Wer lange mit einer Essstörung gelebt hat, muss wieder zu Kräften kommen. Konkret heißt das: essen und zunehmen. Aber wie viel Nahrung braucht ein gesunder Körper? Was gehört zu einer ausgewogenen Mahlzeit? Wie groß ist eine normale Portion? Was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, müssen Magersüchtige in der Therapie ganz neu lernen.
Erst wenn die Gedanken nicht mehr unaufhörlich um die Themen Essen und Körpergewicht kreisen, ist der Geist empfänglich für eine Psychotherapie. In dieser Phase der Behandlung lernen die Betroffenen zum Beispiel mit ihren Ängsten umzugehen, sprechen über Selbstwertgefühl, analysieren familiäre Beziehungen und versuchen, den eigenen Körper neu wahrzunehmen.
In der Regel werden die Psychologen versuchen, Eltern und Angehörige mit in die Behandlung einzubeziehen. Sie können in der Therapie lernen, mit Konfliktsituationen im Alltag besser umzugehen.
Eine Pille gegen Magersucht gibt es nicht. Sobald der Körper kräftig genug ist, können spezielle Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) zwar mit dazu beitragen, tief sitzende Ängste und anhaltende Zwänge zu vertreiben. Sie wirken aber nicht gegen die Magersucht an sich. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Antidepressiva weder Rückfälle verhindern können noch die Genesung beschleunigen.
Wenn die Magersucht so stark ist, dass die Therapie die Angst vor den Kilos nicht vertreiben kann und die Körperschemastörung wahnhafte Ausmaße annimmt, helfen manchmal so genannte atypische Neuroleptika. Diese Medikamente können Menschen helfen, deren Realitätsbezug verändert ist.