stern.de-Expertin Dr. Ulrike Schulze von der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie / Psychotherapie beantwortet Ihre Fragen:
Gegenfrage: Wie definieren Sie sich selbst? Wenn Sie jetzt zuerst an Ihre Figur denken, sind Sie vielleicht gefährdet. Die Grenze zwischen Figurbewusstsein und einer Essstörung haben Sie - wenn es keine körperliche Ursache dafür gibt - vermutlich spätestens dann überschritten, wenn Essen, Gewicht und Abnehmen Ihren Tagesablauf diktieren und diese Themen so viel Raum einnehmen, dass sie Ihre Gedankenwelt bestimmen.
Die Eltern sollten mit ihr sprechen. Auch wenn ihre Tochter vielleicht anfangs alles entschieden von sich weist, dürfen sie nicht wegschauen. Magersüchtige argumentieren oftmals ähnlich wie Menschen mit einer Alkohol- oder Drogenproblematik.
Die Eltern können ihrer Tochter nur helfen, wenn sie die Essstörung immer wieder klar und deutlich ansprechen. Sie sollten zu ihr sagen: "Wir sollten uns gemeinsam Hilfe holen". Wenn das Mädchen erst einmal so weit ist, über die Krankheit zu sprechen, ist es auf dem besten Weg, Hilfe anzunehmen. Diese findet sie idealerweise bei einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinikambulanz.
Es ist vorstellbar, dass Ihre Freundin früher schon mal magersüchtig war und die Krankheit jetzt, da sich ihr Leben so drastisch verändert hat, wieder ausbricht.
Viele Frauen tragen die Veranlagung für eine Essstörung ihr Leben lang in sich. Einschneidende Erlebnisse, zum Beispiel die Geburt eines Kindes, können die Krankheit zum Ausbruch bringen. Sprechen Sie mit Ihrer Freundin. Wenn Sie mit Ihrem Verdacht richtig liegen, ist es wichtig, dass sie professionelle Hilfe annimmt. Sie kann sich zunächst an ihren Hausarzt wenden. Dieser wird sie dann an die für sie in Frage kommende fachliche Stelle weiter verweisen.