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Picassos Gemälde ist ein Sinnbild des Kriegs – aber was geschah wirklich in Guernica?

Picassos Gemälde von 1937 zeigt eindringlich das Leiden des Menschen und das Wüten des Krieges. Es bezieht sich auf den Bombenangriff deutscher Flugzeuge auf die baskische Kleinstadt. Dieser Angriff gilt als Vorübung für den Bombenkrieg des Zweiten Weltkriegs.

Nach dem Angriff war die Kleinstadt größtenteils zerstört.

Nach dem Angriff war die Kleinstadt größtenteils zerstört.

Guernica ist das Sinnbild des modernen Kriegs, dessen rücksichtlose anonyme Gewalt keine Rücksicht auf das Leben der Zivilsten nimmt und der ebenso blind wie grausam wütet. Im weltweiten Gedächtnis blieb Guernica durch das Bild Pablo Picassos – wenige Wochen nach dem Angriff wurde es 1937 in Paris gezeigt - 80 Jahr ist dies nun her. Ein Aufschrei des Menschen gegen die maschinelle Gewalt des Krieges. Eines Krieges, der in der Zeit des spanischen Bürgerkrieges erstmals auch die zivile Bevölkerung weitab von der Front heimsuchte. Sinnbild des Ersten Weltkrieges waren die Schrecken der Graben- und Bunkerkämpfe  – die im Wesentlichen jedoch auf das unmittelbare Frontgebiet und die Soldaten begrenzt waren. 

Heute hängt Picassos Gemälde in Madrid.

Heute hängt Picassos Gemälde in Madrid.

Vision des totalen Krieges

Guernica zeigte, dass es diese Trennung von Front und Hinterland nicht mehr gibt. Dass der "totale" Krieg auch Kinder und Frauen nicht verschont – ein erstes Anzeichen der folgenden modernen , in denen bald regelmäßig mehr Zivilisten als Soldaten sterben würden.

Wissenschaftlich und politisch wird um den Luftangriff bis heute erbittert gestritten. Allerdings nicht über die faktischen Ereignisse und Abläufe, sondern um die Absichten und Motive hinter dem Angriff. Unstrittig ist, dass der Luftangriff im Wesentlichen von den deutschen Flugzeugen der Legion assistiert von einem italischen Verband geflogen wurde. Die Legion Condor wurde von Hitler nach Spanien entsandt, um den faschistischen General Franco im Bürgerkrieg gegen die Republik zu unterstützen. Am Nachmittag des 26. April 1937 legten die Bomber das Zentrum des Städtchens mit damals etwa 5000 bis 6000 Einwohnern in Schutt und Asche. Etwa 200 bis 300 Menschen verloren dabei ihr Leben. Frühere Zahlen von 1600 Opfern erwiesen sich als übertrieben.

Angriff auf Stadt und Bevölkerung

Ursprünglich soll der Einsatz primär der Steinbrücke über den Fluss Oca gegolten haben. Auch will ein deutsches Flugzeug am Morgen republikanische Truppen in der Nähe der Stadt gesehen haben, tatsächlich handelte es sich um Bauern aus dem Umland auf dem Weg zum Markt. Die Angriffe richteten sich auf das gesamte Stadtzentrum. Der Bombenmix mit einem hohen Anteil an leichten Brandbomben spricht dafür, dass Stadt und Bevölkerung von vorneherein als Ziel ausgewählt worden seien und nicht die steinerne Brücke, auf der die Brandsätze keine Wirkung hätten entfalten können. Am Abend haben deutschen Jäger sogar aus der Stadt Fliehende im Tiefflug mit ihren Bordwaffen beschossen – auch hier dürfte es keinen Zweifel gegeben haben, dass es sich um Zivilsten und nicht um Soldaten gehandelt hat. Der Augenzeuge Juan Guezureya erinnerte sich 1974: "In einer Höhe von etwa 30 Metern flogen die beiden Maschinen hin und her wie fliegende Schäferhunde, die eine Menschenherde zum Schlachten zusammentreiben." 

Der eigentliche Luftangriff erfolgte in mehreren Wellen – von deutscher Seite waren Flugzeuge der Typen Do 17, Heinkel-He-51, He-111, Junkers Ju 52/3m und Messerschmidt 109 beteiligt. In der Stadt wurden etwa 80 Prozent der Gebäude zerstört, die Brücke wurde von keiner einzigen Bombe getroffen.

Übungsangriff mit echten Opfern

Wolfram von Richthofen, Stabschef der Legion Condor und nicht direkt mit dem "Roten Baron" Manfred von Richthofen verwandt, war verantwortlich für den Angriff. Bei ihm findet sich keine Reue über die Untaten. Er notierte in seinem Tagebuch: "Die 250er (Bomben – Anmerkung der Redaktion) warfen eine Anzahl Häuser um und zerstörten die Wasserleitung. Die Brandbomben hatten nun Zeit, sich zu entfalten und zu wirken. Die Bauart der Häuser: Ziegeldächer, Holzgalerie und Holzfachwerkhäuser, führte zur völligen Vernichtung. (..) Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll." 

Das angebliche militärische Ziel blieb unversehrt, der Widerstandswille der Basken wurde durch den Terrorangriff gebrochen. Wenige Tage später nahmen Francos Truppen die Reste der Stadt ein – sie stießen auf keinen Widerstand.  Für den zusammenbrechenden Kampfeswillen mag auch die Bedeutung des Ortes als "Heilige Stadt der Basken" eine Rolle gespielt haben.

Eduardo Vallejo, der ehemalige Bürgermeister von , war sich sicher: "Guernica wurde nicht berühmt, weil es bombardiert wurde. Guernica wurde bombardiert, weil es berühmt war."

Es ist jedoch kaum auszumachen, ob dem deutschen Kommando die besondere Rolle Guernicas im Mittelalter als Symbol für die Unabhängigkeit der Basken überhaupt bekannt war.

Tatsächlich dürfte die Erprobung von Waffen und Angriffstechniken eine entscheidende Bedeutung bei der Planung gehabt haben. Eingesetzte Bomben und Taktik der Bomber sprechen dafür, dass hier die totale Zerstörung einer Stadt im Kleinformat erprobt und durchgeführt wurde.

Die deutsche Wehrmacht nutze während der Intervention zugunsten Francos als Übungsplatz mit realistischen Bedingungen und ohne jede Rücksicht auf die Bevölkerung. Nach dem Angriff setzten fieberhafte Propagandaaktivitäten ein. Legion Condor und spanische Faschisten verbreiteten die Lüge, die Republikaner hätten die Stadt auf ihrem Rückzug selbst eingeäschert.

Das Bild machte Guernica zur Ikone

Der Angriff auf Guernica war keineswegs der erste Luftangriff auf zivile Ziele. Den traurigen Ruhm kann der deutsche Zeppelin LZ 21/ "Z VI" beanspruchen, der am 6. August 1914 Bomben über Lüttich abwarf und neun Zivilisten tötete. Nach dem ersten Weltkrieg setzten die Kolonialmächte ihre Flugzeuge skrupellos ein. Die spanische Luftwaffe etwa warf 1923 über Marokko im großen Stil Chemiewaffen ab, um weite Landstriche für die aufständischen Stämme unbewohnbar zu machen. Und wenige Wochen vor Guernica bombardierten deutsche Flugzeuge die 20 Kilometer entfernte Stadt Durango – ein Einsatz, der in etwa ebenso viele Opfer forderte, heute jedoch weitgehend vergessen ist. Später wurde der Angriff auf Guernica von den Bomberflotten des Zweiten Weltkriegs bei weitem in den Schatten gestellt. Was bleibt, ist die Anklage des Bildes. Doch ohne das ikonenhaften Gemälde von Picasso würde der Luftangriff auf das baskische Städtchen dem allgemeinen Vergessen anheimgefallen sein – so wie alle Schlachten, Belagerungen und die fürchterlichen Grausamkeiten des Bürgerkrieges außerhalb Spaniens heute nur den wenigsten bekannt sind.

Picassos Gemälde wurde erstmals im Juli 1937 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt. Ein Aufschrei gegen den Faschismus - ausgestellt im spanischen Pavillon. Eine Goldmedaille erhielt allerdings Albert Speer für seinen Pavillon. der das nationalsozialistische Deutschland mit einem gigantischen Adler verherrlichte.

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