Rechtsradikale Übergriffe in Deutschland

24. August 2007, 13:48 Uhr

Die Hetzjagd offenbar Rechtsradikaler auf Inder im sächsischen Mügeln hat großes Aufsehen erregt. Jenseits dessen gibt es jedoch fast tagtäglich in ganz Deutschland Übergriffe, die kaum Beachtung finden. Für stern.de hat Anton Maegerle die Vorfälle aufgelistet, die allein seit Juli dieses Jahres gemeldet worden sind.

Eine NPD-Demonstration in der Nähe von Frankfurt am Main©

06. Juli 2007, Sanitz, Mecklenburg-Vorpommern

Am Rande eines Schulprojekttages mit dem Titel "Rechtsextremismus in der Mitte unserer Gesellschaft" in Sanitz, Landkreis Bad Doberan bei Rostock, kam es an einem angemeldeten NPD-Proteststand zu Auseinandersetzungen zwischen namhaften NPD-Mitgliedern und Vertretern von Jusos und Grüner Jugend. An den Podiumsdiskussionen nahmen zahlreiche Landtagsabgeordnete, Verfassungsschützer sowie Parteipolitikern teil. Dabei nannte ein Sprecher der Grünen Jugend den NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow einen "gefährlichen Geschichtsrevisionisten". Lüssows Wahlkreismitarbeiter David Petereit griff daraufhin das Grünen-Mitglied vor laufenden Kameras tätlich an. Zuvor hatte Petereit auf dem Schulgelände Schüler und Lehrer fotografiert.

Quelle: Pressemitteilung der Grünen Jugend Mecklenburg-Vorpommern vom 7. Juli 2007 / Endstation Rechts vom 06. Juli 2007

07. Juli 2007, Wurzen, Sachsen

Das Netzwerk für demokratische Kultur (NDK) in Wurzen wurde überfallen. Kurz nach Mitternacht betraten drei Unbekannte das Vereinshaus. Als ein anwesender ehrenamtlicher Mitarbeiter die Polizei rufen wollte, habe einer der Männer versucht, ihn zu würgen. Anschließend wurden unter anderem ein Laptop und ein Aktenordner mit den Unterschriften von 1.3000 Wurzener Bürgern, die sich nach einem Anschlag auf das NDK im November 2004 mit dem Verein solidarisch erklärt hatten, gestohlen.

Quelle: ddp vom 7. Juli 2007/ Pressemitteilung des KV Muldental der Linken vom 07. Juli 2007

7. Juli 2007, Berlin

In Berlin-Wilmersdorf zeigten Mitglieder einer Gruppe Jugendlicher den Hitlergruß. Daraufhin kritisierte ein 30-Jähriger die Jugendlichen. Es kam es zu einem Streit, in dessen Verlauf einer der Jugendlichen dem Opfer mehrfach ins Gesicht schlug. Ein anderer trat auf ihn ein.

Quelle: ddp vom 08. Juli 2007

8. Juli 2007, Erfurt, Thüringen

In der Nacht zum 08. Juli 2007 ist auf das Büro der Landtagsabgeordneten der Linkspartei, Matthias Baerwolff und Susanne Hennig, ein Anschlag verübt worden. Eine Scheibe des Büros mit dem Namen "RedRoXX" wurde eingeworfen. "RedRoXX" engagiert sich in der antirassistischen und antifaschistischen Arbeit.

Quelle: ddp vom 8. Juli 2007

11. Juli 2007, Aachen, Nordrhein-Westfalen In Abwesenheit des Bewohners wurde ein Einbruch in eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Aachen entdeckt. Sämtliche Möbel, Wände und Bekleidungsgegenstände eines Marokkaners wurden mit Farbe besprüht. Mehrere Möbel wurden durch Messerstiche beschädigt. Rassistische Sprüche wie "Ausländer raus" und ein Hakenkreuz wurden an Wände gesprüht.

Quelle: Aachener Nachrichten online vom 12. Juli 2007

11. Juli 2007, Hennigsdorf, Brandenburg

In Hennigsdorf besetzte die Antifaschistische Initiative eine seit Jahren leer stehende Fabrik. Noch am gleichen Abend versuchten rund 30 Neonazis, das Gebäude zu stürmen. Leuchtmunition wurde abgeschossen und Steine geworfen. Die Antifaschisten konnten den Überfall abwehren.

Quelle: TAZ vom 13. Juli 2007

13. Juli 2007, Berlin

Ein 29-Jähriger riss in Berlin-Charlottenburg einem 22-Jährigen seinen Anti-Nazi-Anstecker vom Rucksack und schlug auf sein Opfer ein. Bei seiner Festnahme durch die Polizei leistete der Täter Widerstand und beleidigte die Polizisten.

Quelle: ddp vom 14. Juli 2007

13. Juli 2007, Merseburg, Sachsen Anhalt

Acht zumeist links orientierte Jugendliche wurden am 13. Juli im Merseburger Schlossgarten von Rechtsextremisten angegriffen und verletzt. Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes der Stadt griffen nicht in die Schlägerei ein, sondern beobachteten den Überfall lediglich.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 21. Juli 2007

14. Juli 2007, Magdeburg, Sachsen Anhalt

Fünf 18 bis 23 Jahre alte Spätaussiedler wurden von Rechtsextremisten in Magdeburg attackiert und leicht verletzt.

Quelle: dpa/Mitteldeutsche Zeitung v. 16. Juli 2007

15. Juli 2007, Berlin

Fünf Neonazis verprügelten im Alter zwischen 18 und 23 Jahren am Biesdorfer Baggersee in Berlin-Marzahn einen 16-jährigen Polen. Zuvor wurde das Opfer mit Sätzen wie "Verpiss Dich, sonst knall ich dich ab" und "Bleib unter Juden!" beschimpft.

Quelle: Berliner Zeitung vom 16. Juli 2007

15. Juli 2007, Krakow, Mecklenburg-Vorpommern

Sieben Neonazis, darunter eine Frau, im Alter zwischen 21 und 29 Jahren haben am Krakower See in der Nähe der Ortschaft Serrahn bei Güstrow ausländerfeindliche Parolen gebrüllt, den Hitlergruß gezeigt, Badegäste belästigt und mit einer Maschinenpistole mehr als ein Dutzend Mal in die Luft geschossen. Die Aggressivität der Neonazis richtete sich insbesondere gegen Familien von Spätaussiedlern.

Quelle: AP vom 16. Juli 2007 / Pressemitteilung der Polizei Rostock vom 16. Juli 2007

16. Juli 2007, Hildburghausen, Thüringen

Im gemeinsamen Büro des thüringischen Landtagsabgeordneten Tilo Kummer und der Linkspartei-Geschäftsstelle in Hildburghausen wurde eine Schaufensterscheibe eingeschlagen. Die Partei geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus.

Quelle: Freies Wort vom 16. Juli 2007

17. Juli 2007, Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern

Unter rassistischen Parolen haben fünf Rechtsextremisten im Alter zwischen 22 und 46 Jahren französische Jugendliche angegriffen. Zu der Gruppe gehörten auch Jugendliche mit dunkler Hautfarbe, die von den Angreifern als "Neger" beschimpft wurden.

Quelle: "Spiegel Online" vom 19. Juli 2007

19. Juli 2007, Forst, Brandenburg

Vier der rechtsextremen Szene angehörende polizeibekannte Männer im Alter zwischen 23 bis 28 Jahren haben in einem linken Szenetreff in Forst einem 19-Jährigen mehrfach ins Gesicht geschlagen und das Handy geraubt. Zuvor skandierten sie rechtsextreme Parolen.

Quelle: ddp v. 20. Juli 2007

19. Juli 2007 Wischer, Sachsen-Anhalt

Eine Gruppe von acht oder neun jungen Männern hat zeltende Jugendliche angegriffen. Zelte wurden umgeworfen und mehreren Opfern mit der Faust von einem der Täter ins Gesicht geschlagen. Einem Opfer wurde mehrfach in die Rippen getreten. Einer der Täter soll NS-Äußerungen über ein Megafon gebrüllt haben.

Quelle: dpa/Mitteldeutsche Zeitung vom 19. Juli 2007

19. Juli 2007, Halberstadt, Sachsen-Anhalt

Die Polizei teilte mit, dass ein 59-jähriger Obdachloser in Blankenburg im Harz von zwei jungen Männern im Alter von 17 und 20 Jahren erschlagen wurde. Gegen den älteren der beiden polizeibekannten Täter wurde 2005 ermittelt, da er eine rechtsextreme CD besaß. Von einem politischen Motiv für die Tat werde jedoch nicht ausgegangen Quelle: AFP v. 19. Juli 2007

21. Juli 2007, Dresden, Sachsen

Ein 27-jähriger indischer Student wurde von einem glatzköpfigen Mann mit einem Schlagring niedergeschlagen. Der Student erlitt eine Platzwunde, die genäht werden musste. Viele Fahrgäste sahen zu, niemand schritt ein, niemand alarmierte die Polizei. Der unbekannte Täter wird wegen weiterer Körperverletzungen von der Polizei gesucht.

Quelle: Presssemitteilung der Polizei v. 24. Juli 2007 / Frankfurter Rundschau v. 26. Juli 2007 21. Juli 2007, Berlin Ein 32-jähriger Mann schüchterte in der Berliner Weitlingstraße eine 19-jährige Vietnamesin ein. Danach versuchte der Täter einen Ukrainer vom Fahrrad zu schlagen und beleidigte einen Arzt aus Afghanistan, der ihm Blut abnehmen sollte.

22. Juli 2007, Berlin

Ein 20-jähriger Kenianer wurde in Berlin-Hohenschönhausen aus einer Gruppe von zehn Personen heraus als "Neger" beschimpft. Einem Faustschlag konnte der Afrikaner ausweichen. Am gleichen Tag wurden zwei asiatisch aussehende Schwestern in einer Straßenbahn in Köpenick von einer 22-jährigen Frau beschimpft und angegriffen.

Quelle: Berliner Zeitung v. 23. Juli 2007

24. Juli 2007, Dortmund, Nordrhein-Westfalen

In Dortmund wurde das Haus der Familie Richter mit brauner Farbe beschmiert. Frau Richter hat das Amt der Pressesprecherin des "Bündnis Dortmund gegen Rechts" inne. Herr Richter sitzt für das "Linke Bündnis Dortmund" im Rat der Stadt. Hinterlassen wurde auch eine politische Erklärung, in der es heißt: "Finger weg von unserer Jugend! Antifaarbeit verhindern! Antifa-Gruppen zerschlagen! Wer der Bewegung im Weg steht, muss mit den Konsequenzen leben! Organisiert die Anti-Antifa! Lasst Euch nichts gefallen!"

Quelle: indymedia v. 29. Juli 2007

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