HOME

Gewalt in Syrien: Die Welt empört sich nach Massaker in Hula

Die Bilder, die Nachrichtenagenturen aus der Stadt Hula verbreiten, sind an Grausamkeit kaum zu überbieten: Bei einem Massaker mit insgesamt über 90 Toten wurden auch Dutzende Kinder ermordet. UN-Beobachter sind vor Ort.

Ein Massaker an Zivilisten in Syrien mit mehr als 90 Todesopfern hat in der internationalen Gemeinschaft Entsetzen ausgelöst und die Rufe nach einem Rücktritt von Machthaber Baschar al Assad verstärkt. Das Regime in Damaskus wies am Sonntag jede Schuld von sich und schrieb die Bluttat in Hula in der Provinz Homs "terroristischen Banden" zu. Die UN-Beobachter in Syrien sprachen von einer "Tragödie sondergleichen", vermieden es aber zunächst, die dafür Verantwortlichen zu benennen.

UN-Beobachter bestätigten am Samstag, dass bei Kampfhandlungen im Ortsteil Taldo in Hula mehr als 90 Menschen getötet wurden, ein Drittel von ihnen Kinder. Augenzeugen berichteten, dass syrische Artillerie mit Raketen und Granaten auf Wohnhäuser geschossen habe. Anschließend seien Angehörige der gefürchteten regimetreuen Schabiha-Miliz von Haus zu Haus gegangen, um die Bewohner mit Pistolen und Messern zu ermorden.

Offizielle syrische Stellen widersprachen dieser Darstellung. "Wir können versichern, dass keine syrische Artillerie oder schwere Waffen im Gebiet von Hula eingesetzt wurden", erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Dschihad Makdissi, am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Damaskus. Vielmehr hätten "bewaffnete Gruppen" den Ort mit Panzerfäusten und Mörsern angegriffen. Die Staatsmedien behaupteten, das Massaker sei das Werk von "al-Kaida-Terroristen".

Westliche Länder verurteilen skrupeloses Regime

Der Chef der UN-Beobachtermission in Syrien, Robert Mood, bezeichnete den Vorfall als "Tragödie sondergleichen". Sein Team sei über das Gesehene "schockiert und bestürzt", sagte er dem Nachrichtensender Al Jazeera. Zugleich vermied er es, von einem Massaker zu sprechen. "Es ist noch zu früh, die genauen Umstände zu bestimmen, die zu diesen tragischen Tötungen führten." Erst wenn er im Besitz aller beweiskräftigen Erkenntnisse sei, werde er die entsprechenden Schlussfolgerungen in einem Bericht formulieren. UN-Beobachter hätten aber 34 tote Kinder gesehen, die jünger als zehn Jahre alt gewesen sein müssen.

Westliche Politiker zögerten hingegen nicht, klar mit dem Finger auf das Regime in Damaskus zu zeigen. #link;http://www.stern.de/politik/ausland/hillary-clinton-90260033t.html;US-Außenministerin Hillary Clinton; forderte in einer Erklärung die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf Assad und "seine Spießgesellen" zu erhöhen. "Deren Herrschaft durch Mord und Angst muss ein Ende haben", forderte Clinton.

"Es ist schockierend und empörend, dass das syrische Regime seine brutale Gewalt gegen das eigene Volk nicht einstellt", hieß es in einer Erklärung von Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Auch die Außenminister Großbritanniens, William Hague, und Frankreichs, Laurent Fabius, schlossen sich den Verurteilungen an.

Obama wünscht jemenitischen Abgang für Assad

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Syrien-Sondergesandte von UN und Arabischer Liga, Kofi Annan, verurteilten in einer gemeinsamen Stellungnahme in New York das "schreckliche und brutale Verbrechen" scharf. Annan wird an diesem Montag erneut in Damaskus erwartet. Die Arabische Liga wird sich am kommenden Samstag mit der Lage in Syrien befassen.

"Die Internationale Gemeinschaft muss mit einer Stimme sprechen und ein Ende des Blutvergießens fordern", schrieb die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung. Gemeinsam müsse Assad zum Abgang gedrängt werden, um eine "demokratische Wende" zu ermöglichen.

US-Präsident Barack Obama schwebe in Syrien ein politischer Übergang wie im Jemen vor, schrieb die "New York Times". Sein Plan sehe vor, dass zumindest zeitweise "Überreste" des Assad-Regimes an der Macht bleiben könnten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Im Jemen hatte Langzeitpräsident Ali Abdullah Salih nach monatelangen Protesten die Macht Ende 2011 an seinen Stellvertreter Abed Rabbo Manur Hadi abgegeben, der später durch Wahlen im Amt bestätigt wurde.

In Syrien unterdrückt das Assad-Regime seit fast 15 Monaten mit brutaler Gewalt eine anfangs friedliche Protestbewegung, die inzwischen stellenweise in einen bewaffneten Aufstand umgeschlagen ist.

ono/DPA / DPA