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MH17-Absturz: Leichenteile werden nach Charkow gebracht

Die ukrainische Armee setzt ihre Offensive fort. In unmittelbarer Nähe des Absturzortes von Flug MH17 wird offenbar wieder gekämpft. Die Ereignisse des Tages in der Rückschau.

Mehr als 70 australische und niederländische Experten finden am Absturzort von MH17 Überreste weiterer Opfer. Die Suche wird erschwert durch die anhaltenden Kämpfe in der Region zwischen Rebellen und Regierungstruppen. Einen Teil des Absturzgebietes musste das Team am Nachmittag wegen eines Artilleriebeschusses verlassen. Russen forderten auf einer Kundgebung den Einmarsch in die Ukraine. Lesen Sie die Ereignisse des Tages in der stern-Rückschau nach.

+++ 19.24 Uhr: Steinmeier nennt Vertrauen zu Russland "schwer beschädigt" +++

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verteidigt seine Vermittlungsstrategie in der Ukraine-Krise und warnt davor, den Gesprächsfaden zu Russland vollständig abreißen zu lassen. Das Vertrauen zwischen Berlin und Moskau sei "ohne Zweifel schwer beschädigt", die Fortsetzung der Verhandlungen mit Russland aber trotzdem kein Zeichen von "Blauäugigkeit", schreibt Steinmeier der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Schließlich müsse jedem klar sein, "dass ohne Moskaus Zutun eine politische Lösung des Ukrainekonflikts kaum oder schwer möglich sein wird".

+++ 19.04 Uhr: Leichenteile werden morgen nach Charkow gebracht +++

Die geborgenen Leichenteile sollen morgen nach Charkow gebracht werden. Das kündigt der Leiter der Gebietsverwaltung, Igor Baluta, an. Von dort aus werden die sterblichen Überreste voraussichtlich zur weiteren Untersuchung und Identifizierung der Opfer in die Niederlande ausgeflogen.

+++ 18.38 Uhr: Ukraine meldet Geländegewinne gegen Separatisten +++

Die ukrainische Armee meldet weitere Erfolge ihrer Offensive gegen die Separatisten im Osten des Landes. Die Orte Krasnogorowka und Staromikschailowka seien eingenommen worden, heißt es in Kiew. Mit der Kontrolle über die beiden Ortschaften stehe man unmittelbar vor der Millionen-Metropole Donezk. Donezk ist eine der letzten verbliebenen Hochburgen der prorussischen Separatisten.

+++ 16.57 Uhr: Russen fordern Einmarsch in die Ukraine +++

Hunderte Russen rufen Putin bei einer Kundgebung in Moskau zu einem raschen militärischen Eingreifen im Ukraine-Konflikt auf. "Einmarsch der Truppen!" und "Putin, rette den Donbass!", skandieren die Menschen in der Nähe des Olympia-Stadions. Unter den Protestierenden sind zahlreiche russisch-orthodoxe Geistliche, Kosaken sowie Ultranationalisten. Etwa 20 patriotische Organisationen hatten zu der Kundgebung für die Unterstützung des umkämpften Gebiets Donbass in der Ostukraine aufgerufen.

Russische Hilfsorganisationen rufen seit Tagen dazu auf, die Bevölkerung in den nicht anerkannten "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk mit Spenden zu unterstützen. An vielen Stellen in Moskau stehen dafür Zelte mit durchsichtigen Urnen für das Bargeld.

+++ 16.34 Uhr: Russland fordert Waffenembargo der EU zurück +++

Russland gibt der EU eine Mitverantwortung am Blutvergießen in der Ostukraine, wegen des Waffenembargos, das die EU ungeachtet der Militäroperation im Osten der Ukraine annullierte. Das Embargo war im Winter während der Massenproteste auf dem Maidan erlassen worden. Russland fordert die EU auf, das Verbot wieder in Kraft zu setzen. "Anderenfalls wird die Verantwortung der Europäischen Union für das fortdauernde Blutvergießen im Südosten der Ukraine wachsen", heißt es in einer Mitteilung des Außenministeriums.

+++ 16.02 Uhr: Gedenken an Absturzopfer bei Amsterdamer Homosexuellen-Korso +++

Der Gay-Pride-Korso über Amsterdamer Grachten wird mit einer Gedenkzeremonie für die Opfer von MH17 eröffnet. Zwei Boote mit weiß gekleideten Mitarbeitern von Anti-Aids-Organisationen fahren vor mehr als 300.000 Zuschauern durch die Grachtenstadt. Mit roten Schleifen erinnern sie daran, dass unter den fast 300 Opfern viele niederländische Aids-Bekämpfer waren. Sie waren auf dem Weg zu einer Aids-Konferenz in Australien. "Unsere Arbeit geht weiter, gemeinsam besiegen wir das Virus", steht auf Losungen an den Booten.

+++ 15.51 Uhr: Experten müssen Teil des Absturzgebiets verlassen +++

Die internationalen Experten müssen einen Teil der Absturzstelle wegen eines Artilleriebeschusses verlassen. Wie die OSZE mitteilt, waren in einer Entfernung von etwa zwei Kilometern Artillerieschüsse zu hören. Die Schüsse hätten den Boden erschüttert, erklärt der Vize-Chef der Ukraine-Mission der OSZE, Alexander Hug. Das Risiko sei zu groß. Hug sagt, die prorussischen Separatisten hätten den Zugang der Experten aus den Niederlanden und Australien zu der von ihnen kontrollierten Zone akzeptiert. Es sei derzeit noch zu früh, um festzustellen, ob der regionale Waffenstillstand in dem Gebiet gebrochen werde.

+++ 14.28 Uhr: Seehofer stellt WM 2018 in Russland infrage +++

CSU-Chef Horst Seehofer stellt Russland nach der eskalierenden Gewalt in der Ukraine als Austragungsort der Fußball-WM 2018 infrage. "Bleibt Putin bei seiner bisherigen Linie, kann ich mir eine Fußball-WM in Russland nicht vorstellen", sagt der bayerische Ministerpräsident "welt.de". Nach dem mutmaßlichen Abschuss des Passagierflugzeugs der Malaysia Airlines durch vermeintlich moskautreue Separatisten habe man gegenüber den Hinterbliebenen der Opfer eine Verantwortung. "So lange Russland nicht zur Entspannung beiträgt, sind weltweite Sportveranstaltungen dort schwer denkbar", so Seehofer.

+++ 13.46 Uhr: EU hob laut Russland Waffenembargo gegen Ukraine auf +++

Russland wirft der EU vor, ein im Februar gegen die Ukraine verhängtes Rüstungsexportembargo wieder aufgehoben zu haben. Beim jüngsten EU-Gipfel hätten die Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Staaten "klammheimlich" das Ausfuhrverbot für Güter kassiert, die die ukrainische Führung auch gegen die Bevölkerung einsetzen könnten, heißt es in einer Erklärung des Außenministeriums. Auch sei der Export von Militärtechnologie und Ausrüstung wieder erlaubt worden. Das zeige die Doppelbödigkeit der EU.

+++ 12.29 Uhr: Gefechte nahe der Stadt Luhansk +++

Die Kämpfe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und Separatisten gehen weiter, allerdings mit deutlich geringerer Intensität als in den vergangenen Tagen. In der Gegend um die Stadt Luhansk beschießen sich beide Seiten nach ukrainischen Militärangaben mit Panzern und Raketen. Zudem werfen sich die Ukraine und Russland gegenseitig vor, jeweils über die Grenze gefeuert zu haben.

+++ 11.03 Uhr: Ermittler suchen mit Spürhunden nach Leichenteilen +++

Mit Leichenspürhunden setzen Experten an der Absturzstelle der malaysischen Passagiermaschine die Suche nach Überresten von Opfern der Katastrophe fort. "Es wird ein langer Tag. Die intensive Arbeit konzentriert sich auf das Auffinden von Überresten der Opfer", teilt die OSZE beim Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Demnach gibt es keine neuen Berichte von Behinderungen durch Kämpfe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Die anhaltenden Gefechte hatten zuletzt den Zugang zum Ort des Absturzes behindert.

+++ 8.56 Uhr: Experten finden weitere Leichenteile +++

An der Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeugs im Osten der Ukraine bergen Experten die sterblichen Überreste weiterer Opfer und Gepäck von Insassen. Laut dem Vize-Missionsleiter Alexander Hug werden die sterblichen Überreste "mehrerer Opfer" gefunden. Gefundenes Gepäck werde in einen Zug in dem nahegelegenen Bahnhof Tores gebracht, der später nach Charkiw fahren solle.

Zur Dauer des Einsatzes gibt es unterschiedliche Angaben. Der niederländische Missionsleiter Pieter-Jaap Aalbersberg sagt, der Einsatz werde abhängig von der Sicherheitslage "mindestens mehrere Wochen dauern". Australiens Premierminister Tony Abbott sagt, es werde ein "langer und langsamer Einsatz" sein und die Experten würden mindestens "eine Woche" vor Ort sein. Er wies darauf hin, dass die Trümmer über 50 Quadratkilometer verteilt sind. Laut Aalbersberg sollen heute mehr als 70 Experten die Suche fortsetzen, bevor sich am Sonntag mit dem Eintreffen malaysischer Experten ihre Zahl auf 100 erhöht.

jen/mka/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters