Teure Werbeprofis der Agentur WMP sollten das Image von Florian Gerster aufpolieren. Doch die heimlich eingefädelte Aktion flog auf. Nun muss der Chef der Bundesanstalt für Arbeit um seinen eigenen Job bangen.

Rüde Methoden, dubiose Geschäfte: Florian Gerster, seit 2002 Boss der gigantischen Behörde in Nürnberg, hat seinen einst guten Ruf verspielt© Robert Michael/ddp
Am Anfang der Erschaffung der schönen, neuen Arbeitswelt war das Wort. Das Wort des Kanzlers. Also sprach Gerhard Schröder: "Ich schicke meinen besten Mann auf meine wichtigste Baustelle." Und damit war, vor anderthalb Jahren, Florian Gerster, 54, neuer Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Nürnberg. Ob der SPD-Chef Schröder damit den Besten gesandt hat, steht einstweilen dahin. Gesichert hingegen: Der neue BA-Chef ist sein teuerster Mann.
Das Amtsgehalt beträgt rund 250 000 Euro im Jahr. Das entspricht etwa dem Jahressalär des Regierungschefs und ist das Doppelte von dem, was der geschasste Vorgänger Bernhard Jagoda verdient hat.
Er wettert gegen "überzogenes Anspruchsdenken" der Arbeitslosen und fährt zugleich drei Dienstwagen (7er-BMW und C-Klasse Mercedes), die für politische Ausflüge nach Berlin, am Dienstsitz in Nürnberg und am Wohnort in Worms vorgehalten werden.
Zeitweise ließ er sich zum Wochenende nach Worms kutschieren. Im Schlepptau ein zweiter Wagen mit Fahrer, der dann seinen Chauffeur nach Nürnberg zurückbrachte. Für Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) ein klarer Fall von Größenwahn: "Dem Herrn belieben es, auf hohem Ross zu reiten."
Kaum am Arbeitsplatz angekommen, möbelte Gerster die Vorstandsetage in Nürnberg für 1,8 Millionen Euro auf. Dazu passt seine Herrschaftsmarotte: Wenn er im Lift nach oben will, hat das niedere Personal von der Benutzung des Fahrstuhls gefälligst Abstand zu nehmen, heißt es.
Jetzt hat "Bild am Sonntag" enthüllt: Für insgesamt 1,3 Millionen Euro, beschafft aus den Beiträgen der Arbeitnehmer zur Arbeitslosenversicherung, beschäftigt Gerster den Medienberater Bernd Schiphorst. Der soll dafür Konzepte und Werbemaßnahmen liefern, um ihm und seiner Behörde ein besseres Image zu verschaffen.
Auf Schiphorst, ehemals Bertelsmann-Manager, der heute im Dienst der Berliner Medienagentur WMP EuroCom AG steht, war Gerster von Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen hingewiesen worden. WMP wird für Kleingeld nicht tätig. Da wirken schließlich einflussreiche Leute: Aufsichtsratschef ist Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, im Aufsichtsrat sitzen die SPD-Abgeordneten Peter Danckert und Rainer Wend. Das passt wie bestellt: Wend ist Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, dem Gerster bislang jede Auskunft über den WMP-Vertrag verweigerte. Auch der Vorstand ist prominent besetzt. Dort sitzen neben Schiphorst der FDP-Politiker Günter Rexrodt und die ehemaligen "Bild"-Zeitungsmacher Hans-Erich Bilges und Hans-Hermann Tiedje.
Das dicke Honorar streicht Schiphorst für maximal zwei Tage Anwesenheit in Nürnberg ein. Damit sticht Gerster glatt Hans Eichel aus, der sich von dem Imageberater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle - Erfinder des "Spar-Hans" - ebenfalls seit Jahren für ein Tageshonorar von 510 Euro imagemäßig verschönern lässt.
Die Abgeordneten im Wirtschaftsausschuss staunten nicht schlecht, als Gerster unlängst alle Nachfragen nach dem Beratervertrag abwimmelte. Das seien interne Personalien, die das Parlament nicht zu interessieren hätten, da das Honorar nicht aus dem Steuersäckel komme. Im Übrigen werde nicht einmal der BA-Verwaltungsrat darüber informiert, allenfalls der Vorstand. Die Info-Blockade hat einen Grund. Der 1,3-Millionen-Euro-Auftrag ging ohne ordentliche Ausschreibung unter dem Tisch an WMP. Dafür sei keine Zeit gewesen, verteidigt BA-Sprecherin Bettina Schmidt das dubiose Verfahren.
Der FDP-Abgeordnete Dirk Niebel, arbeitsmarktpolitischer Experte seiner Fraktion, zum stern: "Dieser Vorgang ist ein weiterer Grund, die Nürnberger Anstalt völlig aufzulösen." Niebel empört: "Der Herr verbrät Beitragsmittel der Arbeitnehmer nach Gutsherrenart." Der CDU-Wirtschaftsexperte Friedrich Merz prophezeit Gerster: "Das wird eng für den Herrn."
Ob Gersters Imageberater noch etwas retten kann, ist ohnehin zweifelhaft. Sein Klient hat bislang alles getan, um seinen Ruf - "Klein gewachsen, aber große Klappe" - zu festigen. Vor dem Dienstantritt ließ er seine Mitarbeiter in Nürnberg wissen, in Zukunft werde die Behörde mit der Hälfte der Bediensteten auskommen. Damit hatte er sofort den Hauptpersonalrat gegen sich, auf dessen Kooperation Gerster beim Umbau angewiesen ist.