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Recherchen von "Panorama": Geschäfte mit dem Krebs – AOK kooperiert mit Skandal-Apotheker

Deals ohne Skrupel: Das ARD-Magazin "Panorama" deckt am heutigen Donnerstagabend auf, dass die AOK mit dem Apotheker Günter Zeifang zusammen arbeitet. Dessen Treiben hatte der stern vergangenes Jahr beleuchtet. Laut "Panorama" ist Zeifang auch vorbestraft – kein Problem für die AOK.

AOK und der Skandal-Apotheker Zeifang

Das TV-Magazin "Panorama" enthüllt: Die AOK arbeitet mit dem Skandal-Apotheker Günter Zeifang zusammen. Dessen dubiosen Geschäfte waren zuvor bereits durch Recherchen des stern aufgedeckt worden

"Der Gier-Apotheker", titelte die "Hamburger Morgenpost", als sie vergangenen November über Recherchen des stern berichtete. Sie meinte Günter Zeifang, der in der Hansestadt mehrere Apotheken betreibt und mit Krebsmitteln Millionenumsatz macht. Zeifang kontrollierte als Unternehmer mithilfe eines Strohmann-Konstrukts zwei komplette Ärztezentren. Bei der Abrechnung etlicher Chemotherapien war es dort unter Zeifangs Geschäftsführung zu falschen Abrechnungen gekommen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Die Krankenkasse allerdings hat mit Günter Zeifang keine Probleme. Das zeigen Recherchen des ARD-Magazins "Panorama", die an diesem Donnerstag ab 21.45 Uhr zu sehen sind. "Panorama" hat den Fall Zeifang weiterverfolgt – mit interessanten Ergebnissen.

Zeifang gewinnt AOK-Ausschreibung

Chemotherapien und Behandlungen mit Anti-Körpern sind teuer, sie werden von Fach-Apothekern wie Zeifang für jeden Krebspatienten individuell hergestellt. Die AOK vergab die Aufträge für ihre Patienten daher kürzlich erstmals selbst: Bei günstigem Angebot erhielt ein bestimmter Apotheker für eine bestimmte Region den Zuschlag. In ist ein Gewinner der Ausschreibung: Günter Zeifang. Die Zusammenarbeit soll am 1. August starten.

Laut "Panorama" wies die AOK Rheinland/Hamburg Onkologen in Hamburg-Nord und im Stadtteil Wandsbek bereits schriftlich an, Krebsmedikamente dann "ausschließlich" bei Günter Zeifang zu bestellen. Und sie schrieb den Krebsärzten auch: "Wir versichern ihnen, dass wir die Eignung der sorgfältig geprüft haben und Sie somit auch weiterhin eine verlässliche und qualitativ hochwertige Versorgung erhalten."

Das klang gut. Und dies berichtet nun "Panorama": Wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz wurde Günter Zeifang im Januar 2013 in Hamburg verurteilt. Dem Apotheker konnte damals nachgewiesen werden, dass er über einen Zwischenhändler preiswerte Krebsmedikamente aus Ägypten bezogen hatte, die in Deutschland überhaupt keine Zulassung hatten – mehr als ein Jahr lang. Als der unerlaubte Langzeit-Deal den Ermittlern auffiel, waren die Medikamente längst verabreicht.

Zeifang erhielt eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung und musste hunderttausende Euro an Krankenkassen zurückzahlen. Allein die AOK bekam von Zeifang mehr als 100.000 Euro.

AOK ficht Gerichtsentscheidung nicht an

Die AOK ficht die Gerichtsentscheidung aus dem Jahr 2013 heute offenbar nicht an. "Wenn jemand sich in der Vergangenheit Verfehlungen schuldig gemacht hat, kann man ihm das nicht sein Leben lang nachtragen", sagt Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied AOK Rheinland/Hamburg, in dem Fernsehbeitrag.

Dabei hatte die Krankenkasse von allen Bietern für den lukrativen Auftrag verlangt, schriftlich zu versichern, "nachweislich keine schwere Verfehlung begangen" zu haben, die "seine Zuverlässigkeit als Bieter in Frage stellt". Die "Vergangenheit" der Krebsmittelhersteller – an dieser Stelle war sie offenbar durchaus von Belang.

Ob Zeifang seine Vorstrafe und die aktuellen Ermittlungen gegen ihn der AOK gegenüber genannt hat, wollte der AOK-Vorstand Mohrmann "Panorama" gegenüber nicht sagen. Auch Günter Zeifang beantwortete gegenüber "Panorama" diese Frage nicht konkret. Sein Anwalt verwies darauf, dass sich der Strafbefehl aus dem Jahr 2013 auf länger zurückliegende Vorgänge beziehe. Den aktuellen Ermittlungsverfahren gegen Zeifang, so der Anwalt weiter, lägen "unbegründete Verdachte zugrunde".

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