Obwohl Ihre Freunde sagen, dass Sie dünn sind, tun Sie alles, um noch weiter abzunehmen? Sie kennen den Kaloriengehalt einer Vitamintablette? Sie wissen, wie lange Sie joggen müssen, bis der Energiegehalt eines Apfels aufgehoben ist - und laufen noch eine Viertelstunde länger? Sie haben schon mal Abführmittel oder Appetitzügler eingenommen? Wer diese Fragen mit ja beantwortet, könnte magersüchtig sein.
Betroffene erkennen meist nicht, dass sie magersüchtig sind. Auch Eltern merken oft nichts: Magersüchtige verleugnen und verstecken die Krankheit in der Regel sehr geschickt.
Ärzte achten auf folgende Symptome:
Die kritische Gewichtsgrenze liegt für Mediziner bei 15 Prozent unterhalb des niedrigsten Normalgewichts. Wie viele Kilogramm das sind, hängt vom Alter, von der Körpergröße und vom Geschlecht ab. 50 Kilo für eine 1,70 Meter große 19-Jährige sind zu wenig, 46 Kilo für eine 1,65 Meter große 15-Jährige ebenso.
Um streichholzdünn zu werden und zu bleiben, sparen und verbrennen Magersüchtige Kalorien, wo immer sie können. Sie definieren, welche Speisen erlaubt und welche verboten sind, essen langsam und meiden Mahlzeiten in Gesellschaft. Sie kennen hundert Ausreden, um nicht gemeinsam mit der Familie am Esstisch zu sitzen: "Ich habe schon gegessen." "Ich habe keinen Appetit." "Ich nehme das Essen mit in mein Zimmer, ich muss dringend lernen."
Fast immer treiben sie exzessiv Sport. Manche erbrechen sich, um die Kalorien wieder loszuwerden. Einige Magersüchtige schrecken auch vor Medikamenten nicht zurück. Sie nehmen Appetitzügler, Abführmittel oder entwässernde Tabletten.
Magersüchtige haben panische Angst davor zuzunehmen. Auch wenn sie schon spindeldürr sind und kaum etwas zu sich nehmen, sind die Gedanken ans Essen übermächtig. Viele Betroffene stellen sich mehrmals täglich auf die Waage und protokollieren jedes zu- oder abgenommene Gramm.
Der Spiegel sagt: "Du bist zu fett" - egal, was die Waage anzeigt. Magersüchtige nehmen ihren eigenen Körper völlig verzerrt wahr, sie haben eine sogenannte Körperschemastörung. Deshalb machen sie sich auch dann keine Sorgen um sich, wenn sie schon halb verhungert sind. Jedes verlorene Gramm ist für sie ein kleiner Sieg.
Die ständige Unterernährung bringt den Hormonhaushalt durcheinander. Die Regelblutung setzt aus oder fängt bei sehr jungen Mädchen gar nicht erst an. Auch die Lust am Sex verschwindet.
Ständiges Hungern ist Gift für den Körper: Die Haut wird trocken, die Nägel stumpf, die Haare fallen aus. Die Knochen werden brüchig. Früher oder später entgleist der Stoffwechsel, sogar das Gehirn kann schrumpfen. Das Herz kann aus dem Takt geraten und schließlich aussetzen.