Newsticker.

Russische Flaggen in der Regionalhauptstadt Simferopol: Die Bewohner der Krim haben sich für einen Anschluss an Russland ausgesprochen.

Russische Flaggen in der Regionalhauptstadt Simferopol: Die Bewohner der Krim haben sich für einen Anschluss an Russland ausgesprochen.

+++ 21.50 Uhr: Vorläufiges Ergebnis liegt bei 95,5 Prozent +++

Etwa die Hälfte der Stimmen ist ausgezählt. Der Wahlleitung zufolge haben demnach 95,5 Prozent der Krim-Bewohner für einen Beitritt zu Russland votiert. Die Wahlbeteiligung habe bei etwa 82 Prozent gelegen.

+++ 21.20 Uhr: Krim-Parlament will am Montag Beitritt beantragen +++

Schon am Montag will das Parlament der Krim die Aufnahme in die Russische Föderation beantragen. Man werde dafür zu einer Sondersitzung zusammenkommen, kündigt der prorussische Regional-Regierungschef Sergej Aksjonow an: "Wir wollen so schnell wie möglich vorankommen, dabei aber das rechtmäßige Verfahren einhalten."

+++ 21.09 Uhr: Feiern und Uniformen auf der Krim +++

Auf der Krim wird gefeiert. "Wir sind zu Hause" prangt in grünen Buchstaben auf dem Regierungssitz in Simferopol. Russische Popstars singen auf einer Bühne, wohl mehr als 10.000 Menschen jubeln ihnen zu. "Russland, Russland", skandieren sie. Autokolonnen fahren durch die Stadt und spielen die russische Nationalhymne ab.

Männer in Uniformen ohne Hoheitsabzeichen haben auf der Halbinsel die ukrainischen Kasernen umstellt - mit großer Wahrscheinlichkeit russische Soldaten. Zudem bewachen prorussische Schlägertrupps und Kosaken mit Peitschen im Gürtel wichtige Gebäude. Maskierte mit Maschinenpistolen beobachten den Verkehr.

+++ 20.41 Uhr: Steinmeier kündigt "klare Antwort" der EU an +++

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kritisiert die Abstimmung auf der Krim und kündigt eine deutliche Reaktion der EU an. "Auf das völkerrechtswidrige Referendum auf der Krim wird Europa eine klare und bestimmte Antwort geben", sagt er der "Bild"-Zeitung. Die Lage sei "hochgefährlich". Dennoch müssten sich jetzt alle Anstrengungen darauf richten, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Eine Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sei der nächste richtige Schritt. "Wenn Russland nicht weiteren Schaden anrichten will, dann darf es die sofortige Entsendung einer solchen Mission nicht verhindern."

+++ 19.35 Uhr: USA drohen mit Konsequenzen für Russland +++

Die USA drohen der Regierung in Moskau mit weitreichenden Folgen, sollte die Krim wirklich an Russland angegliedert werden. Russland werde einen hohen Preis zahlen müssen für seine Militär-Intervention, teilt das Weiße Haus mit. Moskau müsse schon in den kommenden Tagen mit Sanktionen rechnen. Zudem werde das Land international isoliert, was die russische Wirtschaft schwächen werde. "Die Zeiten sind vorbei, in denen die Weltgemeinschaft zuschaut, wie sich ein Land das Gebiet eines anderen Landes gewaltsam einverleibt."

+++ 19.07 Uhr: Wählerbefragung sagt 93 Prozent für Russland-Beitritt voraus +++

Die Bewohner der Krim haben nach Angaben der Regionalregierung bei dem Referendum für einen Beitritt zu Russland gestimmt. 93 Prozent seien für eine Angliederung, teilt die moskautreue Krimführung nach Schließung der Wahllokale mit. Die Zahlen beruhen auf Wählerbefragungen, die Wahlbeteiligung lag demnach bei 83 Prozent. Das Endergebnis wird noch am Abend erwartet.

Der prorussische Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow kündigt an, alles juristisch Notwendige für einen raschen Anschluss an Russland zu tun. "An diesem Montag wird sich der Oberste Sowjet der Krim an Präsident Wladimir Putin wenden mit der Bitte, die Krim in die Russische Föderation aufzunehmen."

Nach Darstellung ukrainischer Medien wurde die Abstimmung durch Russland manipuliert. Es seien viele russische Staatsbürger, die nicht in den Wählerlisten stünden, eingeflogen worden, um an dem Referendum teilzunehmen. Überprüfen lässt sich das nicht.

Die Rechtmäßigkeit des Referendums wird von zahlreichen Staaten und internationalen Organisationen angezweifelt, von Russland aber bejaht. Westliche Medien kritisieren die Abstimmung als "Wahl ohne Alternative". Die Bewohner hatten nur die Möglichkeit, zwischen einem Anschluss an Russland und einer Rückkehr zur Verfassung der Republik Krim von 1992 zu wählen. Anders als in der aktuellen Verfassung der Krim steht in der Version von 1992 nicht, dass die Krim ein unveräußerlicher Teil der Ukraine sei und die Verfassung der Ukraine Vorrang habe. Die EU-Außenminister wollen am Montag Sanktionen gegen Russland verhängen. Vorbereitet sind Einreiseverbote und Kontosperrungen gegen verantwortliche Politiker in Russland und auf der Krim.

+++ 18.15 Uhr: Zusammenstöße in Ost- und Südukraine +++

Werden Ost- und Südukraine zu den nächsten Brennpunkten? Schon den ganzen Tag kommt es hier zu gewaltsamen Protesten gegen die Zentralregierung in Kiew. Während das Referendum auf der Krim läuft, gibt es bei Zusammenstößen zwischen prosussischen und proeuropäischen Anhängern in der Stadt Donezk mindestens einen Toten. Zwei weitere Menschen werden bei einer Schießerei in Charkow getötet. In Odessa, Lugansk, Saporoschje und Dnjepropetrowsk demonstrieren ebenfalls jeweils Hunderte für ein Referendum nach dem Vorbild der Krim.

+++ 17.05 Uhr: EU und USA werden Ergebnis des Referendums nicht anerkennen +++

Die EU kündigt an, das Ergebnis der Volksabstimmung auf der Krim nicht anzuerkennen. Das Referendum sei nicht rechtens, teilen EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und Ratspräsident Herman Van Rompuy mit.

Auch US-Außenminister John Kerry bekräftigt im Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, dass die USA das Ergebnis der Volksabstimmung nicht akzeptieren werden. Washington erachte das Referendum für illegal.

+++ 16.18 Uhr: Demonstranten stürmen Sitz der Sicherheitskräfte in Donezk +++

In der ostukrainischen Stadt Donezk dringen prorussische Demonstranten in das Hauptquartier der Sicherheitskräfte sowie das Büro des Staatsanwalts ein. Dabei stoßen sie praktisch auf keinen Widerstand, berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Die Demonstranten forderten die Freilassung des selbsternannten "Volksgouverneurs" der Region, Pawel Gubarew. Dieser war Anfang März festgenommen worden, nachdem er sich selbst zum Gouverneur erklärt hatte.

+++ 16.05 Uhr: Russlandfahne in Charkow +++

Die Krim-Bevölkerung strömt massenweise zum Referendum über den Beitritt der ukrainischen Halbinsel zu Russland. "Das ist ein historischer Moment", sagte der prorussische Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow, nachdem er in der Regionalhauptstadt Simferopol seine Stimme abgegeben hatte.

"Domoi w Rossiju" - nach Hause nach Russland, lautet der Slogan auf der Halbinsel. Weit mehr als die Hälfte der Einwohner sind ethnische Russen, auch deshalb rechnet Aksjonow mit einer überwältigenden Mehrheit für den Beitritt und für eine Abspaltung von der Ukraine.

In Charkow breiten die Menschen eine riesige Russlandfahne aus. Eine Teilnehmerin twittert: "Maidan und der Westen, seht her. Das russische Volk verkauft sich nicht!"

+++ 15.20 Uhr: Lawrow und Kerry wollen Verfassungsreform +++

Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege John Kerry schlagen eine Verfassungsreform in der Ukraine vor, um die Krim-Krise zu lösen. Darauf hätten sich beide in einem Telefonat verständigt, teilt das Außenministerium in Moskau mit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine rasche Ausweitung der bestehenden OSZE-Präsenz in der Ukraine vor. Das gelte vor allem für den Osten des Landes. Putin habe diese Initiative positiv bewertet, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

+++ 14.50 Uhr: Putin telefoniert mit Merkel +++

Kremlchef Wladimir Putin hat in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut betont, dass das umstrittene Krim-Referendum aus Sicht Russlands dem Völkerrecht entspreche. Die Befragung stimme voll überein mit dem Grundsatz der Vereinten Nationen über das Selbstbestimmungsrecht der Völker, sagte der Präsident am Sonntag einer Mitteilung des Kreml zufolge.

Moskau werde die Entscheidung der Krim-Bevölkerung respektieren. Putin kritisierte die Regierung in Kiew, weil diese in der Ostukraine "radikale Gruppierungen" gewährenlasse. Das sei "beunruhigend". Westliche Politiker werfen Moskau vor, die Abspaltung der Krim voranzutreiben.

+++ 14.30 Uhr: Waffenruhe bis Freitag +++

Russland und die Ukraine haben angesichts der angespannten Lage auf der Krim eine Waffenruhe für die Halbinsel vereinbart. Sie gelte bis zum 21. März, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Ihor Tenjuch am Sonntag in Kiew vor Journalisten. Bis zum Freitag würden Soldaten der russischen Schwarzmeerflotte, die auf der Krim stationiert ist, nicht gegen ukrainische Militärstützpunkte vorgehen. "Unsere Militärbasen werden daher mit den Nachschublieferungen fortfahren", sagte der Verteidigungsminister am Rande einer Kabinettssitzung.

+++ 12.40 Uhr: Krim-Krieg unwahrscheinlich +++

Der ukrainische Verteidigungsminister Igor Tenjuch hält eine militärische Eskalation im Streit mit Russland um die Krim für unwahrscheinlich. "Ich denke, dass es nicht zum Krieg kommt", sagte der Admiral dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Zur Frage eines Nato-Beitritts der Ukraine sagte Tenjuch, das Land solle "zu einem europäischen Sicherheitssystem gehören". Der Traum von Europa hänge nicht am Wohlstand. "Die Suche nach Kompromissen ist wichtig. Wohin die Ukraine sich wendet, entscheiden Volk und Regierung."

+++ 12.00 Uhr: Deutsche wollen keine harten Sanktionen +++

Die Deutschen sehen einer Umfrage zufolge harte Reaktionen gegenüber Russland in der Krim-Krise skeptisch. Nur jeder Fünfte sprach sich in einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" dafür aus, der Westen solle mit harten Wirtschafts-Sanktionen auf einen Anschluss der Krim an Russland reagieren. 42 Prozent fordern in diesem Fall eine diplomatische Reaktion. 27 Prozent finden, der Westen solle das Abstimmungsergebnis akzeptieren.

Eine Mehrheit macht sich wegen der Krim-Krise Sorgen um ihre Arbeitsplätze und das Wirtschaftswachstum.

+++ 11.10 Uhr: Russisches Militär forciert seine Kräfte +++

Das russische Militär hat nach Angaben der ukrainischen Regierung die Zahl seiner Soldaten auf der Halbinsel Krim auf bis zu 22.000 Mann erhöht. Am Freitag seien es noch 18.400 Mann gewesen. Die ukrainischen Streitkräfte ergriffen daher angemessene Maßnahmen entlang der südlichen Grenzen, sagte der der amtierende ukrainische Verteidigungsminister Ihor Tenjuch. Russische Medien berichten über Panzer- und Waffentransporte zur ukrainisch-russischen Grenze. Dabei stützen sie sich auf solche Aufnahmen wie diese. Das Video zeigt angebliche ukrainische Militäreinheiten in der Grenzregion Luganskaja.

+++ 10.50 Uhr: Nato-Webseiten von pro-russischen Hackern lahmgelegt +++

Mehrere Internetseiten der Nato sind in der Nacht zum Sonntag stundenlang durch Hackerangriffe lahmgelegt worden. Zu der Cyberattacke unmittelbar vor dem Referendum über einen Anschluss der Krim an Russland bekannte sich eine Organisation, die sich "Cyber Berkut" nannte. Der Name erinnert an eine prorussische Spezialeinheit der ukrainischen Miliz, die nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch aufgelöst worden war.

+++ 9.55 Uhr: Währungswechsel schon in Arbeit +++

Für die Banken auf der Krim steht das Ergebnis des Referendums offenbar schon fest. Im Voraus entschuldigt sich diese Bankfiliale für die entstehenden Unannehmlichkeiten. "Geehrte Kunden! Im Zusammenhang mit dem Währungswechsel zum Rubel bleibt die Bank am 17. März geschlossen", heißt es auf dieser Bekanntmachung.

+++ 9.00 Uhr: Ansturm auf die Wahllokale +++

In Sewastopol und Simferopol bilden sich vor den Wahlkabinen lange Schlangen. Bereits seit dem frühen Morgen strömen die Menschen in die Wahllokale, um ihre Stimme für oder gegen den Beitritt der Krim zu Russland abzustimmen.

+++ 8.40 Uhr: Lawrow: Krim-Referendum ist rechtmäßig +++

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, in einem Telefonat mit seinem US-Kollegen John Kerry habe er seine Auffassung bekräftigt, dass das Krim-Referendum internationalem Recht entspreche. Die ukrainischen Behörden sollten der Gewalt ultra-nationalistischer Gruppen Einhalt gebieten, die die russischsprachige Bevölkerung "terrorisieren".

+++ 7.00 Uhr: Referendum beginnt +++

Auf der ukrainischen Halbinsel Krim hat ein international kritisiertes Referendum über den Beitritt zu Russland begonnen. Die 1200 Wahllokale öffneten um 8 Uhr Ortszeit (7 Uhr MEZ) unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. In der Krim-Hauptstadt Simferopol gaben bei insgesamt ruhiger Lage am Sonntagmorgen die ersten Menschen ihre Stimme ab. Rund 1,8 Millionen Berechtigte sind aufgerufen, für einen Anschluss an Russland oder den Verbleib der Republik in der Ukraine zu stimmen.

Die moskautreue Krim-Führung rechnet mit mehr als 80 Prozent Zustimmung für einen Anschluss an Russland. Die Wahllokale schließen um 20 Uhr Ortszeit (19 Uhr MEZ). Danach werden erste Ergebnisse erwartet.

Die Wahlkabinen in einer Schule in Simferopol sind schon in symbolträchtig in den russischen Nationalfarben gehalten

Die Wahlkabinen in einer Schule in Simferopol sind schon in symbolträchtig in den russischen Nationalfarben gehalten

+++ 0.30 Uhr: Klitschko will Militär auf der Krim behalten +++

Der ukrainische Präsidentschaftskandidat Vitali Klitschko fordert für den Fall eines prorussischen Ausgangs des Referendums auf der Krim einen Verbleib der ukrainischen Militärs auf der Halbinsel. Klitschko sagte "Bild am Sonntag": "Unsere Soldaten werden auch künftig in ihren Kasernen auf der Krim bleiben."

Klitschko forderte harte Sanktionen gegen Russland: "Wir wollen keinen Krieg, wir wollen nicht, dass ukrainische und russische Soldaten aufeinander schießen müssen. Aber wir brauchen durch Sanktionen ein klares Signal an Putin, dass dieser Völkerrechtsbruch auf der Krim nicht unbeantwortet bleiben kann.“

+++ 0.11 Uhr: US-Zerstörer bleibt im Schwarzen Meer +++

Der ins Schwarze Meer entsandte US-Zerstörer "USS Truxtun" wird auch nach dem Krim-Referendum am Sonntag Manöver vor der Küste der Halbinsel abhalten. Kommandant Andrew Biehn sagte am Samstag im Hafen von Varna in Bulgarien, die 300-köpfige Besatzung werde die "Gelegenheit" nutzen, um weitere "Routineübungen" mit rumänischen und bulgarischen Marineeinheiten zu absolvieren. Die Manöver wenige hundert Kilometer vor der Krim seien "lange Zeit vor der Krim-Krise geplant" gewesen. Der Zerstörer hatte am Freitag vergangener Woche Kurs auf das Schwarze Meer genommen. Die "Truxtun" ist mit modernsten Marschflugkörpern ausgestattet. Nach der Konvention von Montreux von 1936 dürfen sich Kriegsschiffe von Nicht-Anrainerstaaten nicht länger als 21 Tage im Schwarzen Meer aufhalten.

ivi/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters