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Geplantes Referendum und die Folgen Wall Street schließt mit kräftigen Verlusten


Wegen des überraschenden Plans, in Griechenland ein Referendum abzuhalten, rufen Merkel und Sarkozy erneut zu einem EU-Krisengipfel. Die Börsenkurse gehen in den Keller. Die Ereignisse des Tages in der Rückschau.

Die geplante Volksabstimmung in Griechenland über das internationale Hilfspaket hat auch die Wall Street kalt erwischt. Die New Yorker Börsen schließen mit kräftigen Verlusten. Anleger befürchten, dass der mühsam ausgehandelte Fahrplan der Euro-Staaten zur Bewältigung der Schuldenkrise in Gefahr gerät. "Der Markt war auf dieses griechische Referendum nicht vorbereitet, das sich zu einem Killer entwickeln könnte", sagt Investmentstratege Paul Mendelsohn von Windham Financial Services. Nun könne der gesamte europäische Rettungsplan unter die Räder kommen.

+++ 20.56 Uhr: Wohl kein Rücktritt +++

Krisensitzung des Ministerrates in Athen: Bisher deutet nichts auf einen Rücktritt von Ministerpräsident Papandreou hin. Der Regierungschef wird die Vertrauensfrage abwarten, über die das Parlament am späten Freitagabend entscheiden soll. Der Rückhalt für Papandreou in dessen eigener Partei sinkt seit der überraschenden Ankündigung des Referendums. Derzeit hat die Regierung nur noch eine Mehrheit von zwei Stimmen.

+++ 19.20 Uhr: Referendum schon im Dezember? +++

Die Bundesregierung bemüht sich nach Informationen von stern.de in Athen intensiv darum, die Zeit bis zum Referendum möglichst kurz zu halten, um die Verunsicherung an den Märkten einzudämmen. Im Gespräch ist angeblich ein Termin noch im Dezember.

+++ 18.00 Uhr: Papandreou fährt zum Gipfel

An dem Krisentreffen vor Beginn des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Cannes sollen auch die Spitzen von EU und IWF sowie Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou teilnehmen.

+++17.47 Uhr: Dax schließt fünf Prozent im Minus+++

Das angekündigte griechische Referendum lässt den deutschen Aktienmarkt einbrechen: Der Dax schließt mit einem Minus von fünf Prozent bei 5834,51 Punkten. Am Nachmittag war er zwischenzeitlich sogar um 6,2 Prozent abgestürzt.

+++16.51 Uhr: CSU bringt Griechen-Austritt aus Eurozone ins Spiel+++

Die CSU bringt einen Austritt Athens aus der Euro-Zone ins Spiel. "Griechenland muss wissen: Wenn es nicht willens oder in der Lage ist, harte Sparmaßnahmen durchzuführen, kann es keine Hilfe erwarten und muss die Euro-Zone verlassen", sagt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Solidarität könne es nicht ohne Stabilität geben, so Dobrindt weiter. "Griechenland muss wissen: Die Euro-Zone ist eine Gemeinschaft der Stabilität und der Leistungsbereiten - kein Hängematten-Club."

+++16.59 Uhr: Bosbach stellt Griechen-Milliarden infrage+++

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach stellt die laufenden Milliardenhilfen für Griechenland infrage. "Wenn Griechenland weitere Unterstützung will, dann muss das Land die gegebenen Zusagen erfüllen", so Bosbach in der Bild"-Zeitung. "Solange es völlig offen ist, wie es in Griechenland politisch weitergeht, kann das Land nicht erwarten, dass ständig weitere Milliardenhilfen geleistet werden."

+++16.46 Uhr: Merkel reist einen Tag früher nach Cannes+++

Der weitere Sondergipfel zur Griechenland-Krise erhält Konturen: Bei dem Treffen am Mittwoch in Cannes wollen Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auf eine rasche und vollständige Umsetzung der Beschlüsse des Euro-Gipfels für Athen pochen. Dies sei "heute notwendiger sind denn je", heißt es in einer gemeinsamen deutsch-französischen Erklärung.

Nach Angaben der Bundesregierung sollen "alle erforderlichen Maßnahmen zur umgehenden Umsetzung" der Beschlüsse des Euro-Gipfels von vergangener Woche getroffen werden. Deutschland und Frankreich wünschten, dass in Abstimmung mit ihren europäischen Partnern und dem IWF bald ein Zeitplan zur Umsetzung dieser Vereinbarung angenommen werde.

+++16.30 Uhr: Fondsgesellschaft warnt vor Ende der Euro-Zone+++

Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors halten bei einer möglichen Ablehnung der Griechen das Ende der Euro-Zone für gekommen: "Ein drohender Domino-Effekt bei anderen Peripherie-Ländern ist real", sagt der oberste Aktienmarktstratege Andreas Utermann. "Wir könnten letztlich den Anfang vom Ende der Euro-Zone sehen, wie wir sie kennen: die Einführung eines Kern-Euro, oder noch schlimmer, die Wiedereinführung nationaler Währungen in der gesamten Euro-Zone."

+++16.18: Bankenverband hält an Schuldenschnitt fest+++

Der internationale Bankenverband IIF hält am geplanten Schuldenschnitt fest. Der Verband erklärt, er wolle weiterhin die Vereinbarung des Euro-Krisengipfels von voriger Woche umsetzen, wonach private Gläubiger auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Griechenland verzichten wollen. Hierzu will der Verband weiter eng mit den griechischen Behörden und Vertretern der Euro-Zone zusammenarbeiten.

+++15:37 Uhr: Merkel und Sarkozy vereinbaren neuen Krisengipfel+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben sich nach der Entscheidung Griechenlands für ein Referendum in einem Telefonat beraten. Ergebnis: Am Mittwoch soll es einen neuen Krisengipfel zur Griechenland-Krise geben. Wie die Bundesregierung mitteilte, soll das Sonder-Spitzentreffen am Mittwoch in Cannes stattfinden - im Vorfeld des G20-Gipfels. Teilnehmer werden auch die Spitzen von Europäischer Union, EU-Rat, Europäischer Zentralbank (EZB) sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF) sein. Es soll auch Gespräche von Merkel und Sarkozy mit der griechischen Seite geben. Papandreou wird in Cannes dabei sein.

+++15:26 Uhr: Parlamentarier fordern Neuwahlen+++

Die Kritik an Papandreou in den eigenen Reihen wird immer lauter: Mit der Parlamentarierin Eva Kaili sprach sich nun das zweite Fraktionsmitglied der sozialistischen Partei für vorgezogene Neuwahlen aus. Zugleich forderte Kaili wie bereits ihr Kollege Vasso Papandreou die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit.

+++15:24 Uhr: Dax erlebt größten Kursrutsch seit 18. August+++

Die Ankündigung des griechischen Referendums lässt die Aktienmärkte weiter abstürzen. Der Dax sackte um 5,62 Prozent ab auf 5795 Punkte. Das war der größte Kursrutsch seit dem 18. August. Seit seinem 12-Wochen-Hoch am Freitag hat der deutsche Leitindex damit mehr als zehn Prozent eingebüßt.

+++14.43 Uhr: Keine Rückkehr zur Drachme möglich+++

Griechenland kann einem Experten zufolge nicht selbst aus dem Euro-Raum austreten. "Kein Mitgliedstaat des Währungsraums kann eigenmächtig entscheiden, den Euro wieder abzugeben", erklärte Helmut Siekmann, Professor für Währungsrecht am House of Finance der Frankfurter Goethe-Universität. "Ein solcher Schritt ist europarechtlich ausgeschlossen, um die Stabilität der Währung zu garantieren." Sollte Griechenland seine alte Währung, die Drachme, zurückwollen, müsste das Primärrecht der Europäischen Union geändert werden, erklärte Siekmann. "Alternativ besteht für Griechenland nur die Möglichkeit, aus der Europäischen Union insgesamt auszutreten."

+++14.35 Uhr: Auch Wall Street unter Druck+++

Auch an der Wall Street rutschen die Kurse zum Handelsstart kräftig bergab. "Der Markt war auf dieses griechische Referendum nicht vorbereitet, das sich zu einem Killer entwickeln könnte", sagt Investmentstratege Paul Mendelsohn von Windham Financial Services. Der Dow Jones verliert in wenigen Minuten mehr als zwei Prozent.

+++14.30 Uhr: EU-Granden haben Vertrauen+++

Endlich mal wohlwollende Stimmen, wird sich Giorgios Papandreou denken. "Wir haben vollstes Vertrauen, dass Griechenland seinen Verpflichtungen nachkommt, die es mit der Eurozone und der internationalen Gemeinschaft vereinbart hat", erklären EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel. Sie nehmen damit Bezug auf von Griechenland zugesagten Einsparungen im Gegenzug für weitere Hilfen.

+++13.52 Uhr: Downing Street wusste von nichts+++

Die britische Regierung hat nach eigenen Angaben nichts von den Plänen Griechenlands gewusst, per Referendum über die Euro-Rettung abstimmen zu lassen. Premierminister David Cameron habe am Montagabend aus den Medien davon erfahren, deutete ein Sprecher der Downing Street am Dienstag an.

"Jedes Land muss seiner eigenen Linie folgen, und es wäre nicht richtig, wenn wir das kommentieren würden", sagt der Sprecher. "Vergangene Woche gab es eine Übereinkunft mit einem Kompromiss über ein Paket aus drei Elementen, die wir für wichtig halten. Jetzt müssen wir es mit Details füllen. Es ist an Griechenland, zu entscheiden, welche politischen Prozesse die richtigen sind, um Entscheidungen zu fällen."

+++13.47 Uhr: Papandreous Rückhalt schwindet+++

Die ohnehin schon knappe Parlamentsmehrheit von Papandreou ist weiter zusammengeschmolzen. Die sozialistische Abgeordnete Milena Apostolaki erklärt aus Protest gegen die Referendums-Pläne der Regierung ihren Austritt aus der Fraktion. Sie wolle als unabhängige Abgeordnete weiterarbeiten. Damit verfügt der Sozialist Papandreou rechnerisch nur noch über eine Mehrheit von zwei Sitzen im Abgeordnetenhaus: Die Sozialisten haben damit noch 152 von 300 Sitzen.

Gleichzeitig fordern sechs Mitglieder seiner sozilistischen Partei sogar Papandreous Rücktritt.

+++13.34 Uhr: Steinmeier: Papandreou geht riskanten Weg+++

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou geht nach den Worten von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier mit dem geplanten Referendum einen "riskanten, aber mutigen Weg". Papandreou habe mit seinen Reformen dafür gesorgt, dass sein Land wieder auf die Beine komme, sagt Steinmeier in Berlin. Er hoffe, dass die griechische Bevölkerung bereit sei, diesen Kurs weiter zu unterstützen. An die Bundesregierung appelliert er, Einfluss auf die konservative Opposition in Athen zu nehmen. Die Detailplanung für den Euro-Rettungsschirm muss nach Steinmeiers Worten unverändert weitergehen.

+++13.27 Uhr: Merkel und Sarkozy wollen telefonieren+++

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen noch am Dienstag in einem Telefonat über die neue Entwicklung in der griechischen Schuldenkrise sprechen. Das kündigt das Präsidialamt in Paris an.

+++ 13:20 Uhr: Venizelos sprach offenbar mit Schäuble und Ackermann +++

Griechenlands Regierung hat Kreisen zufolge mit Spitzenvertretern der Banken, der EU und des Internationalen Währungsfonds über das Rettungspaket gesprochen. Finanzminister Evangelos Venizelos habe mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann EU-Währungskommissar Olli Rehn und IWF-Experte Poul Thomsen geredet, erfährt die Nachrichtenagentur Reuters von einem Vertreter des Finanzministeriums in Athen.

+++12.56 Uhr: Dax fällt um mehr als fünf Prozent+++

Der Deutsche Aktienindex (Dax) ist gegen Mittag um mehr als fünf Prozent gefallen. Am Handelsplatz in Frankfurt am Main verliert der deutsche Leitindex um zwischenzeitlich 5,3 Prozent auf 5816 Punkte.

+++12.27 Uhr: Hohe Hürden für ein Referendum in Griechenland +++

Griechenlands Rettungspaket wäre der erste Volksentscheid in dem Land seit 1974. Damit ein Referendum über entscheidende nationale Angelegenheiten stattfinden kann, muss nach der griechischen Verfassung zunächst das Parlament mit absoluter Mehrheit zustimmen. Dann erst kann der Präsident die Volksabstimmung offiziell ausrufen. Damit das Ergebnis gültig ist, müssen sich mindestens 40 Prozent der Wahlberechtigten beteiligen. Im 20. Jahrhundert hat es in Griechenland insgesamt sieben nationale Referenden gegeben. Fast alle hingen mit der Monarchie zusammen.

fw/kng/DPA/Reuters DPA Reuters

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