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1. Bundesliga Der sportal.de-Trainer-Index


Im Sommer angekündigt - heute zum ersten Mal zur Anwendung gebracht - der neue Trainerindex von sportal.de. Wir haben die Arbeit aller 18 (äh, momentan 17) Bundesligatrainer beurteilt und an den vor der Saison formulierten Erwartungen gemessen. Ist der Coach wirklich an den Problemen Schuld? Und kann er sie in den Griff bekommen?

Acht Spieltage der Saison sind ins Land gegangen, und wie immer sind einige Bundesligatrainer schon in der Diskussion. Wie immer, wenn nicht alles nach Plan läuft bei einem Club, beginnen viele Medien und Fans, den Chefcoach in Frage zu stellen. Wir sind bekanntlich eher Freunde langfristiger, kontinuierlicher Arbeit, was nicht mit jährlichen Trainerwechseln geht. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch Fälle sehen, in denen ein Personalwechsel in der sportlichen Leitung manche Probleme beheben könnte.

Um diese Art von Erwägungen der bloßen Tagesdiskussion zu entziehen, haben wir uns vor der Saison dazu entschieden, einen neuen sportal.de-Trainerindex einzuführen. Zu diesem Zweck haben wir die aus unserer Sicht realistischen Anforderungen an die Arbeit der 18 Cheftrainer der Bundesliga formuliert. Das waren nicht immer nur Ziele hinsichtlich des Tabellenplatzes, sondern manchmal auch das Bewältigen spezifischer Probleme, wie eines personellen Umbruchs im Kader oder einer neu einzuspielenden Formation.

Nicht bei allen Clubs wird dabei in den gleichen Zeitrahmen gedacht. Mag es für manche Vereine Pflicht sein, in dieser Spielzeit ein ganz bestimmtes Ziel zu erreichen, kann es für andere ausreichen, dass der Kader in einem Jahr besser aufgestellt ist, um in Zukunft Erfolg zu haben.

Wie funktioniert der Index genau?

Wie bei einem Indexmodell üblich, gehen wir vom Normwert 100 aus. Dieser misst den Ausgangszustand und eine Lage, in der der Club voll auf Kurs ist, seine Ziele zu erreichen. Allerdings finden wir nicht, dass ein Trainer seinen Job, um es in der TV-Kommentatorensprache zu sagen, "mehr als perfekt" machen kann. Deshalb vergeben wir auch bei anhaltend guter Arbeit keinen höheren Wert als 100. 100 bedeutet einfach, dass der Coach seinen Job zur vollsten Zufriedenheit ausführt.

Dass die ganz großen Trainer der Fußballgeschichte gerade zu solchen werden, indem sie nicht nur die Erwartungen erfüllen, sondern diese spektakulär übertreffen, soll damit gar nicht bestritten werden. Wir wollen mit unserem Index aber keine Rangfolge der besten Trainer erstellen, sondern wir wollen analysieren, wie angebracht es ist, die Position des Coachs in Frage zu stellen.

Brisanter wird es also, wenn der Wert nicht 100 beträgt, sondern darunter liegt. Allgemein gehen wir davon aus, dass jede Einstufung über 50 bedeutet, dass ein Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn machen würde. Das gilt zur Mitte der Hinrunde natürlich für praktisch jeden Club - wobei der HSV sich von Michael Oenning ja schon getrennt hat. Wer Anfang Oktober seinen Cheftrainer feuert, der hat entweder vor der Saison grobe Fehlentscheidungen getroffen, völlig falsche Erwartungen oder handelt aus anderen irrationalen Motiven heraus.

Wir sind nach acht Spieltagen also weit davon entfernt, zu empfehlen, dass Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren sollten. Dennoch kann man auch im Spektrum zwischen 50 und 100 viele Zwischenstufen ausmachen, die wir der Übersicht halber einmal tabellarisch aufzeigen wollen:

100: An der Arbeit dieses Trainers gibt es nichts auszusetzen.

75-100: Nicht alles läuft nach Plan, es lassen sich auch mehr oder minder gewichtige Probleme identifizieren, die der Coach in den Griff bekommen sollte. Für einen Trainerwechsel gibt es gleichwohl nicht den geringsten Anlass.

50-75: Die Ziele werden bislang deutlich verfehlt, und das nicht ohne Verschulden des Trainers. Personelle Konsequenzen wären allerdings eher falsch und würden die Probleme nicht beheben. Aber mittelfristig sollte eine klare Besserung eintreten.

25-50: Deutlicher und anhaltender Misserfolg. So kann es nicht weitergehen, und die Aussichten einer klaren Besserung der Lage müssen skeptisch beurteilt werden. Ob jedoch eine Entlassung Sinn macht, hängt immer noch vom Zeitpunkt und vor allem von den Alternativen ab.

0-25: Es verspricht wenig, so weiter zu machen wie bisher.

Auf dieser Grundlage hier unsere Abrechnung nach dem ersten Viertel der Saison, sortiert nach dem aktuellen Tabellenplatz:

1. Jupp Heynckes, Bayern München (19 Punkte)
Eine einfache Bewertung. Man muss nicht dem Hype verfallen, Heynckes sei zwingend ein besserer Trainer als Louis van Gaal, um anzuerkennen, dass der neue Trainer mit den Defensivneuzugängen ein kompaktes, konstant hochklassiges Team geformt hat, das auch in der Champions League beeindruckend aufgetreten ist. Ob das Spielsystem "moderner" geworden ist, wie wir im August gefordert hatten, spielt dabei eigentlich gar keine Rolle. Effizienter ist es auf jeden Fall, und die individuelle Klasse der Spieler kommt dabei perfekt zum Tragen. Was will man mehr?
Indexwert 100

2. Thomas Schaaf, Werder Bremen (16 Punkte)
Gut, dass wir im Februar noch keinen Trainerindex erstellt haben. Da wären wir, etwa nach dem 0:4 in Hamburg, vielleicht versucht gewesen, nach so langer Zeit das Modell Schaaf in Bremen mal in Frage zu stellen. Aus heutiger Sicht ist aber einmal mehr Werders kluges Festhalten an seiner sportlichen Leitung belohnt worden, denn ohne Ablenkung durch Pokalwettbewerbe legte Bremen den besten Saisonstart seit fünf Jahren hin. Zwar sah das Spiel der Hanseaten nicht immer so gut aus wie der Tabellenplatz, die Taktik ist immer noch nicht variabler geworden und Mehmet Ekici ist bisher noch ein Fremdkörper im Team, aber gemessen an unserer Aufgabenstellung liegt Schaaf bisher klar über dem Soll.
Indexwert 100

3. Lucien Favre, Borussia Mönchengladbach (16 Punkte)
Die wohl leichteste Bewertung der ganzen Liga. Nicht nur frei von Abstiegssorgen, sondern mit dem besten Saisonstart seit 1987 liegt die Borussia allen Ernstes auf einem Champions League-Platz nach acht Spieltagen. Auch, wenn das wahrscheinlich nicht anhält, ist es Favre sichtlich gelungen, den Erfolg der vergangenen Rückrunde zu stabilisieren. Wie viele Trainer, die mit einem vermeintlich kleineren Team Erfolg haben, vor allem, indem er nicht versucht, alles gleichzeitig zu machen, sondern das, was er macht, richtig gut zu machen. Und so spielt dann auch seine Mannschaft.
Indexwert 100

4. Huub Stevens, Schalke 04 (15 Punkte)
Da Stevens erst zwei Pflichtspiele mit Schalke bestritten hat, ist eine seriöse Bewertung seiner Arbeit natürlich noch nicht möglich. Dauerhaft wird seine Herausforderung, zumindest was die abschließende Platzierung angeht, aber nicht sehr von dem abweichen, was wir für Ralf Rangnick vor seiner Erkrankung formuliert hatten: Platz sechs oder besser in der Bundesliga, das muss mit diesem Kader drin sein.

5. Mirko Slomka, Hannover 96 (15 Punkte)
Eine weitere Bewertung, um die es kaum Diskussionen geben kann. Wenn überhaupt, dann um unsere Erwartungen vor der Saison. Neben einem Platz in der oberen Tabellenhälfte forderten wir da nämlich von Slomka größere taktische Flexibilität. Zwar konnte Standard Lüttich in der Europa League zeigen, dass es vielleicht gar nicht so schwer ist, Hannovers Offensivspiel zu neutralisieren, aber Slomka blieb unbeirrt bei seinem 4-4-2 mit zwei Sechsern und immer, aber auch wirklich immer zwei Spitzen, egal, wer gerade verletzt, gesperrt oder formschwach war. Was ihm neben Platz fünf in der Bundesliga und der Qualifikation für die Europa League-Gruppenphase zusätzlich Recht gibt, ist die Tatsache, dass das einzige Spiel, in dem Hannover marginal von seiner Grundformation abwich, indem Jan Schlaudraff etwas zurückhängend agierte, in der einzigen Saisonniederlage in 13 Pflichtspielen mündete, beim 0:3 in Stuttgart.
Indexwert 100

6. Jürgen Klopp, Borussia Dortmund (13 Punkte)
So, allmählich wird es interessant. Fraglos hat der BVB bisher keine perfekte Saison gespielt. Die jüngsten Siege in Mainz und gegen Augsburg haben die Lage in der Bundesliga zwar entschärft, aber das 0:3 in Marseille stellt eines der Saisonziele schon jetzt stark infrage: das Erreichen des Achtelfinales in der Champions League, in der Dortmund schon jetzt fünf Punkte Rückstand auf OM hat und den direkten Vergleich gegen die Franzosen kaum noch für sich entscheiden kann. Als Maßstab für die Liga hatten wir zudem Platz Vier genannt, der bei nur zwei Punkten Abstand momentan noch in greifbarer Nähe liegt. Für die weitere Entwicklung des Clubs, der angesichts einer der größten Zuschauerreservoirs in Europa nicht dauerhaft gezwungen sein sollte, seine besten Spieler zu verkaufen, wäre es essentiell, erneut die Champions League zu erreichen - und im Laufe der Saison wieder zurück zur Sicherheit und Stärke zu finden, die den BVB vor einem Jahr so unwiderstehlich machte.

Die Kaderplanung verantwortet Klopp zwar nicht alleine, aber sollte Ilkay Gündogan dauerhaft nicht die Rolle von Nuri Sahin ausfüllen können, müsste sich der Coach eben so Fragen gefallen lassen wie hinsichtlich des Verzichts auf den Kauf eines weiteren Stürmers als Ersatz für den verletzten Lucas Barrios, denn die Chancenverwertung gehörte eindeutig zu den Achillesfersen des Dortmunder Spiels bisher. Da die jahrelange gute Arbeit Klopps aber seinen hohen Wert für den Club unterstreicht, wäre es aber nach jetzigem Stand absurd, ihm einen noch negativeren Index zu verleihen als
Indexwert 90

7. Bruno Labbadia, VfB Stuttgart (13 Punkte)
Von einer "Schlüsselsaison" in der Trainerkarriere Labbadias sprachen wir zu Saisonbeginn. Sollte es ihm gelingen, Kontinuität in die sportliche Arbeit des VfB Stuttgart zu bringen, so wären gleich zwei Serien der Kurzfristigkeit gebrochen - seine eigene und die seines Vereins. Ob er das schafft, lässt sich naturgemäß erst so richtig beantworten, wenn er zu Saisonende immer noch Coach in Stuttgart ist. Aus sportlicher Sicht spricht bisher aber nichts dagegen, dass es so kommen könnte, denn Platz sieben ist mehr, als man von diesem Kader vor der Saison erwarten konnte. Sucht man nach dem Haar in der Suppe, dann könnte man sagen, dass der VfB Spiele verloren hat, in denen er mindestens einen Punkt hätte holen müssen (Hertha, HSV). Auch kam die taktische Formation in Kaiserslautern fast schon einem Fehler gleich, denn die Spieler wussten offensichtlich nicht ganz, wie sie im 4-4-2 spielen sollten, die Mannschaft wirkte nicht perfekt eingestellt, gewann dann aber quasi im Autopilot trotzdem. Das sind aber einstweilen Kleinigkeiten.
Indexwert 98

8. Holger Stanislawski, TSG Hoffenheim (13 Punkte)
Nicht in Abstiegsgefahr geraten, dem Team seinen Stempel aufdrücken: Die beiden Kriterien hat Stanislawski zweifellos erfüllt. Keine andere Mannschaft sah zudem in dieser Saison so gut gegen den FC Bayern aus wie Hoffenheim am achten Spieltag. Auch hat es der Hamburger geschafft, aus Spielern wie Ryan Babel und Roberto Firmino viel mehr herauszuholen als sein Vorgänger Marco Pezzaiuoli. Dass der Coach auch nach Siegen in Interviews immer den Unzufriedenen gibt, weil seine Elf noch viel besser spielen könne, wirkt zwar auf Dauer etwas überheblich, auch wenn er es vermutlich nicht so meint, doch das ist ein Nebenschauplatz. Wenn Stani es schaffen sollte, dem Milliardärsclub ein sympathischeres Gesicht zu geben, dann wäre das keine geringe Leistung. Das ist allerdings nicht Gegenstand unserer Bewertung.
Indexwert 100

9. Robin Dutt, Bayer Leverkusen (13 Punkte)
Zuerst zu den sportlichen Zielen: Das Weiterkommen in der Champions League erachteten wir vor der Saison als nachrangig, hier ist Bayer 04 allerdings noch im Soll, die entscheidenden Spiele gegen Valencia kommen ja erst noch. In der Bundesliga aber forderten wir das erneute Erreichen der Champions League, also Platz vier, um die langfristige Arbeit fortsetzen zu können. Von diesem Rang ist Bayer 04 nur zwei Punkte entfernt. Die Bewertung kann trotzdem bislang nicht all zu positiv ausfallen. Dass es ohne Arturo Vidal schwer werden würde - geschenkt. Dass Bayer schon sehr gute Spiele gezeigt hat (Stuttgart, Dortmund, Wolfsburg), ist auch unbestreitbar.

Was aber negativ ins Gewicht fällt, ist, dass das Team sein Potenzial offenbar nicht immer abzurufen weiß. Die Niederlagen gegen Köln und in München waren dazu einer Mannschaft von Leverkusens Klasse schlicht unwürdig - vor allem in der Art und Weise, in der sie zustande kamen. Der komplette Zusammenbruch im Pokalspiel in Dresden (Aus nach 3:0-Führung) fällt auch negativ ins Gewicht. Wiederum nicht primär wegen des Pokalaus (für einen Champions League-Teilnehmer sicher keine Priorität), sondern wegen der massiven Leistungsschwankungen von einem Moment auf den anderen. Der Umgang mit der Torhüterproblematik (beide Ersatzkeeper von René Adler bekamen nur jeweils ein Spiel Chance, sich zu beweisen, bevor ein vierter Schlussmann verpflichtet wurde) war ebenfalls kein Ruhmesblatt für Dutt, der zwar Zeit braucht, wie wir schon vor der Saison zugestanden haben, auf Dauer aber mehr Konstanz in seinen gut besetzten Kader bringen muss als bisher.
Indexwert 65

10. Markus Babbel, Hertha BSC (12 Punkte)
Anders als von Jos Luhukay kann man von Babbel und seiner Hertha den Klassenerhalt schon erwarten, mehr als einen Platz im unteren Mittelfeld aber nicht. 12 Punkte aus acht Spielen sind für einen Aufsteiger eine sehr gute Ausbeute. Was noch ansteht: Wie schon in der 2. Liga tat sich die Hertha zu Saisonbeginn oft schwer, Spiele, die sie kontrollierte, auch zu gewinnen, was vor allem beim 2:2 gegen Augsburg (mehr als 60 Prozent Ballbesitz) deutlich wurde, während der Auswärtssieg in Dortmund und das sehr gute, wenn auch verlorene Spiel in Bremen genau das gegenteilige Bild boten, und selbst das 3:0 gegen Köln vor zehn Tagen basierte auf schnellem Konterfußball, der der Mannschaft viel besser zu liegen scheint. So lange es tabellarisch so entspannt läuft wie bisher, spricht nichts dagegen, in dieser Richtung etwas mit der Spielanlage zu experimentieren.
Indexwert 100

11. Dieter Hecking, FC Nürnberg (11 Punkte)
Der Klassenerhalt - viel mehr konnte man von Dieter Hecking mit seiner vierer Leistungsträger beraubter Mannschaft vor der Saison kaum einfordern. Bei schon sechs Punkten Vorsprung auf Platz 16 liegt der Club hier voll im Soll. Dass in der Startelf des FCN weiterhin oft nur zwei Feldspieler älter als 23 sind (meist Timmy Simons und Horacio Javier Pinola), unterstreicht die Stärke Heckings, junge Spieler schnell zu Leistungsträgern zu formen. Und das ist eine Qualität, die ihn zum goldrichtigen Mann am richtigen Ort macht.
Indexwert 100

12. Stale Solbakken, FC Köln (10 Punkte)
Tja, welches ist denn nun der wirkliche FC? Der, der mit 4:1 in Leverkusen gewonnen hat und der Hoffenheim komplett im Griff hatte? Oder der, der in den ersten zwei Saisonspielen acht Gegentore kassierte und schon nach einer halben Stunde mit 0:3 in Berlin zurücklag? Diese Frage ist ähnlich schwer zu beantworten wie die nach dem wahren Lukas Podolski. Der hat seit August schon überragende Spiele gemacht, aber auch welche, in denen er fast komplett abtauchte. Seine beste Rolle scheint die der hängenden Spitze hinter Milivoje Novakovic zu sein, nicht selbst in vorderster Reihe, aber auch nicht ganz auf dem Flügel. Vom Schlüsselspieler Podolski und dem guten Neuzugang Sascha Riether abgesehen, verdichtet sich bisher der Eindruck, dass die Qualität des FC-Kaders den Ansprüchen, die in der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga angezeigt sind, wohl nicht ganz genügen kann.

Vor der Saison hatten wir einen Mittelfeldplatz als realistisches Ziel ausgemacht, von dem aus dann die längerfristige Entwicklung des Teams in Angriff genommen werden sollte. Auf dem steht der FC zwar momentan, aber es liegt nicht gerade die schwerere Hälfte der Hinrunde hinter der Geißbockelf: Von den ersten Sieben der Tabelle hat Köln erst gegen ein einziges Team schon gespielt (Schalke, 1:5). Das und die klägliche Darbietung in drei der schon vier Saisonniederlagen (Wolfsburg, Schalke, Hertha) sprechen dagegen, dass Solbakken als FC-Trainer schon funktioniert. Als Mindestmaß für die Zeit bis zur Winterpause gilt es nun, zumindest nicht weiter Richtung Abstiegszone zu rutschen.
Indexwert 80

13. Felix Magath, VfL Wolfsburg (9 Punkte)
"Eine klare Enttäuschung" wäre das Verpassen eines Europacupplatzes mit dem Wolfsburger Kader, so urteilten wir vor der Saison. Vor diesem Hintergrund ist Platz 13 natürlich sehr unbefriedigend. Angesichts von vier Punkten Rückstand auf die Europa League-Ränge besteht der Hauptkritikpunkt an Magath aber nicht in der Tabellensituation. Sondern darin, dass ein Aufwärtstrend nicht erkennbar ist. Die beiden Heimsiege kamen beide eher glücklich zustande. Gegen in Überzahl spielende Kaiserslauterer gelang in einem grottenschlechten Bundesligaspiel deshalb der Dreier, weil die Pfälzer zu schlecht waren denn aus eigener Stärke heraus. Gegen Schalke hätte der VfL nach zahlreichen harten Foulspielen eigentlich auch schon in Unterzahl spielen müssen, in einer ebenfalls unansehnlichen Partie gelang in der zweiten Spielhälfte dennoch der Sieg. Das Pokalaus beim Viertligisten RB Leipzig ist ein weiterer Minuspunkt.

Damit aber nicht genug. Sicher war Diegos Verhalten am letzten Spieltag der Vorsaison unentschuldbar. Die Masse an Problemen, die Magath in Wolfsburg aber zuletzt mit Spielern hatte, lässt seine Menschenführung (schon auf Schalke Gegenstand von Unmut im Verein) erneut in den Blickpunkt rücken. Dass Arne Friedrich seinen Vertrag kündigte und Patrick Helmes zwischenzeitlich nicht am Mannschaftstraining teilnehmen durfte, spricht gegen Magaths Bereitschaft, mit Spielern zu arbeiten, die er nicht selbst verpflichtet hat. Da der Trainer und Manager parallel schon wieder das Transferkarussell angeworfen hat, dabei aber wie zuletzt auf Schalke vor allem auf ausrangierte Altprofis setzt, ist der VfL Wolfsburg ihm momentan auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Natürlich denkbar, dass die Wölfe sich im Saisonverlauf noch steigern. Bislang spricht aber nicht viel dafür.
Indexwert 58

14. Thomas Tuchel, Mainz 05 (8 Punkte)
Vor genau einem Jahr stand der FSV mit 21 Punkten auf Platz zwei. In diesem Jahr fehlen demgegenüber schon 13 Zähler. Das allein ist aber noch kein Weltuntergang, denn einerseits spielten die Rheinhessen in der Vorsaison lange über ihren Verhältnissen und andererseits machten die Abgänge von André Schürrle, Lewis Holtby und Christian Fuchs sowie die langwierige Verletzung von Adam Szalai schon im Sommer klar, dass es viel schwerer werden würde als 2010/11.

Interessant ist der Kontrast Tuchels zu Mirko Slomka. Beide Trainer gewannen in der vergangenen Saison mit sehr unterschiedlichen Methoden. Während Tuchel ständig das System änderte, Formationen und Spieler austauschte, blieb Slomka seinem einen Plan treu und veränderte so wenig wie möglich. Hatten beide damals ähnlich viel Erfolg, so hat sich das jetzt radikal geändert. Immer noch versucht Tuchel viel, nur drei Feldspieler bestritten alle Punktspiele dieser Saison (Hannover: acht Feldspieler stets dabei) - aber es klappt nicht mehr so wie gewohnt. Bestes Beispiel: Anstatt Spielverläufe positiv beeinflussen zu können, passiert genau das Gegenteil: In den letzten sechs Bundesligaspielen ging Mainz fünfmal in Führung - und holte zwei Punkte aus diesen Begegnungen.
Indexwert 81

15. Marcus Sorg, SC Freiburg (7 Punkte)
Das Positive zuerst: Die Erwartungshaltung war nicht all zu hoch in Freiburg, so kann auch die Enttäuschung im Breisgau nicht überhand nehmen. Der Sieg gegen Borussia Mönchengladbach kam zudem für unsere Bewertung genau zum richtigen Zeitpunkt, denn hätte der Sportclub dieses Spiel etwa mit 0:3 verloren (was Gladbachs rund 20 Torabschlüsse durchaus ermöglicht hätten), dann wäre Freiburg heute Tabellenletzter. So aber stehen die Badener über dem Strich. Grund zur Euphorie gibt es dennoch nicht.

Nur eines von neun Pflichtspielen, inklusive des Pokaldebakels in Unterhaching, sah eine wirklich überzeugende Freiburger Mannschaft - das 3:0 gegen Wolfsburg. Der Abgang von Ömer Toprak allein rechtfertigt keine 25 Gegentore in neun Pflichtspielen - eine desolate Quote, mit der übrigens seit mehr als 25 Jahren kein Bundesligaclub mehr die Klasse gehalten hat. Dass der Sportclub so schlecht da steht, ist jedoch nicht vorrangig dem Trainer zuzuschreiben, der Kader ist insgesamt trotz einiger guter Einzelspieler (Papiss Demba Cissé, Oliver Baumann, Cedrick Makiadi, Julian Schuster) nicht wirklich besser als Platz 15.
Indexwert 84

16. Marco Kurz, FC Kaiserslautern (5 Punkte)
Gerade hat der FCK den Vertrag mit Marco Kurz verlängert. Vorschnell? Nicht unbedingt. Angesichts von Platz sieben in der Endabrechnung der Vorsaison wird gerne vergessen, dass Lautern drei Wochen vor Saisonende noch zittern musste. Die Abgänge von Srdjan Lakic und Jan Moravek trafen einen Club, der ein Jahr lang über seinen Möglichkeiten gespielt hatte, hart, von den Neuzugängen darf bisher einzig Itay Shechter als wirkliche Verstärkung gelten, und auch das nicht in jedem Spiel, wie sein bitterer Fehlschuss gegen Stuttgart verdeutlichte. Dass Kaiserslautern mit diesem Kader gegen den Abstieg spielen würde, durfte eigentlich nicht überraschen.

Die eingespielte Defensive ist dabei nicht das Problem (weniger Gegentore als Schalke), aber im Offensivspiel fehlt es dem FCK an Kreativität und der Möglichkeit, Gegner zu überraschen. Die Standards von Christian Tiffert können auf Dauer nicht die gefährlichste Waffe bleiben. Die mangelnde Variabilität im Spielaufbau muss man Kurz sicherlich in Teilen anlasten, aber von der Grundordnung her scheint die Mannschaft einigermaßen intakt - gemessen an den Möglichkeiten, versteht sich.
Indexwert 85

17. Jos Luhukay, FC Augsburg (4 Punkte)
Wenn man sich den restlichen Hinrundenspielplan ansieht, dann fallen nicht viele Spiele ins Auge, in denen man dem FCA den ersten Sieg seiner Bundesligageschichte zutraut. In Mainz? Zu Hause gegen Wolfsburg? Dieser Pessimismus erscheint angebracht, denn nicht nur konnte Augsburg noch kein Spiel gewinnen, die Schwaben waren auch nicht ein einziges Mal die bessere Elf. Angesichts des Kaders kein Wunder, aber bei vier Punkten aus acht Spielen kann man nun einmal nicht sagen, dass alles bestens sei.

Die Entscheidung, den Kader nicht bundesligareif zu verstärken und faktisch eine Ehrenrunde in der Eliteklasse zu drehen, ist wohl nicht primär von Luhukay selbst gefällt worden. Aber sie hilft ihm nicht dabei, den Eindruck zu widerlegen, dass er eine Art Marius Ebbers der Trainerzunft ist (2. Liga: 143 Spiele, 69 Siege; Bundesliga: 31 Spiele, 3 Siege).
Indexwert 82

18. ?, Hamburger SV (4 Punkte)
Es deutet nach jetzigem Stand alles darauf hin, dass Thorsten Fink neuer Trainer des HSV wird, allein der Zeitpunkt ist noch offen. Was wir seinem Vorvorgänger Michael Oenning als Ziel gesetzt hatten, ist natürlich inzwischen hinfällig. Es geht jetzt zunächst um den Klassenerhalt. Das ist mit einer Mannschaft voller unerfahrener Youngster kein Spaß, auch wenn viele von ihnen talentierter sind, als viele deutsche Medien wahr haben wollen. Beurteilt werden kann Finks Arbeit jedenfalls, wenn er denn kommen sollte, frühestens in der Winterpause.

Daniel Raecke

sportal.de sportal

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