Wulff rettet sich über die Ziellinie

30. Juni 2010, 21:19 Uhr

Es ist vollbracht: Die Bundesversammlung hat Christian Wulff im dritten Anlauf zum Bundespräsidenten gewählt. Der Sieg des Regierungskandidaten war am Ende doch noch deutlich.

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+++++ Wulff neuer Bundespräsident +++++

Christian Wulff hat es geschafft: Die Bundesversammlung wählte den Regierungskandidaten im dritten Durchgang zum neuen Bundespräsidenten. Der CDU-Politiker erhielt 625 Stimmen und damit die absolute Mehrheit. Es hätte auch die einfache Mehrheit gereicht. Für Joachim Gauck stimmten 494 Delegierte, 121 enthielten sich, zwei Stimmen waren ungültig.

Wulff war in beiden vorangehenden Anläufen an der absoluten Mehrheit von 623 Stimmen gescheitert - und das, obwohl Schwarz-Gelb 644 Sitze in der Bundesversammlung hat.

Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses durch Bundestagspräsident Norbert Lammert brandete Applaus im Plenarsaal des Reichstags auf - sowohl für Wulff als auch für Gauck.

+++++ Die Entscheidung naht +++++

Die Bundesversammlung hat den entscheidenden dritten Wahlgang beendet, die Auszählung der Stimmen ist erfolgt. Bald wird feststehen, wer neuer Bundespräsident ist. Die Chancen für Regierungskandidat Christian Wulff sind deutlich gestiegen, da die Linken sich wohl in überwiegender Zahl der Stimme enthalten und nicht Joachim Gauck wählen werden.

+++++ Lammert hat ein Einsehen +++++

Das traditionelle festliche Büffet zum Abschluss der Bundespräsidentenwahl ist aus Rücksicht auf die knurrenden Mägen der Mitglieder der Bundesversammlung in diesem Jahr früher eröffnet worden. Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte vor Beginn des dritten Wahlgangs, es gebe ab sofort auf der Fraktionsebene die Möglichkeit, sich zu stärken. Lammert fügte scherzhaft hinzu, es handle sich um eine "nicht unproblematische Innovation" im parlamentarischen Prozedere. "Ich hoffe, dass Sie bei der Befriedigung ihrer kulinarischen Bedürfnisse nicht ihre Stimmabgabe aus dem Auge verlieren", ermahnte er die Wahlmänner und -frauen.

+++++ Jochimsen tritt nicht mehr an +++++

Die Linken-Bewerberin für die Bundespräsidentenwahl, Luc Jochimsen, zieht ihre Kandidatur für den dritten Wahlgang zurück. Der von SPD und Grünen nominierte Kandidat Joachim Gauck kann allerdings im dritten Wahlgang nicht auf viele Stimmen der Linken hoffen. Die Fraktionsspitze gab die Wahl zwar frei, aber Gregor Gysi geht davon aus, dass sich die Delegierten mehrheitlich enthalten werden.

+++++ Merkel fordert "kraftvolles Symbol" +++++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in den eigenen Reihen noch einmal eindringlich für Christian Wulff geworben. "Lassen Sie uns im dritten Wahlgang ein kraftvolles Symbol abgeben", sagte die CDU-Chefin nach Angaben von Teilnehmern in der Unionsfraktion. "Wir haben jetzt das Serbien-Spiel gehabt, jetzt kommt das England-Spiel. Lasst uns das richtig machen!"

Fraktionschef Volker Kauder (CDU) gab sich optimistisch: "Wir werden es machen." Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer sprach von einer historischen Verantwortung der Unions-Wahlleute.

+++++ Schlangen vor den Toiletten +++++

Ein menschliches Bedürfnis war einer der Gründe für den verzögerten Beginn der Linken-Fraktionssitzung vor dem dritten Wahlgang. Vor den Toiletten im Reichstagsgebäude bildeten sich sechs Stunden nach Beginn der Bundestagsversammlung lange Schlangen. Darunter waren auch Linke-Spitzenpolitiker. Probleme gab es auch bei dem Buffet, das nach der Wahl um 15 Uhr eröffnet werden sollte. Serviert werden sollten unter anderem Pflaumen im Speckmantel, Flammkuchen mit Rauchfleisch, und Seezungen-Spinatroulade. Eine Servicemitarbeiterin räumte ein, es sei schwer, die Speisen so lange frisch zu halten. Auf Rotwein mussten die Delegierten verzichten. Die Mitarbeiterin erklärte, es könnte ein Glas zu Boden fallen, und der Boden im Reichstag sei zu wertvoll.

+++++ SPD und Grüne werben bei Linken +++++

Die Spitzen von SPD, Grünen und der Linken haben über ein gemeinsames Vorgehen beraten. Die Parteien wollten ausloten, ob sie sich für den dritten Wahlgang auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können. SPD und Grüne beharren auf ihren Mann, Joachim Gauck. Wie sich die Linke entscheidet, steht noch nicht fest.

+++++ Lungenentzündung stoppt SPD-Wahlmann +++++

Ein SPD-Wahlmann hat den zweiten Wahlgang wegen akuter Gesundheitsprobleme im Krankenhaus verbracht. Ein SPD-Fraktionssprecher bestätigte, dass Martin Gerster wegen einer schwachen Lungenentzündung im Bundeswehrkrankenhaus behandelt werden musste. Am dritten Wahlgang wollte Gerster wieder teilnehmen.

+++++ Wunden noch nicht verheilt +++++

CSU-Mann Hans Michelbach führt das vorläufige Scheitern von Christian Wulff auf Verletzungen bei einigen Wahlleuten innerhalb der Union zurück. Jetzt sei es notwendig zu sagen: "Wir müssen jetzt alles auf eine Karte setzen", sagte der Bundestagsabgeordnete vor dem dritten Wahlgang. Eine rot-rot-grüne Mehrheit in der Bundesversammlung "wäre ein Desaster, das man sich gar nicht vorstellen kann". Alle Wahlmänner der Union müssten nun emotional eingebunden werden, forderte Michelbach.

+++++ Von Geschlossenheit keine Spur +++++

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach bedauert das zerrissene Bild der schwarz-gelben Koalition. "Von der wünschenswerten großen Geschlossenheit der Koalition, die ja auch Symbol sein sollte für einen Neustart (...), kann ich im Moment noch nicht so viel spüren", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses. "Da kann man nur an Vernunft und Verantwortung der Betroffenen appellieren." Es komme aber darauf an, dass Christian Wulff letztlich Erfolg habe. "Wenn ich das Tor in der Verlängerung schieße, habe ich trotzdem gewonnen."

+++++ Lindner: Wahl nicht überdramatisieren +++++

FDP-Generalsekretär Christian Lindner hat vor einer Überdramatisierung der Bundespräsidentenwahl gewarnt. "In einem Jahr wird niemand mehr von diesem Tag sprechen", sagte er. Dann werde man einen guten Bundespräsidenten Christian Wulff haben. Als Gründe für das erneute Scheitern Wulffs nannte Lindner die allgemein schwierige Situation der schwarz-gelben Koalition und den respektablen Kandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck. Lindner sagte, die Koalition sei nicht instabil. Aber es gebe Verunsicherung.

+++++ Auf die Linken kommt es an +++++

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat die Linkspartei aufgefordert, im dritten Wahlgang ihre Kandidatin für das Präsidentenamt, Luk Jochimsen, zurückzuziehen. "Jetzt kommt es darauf an, wie sich die Linkspartei entscheidet", sagte Gabriel unmittelbar nach dem zweiten Wahlgang. Die SPD werde auf jeden Fall an der Kandidatur von Joachim Gauck festhalten. Auch Grünen-Chef Jürgen Trittin sagte, dass Gauck der richtige Kandidat auch für die Linkspartei sei. "Wir werden jetzt mit der Linken reden", kündigte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast an.

Die Linke lässt eine Entscheidung noch offen. "Jetzt werden Vertreter von SPD, Grünen und auch von der Linken miteinander reden müssen", sagte Linksfraktionsvize Dietmar Bartsch.

+++++ Wulff scheitert auch im zweiten Anlauf +++++

Christian Wulff ist auch im zweiten Anlauf nicht zum Bundespräsidenten gewählt worden. Der Regierungskandidat erhielt 615 Stimmen und verfehlte damit erneut die absolute Mehrheit, die bei 623 liegt. Nun kommt es zu einem dritten Wahlgang, in dem einfache Mehrheit ausreicht.

Die Sitzung der Bundesversammlung wurde für etwa eine Stunde unterbrochen. Die Fraktionen zogen sich zurück, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Auf Joachim Gauck, dem Kandidaten von SPD und Grünen, entfielen diesmal 490 Stimmen - neun weniger als im ersten Wahlgang. Linken-Kandidatin Lukrezia Jochimsen kam auf 123 Stimmen, drei weniger als zuvor. Auf den NPD-Bewerber Frank Rennicke entfielen abermals drei Stimmen. Sieben Wahlleute enthielten sich, eine Stimme war ungültig.

+++++ Ernst fährt Lötzsch in die Parade +++++

In Berlin geht es drunter und drüber: Zunächst brachte die Parteivorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch, für einen möglichen dritten Wahlgang einen neuen, gemeinsamen Kandidaten von SPD, Grünen und Linken ins Spiel. Nur wenige Minuten später erteilte Co-Parteichef Klaus Ernst dem Ansinnen eine Absage. "Einen dritten Kandidaten - den wird's von uns nicht geben", sagte Ernst. Derartige Spekulationen halte er für Unfug.

+++++ FDP-Fraktionsvize beklagt Managementfehler +++++

FDP-Fraktionsvize Jürgen Koppelin hat die schlechte Stimmung im schwarz-gelben Regierungsbündnis für das Scheitern von Christian Wulff im ersten Durchgang verantwortlich gemacht. Es habe innerhalb der Koalition erhebliche Fehler beim Management gegeben, sagte er. Die Stimmenverweigerung sei ein Signal: "Das Management muss besser werden."

+++++ Merkel fordert Geschlossenheit +++++

Der zweite Wahlgang ist beendet, nun geht es erneut an die Auszählung. Christian Wulff braucht 23 Stimmen mehr aus dem bürgerliche Lager als im ersten Anlauf, um die absolute Mehrheit zu erhalten. Der Großteil der Abweichler - mindestens 44 - kommen allen Anschein nach aus der Union. Lassen sie sich umstimmen oder bleiben sie hart? Kanzlerin Angela Merkel hatte das schwarz-gelbe Lager noch einmal zur Geschlossenheit aufgerufen. Man müsse jetzt sehen: "Was rät uns die Verantwortung?" Sowohl Merkel als auch CSU-Chef Horst Seehofer warnten vor Schuldzuweisungen. Vielmehr müsse man mit "Zuversicht und Selbstbewusstsein" in den zweiten Wahlgang gehen.

+++++ Linke bringt neuen Kandidaten ins Spiel +++++

Die Linke hat für einen eventuellen dritten Wahlgang einen überraschenden Vorschlag ins Spiel gebracht. "Es besteht die Möglichkeit, im dritten Wahlgang nach einem gemeinsamen Kandidaten zu suchen", sagte Parteichefin Gesine Lötzsch. "Das muss keiner sein, der bisher vorgeschlagen wurde. Da können auch neue Namen ins Spiel kommen." Darüber sollten die anderen Parteien "genau nachdenken". Lötzsch nannte jedoch keine Namen. Sie erteilte einer Zustimmung der Linken zum rot-grünen Kandidaten Joachim Gauck erneut eine Absage. "Gauck war ein Signal an die CDU."

+++++ Sittler und die Lemminge +++++

Schauspieler und SPD-Wahlmann Walter Sittler hat sich erfreut über die zahlreichen Abweichler im schwarz-gelben Lager gezeigt: "Dass nicht alle folgen wie die Lemminge, das gefällt mir sehr gut."

+++++ Frei Wähler sehen Wetterleuchten +++++

Hubert Aiwanger, Bundesvorsitzender der Freien Wähler, sieht im Ergebnis des ersten Wahlgangs ein "Wetterleuchten für den inneren Zustand von Schwarz-Gelb". Es sei kaum zu glauben, dass die Koalition es nicht einmal schaffe, die Reihen geschlossen zu halten, "obwohl sie nur mit handverlesenen Parteisoldaten angetreten sind".

+++++ Gauck: "Demokratie funktioniert" +++++

Joachim Gauck zeigt sich über das Ergebnis des ersten Wahlgangs erfreut. "Das erste Gefühl: Demokratie ist lebendig und funktioniert", sagte der SPD/Grünen-kandidat und frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde am Rande der Bundesversammlung. "Es hat mich gefreut."

+++++ Jochimsen tritt wieder an +++++

Lukrezia Jochimsen tritt auch beim zweiten Wahlgang an. Die Linken-Kandidatin möchte das hervorragende Ergebnis vom ersten Durchgang wiederholen, als sie zwei Stimmen mehr erhielt, als die Linkspartei Wahlleute stellt. Mit Blick auf das Scheitern von Christian Wulff im ersten Wahlgang sprach Parteichefin Gesine Lötzsch von einer schweren Niederlage für die schwarz-gelbe Regierung. Ob die Linke in einem dritten Wahlgang Joachim Gauck wählen würde, dazu äußerte sich Lötzsch nicht.

+++++ FDP versichert Unterstützung für Wulff +++++

Die FDP will auch im zweiten Wahlgang geschlossen für Christian Wulff stimmen. Das betonte Parteichef Guido Westerwelle nach einer eilig einberufenen Fraktionssitzung. Bei der FDP habe im ersten Wahlgang niemand außer den angekündigten vier Abweichlern für Joachim Gauck gestimmt, sagte auch Entwicklungsminister Dirk Niebel. "Es war eigentlich relativ klar, dass der eine oder andere noch alte Rechnungen begleichen würde."

+++++ SPD und Grüne glauben an drei Wahlgänge +++++

Nach dem Scheitern von Koalitionskandidat Christian Wulff im ersten Anlauf gehen SPD und Grüne von drei Durchgängen aus. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte, er rechne damit, dass sich die Verhältnisse beim zweiten Wahlgang so wiederholen wie beim ersten. Im dritten Durchgang müsse sich die Linke dann entscheiden, wen sie wähle. Der Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Thomas Oppermann: "Ich rechne mit einem ähnlichen Ergebnis im zweiten Wahlgang."

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel lobte den Ausgang des ersten Wahlganges als "Gewinn für die ganze Bundesversammlung". Es sei ein Zeichen, "dass es nicht nach Befehl und Gehorsam geht".

+++++ Wulff schafft's nicht im ersten Wahlgang +++++

Bei der Wahl des Bundespräsidenten hat die schwarz-gelbe Koalition trotz einer rechnerischen Mehrheit ihren Kandidaten Christian Wulff im ersten Wahlgang nicht durchsetzen können. Wulff bekam 600 Stimmen - 23 zu wenig für die erforderliche absolute Mehrheit. Mindestens 44 Wahlleute aus dem bürgerlichen Lager, das über 644 Sitze in die Bundesversammlung verfügt, verweigerten Wulff ihre Stimme.

Joachim Gauck, Herausforderer von SPD und Grünen, erhielt 499 Stimmen, Lukrezia Jochimsen von den Linken 126, Frank Rennicke, Kandidat der NPD, drei. 13 Delegierte enthielten sich, eine Stimme war ungültig.

Nun kommt es zu einem zweiten Wahlgang, auch in diesem muss die absolute Mehrheit erreicht werden. In einem eventuell notwendigen dritten Wahlgang ist nur noch die einfache Mehrheit erforderlich.

+++++ Twitter sorgt schon wieder für Wirbel +++++

Wie bei der letzten Wahl von Horst Köhler sorgt der Internetdienst Twitter wieder für Aufregung. Es sei nur ein Wahlgang nötig, heißt es dort, berichtet die ARD. Urheber der Nachricht ist ein ganz offensichtlicher Fake-Account der Schauspielerin Martina Gedeck, die als Wahlfrau für die Grünen in der Bundesversammlung sitzt. Schnell entpuppt sich auch die Information als Ente.

+++++ Erster Wahlgang ist beendet +++++

Die erste Etappe ist geschafft: Um 13.30 hat Bundestagspräsident Norbert Lammert die Sitzung unterbrochen, nachdem zuvor alle anwesenden Wahlmänner und -frauen ihre Stimmkarte abgegeben hatten. Die Stimmzettel werden nun von den Schriftführern ausgezählt. Eine Prozedur, die laut den Erfahrungen der Präsidentenwahl im vergangengenen Jahr etwa 40 Minuten dauern wird. Launig kommentierte Lammert im Hinblick auf die Mittagsgestaltung der Abstimmenden: "Das reicht für einen Spaziergang um den Reichstag, für einen Ausflug zum Wannsee eher nicht."

+++++ Linke bleibt beim Nein zu Gauck +++++

Joachim Gauck kann auch in einem möglichen dritten Wahlgang offenbar nur auf wenig Stimmen der Linken hoffen. Der Links-Fraktionschef im Saarland und frühere Parteichef Oskar Lafontaine sagte: "Ob wir dann Herrn Gauck unterstützen? Das werden wir nicht tun."

+++++ SPD sieht Erfolg - so oder so +++++

Sigmar Gabriel hat die Wahl des Bundespräsidenten schon vor Abschluss der Stimmenauszählung als Erfolg für Rot-Grün gewertet. "Wer immer hier heute gewählt wird, für uns und für die Grünen ist das heute ein Riesenerfolg gewesen", sagte der SPD-Chef. "Wir haben eine Riesendebatte über das Amt des Bundespräsidenten." Viele Menschen hätten sich in diese Diskussion eingemischt. Joachim Gauck habe riesige Aufmerksamkeit bekommen für sein Plädoyer für Freiheit und Verantwortung. Gabriel ergänzte: "Wir haben eine Messlatte gelegt, dass wir Kandidaten brauchen, die erstens aus der Mitte der Gesellschaft kommen, zweitens nicht nur eine reine parteitaktische Kandidatur sind und drittens eben auch viele Menschen über die Parteien hinweg ansprechen." Diese Auswahlkriterien sollten auch bei der nächsten Wahl des Bundespräsidenten wieder gelten.

+++++ "Eher wird Deutschland Weltmeister" ++++

Der Präsident des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart und Mitglied der Bundesversammlung, Erwin Staudt, hält die Chancen, dass Joachim Gauck Bundespräsident wird, für gering - oder doch nicht? Zumindest glaubt er, dass es "wahrscheinlicher ist, dass Deutschland Weltmeister wird".

+++++ Lammert eröffnet Wahl +++++

Nachdem Bundestagspräsident Norbert Lammert den Delegierten der Bundesversammlung die Wahlformalitäten erklärt hat, ist der erste Wahlgang eröffnet. Nun werden alle 1242 Wahlleute namentlich aufgerufen. Anschließend holen sie sich ihre Wahlunterlagen ab, um schließlich ihre Stimme abzugeben. Lammert wies noch einmal darauf hin, etwaige Blumensträuße erst nach Bekanntgabe des Ergebnisses in den Plenarsaal des Bundestages bringen zu lassen - bei Köhlers Wiederwahl im vergangenen Jahr im vergangenen Jahr hatten gleich zwei Delegierte, Julia Klöckner von der CDU und SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber, über den Internet- Kurzmitteilungsdienst Twitter vor der offiziellen Verkündigung die Wiederwahl Köhlers verkündet.

+++++ "Rücktritt Köhlers keine Staatskrise" +++++

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat zur Eröffnung der Bundesversammlung indirekt Kritik am überraschenden Rücktritt von Horst Köhler vor vier Wochen geübt. Dieser Schritt sei "alles andere als ein normaler Vorgang" und einmalig, sagte der CDU-Politiker. Die Entscheidung und die Gründe Köhlers seien zu respektieren, "auch wenn viele von uns sie noch immer nicht wirklich verstehen können". Eine Staatskrise sei die Neuwahl des Bundespräsidenten nicht, betonte Lammert. Der überraschende Amtsverzicht Köhlers habe aber in der Öffentlichkeit "eine Nachdenklichkeit erzeugt, die bei allen direkt und indirekt Beteiligten Anlass auch zur selbstkritischen Befassung mit ihrer eigenen Rolle und zum Umgang mit öffentlichen Ämtern gibt". Dies gelte für Amtsinhaber wie Bewerber, für politische Parteien, aber auch für die Medien.

Mit Blick auf aktuelle Forderungen, die Abstimmung in der Bundesversammlung dem Zugriff der Parteien zu entziehen und freizugeben, sagte Lammert, das Wahlamt des Staatsoberhauptes unterliege denselben Regeln demokratischer Legitimation wie jedes andere öffentliche Amt. Er betonte, die Wahlleute in der Bundesversammlung seien an Aufträge und Weisungen nicht gebunden.

+++++ Lammert eröffnet Bundesversammlung +++++

Um Punkt 12 Uhr hat Bundestagspräsident Norbert Lammert die 14. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten eröffnet. In Kürze beginnt der erste Wahlgang. Zur Wahl stehen Christian Wulff, Kandidat der schwarz-gelben Koalition, Joachim Gauck, Kandidat von SPD und Grünen, und Lukrezia Jochimsen von den Linken.

+++++ Koalition komplett, bei SPD zwei Ausfälle +++++

Union und FDP haben alle Wahlleute an Bord. Nach Angaben aus den Fraktionen waren alle Bundestagsabgeordneten und die von den Landtagen entsandten Wahlleute zu den Zählappellen erschienen. Insgesamt verfügen Union und FDP über 644 Wahlleute, von denen allerdings einige FDP-Delegierte angekündigt haben, anstelle des Koalitionskandidaten Christian Wulff den rot-grünen Kandidaten Joachim Gauck wählen zu wollen.

Bei der SPD fehlten zwei Bundestagsabgeordnete - eine Abgeordnete wegen Krankheit und eine hoch schwangere Parlamentarierin. Damit verfügen die Sozialdemokraten nur über 331 statt 333 Delegierte. Die Grünen waren vollzählig mit 136 Wahlleuten. Auch die Linkspartei ist nach Angaben aus der Fraktion vollzählig. Sie verfügt über 152 Wahlleute.

+++++ FDP-Rebellen wollen Gauck wählen +++++

Die drei FDP-Abgeordneten aus Sachsen wollen bei der Bundesversammlung über alle Wahlgänge hinweg für Joachim Gauck stimmen. "Unsere Wahl ist keine taktische Überlegung. Ich will, dass Gauck Bundespräsident wird", sagte der sächsische FDP-Chef Holger Zastrow vor der Abstimmung in Berlin. "Wir haben alle unsere politischen Wurzeln in der friedlichen Revolution. Das prägt ganz besonders", begründete er die Entscheidung für den von SPD und Grünen nominierten Gauck. Diese Ansicht werde auch von den beiden anderen sächsischen FDP-Wahlleuten geteilt.

+++++ Letzte Beratungen der Delegierten +++++

Mit Zählappellen haben die Parteien im Bundestag die letzten Weichen für die Wahl gestellt. Die Fraktionen riefen ihre Delegierten im Reichstagsgebäude zusammen, um die Vollständigkeit festzustellen und letzte Erklärungen zum Wahlverfahren in der Bundesversammlung zu geben. Die wird um 12 Uhr zusammentreten, um einen neuen Bundespräsidenten zu wählen.

+++++ Jochimsen will mindestens zehn Prozent +++++

Die Kandidatin der Linken, Luc Jochimsen, hofft auf mindestens zehn Prozent der Delegiertenstimmen in der Bundesversammlung. "Wenn ich neben den Delegierten der Linken noch den einen oder die andere überzeugt habe, wäre das ein Erfolg", sagte sie am Vormittag in Berlin. Sie gehe davon aus, dass der Koalitionskandidat Christian Wulff auf Anhieb Erfolg habe: "Ich gehe davon aus, dass wir nach dem ersten Wahlgang einen Präsidenten haben. Das wird Christian Wulff sein."

+++++ Wulff gibt sich zuversichtlich +++++

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat sich kurz vor der Bundespräsidentenwahl in Berlin optimistisch hinsichtlich seiner Wahlchancen gezeigt: "Ich bin ganz zuversichtlich, dass es gelingen wird, der zehnte Bundespräsident zu werden", sagte Wulff am Mittwochmorgen. "Das ist ein wichtiger Tag, und ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, heute eine faire und eindrucksvolle Wahl in der Bundesversammlung durchzuführen." Auf die Frage, wie er geschlafen habe, sagte Wulff: "zu kurz, aber die wenigen Stunden perfekt".

+++++ Thierse erneuert Kritik an Merkel +++++

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) kritisierte dagegen erneut das Vorgehen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Kandidatenkür. Er sagte im Deutschlandfunk, es habe die Chance gegeben, einen gemeinsamen Kandidaten von Regierung und Opposition zu nominieren. Merkel habe auf solche Angebote nicht reagiert. "Sie hat das weggewischt. Ganz schnell wollte sie einen Kandidaten haben, der ihre Partei und die kriselnde schwarz-gelbe Koalition stabilisiert", sagte Thierse. Es gehe aber nicht um die Zukunft der Regierung, sondern um einen möglichst guten Präsidenten.

+++++ "Unsere Gesellschaft braucht Ermutiger" +++++

Vor der Wahl des Bundespräsidenten haben evangelische und katholische Kirche am Mittwochmorgen gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale gefeiert. Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, rief Politiker und Repräsentanten von Kirche und Gesellschaft zur Gewissenserforschung auf. Zu dem Gottesdienst waren Vertreter aller Parteien gekommen. Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bernhard Felmberg, sagte mit Blick auf das Amt des Bundespräsidenten: "Unsere Gesellschaft braucht Ermutiger und Hoffnungsspender".

+++++ Lammert: "Sind gut vorbereitet" +++++

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sieht der heutigen Wahl des Bundespräsidenten gelassen entgegen. Lammert, der auch Präsident der Bundesversammlung ist, sagte am Mittwochmorgen im ZDF- "Morgenmagazin": "Ich habe keinen Zweifel daran, dass trotz der knappen Fristen alles perfekt vorbereitet ist." Lammert äußerte sich auch zur "Twitter-Panne" bei der Wiederwahl von Horst Köhler im vergangenen Jahr. Er werde deswegen heute noch einmal mit den Schriftführern reden. "Ich werde nicht nur an die Erfahrungen des letzten Males erinnern, sondern auch an den Wunschdes Ältestenrates des Bundestages, dass sich das nicht wiederholt." Im vergangenen Jahr hatten gleich zwei Delegierte, Julia Klöckner von der CDU und SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber, über den Internet-Kurzmitteilungsdienst Twitter vor der offiziellen Verkündigung die Wiederwahl Köhlers verkündet.

+++++ Freie Wähler wollen für Gauck stimmen +++++

Wenige Stunden vor der Wahl eines neuen Bundespräsidenten sagte der Vorsitzende der bayerischen Landtags-Fraktion der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, im ZDF-"Morgenmagazin", die zehn Vertreter seiner Gruppe würden fast geschlossen für den rot-grünen Kandidaten Joachim Gauck stimmen. "Wir werden Gauck wählen. Es kann sein, dass eine Stimme zu Wulff geht, aber die anderen sind für Gauck. Wir halten ihn für den besseren Kandidaten."

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