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Ein Jahr US-Präsident: Atomknopf, Idioten und Dreckslöcher: Donald Trump von A bis Z

Kennen Sie Trumpchi? Es ist eine Automarke, die es in den USA nicht geben wird. Den Grund kann man sich denken. Das ist aber ungefähr die mickrigste Auswirkung von Donald Trumps ersten Jahr im Amt. Ein Rückblick von A bis Z.

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A wie Atomknopf

Dass bei Donald Trump immer alles am Tollsten, Besten und Volltrefflichsten ist, hat sich vielleicht schon herumgesprochen und gilt selbstverständlich auch für Atomknöpfe. "Meiner ist viel größer und mächtiger als seiner, und mein Knopf funktioniert", hatte er via eines jetzt schon legendären Tweets an Nordkoreas Diktator Kim Jong Un gefunkt. Abseits jeder Superlativitis: Damit hat Trump Recht - was den "Krieg der Knöpfe" aber nur noch schlimmer macht.

B wie Bannon

Pack versteht sich, Pack schlägt sich, Pack verträgt sich? Im Normalfall wären sich der rechte Agitator und der Immobilienmilliardär wohl nie über den Weg gelaufen. Durch die Präsidentschaftsambitionen des Sonderlings Donald Trumps angelockt, sah Bannon die Chance, seine destruktive Ideologie endlich umzusetzen. Der "Breitbart"-Macher verhalf dem Milliardär ins Weiße Haus, verhedderte sich dort aber in einen Kleinkrieg mit dem Trump-Clan, den er nicht gewinnen konnte. Bannon musste gehen, überwarf sich irgendwann endgültig mit dem Präsidenten. Was er im Weißen Haus zurückgelassen hat, ist seine erzreaktionäre Politik.

C wie Chelsea Clinton

Dieser Zuspruch kam von unerwarteter Seite: Ausgerechnet die Tochter eines Demokraten hat Donald Trumps jüngsten Sohn Barron in Schutz genommen: Die Öffentlichkeit solle den 11-Jährigen bitte in Ruhe lassen, sagte sie erbost. "Er verdient die Chance, die jedes Kind hat - ein Kind zu sein", so die Ex-Präsidenten-Tochter. Zuvor hatten sich Comedyshows über den Kleinen amüsiert, aber seit Clintons Machtwort herrscht Ruhe.

D wie Diplomaten

Rex Tillerson, Ex-Öl-Manager, Außenminister und oberster Diplomat nannte seinen Vorgesetzten "moron", was Trottel, Idiot oder auch Schwachkopf heißen kann. Gleichlautende Äußerungen sind vom Nationalen Sicherheitsberater sowie weiteren Mitarbeitern des Weißen Hauses überliefert. Als Chef kann man es eben nicht immer allen Recht machen.

E wie Einwanderung

Ist dem Präsidenten ein Dorn im Auge ("Haitianer? Was wollen wir mit denen? Werft sie 'raus"). Wenn es nach Donald Trump geht, sollten lieber Menschen aus Norwegen in die USA kommen. Nach seinem Amtsantritt verfügte er, hart gegen illegale Einwanderer vorzugehen. Während in Washington die Regierung mit dem Kongress über ein neues Einwanderungsgesetz feilscht, müssen Tausende von Menschen die USA verlassen. Selbst wenn sie als Kind gekommen sind und seit 30 Jahren dort leben.

F wie Fire and Fury

Nachdem das Washington-Epos "House of Cards" aufgrund einer Reihe misslicher Ereignisse abgesetzt worden war, fehlt es dem TV-Publikum an Präsidentenserien. Gut, dass Donald Trump versucht hat, "Fire and Fury - Inside Trump White House" am Erscheinen zu hindern - möglichweise wäre das Buch nie so ein riesiger Erfolg geworden. Und möglicherweise wäre auch nie die Idee entstanden, aus dem Enthüllungswerk eine Serie zu machen. Demnächst zu sehen im Pay-TV ihres Vertrauens. Wie sagte "House of Cards"-Produzentin Robin Wright vor der Ausstrahlung der vorletzten Staffel? "Mit der Wirklichkeit im Weißen Haus können unsere Drehbücher nicht mehr mithalten."

G wie Green Cards

Die Green Cards, die Arbeits- und Aufenthaltsberechtigung für die USA zählen zu den begehrtesten Dokumenten der Welt. Jahrzehntelang konnten sich ein paar Tausend Menschen die Hoffnung machen, den American Dream per Lotterie leben zu können - ganz gleich, woher man kommt. Doch damit ist es künftig vorbei. Um den Zustrom von Einwanderern zu begrenzen, plant Donald Trump die Verlosung einzustellen.

H wie Haare

Eines von Donald Trumps größten Geheimnissen sind seine Haare. Laut Autor Michael Wolff kennt es Tochter Ivanka. Die Frisur des Vaters erklärt sich durch eine kahle Stelle am Hinterkopf (trotz Haartransplantation). Seine Haare müsse er zur Mitte und nach hinten kämmen und dann mit Gel und Haarspray festigen. Die orangene Farbe entsteht, weil er das Färbemittel  "Just for Men" nicht lange genug einwirken lässt und sie deshalb nicht blond werden.

Framing: Mit diesem rhetorischen Mittel verbreitet Trump seine Botschaften

I wie Ivanka

Die Präsidenten-Tochter galt lange als mögliche Trump-Züglerin. Doch diese Hoffnungen haben sich schnell erledigt. Statt mäßigend auf ihren Vater einzureden,  verschwendete sie ihre Energie mit Machtkämpfen. Ihr unterlegender Widersacher Steve Bannon nennt sie "dumm wie ein Ziegelstein". Hat mit ihrem Gatten die Vereinbarung getroffen, erste Präsidentin der USA werden zu wollen.

J wie Jared

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner ist wie Familienoberhaupt Donald im Immobilienbusiness. Und auch reich geworden. Gerüchten zufolge aber ging bei seinen Geschäften nicht alles mit rechten Dingen zu. Trumps frühere rechte Hand Stephen Bannon spricht sogar vom "Kushner Shit" und von Geldwäsche. Mittlerweile lässt sogar Trumps Hausinstitut Deutsche Bank den Jungmillionär fallen und hat verdächtige Geschäfte Kushners an die Finanzaufsicht gemeldet. FBI-Sonderermittler Robert Mueller wird es mit Interesse verfolgen.

K wie Kongress

Der US-Kongress ist die Legislative und besteht aus zwei Kammern: Repräsentantenhaus (vergleichbar mit dem Bundestag) und dem Senat (in etwa wie der Bundesrat). Ohne sie bekommt Donald Trump kein Gesetz durch, und während seine republikanische Partei im Repräsentantenhaus eine komfortable Mehrheit hat, beträgt der Vorsprung im Senat nur wenige Stimmen, was ihm bereits jetzt schon Probleme bereitet. Und im November könnte es noch enger werden. Dann werden die Abgeordneten des Repräsentantenhauses sowie ein Drittel des Senats neugewählt. Stand jetzt: Die oppositionellen Demokraten haben gute Chancen, zumindest in einer Kammer die Mehrheit zu erreichen. Der Präsident wird deshalb alles dran setzen, seine wichtigsten Vorhaben bis zum Spätherbst durchzusetzen.

L wie Langeweile

Scheint den Präsidenten schnell zu übermannen. Bei zu langen Vorträgen und Präsentationen schalte Trump schnell ab, heißt es. Auch sein Nationaler Sicherheitsberater H.R. McMaster habe ihn im Vorstellungsge­spräch gelangweilt. Dass er den Job trotzdem bekommen hat, soll dem Autor Michael Wolff zufolge an dem Versprechen gelegen haben, dass McMaster nie wieder in einem Meeting neben ihm sitzen werde.

M wie Mauer

Sie war Donald Trumps größter Wahlkampfschlager, doch sie wird immer kleiner. Oder besser kürzer. Das Grenzbollwerk an der US-mexikanischen Grenze soll die illegale Einwanderung stoppen. Doch die Kosten sind so hoch und der Nutzen so gering, dass der Präsident auch nach einem Jahr noch nicht das Geld für den Bau zusammen hat. Macht nichts. Mittlerweile räumt auch der Präsident ein, dass die Mauer an der 3200 Kilometer langen Grenze nicht durchgehend sein müsse. In Gebieten, wo es durch "Berge, Ödland oder wilde Flüsse oder Gewässer einen natürlichen Schutz" gebe, werde sie nicht gebaut, twitterte Trump.

N  wie Nordkorea

An dem Regime in Pjöngjang arbeiten sich US-Präsidenten schon seit Jahren ab. Doch Trump hat es in kürzester Zeit geschafft, die Atmosphäre derartig anzuheizen, dass selbst ein Krieg nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Dabei glaubt Trump, dass er sich mit Machthaber Kim Jong Un, den er wahlweise "klein, fett, verrückt, Raketenmann oder kleiner Raketenmann" nennt, gut verstehen würde. Sogar von gegenseitiger Freundschaft hat Trump schon gesprochen. Inmitten dieser Kapriolen nähern sich die verfeindeten Koreas wieder etwas an. Aber gut, wenn es hilft.

O wie Obama

Erzfeind. Irgendwann im Leben des Donald Trump muss es den Moment gegeben haben, als er beschloss, es Barack Obama heimzuzahlen. Möglicherweise war es der Abend in Washington, als der damalige Präsident "The Donald" durch den Kakao gezogen hat. Vor allen Leuten und durchaus auch von oben herab. Jedenfalls sinnt Trump auf Rache und versucht das gesamte Erbe seines Vorgängers auszulöschen. Klimaschutz, Immigration, Gesundheitsversorgung - ganz gleich was, alles wird vom Neuen im Weißen Haus ausradiert. Dabei erinnert er an den Schulhofschläger, der sich in jeder Pause den Schulstreber vornimmt.

P wie Parade

Nach seinem Besuch in der französischen Hauptstadt war Donald Trump so begeistert von der Militärparade, die ihm Präsident Emmanuel Macron organisiert hatte, dass der US-Präsident sie am amerikanischen Unabhängigkeitstag wiederholen will: "Das sollten wir am 4. Juli in Washington entlang der Pennsylvania Avenue machen", sagte er nach seinem Trip nach Paris.

Q wie Queen

Elisabeth II. will ihren Kollegen aus Übersee nicht empfangen. Also wird Trump niemals in ihrer prunkvollen Kutsche fahren und hat deswegen beleidigt seinen Besuch in London abgesagt. Dieses Modell der Trump-Besuchsverhinderung eignet sich leider nur für Staaten, die über eine Monarchie verfügen.

R wie Reform

Reform der Gesundheitsreform, Reform der Einwanderungsgesetze, Reform des Steuersystems - an Reformversprechen mangelte es Donald Trump im Wahlkampf nicht. Damit unterschied er sich nicht von anderen Wahlkämpfern. Worin er sich aber unterschied: in der Umsetzung. Mit der Reform der Gesundheitsreform ist er gescheitert, an der Reform der Einwanderungsgesetze arbeitet er noch verzweifelt, nur die Steuerreform ist geglückt. Immerhin. Und der erste Triumph zeichnet sich bereits ab. Computerriese Apple will den allergrößten Teil seiner im Ausland geparkten Gelder in die USA zurückschicken: satte 252 Milliarden Dollar.

S wie Shithole-Countries

Der US-Präsident hat Drittweltstaaten als "Dreckslöcher" bezeichnet. Nun ja, die Aufregung darüber war doch übertrieben. Denn die Vorstellung, Donald Trump würde hinter verschlossenen Türen höfliche Worte für Länder wie Haiti und El Salvador finden, ist reichlich bizarr.

T wie Trumpchi

In China gibt es einen Autohersteller, dessen Produkte sich in Asien großer Beliebtheit erfreuen. Warum also nicht auch in den USA gehen, hat sich Hersteller GAC gedacht. Problem nur: die Marke heißt fast so wie der US-Präsident: Trumpchi. Um "falsche Assoziationen" und "Missverständnisse" zu vermeiden, sollen die Wagen nun unter einem anderen Namen vermarktet werden. Verständlich. Denn "Trumpchi" heißt so viel wie Legende - diese Bedeutung will man sich natürlich nicht durch den Namensvetter im Weißen Haus versauen lassen.

Ü wie Überwachung

Trumps Eskapaden lenken immer wieder davon ab, dass im Hintergrund eine dennoch effektive Gesetzgebung und Verwaltung ihrer Arbeit nachgeht. So schaffen Ministerien geräuschlos reihenweise etwa Arbeits- Umwelt- und Verbraucherschutzregularien ab. Oder verlängern umstrittene Gesetze. Der US-Kongress hat zum Beispiel Teile eines Überwachungsgesetzes für sechs Jahre verlängert. Es erlaubt es US-Geheimdiensten, außerhalb der USA Informationen über Nicht-Amerikaner zu sammeln. Von dieser Praxis erfuhr die Öffentlichkeit durch den Whistleblower Edward Snowden.

V wie Vermögen

Das geschätzte Privatvermögen von Präsident Trump, seiner Minister und Berater beträgt geschätzte 25 Milliarden Dollar.

W wie Weird Shit

Bezeichnung von Ex-Präsident George W. Bush für Trumps Antrittsrede. Grob übersetzt: "Grusliger Scheiß".

X wie Xi Jinping

War einer der ersten großen Staatschefs, den Donald Trump als US-Präsident traf und der gleich mächtig Eindruck beim Präsidenten hinterließ. So wurde er vom chinesischen Staatschef unter anderem in die Feinheiten des koreanisch-chinesischen Verhältnisses eingeführt. Beim US-Präsidenten blieb nur der Satz hängen, Korea sei einmal chinesische Provinz gewesen, was leider nicht stimmt. Seitdem fragen sich viele Menschen, welche Vorstellung beunruhigender ist: Dass Xi Blödsinn erzählt, oder das Trump komplexeren Erzählungen nicht folgen kann.

Y wie Yankees

Einer von Trumps Lieblingssportvereinen. Neben der Baseballmannschaft aus New York soll er übrigens auch die andere Baseballmannschaft aus seiner Heimatstadt schätzen, die Mets. Das wäre so, als würde ein Münchner sowohl den FC Bayern als auch 1860 mögen. Das ist seltsam und kommt selten vor.

Z wie Zeit

Die US-Präsidentschaft gilt eigentlich als härtester Job der Welt. Das dachte Donald Trump vor seiner Wahl wohl auch. Vollmundig hatte er angekündigt, er werde keine Zeit haben, ständig Golf zu spielen wie Barack Obama. Nun verbringt er zwar deutlich mehr Zeit auf einem seiner Grüns als sein Vorgänger, aber warum auch nicht? Wer viel arbeitet, braucht viel Erholung. Allein: So viel arbeitet er dann doch wieder nicht, jedenfalls nicht von den Zeiten her - im Schnitt sollen es rund fünf Stunden pro Tag sein. Der Rest des Tages ist "Exklusiv-Zeit".

Donald Trump Regenschirm