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Ehemaliger Uno-Generalsekretär: Kofi Annan zieht im stern-Interview Bilanz

Seine alte Heimat ist die Boom-Region der Zukunft, sagt Friedensnobelpreisträger Kofi Annan. 2008 traf der stern den ehemaligen Uno-Generalsekretär zum Interview.

Kofi Annan

Kofi Annan war von 1997 bis 2006 Uno-Generalsekretär.

AFP

Das Gespräch wurde 2008 geführt. Anlässlich des Todes von Kofi Annan haben wir es noch einmal publiziert.

Herr Annan, Sie sind ein Diplomat und Staatsmann aus Afrika, der sein Leben lang auch für den Kontinent seiner Herkunft gearbeitet hat. Verzweifeln Sie nicht an Afrika mit all seinen Krisen und Kriegen?

Es ist manchmal sehr entmutigend. Aber wir haben Fortschritte gemacht. Als ich 1997 mein Amt als UN-Generalsekretär antrat, gab es 41 Bürgerkriege in der Welt. Heute sind es 31. Viele dieser Kriege wurden in Afrika beigelegt. Zum Beispiel Angola, Sierra Leone, Liberia. Natürlich gibt es noch viel zu tun, etwa in Darfur oder Somalia. Aber der Westen sollte Afrika nicht nur als ewiges Desaster sehen. Das Wirtschaftswachstum Afrikas liegt mit fünf Prozent weit über dem weltweiten Durchschnitt.

Das ändert nichts daran, dass einige der am schlechtesten regierten Staaten in Afrika liegen. Simbabwe etwa, wo ein Präsident sein Land in den Ruin treibt, während andere afrikanische Politiker zusehen.

Das stimmt nicht. Gerade jetzt tun die Nachbarländer einiges, um die Krise zu bewältigen.

Tun die wirklich was?

Ja. Wir mögen nicht immer damit einverstanden sein, wie sie es tun, denn die Lage hat sich verschlechtert, Millionen sind auf der Flucht. Aber die Politiker des südlichen Afrikas wissen am besten, mit wem man wie reden muss. Sie versuchen gerade, Beobachter für die nächste Wahlrunde zu organisieren.

Südafrikas Präsident Thabo Mbeki versichert der Welt seit Jahren, er würde hinter verschlossenen Türen mit Simbabwes Diktator Robert Mugabe reden. Aber Mugabe ist noch immer an der Macht, sein Regime ist brutaler denn je. Und die Folgen sehen wir in diesen Tagen auch in Südafrika, wo Einheimische Jagd auf Flüchtlinge machen.

Die Lage ist nicht so schwarz-weiß, wie Sie sie darstellen. Thabo Mbeki hat mit der Regierungspartei wie der Opposition gesprochen. Ohne seine Teilnahme an den Verhandlungen, ohne die Reformen, die dabei vereinbart wurden, hätten wir nie erfahren, dass die Opposition die Wahlen gewonnen hat.

Alles spricht dafür, dass die nun angesetzte zweite Wahlrunde im Juni weniger fair sein wird. Danach könnte alles noch schlimmer werden.

Das hängt davon ab, wie gut die nächste Wahlrunde vorbereitet ist. Wichtig ist, so viele Beobachter in das Land zu schicken, dass die Ergebnisse nicht manipuliert werden können. Den Führern der Region ist das nur zu bewusst, wie sie mir versichert haben.

Die Lage könnte aber auch so eskalieren, dass eine Intervention von außen nötig wäre, um den Menschen zu helfen - ob durch die Nachbarstaaten oder durch andere UN-Mitglieder.

In einer politisch derart aufgeladenen Situation ist die Entscheidung an der Wahlurne die beste Lösung. Und alle arbeiten im Augenblick daran, dass diese Entscheidung korrekt zustande kommt.

In Kenia ist es Ihnen im Januar gelungen, das Land vor einem Bürgerkrieg zu bewahren. Ist die Ruhe dort von Dauer?

Ich glaube, das von mir vermittelte Abkommen wird eingehalten. Präsident Kibaki und Raila Odinga, die in der Wahl gegeneinander angetreten waren, sind entschlossen zusammenzuarbeiten. Beide wissen, dass es sich für sie lohnt. Ich habe Präsident Kibaki gesagt, dass er die Chance habe, seinem Land ein wundervolles Vermächtnis zu hinterlassen, wenn man von ihm einmal sagen wird: Er übergibt eine Nation, deren Wunden verheilt sind, an seinen Nachfolger. Und für Odinga heißt es, dass er die Chance hat, in Zukunft ein Land zu führen, das sich ausgesöhnt hat.

Ob Simbabwe oder Kenia, beide Länder standen zu Beginn ihrer Unabhängigkeit gut da. Heute sind beide Staaten ärmer und dicht an einem Bürgerkrieg. Liegt es daran, dass die Machthaber und Eliten vor allem daran interessiert sind, sich zu bereichern?

Ich glaube, das wahre Problem sind schwache Institutionen. Viele unterschätzen, dass Persönlichkeiten für den Erfolg einer Gesellschaft nicht so entscheidend sind wie starke Institutionen. Kenia ist ein Beispiel dafür. Eine Reform der Verfassung, eine Reform des Wahlrechts sind nötig, damit eine Zivilgesellschaft ent- steht, die wiederum die fundamentalen Probleme in Angriff nehmen kann wie etwa eine Landreform. Wenn man Institutionen nur um Personen herum baut und nicht unabhängig von ihnen, kann man ein Land schnell an den Abgrund führen so wie Kenia nach den Wahlen im Dezember.

Aber warum sollten die Mächtigen daran interessiert sein, ein System von Kontrolle und Interessenausgleich einzuführen? Sie würden damit ja ihre Macht beschränken.

Wähler fordern heute Rechenschaft. Bevor wir in Kenia mit den Verhandlungen begannen, habe ich mich mit den diversen Organisationen und Institutionen zusammengesetzt, mit Unternehmern, den Kirchen und ihnen gesagt, dieser Verhandlungsprozess ist auch eurer. Dies ist auch euer Land. Überlasst nicht den Politikern, was geschieht. Und ich habe denen wie den Politikern gesagt, dass ich jedes Dokument, auf das wir uns verständigen, veröffentlichen werde. Das hat den Druck erhöht, auch zu verwirklichen, was verabredet war.

Aber funktioniert das in einem Land wie Kenia? Während der Unruhen bekämpften sich die Bevölkerungsgruppen. Die einen waren Kikuyus, die anderen Luos, niemand war mehr Kenianer.

Die Unruhen zu Beginn des Jahres waren eine Art Weckruf, mehr für den nationalen Zusammenhalt zu tun. Wir alle haben vielfache Identitäten. Und ich habe den Leuten zu erklären versucht, dass sie zunächst mal Kenianer sind, dann erst Luo oder Kikuyu, Geschäftsmann oder Lehrer. Ich warte auf den Tag, an dem die Wähler jeden Politiker bestrafen, der versucht, aus ethnischen Unterschieden Kapital zu schlagen.

In den vergangenen 40, 50 Jahren haben die Länder Afrikas etwa 2,3 Billionen Dollar an Hilfe erhalten. Aber diese gigantische Summe hat kaum was gebracht. Kritiker fordern, die gesamte Entwicklungshilfe zu stoppen.

Ich glaube nicht, dass dies die Antwort auf das Problem ist. Und wir sollten mit der Annahme vorsichtig sein, all das Geld wäre in den Taschen von ein paar Leuten verschwunden. Es gibt Beispiele für Programme, die gut geplant, gut durchgeführt und sorgfältig überwacht worden sind. Die haben die Lage verbessert. Es geht darum, die Korruption zu bekämpfen. Als Generalsekretär der UN habe ich ein solches Programm mitinitiiert.

Sind manche afrikanischen Staatsmänner nicht längst so zynisch geworden, dass sie die Entwicklungshilfe bereits fest einplanen, wie etwa die Regierung in Äthiopien? Wenn dort in den vergangenen Jahren eine Hungersnot drohte, nutzte die Regierung ihre Einnahmen nicht unbedingt, um die Getreidesilos zu füllen, sondern wartete darauf, dass UN und Industriestaaten das besorgten. So hatte sie mehr Geld, etwa um Waffen zu kaufen.

Ich will zu dem konkreten Beispiel nichts sagen. Aber gestatten Sie mir folgende Bemerkung: Auch den Ärmsten in Afrika wäre es viel lieber, sie könnten für sich selbst sorgen, statt von den Gaben aus der Ersten Welt abhängig zu sein. Deshalb sind all die Programme wichtig, welche die Produktion von Nahrungsmitteln in Afrika in den kommenden Jahren verdoppeln oder verdreifachen werden. Gemäß dem Sprichwort, dass es besser ist, jemandem das Fischen beizubringen, als ihm einen Fisch zu schenken.

Seit China sich in Afrika engagiert, hat sich die Lage noch einmal geändert. Die Chinesen geben weniger Entwicklungshilfe, sie investieren stattdessen, um sich Kupfer aus Sambia zu sichern oder Coltan aus dem Kongo. Sehen Sie das als Chance oder als Gefahr?

Afrikanische Staaten sollten mit jedem Investor oder Spender zusammenarbeiten, solange die Vereinbarungen fair sind. Das habe ich auch den Chinesen gesagt: Wenn ihr keine fairen Verträge macht, verliert ihr langfristig alles. Wir haben das in Liberia gesehen, wo Präsidentin Ellen Johnson- Sirleaf alle Konzessionen außer Kraft setzte, als sie an die Regierung kam. Nicht ein einziger internationaler Konzern hat sich beschwert.

Und Sie meinen, chinesische Firmen bieten den Afrikanern bessere Konditionen an als europäische oder amerikanische?

Eines der größten Probleme des Kontinents ist die fehlende Infrastruktur. Alle Straßen führen zur Küste. Denn die Idee der Kolonialherren, die diese Straßen bauten, war ja, Rohstoffe so schnell wie möglich an die Küste zu schaffen, um sie von dort zu verschiffen. Diese Straßen sind untereinander nicht verbunden. Es gibt Studien, nach denen der Handel zwischen den Ländern südlich der Sahara um 250 Milliarden Dollar wachsen würde, wenn man die Verkehrswege der Länder miteinander verbände. Wenn also die Chinesen anbieten, fünf Milliarden in die Infrastruktur des Kongo zu stecken, wie sollen die Afrikaner reagieren? Sie wegschicken?

China stützt Regierungen, die weder demokratisch sind noch friedlich. Macht Ihnen das keine Sorge?

Der Westen sollte bei dem Thema sehr vorsichtig sein. Schließlich sind die westlichen Länder schon lange da gewesen, und trotzdem fehlt es an Energie oder an Straßen. Die Haltung gegenüber China, aber auch gegenüber Indien oder Brasilien sollte kooperativ sein. Ich wünsche mir eine Situation, in der die Chinesen etwa die Straßen bauen und die anderen Hospitäler.

Schwierig wird es doch nur, wenn China dazu beiträgt, ein korruptes, gewalttätiges Regime an der Macht zu halten.

Ich verstehe den Einwand. Und die Situation in Darfur ist ein Beispiel dafür, das jeder benutzt. Man sollte den Chinesen die Chance geben, im Rahmen jener Normen aktiv zu sein, die international akzeptiert sind. Der Westen sollte die Afrikaner überzeugen, dass er eine bessere Alternative bietet. Wenn chinesische Investoren beispielsweise ihre eigenen Arbeiter mitbringen, könnten westliche Länder die Einheimischen ausbilden. Was glauben Sie, wen die Afrikaner bevorzugen würden?

Woran liegt es, dass nicht mehr Länder in Afrika erfolgreich regiert werden?

Die Lage hat sich in verschiedenen Staaten bereits verbessert. Die höheren Preise für Rohstoffe spielen dabei eine Rolle, aber auch Fortschritte im Aufbau einer Zivilgesellschaft. Simbabwe ist ein Beispiel dafür. Dort haben die Gewerkschaften eine wichtige Rolle gespielt und so den Druck auf die Führer erhöht. In Kenia ebenso. Das wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen.

Wie kommt es, dass wir davon so wenig mitbekommen?

Gute Nachrichten sind eben keine Nachrichten. Afrika ist für die Presse kein Themen wenn es nicht um Desaster oder Blutvergießen geht. Nehmen Sie Mosambik, ein Land, das nach einem bitteren Bürgerkrieg große Fortschritte gemacht hat. Präsident Chissanó hat aus seiner Befreiungsbewegung eine Partei geformt, ist bei Wahlen angetreten und hat sich schließlich aus seinem Amt zurückgezogen. Er hätte bleiben können, aber er wusste, dass starke Institutionen wichtiger sind für sein Land als starke Persönlichkeiten.

Wie kommt es dann, dass viele Afrika für den verlorenen Kontinent halten?

Das liegt zum Teil an den Afrikanern. Wir erzählen unseren Teil der Geschichte nicht, nicht mal die Erfolgsgeschichten. Noch vor einer Generation galt Asien als hoffnungslos rückständig. Vietnam, Kambodscha, selbst China. Heute stehen wir am Beginn einer Zeit, in der auch Afrika solche Fortschritte machen wird.

Fühlen Sie sich nach all den Jahren in Genf und New York noch als Afrikaner?

Natürlich. Ich fahre regelmäßig hin. Ich habe Familie in Ghana. All die prägenden Jahre meiner Jugend habe ich dort verbracht. Ich war 21, als ich den Kontinent verlassen habe.

Sind Sie der nächste Präsidentschaftskandidat in Ghana?

Nein. Es gab jede Menge Gerüchte und manchen Druck. Nach all den Jahren an der Spitze der UN-Friedenstruppen und der gesamten UN bin ich bereit, zu helfen und zu beraten. Dazu muss ich nicht Präsident werden.

Vermissen Sie die Zeit, in der Sie mitten im Weltgeschehen waren?

Nein, ich bin kein junger Mann mehr. Es ist Zeit, alles ein bisschen ruhiger anzugehen. Als ich meinen Job als Generalsekretär aufgegeben habe, entschieden meine Frau und ich, für drei Monate gewissermaßen von der Erdoberfläche zu verschwinden. Keine Fernsehnachrichten, keine Zeitungen. Wir waren in der Nähe des Comer Sees, und nach etwa sechs Wochen begann ich mich zu langweilen. Also sagte ich zu meiner Frau: Lass uns ins Dorf gehen und eine Zeitung kaufen. Wir machten uns also auf zu einem Laden. Kaum drin, merkte ich, dass uns eine Gruppe von Leuten anstarrte. Ich dachte: So ein Mist, jetzt sind wir aufgeflogen. Da kam auch schon einer von den Leuten auf mich zu und sagte: Sie sind doch Morgan Freeman! Kann ich ein Autogramm von Ihnen haben? Und ich sagte: Klar, unterschrieb mit Freeman und war glücklich, unbehelligt wieder nach Hause gehen zu können.

Interview: Marc Goergen, Hans-Hermann Klare / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(