"Was für ein schöner Sonntag"

18. März 2012, 10:55 Uhr

Der neue Bundespräsident heißt Joachim Gauck. Die Bundesversammlung hat ihn am Mittag gewählt - in einer kurzen Rede sprach er über seine neue Verantwortung.

+++ 14.34 Uhr: Bundesversammlung singt Nationalhymne +++

So, das war's. Kurz, bündig, mit dem erwarteten Ergebnis: Bundestagspräsident Lammert hat die Bundesversammlung nach dem Absingen der Nationalhymne für geschlossen erklärt. Das Buffet werde auf jeden Fall frischer sein als nach drei Wahlgängen, kalauert er. Und Schluss.

+++ 14.24 Uhr: Gauck nimmt Wahl an +++

Joachim Gauck nimmt die Wahl zum Bundespräsident an. In seiner kurzen Rede danach sagt er: "Was für ein schöner Sonntag". Er erinnert an die erste freie Volkskammerwahl in der DDR am 18. März 1990. Er dankt jenen, die ihn zu seiner Kandidatur ermutigt haben. "Ich werde mit all meinen Kräften und meinem Herzen ja zu der Verantwortung sagen, die sie mir heute übertragen haben", sagt er. Das sei seine Pflicht und seine Verantwortung. Er werden sich neu auf Themen und Personen einlassen, verspricht der 72-Jährige. "Es ist unser Land, in dem wir Verantwortung übernehmen, wie es auch unser Land ist, wenn wir die Verantwortung scheuen."

+++ 14.20 Uhr: Bundesversammlung hat Gauck gewählt +++

Der neue Bundespräsident heißt Joachim Gauck. Die Bundesversammlung hat ihn am Sonntagmittag mit überwältigender Mehrheit in das höchste Staatsamt gewählt. Auf Gauck entfielen 991 von 1228 gültigen Stimmen. Auf Beate Klarsfeld, die Kandidatin der Linkspartei, entfielen 126 Stimmen, der Kandidat der NPD erhielt 3 Stimmen.

+++ 13.36 Uhr: Einschub zum Thema Freiheit +++

Die Sitzung der Bundesversammlung ist unterbrochen. Zeit, ein wenig in den Himmel zu gucken und über die Freiheit zu räsonnieren, jetzt, da just Edmund Stoiber im Fernsehen über Gauck und, genau, die Freiheit spricht. Wenn man darüber nachdenkt, wäre es von Gauck vielleicht schlau, wenn er demnächst über alles andere spricht - nur nicht über die Freiheit. Der Begriff ist an diesem Tag fast überstrapaziert worden. Wie wär's, zum Beispiel, mit dem Thema Gerechtigkeit? Da könnte Gauck auch nochmal etwas zur Occupy-Bewegung sagen. Ach, jetzt empfiehlt DGB-Chef Sommer Michael Sommer dem künftigen Präsidenten, auch das Thema Gerechtigkeit aufzugreifen. Wohlan.

+++ 13.30 Uhr: Im Reichstag beginnt die Auszählung +++

Im Reichstag haben alle Wahlleute ihre Stimmen abgegeben. Nun ist die Sitzung unterbrochen worden, es wird mit der Auszählung begonnen. Norbert Lammert sagt, nun werde es etwa 40 Minuten dauern, bis das Ergebnis bekannt gegeben werde. So, und jetzt alle auf Twitter gucken, ob das Ergebnis dort vorher läuft!

+++ 13.18 Uhr: Künast: Gauck "werteorientierte Bürger" +++

"Der größte Feind der Freiheit, das ist die Angst der Menschen", philosophiert Präsidentenmacher Philipp Rösler auf "Phoenix". Und gegen diese Angst werde Gauck als Präsident etwas tun, sagt der FDP-Chef. Jetzt gehe es darum, Vertrauen für das höchste Staatsamt zurückzugewinnen. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nennt Gauck beim selben Sender einen "werteorientierten Bürger". Aber sie sagt auch, im Hinblick auf umstrittene Sarrazin- und Occupy-Bemerkungen Gaucks, als Präsident müsse man schon zwei Mal überlegen, was man sagt. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagt, dass seine Partei "mit großer Begeisterung" Gauck unterstütze. Man habe vor knapp zwei Jahren Wulff schon nominiert gehabt, als der Name Gauck, oops, plötzlich aufgetaucht sei. Es ist wunderbar, Unionisten und FDP-Leute dabei zu beobachten, wie sie erklären, dass sie eigentlich schon immer für Gauck waren.

+++ 13.12 Uhr: Lindner bleibt bei Erfolg in Düsseldorf +++

In der ARD machen sie eine NRW-Session. Ministerpräsidentin Kraft, SPD, Vize Löhrmann, Grüne, und Herausforderer Lindner, FDP, im Interview. "Herrn Lindner kenne ich schon lange, seitdem er als Bambi hinzugekommen ist", sagt Löhrmann. Lindner sagt: "Die FDP hat alles richtig gemacht in NRW." Er werde nach der Landtagswahl im Mai auf jeden Fall in Düsseldorf bleiben, sagt der Bundestagsabgeordnete, FDP-Spitzenkandidat in NRW und demnächst auch Parteichef an Rhein und Ruhr. "Wenn ich Nummer eins der Liste bin, dann gehe ich auch in den Landtag, wenn es mir geschenkt wird."

+++ 13.01 Uhr: Klarsfeld rügt "Springer-Presse" +++

"Phoenix" hat die Kandidatin und Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld im Interview. Sie rügt, dass ihr von der "Springer-Presse" ihre Zusammenarbeit mit dem SED-Regime vorgeworfen wird. "Das zeigt, dass sich einiges nicht geändert hat", sagt Klarsfeld. Sie wertet ihre Kandidatur als Anerkennung ihrer Arbeit. "Was mich mit der Linkspartei eint, ist der Kampf gegen den Faschismus", sagt Klarsfeld. Sie hoffe, dass der neue Bundespräsident Gauck ihr das Bundesverdienstkreuz verleihen werde. Klarsfeld berichtet, dass sie sich am Morgen mit Gauck unterhalten habe.

+++ 12.43 Uhr: Merkel, Springer und Schwarzer +++

Das wäre mal was, wenn man da ein bisschen mithören dürfte. Im Plenum parliert Kanzlerin Angela Merkel mit der Verlegerin Friede Springer und, tjaha, Alice Schwarzer. Frauenpower. Ein Stück weiter stehen Friedrich Merz, Jürgen Rüttgers und Christian Lindner, zwei Have-Beens aus der CDU und das nordrhein-westfälische Comeback-Kid aus der FDP. Ansonsten heißt's jetzt warten. Die Wahlleute müssen allesamt ihre Stimmen abgeben.

+++ 12.28 Uhr: Lammert eröffnet die Wahl +++

Die Versammlung hat sich offiziell konstituiert. Lammert liest vor, wie die Wahlleute ihre Wahlunterlagen abolen können und wie sie bitte zu wählen haben. Wo gibt's die Unterlagen? Wo sind die Wahlurnen? Wann muss man unterm großen Adler auftauchen? Los geht's mit dem Namensaufruf.

+++ 12.25 Uhr: Rehagel sitzt neben von der Leyen +++

Während Lammert ein paar Formalien erledigt und Störfeuer der NPD-Gesandten abwehrt, ist Zeit, ein wenig ins Plenum zu gucken. Was für ein Duo. Fußballtrainer Otto Rehagel sitzt neben Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Jan Josef Liefers trägt einen gar aparten Schal.

+++ 12.18 Uhr: Anmerkung zu Lammerts Rede +++

Norbert Lammert hat einmal mehr bewiesen, warum auch er ein guter Bundespräsident gewesen wäre. Locker und dennoch bedeutungsschwer hat der CDU-Politiker die vergangenen Wochen Revue passieren lassen: die Wulff-Krise, die Kritik an den Medien und die Frage, ob das Amt des Bundespräsidenten Schaden genommen hat. Es ist sehr elegant, wie er den 18. März als einen Tag in der deutschen Geschichte definiert hat, der eine besondere Bedeutung für die freiheitliche Verfassung des Landes hat.

+++ 12.12 Uhr: Lammert spannt Bogen von 1848 bis 1990 +++

Lammert spricht lange über die Märzrevolution in Deutschland im Jahr 1848, die ein Aufstand sowohl von Proletariat als auch Bürgertum gewesen sei. Er spannt dann den Bogen zur ersten freien Volkskammerwahl in der DDR am 18. März 1990. "Der 18. März ist ein nicht wegzudenkender Baustein unserer Verfassungstradition", sagt Lammert. "Demokratie ist mehr als der Anspruch auf organisierte Transparenz. Demokratie braucht auch Vertrauen. Sie gründet auf dem Vertrauen in ihre Repräsentanten." Ein dauerhaftes Misstrauen mache auch die Wahrnehmung öffentlicher Ämter unmöglich. Das gelte in besonderem Maße für das Amt des Bundespräsidenten.

+++ 12.01 Uhr: Lammert eröffnet Bundesversammlung +++

Im Reichstag eröffnet Bundestagspräsident Norbert Lammert die Bundesversammlung und begrüßt die Gäste. Gelacht wird im Plenum, als er sagt, dass der Bundespräsident laut Verfassung alle fünf Jahre gewählt wird. Dass die Wahlen jüngst in kürzeren Abständen stattgefunden hätten, "wird niemand für eine Errungenschaft halten", sagt Lammert. Von einer Staatskrise könne zwar keine Rede sein, aber man solle sich bemühen, die Abstände wieder zu verkürzen. Die Geschichte der "kurzen Präsidentschaft" Christian Wulffs müsse erst noch aufgearbeitet werden, sagt der CDU-Politiker. Manches sei "bitter, aber notwendig" gewesen. Lammert kritisiert ausdrücklich Meinungsäußerungen im Schutz der Anonymität des Internets.

+++ 11.57 Uhr: Wahlleute versammeln sich im Plenum +++

So, los geht's. Im Reichstag ruft die Klingel die Wahlleute in den Plenarsaal. Die Gauck-Wahl steht an. Auch Joachim Gauck ist schon anwesend - auf der Tribüne. Im Netz, auf Twitter, gibt's nicht ganz ernst gemeinte Fragen. "Wenn der Gauck morgen gewinnt, dürfen wir dann zum Bundespräsidialamt auch Gauck-Behörde sagen?", fragt ein Twitterer.

+++ 11.46 Uhr: Gabriel schenkte Gauck ein Brandt-Buch +++

Da stehen sie nun, im Foyer des Bundestags, die ganzen Partei- und Politgranden und interpretieren die demnächst präsidentielle Projektionsfläche Joachim Gauck. Dessen Freiheitsdrang finden sie alle toll. Nur was sie jeweils unter Freiheit verstehen, das variiert. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagt dem Sender "Phoenix", dass er Gauck ein Buch von Willy Brandt geschenkt habe. Titel: "Links und frei". Die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt berichtet von einer gut gelaunten Kanzlerin Angela Merkel. "Wir haben überhaupt kein Problem, jetzt zu Gauck zu stehen" ,sagt sie.

+++ 11.39 Uhr: Ströbele will Gauck nicht wählen +++

Interessant. Der Grünen-Abgeordnete Christian Ströbele sagt im "Phoenix"-Interview, dass er Gauck beim ersten Mal gewählt habe, es aber diesmal nicht tun wird. Gauck hätte mittlerweile zu viele Dinge gesagt, etwa zu Thilo Sarrazin, mit denen er nicht einverstanden wäre. Ein Dissident in der schwarz-gelb-rot-grünen Riesenkoalition. Ach ja. Und Außenminister Guido Westerwelle sagt, dass Gauck das Ansehen Deutschlands in der Welt mehren werde. Er geht dann mal, frei nach Christian Wulff, zum Emir. Letzteres hat Westerwelle nicht gesagt.

+++ 11.24 Uhr: Wahlleute versammeln sich im Reichstag +++

Im Reichstag sind die Wahlmänner- und Frauen der einzelnen Fraktionen zu letzten Sitzungen vor der Wahl des Bundespräsidenten zusammengekommen. Dabei sollte es nochmals Zählappelle geben, um zu klären, ob alle Mitglieder der Bundesversammlung anwesend sind.

+++ 10.51 Uhr: Auf dem Weg zum Reichstag +++

Der ökumenische Gottesdienst in der Französische Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt ist vorbei. Nun begeben sich Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck und Beate Klarsfeld zum Reichstag, wo um 12 Uhr die Wahl des Bundespräsidenten stattfinden soll.

+++ 09.27 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst hat begonnen +++

Vor der Bundespräsidentenwahl sind die Mitglieder der Bundesversammlung in Berlin zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammengekommen. Auch die Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck und Beate Klarsfeld kamen in die Französische Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt. An dem Gottesdienst nehmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert, Interimsstaatsoberhaupt Horst Seehofer und mehrere Kabinettsmitglieder teil.

+++ 09.21 Uhr: Keine Hochzeit geplant +++

Der wahrscheinliche neue Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt planen offenbar keine rasche Hochzeit. "Nur aus protokollarischen Gründen zu heiraten, das fände ich auch nicht richtig", sagte Schadt der "Bild am Sonntag". Sollte es deswegen einmal Probleme geben, werde sie zurückstehen. Mit Blick auf Gaucks Ehefrau Gerhild, mit der er weiter verheiratet ist und vier Kinder hat, sagte Schadt: "Nachdem nicht nur Jochen und ich, sondern die ganze Familie mit unserer Regelung gut leben können, kann vielleicht auch der Rest der Gesellschaft damit leben."

+++ 09.09 Uhr: Kirchen fordern mehr Engagement +++

Vor der Bundesversammlung zur Wahl des neuen Bundespräsidenten haben die beiden großen Kirchen in einem ökumenischen Gottesdienst zu mehr Engagement für die Demokratie aufgerufen. Damit Demokratie gelingen könne, müssten immer wieder Bürger für den Dienst am Gemeinwesen bereit sein, sagte Prälat Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros in Berlin, am Sonntagmorgen laut vorab verbreitetem Predigttext in der Französischen Friedrichstadtkirche. Er würdigte die vielen Menschen, die sich für das Gemeinwesen ehren- oder hauptamtlich engagierten.

In seinen Dank schloss Jüsten ausdrücklich Ex-Bundespräsident Christian Wulff ein. Der Wunsch nach mehr Transparenz lasse viele davor zurückschrecken, öffentliche Ämter zu übernehmen, warnte der Prälat. Zu Recht erwarte die Bevölkerung von Mandatsträgern, dass sie ehrlich und aufrecht seien. Dies gelte jedoch für alle Menschen im Lande, wenn es um Dinge wie Steuerehrlichkeit, die Wertschätzung von Fremden oder die Wahrhaftigkeit in den Medien gehe. Die Medien bat er: "Haben Sie bei der notwendigen kritischen Begleitung den nötigen Respekt vor dem Amtsinhaber!"

+++ 09.04 Uhr: Vertrauensvorschuss für Gauck +++

Gauck geht mit großem Vertrauensvorschuss der Bürger und Parteien in die Wahl. Das voraussichtliche neue Staatsoberhaupt halten 80 Prozent der Deutschen für glaubwürdig, wie eine Umfrage für die ARD-Sendung "Günther Jauch" ergab. Gut ein Drittel (37 Prozent) weiß aber noch nicht, wofür der 72-Jährige steht. Neben dem großen Thema der Freiheit wird von Gauck erwartet, zu anderen Fragen wie dem Euro oder dem Rechtsextremismus Position zu beziehen.

+++ 08.47 Uhr: "Sehr gemischte Gefühle" bei Gauck +++

Von seinem Leben als normaler Bürger nahm Joachim Gauck mit "sehr gemischten Gefühlen" Abschied, wie er erklärte: "Ich kann Ihnen die nicht beschreiben", sagte er am Samstag. Ein politische Rede will Gauck im ersten Tag noch nicht halten: "Morgen gibt's nur Dankesworte, da gibt es noch keine politische Rede. Die gibt's vielleicht am 23., da müssen Sie sich noch ein paar Tage gedulden", sagte Gauck am Samstag zu Journalisten.

+++ 08.30 Uhr: Das Programm der Wahl +++

Die Bundesversammlung wählt um 12 Uhr in Berlin einen neuen Bundespräsidenten. Die Wahl des früheren DDR-Bürgerrechtlers Joachim Gauck gilt als sicher. Der 72-jährige parteilose Theologe wird von einer beispiellosen Fünf-Parteien-Koalition aus CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen unterstützt. Für die Linke kandidiert die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld. Die 73-Jährige ist aber chancenlos.

Die Bundesversammlung tritt um 12.00 Uhr im Reichstag zusammen. Zuvor wird es Fraktionssitzungen sowie einen ökumenischen Gottesdienst geben.

Die Bundesversammlung besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Delegierten, die von den Landesparlamenten gewählt werden. Von den insgesamt 1240 Delegierten werden voraussichtlich 1238 anwesend sein. Dazu gehören auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Voraussichtlich am Montag soll Gauck in sein Amt eingeführt werden. Die Vereidigung des 11. Präsidenten vor Bundestag und Bundesrat ist für kommenden Freitag vorgesehen. Offiziell im Amt ist der Präsident aber bereits, sobald er die Wahl durch die Bundesversammlung annimmt.

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