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+++Libyen-Ticker+++: USA denken an Einsatz von Bodentruppen

Gaddafis blutige Offensive nimmt kein Ende: Regierungstruppen greifen immer wieder die Hafenstadt Ras Lanuf an. Die EU bereitet Maßnahmen gegen die libysche Wirtschaft vor, die USA schließen inzwischen nicht aus, sogar Bodentruppen zu entsenden. Die Lage in Libyen im Ticker.

+++ 19:33 Uhr: USA schließen Bodentruppen-Einsatz nicht aus +++

Die USA schließen die Entsendung von Bodentruppen nach Libyen nicht mehr aus. Dies stehe aber nicht ganz oben auf der Liste möglicher Maßnahmen, erklärt das US-Präsidialamt. Eine andere Option wäre die Durchsetzung eines UN-Waffenembargos. Zu den Optionen gehöre auch die Bewaffnung der Aufständischen. Großbritannien bemüht sich unterdessen zusammen mit anderen Staaten um ein UN-Mandat für eine Flugverbotszone in Libyen. Grund dafür seien Informationen, dass Libyen Kampfhubschrauber und -flugzeuge gegen Aufständische einsetze. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärt in Brüssel, die Organisation bereite sich auf alle Eventualitäten vor. Russland hat aber bereits signalisiert, dass es gegen eine Militärintervention in Libyen ist. Auch eine Zustimmung Chinas gilt als eher unwahrscheinlich.

+++ 16:56 Uhr: EU plant Sanktionen gegen libysche Firmen +++

Nach Sanktionen gegen Gaddafi sowie rund zwei Dutzend seiner Vertrauten bereitet die Europäische Union nun Maßnahmen gegen wichtige libysche Firmen vor. Die Mitgliedstaaten beraten Finanzsanktionen gegen fünf "juristische Personen", darunter der Staatsfonds Libyan Investment Authority (LIA), wie EU-Diplomaten am Montag in Brüssel sagten. Der LIA verwaltet die milliardenschweren Einnahmen des Landes aus dem Ölgeschäft. Die Sanktionen werden den Diplomaten zufolge vermutlich noch in dieser Woche beschlossen.

+++ 16:30 Uhr: Weitere Luftangriffe auf Ras Lanuf +++

Augenzeugen berichten von Luftangriffen der Gaddafi-Truppen auf Ras Lanuf. Splitter hätten ein Auto getroffen, mindestens ein Mensch sei möglicherweise dabei getötet worden.

+++ 15:53 Uhr: Über eine Million Libyer brauchen Hilfe +++

Mehr als eine Million Libyer, die im Land oder außerhalb auf der Flucht sind, brauchen nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) Hilfe. UN-Hilfskoordinatorin Valerie Amos sagte am Montag in Genf, die Flüchtlingsdramen spielten sich an den Grenzen des nordafrikanischen Landes ab, wo Rebellen den seit mehr als 40 Jahren herrschenden Machthaber Muammar Gaddafi stürzen wollen.

+++ 15:16 Uhr: EU kurz vor Sanktionen +++

Die EU ist Diplomaten zufolge kurz davor, die Sanktionen gegen Libyen auszuweiten. Die Strafmaßnahmen sollen auch die staatliche Investmentbehörde des Landes treffen. Dabei handelt es sich um einen 70 Milliarden Dollar schweren Staatsfonds, der unter anderem an der italienischen Großbank UniCredit und an dem Fußballverein Juventus Turin Anteile hält.

+++ 15:06 Uhr: Nato verurteilt Angriffe auf Zivilisten +++

Die Angriffe regierungstreuer Truppen auf Zivilisten in Libyen könnten nach Ansicht von NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bewertet werden. "Wir verurteilen diese Angriffe gegen die Bevölkerung streng", sagte Rasmussen am Montag in Brüssel. Diese "weit verbreiteten und systematischen Angriffe gegen die Zivilbevölkerung können Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommen". Libyen steht am Rande eines Bürgerkriegs, regierungstreue Truppen und Oppositionelle liefern sich Gefechte um die Kontrolle des Landes.

+++ 15:00 Uhr: Gaddafi droht Europäern mit Flüchtlingswelle +++

Der libysche Staatschef Muammar al Gaddafi will sein politisches Überleben angeblich dadurch sichern, dass er Hunderte von Afrikanern in kleinen Booten nach Europa schickt. Ein Rebellenkommandeur aus der Stadt Misurata sagt am Montag, Anhänger von Oberst Gaddafi hätten bereits vor einigen Tagen auf mehreren Baustellen rund um Misurata 170 afrikanische Arbeiter und 30 Ägypter "eingesammelt". Auch an anderen Orten seien Ausländer "abgeführt" worden. Diese sollten nun mit kleinen Booten vom Hafen Al-Choms aus über das Mittelmeer in Richtung Südeuropa in See stechen. Gaddafi hatte vor einigen Tagen gedroht, wenn sein Regime stürzen sollte, sei Europa von einer Welle illegaler Einwanderer bedroht.

+++ 14:11 Uhr: Deutschland will Ölreserven nicht öffnen +++

Durch die Unruhen in Libyen droht in Deutschland nach Ansicht der Bundesregierung kein Engpass bei den Öllieferungen. Aus anderen Ländern würden weiterhin ausreichend große Mengen des Rohstoffs geliefert, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Montag in Berlin. "Deswegen müssen unsere Reserven nicht aktiviert werden", antwortete sie auf eine Frage nach der möglichen Öffnung der deutschen Ölreserven.

+++ 13:45 Uhr: EU-Team trifft sich nicht mit Gaddafi-Regierung +++

Das von der Europäischen Union (EU) nach Libyen entsandte Expertenteam soll vor Ort keinen Kontakt zur Regierung von Machthaber Muammar el Gaddafi aufnehmen. Es handele sich um eine "technische Mission", nicht um eine politische, sagte der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Montag in Brüssel. Treffen mit Regierungsvertretern seien daher nicht geplant. Die EU-Experten reisten demnach jedoch mit offiziellen Visa ein. Die EU hat sich von dem umstrittenen Machthaber Gaddafi distanziert und ihn zum Rücktritt aufgefordert. Die EU-Staaten verhängten zudem Sanktionen gegen den Machthaber, Mitglieder seiner Familie sowie Vertraute.

+++ 13:35 Uhr: Arabische Liga unterstützt Flugverbot +++

Die Arabische Liga unterstützt laut Frankreich die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen, um weitere Angriffe der Luftwaffe von Machthaber Muammar el Gaddafi auf die Aufständischen zu verhindern. Der Generalssekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, habe bei einem Treffen mit dem französischen Außenminister Alain Juppé am Sonntag in Kairo seine Unterstützung für ein Flugverbot geäußert, sagte am Montag ein Sprecher des französischen Außenministeriums.

+++12.48 Uhr: Gaddafi ins Exil?+++

Gaddafi soll Kontakt zum neuen "Nationalrat" in Bengasi aufgenommen haben - angeblich um vorzuschlagen, dass er mit seiner Familie ins Exil geht. Seine Bedingungen seien: Die neuen Machthaber lassen ihn mitsamt seinem Vermögen ausreisen und verzichten auf Ermittlungen gegen ihn und seinen Clan, berichtete "Al-Sharq Al-Awsat". Die Übergangsregierung der Aufständischen habe auf diesen Vorschlag, der ihnen von einem Vermittler unterbreitet worden sei, noch nicht reagiert.

+++ 12:45 Uhr: Uno bittet um Spenden für Flüchtlinge +++

Die Vereinten Nationen haben am Montag um Spenden für die Libyen in Höhe von 160 Millionen Dollar gebeten. Damit soll die humanitäre Hilfe für die kommenden drei Monate gesichert werden. Das Geld soll denjenigen zukommen, die vor den Unruhen in Libyen fliehen. Viele von ihnen sind Ausländer und sollen nun in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Zum anderen sollen damit auch die Menschen im Land selbst unterstützt werden, unter anderem mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe.

+++ 12:15: Westerwelle begrüßt Ernennung von UN-Sondergesandten +++

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Ernennung eines UN-Sondergesandten für Libyen begrüßt. Der ehemalige jordanische Außenminister Abdelilah el Chatib sei ein "erfahrener Politiker aus der Region, der dem humanitären und politischen Einsatz der Staatengemeinschaft für Libyen Gesicht und Stimme" geben könne, erklärte Westerwelle am Montag in Berlin. Seine Aufgabe ist es laut Auswärtigem Amt, schnellstmöglich durch Gespräche in Libyen und der Region die aktuelle humanitäre Situation sowie die weiteren Folgen der gewaltsamen Auseinandersetzungen zu bewerten. Westerwelle hatte vergangene Woche die Berufung eines Sondergesandten für die Vereinten Nationen durch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gefordert.

+++ 12:14 Uhr: Kriegsangst treibt Goldpreis hoch +++

Vor allem die Angst vor einem Bürgerkrieg in Libyen lässt Anleger zu Wochenbeginn weiter auf den sicheren Hafen Gold setzen. Der Preis für das Edelmetall steigt bis auf 1439,40 Dollar je Feinunze und liegt damit nur fünfzig Cent unter dem Rekordhoch vom Mittwoch vergangener Woche.

+++ 12:12 Uhr: Flüchtlingswelle auf Lampedusa +++

Angesichts der dramatischen Lage in Nordafrika wagen erneut rund 850 Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt auf die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. In der Nacht zum Montag stranden elf Boote, zumeist mit tunesischen Flüchtlingen. Die Behörden rechnen mit weiteren Überfahrten, auch aus Libyen.

+++ 12:12 Uhr: Spanien unterstützt Militäreingriff +++

Die spanische Regierung befürwortet nach Informationen der Zeitung "El País" unter bestimmten Bedingungen eine Militärintervention in Libyen. Spanien würde daran auch teilnehmen, berichtete das Blatt am Montag unter Berufung auf Madrider Regierungskreise. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero betrachte einen solchen Eingriff aber als letztes Mittel und mache zur Bedingung, dass dieser durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrates legitimiert werde. Außerdem sei die Zustimmung der Arabischen Liga oder der Afrikanischen Union notwendig.

+++12:02 Uhr: Italien steht in Kontakt mit Rebellen +++

Die italienische Regierung steht nach eigenen Angaben mit dem von Aufständischen gegründeten Nationalrat in Libyen in Verbindung. "Wir verfügen über bessere Kontakte als andere", sagt Außenminister Franco Frattini am Montag dem Fernsehsender RAI1. Die italienische Regierung kenne den früheren libyschen Justizminister Mustafa Abdel Dschalil, der an der Spitze des Nationalrats steht, und die abtrünnigen Botschafter des nordafrikanischen Landes gut, ergänzt er. Italien wolle auf "diskrete" Weise zu einer Lösung des Konflikts in seiner früheren Kolonie beitragen.

+++ 11:44 Uhr: Rebellen fordern Gaddafis Rücktritt +++

Die libysche Führung ruft die Opposition in ihrer Hochburg Benghasi zum nationalen Dialog auf, um die Krise zu beenden. Dem vom früheren Ministerpräsidenten Dschallah Asus Al-Talhi im Staatsfernsehen verlesenen Aufruf waren keine Konzessionen an die Aufständischen zu entnehmen. Eine Vertreter der Rebellen erteilt einem breiten Dialog mit Gaddafi umgehend eine Absage. Der Rücktritt des Machthabers sei Voraussetzung für jegliche Gespräche, sagt Ahmed Dschabril.

+++ 11:44 Uhr: Journalisten verlassen Hotel +++

Journalisten verlassen am frühen Montagmorgen in Ras Lanuf das erste Hotel am Platze, weil das Personal ihre Sicherheit nicht mehr garantieren will. Einige Reporter kehren später in das Haus zurück. Ein Kämpfer der Rebellen mit umgehängtem Gewehr serviert Kaffee.

+++ 11:04: Havel nennt Gaddafi "kuriosen Clown" +++

Der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel hat sich für einen Militäreinsatz in Libyen ausgesprochen. Die ganze Welt habe Muammar al-Gaddafi lange für einen kuriosen Clown gehalten, tatsächlich sei der libysche Staatschef aber ein "verrückter Verbrecher", sagte Havel der Zeitung Hospodarske Noviny (Montagsausgabe).

+++ 10:25 Uhr: Ölpreis schnellt in die Höhe +++

Die immer heftiger werdenden Kämpfe in Libyen geben dem Ölpreis zu Wochenbeginn noch einmal einen deutlichen Schub. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich in der Spitze um 1,35 Dollar auf 117,32 Dollar. Der Preis für US-Öl der Sorte WTI springt sogar um 2,02 Dollar auf 106,44 Dollar und ist damit so teuer wie seit September 2008 nicht mehr. "Die Situation im Nahen Osten ist völlig unklar. Keiner weiß, wo das noch hinführen wird und wie es ausgehen kann, die Unsicherheit ist einfach enorm hoch, und das schlägt sich im Ölpreis nieder", sagt ein Händler. Investoren befürchteten immer mehr, dass sehr bald auch der wichtigste Opec-Ölproduzent Saudi-Arabien von den Aufständen erfasst werden könnte.

+++ 10:23 Uhr: Gaddafi poltert gegen Frankreich +++

Der libysche Machthaber Muammar al Gaddafi wirft den internationalen Medien vor, Lügen über die Lage in Libyen zu verbreiten. Außerdem würde sich Frankreich in die inneren Angelegenheiten seines Landes einmischen. "Das bringt einen zum Lachen, diese Einmischung in die inneren Angelegenheiten. Was wäre, wenn wir uns in die Angelegenheiten Korsikas oder Sardiniens einmischen würden", fragt Gaddafi am Montagmorgen im französischen Fernsehsender France 24. Paris begrüßte zuvor die Gründung des oppositionellen Nationalrates in Libyen.

+++ 09:57 Uhr: Angriff durch Gaddafis Luftwaffe +++

Die Luftwaffe von Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi fliegt am Montag erneut einen Angriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Ras Lanuf. Aus Angst vor Angriffen der Gaddafi-Getreuen sind zuvor zahlreiche Menschen aus der umkämpften Stadt geflohen. Innerhalb einer Viertelstunde fahren am Morgen ein Dutzend Autos in Richtung der weiter östlich liegenden Stadt Brega. Brega wird seit vergangener Woche von den Aufständischen kontrolliert. Entgegen der Warnungen der Rebellen machen sich einige Bewohner auch in Richtung Westen nach Bin Dschawad auf. Die Stadt war am Sonntag von Getreuen Gaddafis zurückerobert worden.

+++ 09:22 Uhr: Furcht vor Krieg belastet Dax +++

Die Aussicht auf einen langen Bürgerkrieg in Libyen hält Anleger am Rosenmontag vom deutschen Aktienmarkt fern. Der deutsche Leitindex verliert in den ersten Minuten 0,5 Prozent auf 7139 Zähler. Der steigende Ölpreis drückt auf die Stimmung der Investoren.

+++08:49 Uhr: Opec prüft Sondersitzung +++

Die Opec prüft wegen der Libyen-Krise eine Sondersitzung des Kartells. Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder verfolge die Lage genau und entscheide dann, ob solch ein Treffen nötig sei, sagt der Energieminister aus Katar, Mohammed Saleh al-Sada, am Montag. "Es gibt keinen Grund für Nervosität", fügt er hinzu. Eine ganze Reihe von Ländern sei in der Lage, den Ausfall der libyschen Ölproduktion zu ersetzen.

+++ 08:41 Uhr: US-Militär bereitet Einsatz vor +++

Die US-Streitkräfte bereiten sich einem Bericht zufolge auf einen eventuellen Militäreinsatz in Libyen vor. Wie die Zeitung "New York Times" am Sonntag (Ortszeit) unter Berufung auf ungenannte Regierungsmitarbeiter berichtet, werde der Einsatz von Flugzeugen im internationalen Luftraum vorbereitet, mit denen die Funkkommunikation in Libyen gestört werden könne. Zudem seien weitere Marineverbände vor der libyschen Küste in Stellung gegangen. Dem Zeitungsbericht zufolge liegen die beiden Angriffsschiffe "Kearsarge" und "Ponce" in Reichweite vor Tripolis.

+++ 07:06 Uhr: Rebellen nehmen Soldaten gefangen +++

Libysche Rebellen nehmen bei Kämpfen gegen die Truppen von Staatschef Muammar al Gaddafi im Westen des Landes nach eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Soldaten gefangen. Ein Sprecher der Aufständischen sagt dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira am Montag, von den 14 Soldaten der Chamies-Brigade seien vier verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Bei den Kämpfen um die Städte Misurata und Al-Sawija habe es auf beiden Seiten Tote gegeben. Am Frontverlauf habe sich jedoch weder dort noch im Osten an der Küste etwas geändert. Dort sei die Schlacht um die Stadt Bin Dschawad noch nicht entschieden.

fro/AFP/Reuters/dpa / Reuters