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stern-Serie Islam und Europa Wie Napoleon den Zorn erschuf


Es ist die erste Begegnung der islamischen Welt und des modernen Europa: 1798 fällt Napoleon in Ägypten ein. Es folgt ein Jahrhundert der Demütigungen für den Orient, das bis heute nachwirkt.
Von Steffen Gassel

Die Meinung des Kairoer Chronisten über jene Menschen, die im Sommer 1798 in sein Land eingefallen sind, ist eindeutig: "Wenn einen Franzosen die Natur überkommt, erledigt er sein Geschäft, wo immer er gerade ist, sogar wenn ihn andere sehen - und danach geht er einfach weg, ohne sich die Hände zu waschen", notiert Abd al Rahman al Dschabarti entrüstet. Und außerdem: "Die Franzosen haben Verkehr mit jeder Frau, die ihnen gefällt und umgekehrt." Am meisten aber entsetzt den Religionsgelehrten der altehrwürdigen al-Azhar-Universität die Behauptung der Fremden, alle Menschen seien vor Gott gleich. "Wie könnte das sein, da Gott doch manche über andere gestellt hat?" Er meint natürlich: Die Muslime über die Ungläubigen. Für ihn und Millionen seiner Zeitgenossen in der islamischen Welt ist das in dieser Zeit so selbstverständlich, dass es nicht einmal ausgesprochen werden muss.

Die Franzosen, die in den Spätsommertagen sein Land erobern, stehen al Dschabarti an Selbstherrlichkeit in nichts nach. Zivilisieren wollen sie die Ägypter. Das Land zu alter Größe zurückführen. Napoleon Bonaparte, ihr Anführer, sieht sich als oberster Verteidiger des Islam. Seine Reitersoldaten tragen Uniformen in Grün - der Farbe des Propheten. Er schlägt vor, das Freitagsgebet in der großen Moschee der al Azhar möge ab sofort in seinem statt im Namen Allahs gesprochen werden.

In diesem 1798, neun Jahre nach der Französischen Revolution, begegnet die islamische Welt zum ersten Mal dem modernen Europa - in Gestalt eines Generals und seiner Truppen. Es ist der Anfang einer Geschichte von Faszination und Konfrontation, Annäherung und Unverständnis. Der Zorn, der bis in unsere Tage reicht, hat auch hier seinen Ursprung: Ein Mitglied der Terrorzelle, die in Paris 17 Menschen getötet hat, rechtfertigt seinen Hass auf den Westen mit den Taten Napoleons.

Ägypten hatte seinen Zenit überschritten

Das Reich, in das der französische General einfällt, hat seinen Zenit längst überschritten. Vom Glanz des 500 Jahre alten osmanischen Imperiums, zu dessen Provinzen Ägypten zählt, ist kaum noch etwas zu sehen. Die Sultane, deren Heer noch 115 Jahre zuvor vor Wien stand, haben inzwischen in vielen Gegenden ihres Reichs nichts mehr zu sagen. In Ägypten liegt die Macht in Händen der Mamelucken, einer wilden Soldateska.

Doch keiner der etwa 54.000 Mann an Bord der französischen Flotte weiß darüber Bescheid. Detaillierte Nachrichten über den Orient haben Europa zuletzt vor rund einem halben Jahrtausend erreicht, zur Zeit der Kreuzfahrer. Danach ist der Kontakt fast vollständig abgerissen.

Erste Begegnung mit dem Orient ein Blindflug

Was die 167 Wissenschaftler und Gelehrten an Bord der napoleonischen Flotte an Wissen über das Ziel der Reise mitbringen, haben sie fast ausschließlich aus antiken Quellen wie Cäsar oder Herodot. Die Karte, mittels derer sich die Franzosen vor Ort orientieren wollen, hat kurz zuvor ein Mann gezeichnet, der das Land am Nil nie gesehen hat. Die Begegnung des modernen Europa mit dem Orient beginnt als Blindflug.

Zwar besiegen die überlegenen französischen Soldaten das Reiterheer der herrschenden Mamelucken mit Leichtigkeit. Auch den Angriff einer Einsatztruppe des osmanischen Sultans können sie im Jahr darauf abwehren. Doch schon wenige Wochen nach der Landung beginnt das Desaster. England sieht seine Interessen gefährdet, schickt die Marine, und Admiral Nelson versenkt die ankernde französische Flotte in der Bucht von Abu Qir. Den Franzosen sind Rückweg und Nachschub abgeschnitten.

"Also werdet Muslim!"

Auch in seinem Hauptquartier in Kairo gelingt Napoleon nur wenig. Er will die Religionsgelehrten an die Spitze der Verwaltung setzen. Die aber entgegnen: "Ihr wollt, dass die arabischen Muslime unter eurem Banner marschieren? Also werdet Muslim!" Unmöglich, antwortet Napoleon. Sich beschneiden zu lassen und dem Alkohol zu entsagen - das könne er seinen Soldaten nicht zumuten.

Schon im Herbst 1798 erheben sich die Bewohner Kairos gegen die Besatzer. Napoleon lässt daraufhin ganze Stadtviertel zerstören und die große al-Azhar-Moschee zusammenschießen. Doch die Angriffe auf die Franzosen hören nicht mehr auf. Klima, Pest und Pocken schwächen die Truppe zusätzlich. Kaum ein Jahr nach seinem pompösen Einzug in Kairo, am 22. August 1799, setzt sich Napoleon heimlich per Schiff nach Frankreich ab. Seine Soldaten lässt er am Nil zurück, Tausende sterben in den nächsten Monaten.

Europa staunt über Tempel und Mumien

Zurück in Paris verkauft er die "Expedition" als großen Erfolg. Europa staunt über die Skizzen im Sand versunkener Pharaonentempel und die exotischen Präparate sezierter Mumien. Mehr als zwei Jahrzehnte wird es dauern, die Ausbeute zu katalogisieren. Die Veröffentlichung der "Description de l’Egypte" begründet eine neue Wissenschaft: die Ägyptologie.

Weltbild von Millionen ins Wanken gebracht

Bei den Ägyptern selbst, von nun an Objekt europäischer Faszination und oft schwülstiger Fantasien, hinterlässt der napoleonische Überfall eine bange Frage: Wie konnte es geschehen, dass eine Horde Ungläubiger die gottgewollte Ordnung des Islam so leicht zerstören konnte? Eine Frage, die sich in den nächsten Jahrzehnten immer mehr Menschen im Orient stellen werden. Denn das ägyptische Abenteuer des Napoleon ist nur der Auftakt der europäischen Expansion, die das Weltbild von vielen Millionen Muslimen ins Wanken bringen wird. Das 19. Jahrhundert ist in der islamischen Welt auch die Zeit einer Suche nach ihrem Platz in der modernen Welt.

Das nächste Kapitel vollzieht sich in Algier. Es ist der 27. April 1827, die islamische Welt feiert das Ende des Fastenmonats Ramadan. Im Palast des Dey von Algier, des Statthalters des osmanischen Sultans, hat sich eine illustre Festgesellschaft versammelt. Neben lokalen Würdenträgern hat der Dey auch die europäischen Gesandten geladen, darunter Pierre Deval, den Generalkonsul Frankreichs. Der Dey will das Festmahl nutzen, um eine diplomatische Verwerfung im Stillen auszuräumen.

Der Dey muss binnen Tagen kapitulieren

Frankreich hat jahrzehntealte Schulden in Algerien. Es geht um nie bezahlte Weizenlieferungen. Schon mehrfach hat der Dey dem französischen König Karl X. geschrieben. Nie aber hat er eine Antwort bekommen. "Warum?", will er nun von Deval wissen. Der erklärt arrogant: Seine Allerchristlichste Majestät lasse sich nicht dazu herab, mit einem osmanischen Provinzfürsten zu korrespondieren.

Da versetzt der Dey dem Diplomaten mit einem Fliegenwedel drei Schläge und lässt den "unverschämten Ungläubigen" hinauswerfen. Drei Jahre später eskaliert die Affäre um die Fliegenklatsche zum Krieg. Als die Marine Ende Mai 1830 Richtung Algier in See sticht, lautet ihr Auftrag, eine kurze Strafaktion zu führen. Tatsächlich muss der Dey binnen Tagen kapitulieren. Doch noch bevor die Nachricht vom Sieg Paris erreicht, wird dort König Karl X. abgesetzt.

Algerien versinkt im Chaos

In Nordafrika beginnen französische Truppen derweil zu plündern und zu morden. Das Land versinkt im Chaos. Als Paris vier Jahre später eine Untersuchungskommission entsendet, stellt die fest: "Wir haben an Barbarei jene Barbaren übertroffen, die zu zivilisieren wir ausgerückt waren, und beklagen uns nun über den Mangel an Erfolg mit ihnen."

Da von der einstigen Verwaltung nichts mehr übrig ist, beschließt Paris die "eingeschränkte Besatzung" Algiers und einiger Küstenstädte. Gleichzeitig aber erlaubt die Regierung Zehntausenden Franzosen, sich als sogenannte Colons im Hinterland anzusiedeln und die Einheimischen von ihrem Land zu vertreiben. Es ist der Auftakt der französischen Landnahme in Nordafrika.

"Kein anderes Gesetz als der Koran"

Die Einheimischen bekämpfen die Invasoren. Ihr Anführer ist der charismatische Abd al Qadir. Er schwört seine Landsleute auf einen langen Kampf ein. "Ich werde kein anderes Gesetz als den Koran anerkennen. Es gibt keine Freiheit außer durch die Verteidigung des Glaubens. Das Paradies kann nur im Schatten des Schwerts gefunden werden."

Was nun geschieht, ähnelt bisweilen den Kriegen des Westens in Afghanistan oder dem Irak: Abd al Qadirs mobile Armee aus Stammeskriegern verwickelt die Franzosen in einen Guerillakrieg. Paris schickt immer mehr Soldaten. 1846 stehen 108.000 Mann, ein Drittel der französischen Armee, in Nordafrika. Weil sie Abd al Qadirs Truppen nicht Herr werden, führen die Franzosen einen brutalen Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung. Zehntausende sterben.

Erst 1847, nach 15 Jahren Widerstand, kapituliert Abd al Qadir. Ein Jahr darauf annektiert Frankreich Algerien als Teil seines Staatsgebiets. Der Herrscher, zu dessen Territorium Algier eigentlich seit Jahrhunderten gehört, spielt bei diesen Kämpfen indes überhaupt keine Rolle mehr.

Spielfigur der europäischen Großmächte

Nominell gebietet der osmanische Sultan in Istanbul in dieser Zeit noch immer über ein beeindruckendes Reich von der Sahara bis zum Kaukasus und vom Oberlauf des Nils bis an die Donau. Doch die Darstellung auf den Landkarten ist nur eine Schimäre. In der Praxis ist der Herrscher der sogenannten Hohen Pforte zu einer Spielfigur der europäischen Großmächte geworden, die nach Belieben ein Gebiet nach dem anderen aus seinem Reich herausbrechen.

Schon Ende des 18. Jahrhunderts hat er die Krim aufgeben müssen. Als er 1827 einen Aufstand in Griechenland niederschlagen will, versenken Frankreich, Großbritannien und Russland die osmanische Flotte. Wenige Jahre später ist Griechenland unabhängig. Zusammenbrechen lassen wollen die Regierungen in Moskau, Berlin, Paris, Wien oder London das Land des Sultans allerdings nicht. Man fürchtet schlicht den Streit um die Erbmasse.

Die Herrscher wollen ihre Reiche modernisieren

Die Übermacht Europas beeindruckt die Herrscher des Orients. Mit Reformen wollen sie die Reiche modernisieren. Ihre Untertanen sollen moderne Bürger werden, die Schlips und Anzug tragen, regelmäßig Steuern zahlen und ihre Frauen zum Picknick ausführen. Die Religion soll in den Hintergrund treten und nicht mehr als Entschuldigung für Rückständigkeit dienen. Ob Armee oder Verwaltung, ob neue Straßen oder Schienen: Immer ist der Westen das Vorbild.

Wie kein anderes Projekt steht der Sueskanal für den Geist dieser Zeit. Seit Jahrtausenden haben die Herrscher am Nil von einem Wasserweg vom Mittelmeer zum Roten Meer geträumt. Nun soll er Wirklichkeit werden. Eine französisch-ägyptische Kanalgesellschaft beginnt mit den Arbeiten. Um Ägyptens Anteil an den Baukosten zu finanzieren, hat der Khedive Ismail, der Herrscher in Kairo, sein Land bei europäischen Banken überschuldet. Bei der Eröffnung am 17. November 1869 spielt das noch keine Rolle. Der Kaiser von Österreich ist gekommen, der Kronprinz von Preußen, ein russischer Großfürst und die französische Kaiserin. Endlich, so scheint es, hat der Orient wieder seinen Platz unter den Großen dieser Welt. Als zwei Jahre später Giuseppe Verdi seine "Aida" in Kairo uraufführen lässt, erklärt der Khedive: "Mein Land liegt nicht mehr in Afrika, es liegt in Europa."

Der Preis war zu hoch

Bald aber stellt sich heraus: Der Preis war viel zu hoch. Zinsen von fast 25 Prozent reißen Ägypten 1876 in den Staatsbankrott. Das Land wird unter die Aufsicht seiner Schuldner gestellt. Ein Franzose wird sogar Finanzminister am Nil, die Bank of England kauft die ägyptischen Anteile an der Kanalgesellschaft für ein Drittel ihres Nennwerts. Als schließlich 1882 junge Offiziere gegen die Fremdbestimmung rebellieren, marschiert die britische Armee ein. Und bleibt.

Auch der Sultan in Istanbul kann kaum mehr die Kredite bedienen, mit denen er all die neuen Gewehre, Kanonen und europäischen Berater finanziert hat. Unruhen erschüttern sein Reich. Die Lage in Istanbul wird immer prekärer.

Da gelangt ein neuer Mann an die Macht. Dieser Sultan Abdülhamid II. ist ebenso machtbewusst wie misstrauisch. Er erkennt: Die Reformen seiner Vorgänger haben die Abhängigkeit der Osmanen von Europa nur vergrößert. Er setzt die gerade erst verabschiedete Verfassung außer Kraft und regiert wie ein Diktator. Statt westlicher Werte soll nun eine andere Ideologie den Staat zu neuer Stärke führen: der Islam. Das marode Imperium soll als modernes Kalifat, als Reich des Prophetenstellvertreters, wiederauferstehen.

Der deutsche Kaiser bleibt ihr Freund

Dabei helfen ihm zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine, ein bärbeißiger Preuße mit Schnauzer: der deutsche Kaiser Wilhelm II. Sein Besuch am Bosporus 1898 ist ein PR-Coup für Abdülhamid. Endlich hat das Reich einen starken Verbündeten als Gegengewicht zu Russen, Briten und Franzosen. Der Kaiser überredet die Deutsche Bank, Bürgschaften für den Bau einer neuen Bahnstrecke, die Istanbul mit Bagdad verbindet, zu übernehmen. Auf seiner anschließenden Rundreise erklärt er in Damaskus am Grab Saladins, des Helden der Muslime im Kampf gegen die christlichen Kreuzzügler: "Möge der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, die in ihm ihren Kalifen verehren, versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird."

Vordenker des modernen Dschihad

Der andere Mann, mit dem der Sultan sein Reich zu neuer Macht bringen will, ist schon äußerlich das Gegenteil des deutschen Kaisers. Dschamal al-Din al Afghani hat einen blassen Teint und stechenden Blick. Er ist ein Agitator aus Persien, der die Muslime wachrütteln will zum Widerstand gegen den Westen.

Seit Sommer 1892 hat er sich am Hof des Sultans niedergelassen. Er ist der erste Denker des Islam, der eine Reform entworfen hat, die weder stur die Rückbesinnung auf die Tradition fordert noch aus Fortschrittsglauben alles Hergebrachte über Bord wirft. Der Gläubige soll seine Kraft für den Kampf gegen den zerstörerischen Westen selbst aus den Quellen des Islam schöpfen. Traditionelle Autoritäten lehnt er ab. Al Afghani ist damit ein Vordenker des modernen Dschihad. In seinen Thesen mischt sich der direkte Gottesbezug eines Martin Luther mit der entschlossenen Radikalität eines Osama bin Laden.

Immer wieder verhaftet und ausgewiesen

Seit Jahrzehnten reist er quer durch die islamische Welt von Indien bis Ägypten, vom Iran bis in die Türkei und predigt den Aufstand: "Warum zerbrecht ihr nicht das Herz eures Unterdrückers? Das Herz derer, die die Früchte eurer Arbeit genießen?" Viele Muslime sind begeistert von dem wandernden Revolutionär. Den Herrschern des Orients aber ist er ein Dorn im Auge: Immer wieder wird er verhaftet und ausgewiesen. Nur in Istanbul ist er noch willkommen. Al Afghani hofft, im dortigen Sultan Abdülhamid endlich einen Gesinnungsgenossen mit Macht gefunden zu haben.

Dann aber, 1897, stirbt Al Afghani plötzlich mit nur 59 Jahren. Am Ende bleibt das islamische Revival ein Strohfeuer, doch die Ideen, die er gesät hat, inspirieren radikale Muslime bis heute.

Der Zerfall ist nicht mehr aufzuhalten

Der Zerfall des Osmanischen Reiches ist nun nicht mehr aufzuhalten. Der Schlussakt beginnt 1908 mit dem Putsch einer Gruppe junger Militärs, der "Jungtürken". Kurz darauf bricht der Erste Weltkrieg aus. Zwar kann die osmanische Armee die Landung britischer Truppen bei Gallipoli an den Dardanellen 1915 noch zurückschlagen. Kurz darauf jedoch fallen Soldaten des Zaren in Anatolien ein. Und ein Jahr später erheben sich die Beduinenstämme auf der Arabischen Halbinsel.

Hinter dem Aufstand steckt England. Die Briten haben dem haschimitischen Emir Hussain, dem Herrscher von Mekka, einen eigenen Staat versprochen, wenn er seine Kämpfer an der Seite des Westens gegen die Truppen des Sultans in den Krieg schickt. Hollywood wird diese Episode später als Wüstenepos "Lawrence von Arabien" verfilmen. Der Emir hält sich an die Abmachung - anders als die Briten: Längst haben Großbritannien und Frankreich die Konkursmasse des Kalifenreiches unter sich aufgeteilt.

Grenzen mit dem Lineal gezogen

Bei geheimen Treffen in Frankreichs Botschaft in London haben der Brite Sir Mark Sykes und der Franzose François Georges-Picot sich schon Monate zuvor über eine Karte der Levante gebeugt. "Ich würde gern eine Linie vom E in Acre bis zum K in Kirkuk ziehen", schlägt der Brite vor. Die Gebiete nördlich davon sollten an Frankreich gehen, die im Süden an Großbritannien. Am 3. Januar 1916 wird das Geheimabkommen unterzeichnet, einen Monat später ratifizieren es die Kabinette in Paris und London. Anfang 1917 weihen die Briten den außenpolitischen Berater von US-Präsident Woodrow Wilson in ihren Plan ein. Der schickt eine düstere Prophezeiung nach Washington: "Sie bereiten schon die Brutstätte für den nächsten Krieg."

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