Magersüchtige haben eine veränderte Gehirnstruktur. Dies erklärt möglicherweise, warum sie nicht aufhören zu hungern - selbst dann, wenn sie praktisch nur noch aus Haut und Knochen bestehen.
Mark Mühlau, Neurologe am Klinikum rechts der Isar der TU München, hat gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern 37 gesunden Frauen und 22 Anorexie-Betroffenen mit einem Kernspintomografen in die Köpfe geschaut. Das Ergebnis: Das sogenannte vordere Cingulum, eine Region des Hirns hinter der Stirn, war bei gesunden Frauen eindeutig dichter als bei magersüchtigen.
Wie die Forscher in der Zeitschrift "American Journal of Psychiatry" schreiben, bestand der Unterschied auch bei den Frauen, die nach einer schweren Magersucht wieder normalgewichtig geworden waren. Er war umso größer, je schwerer die Essstörung ausgeprägt war. Für die Ärzte ist das ein Hinweis darauf, dass die geringere Dichte dieser Hirnregion keine Folge der Magersucht ist, sondern schon vorher besteht und somit für die Erkrankung verantwortlich sein könnte.
Die Region des vorderen Cingulums spielt auch bei anderen psychischen Störungen eine Rolle. Darunter sind solche, die sich im Spannungsfeld zwischen Gefühl und Verstand bewegen. Hier sehen die Forscher eine Verbindung zur Magersucht. Denn die Patienten wissen ja, dass sie zu dünn sind, verhalten sich aber nicht vernunftgeleitet.