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+++ Ukraine-Newsticker +++: Klitschko nennt Bürgermeister von Slawjansk einen "Terroristen"

Noch immer befinden sich 13 OSZE-Beobachter in der Geiselhaft ukrainischer Separatisten. Die Bemühungen um eine Freilassung laufen auf Hochtouren. Die Ereignisse im stern.de-Newsticker.

+++ 19.25 Uhr: Klitschko nennt Bürgermeister von Slawjansk einen "Terroristen"

Der ukrainische Politiker Vitali Klitschko hat den selbst ernannten Bürgermeister von Slawjansk als "Terroristen" bezeichnet und ein entschiedeneres Auftreten der ukrainischen Armee gefordert. Klitschko sagte "Bild am Sonntag": "Wjatscheslaw Ponomarew ist nichts anderes als ein Terrorist, denn nur Terroristen können Geiseln nehmen. Es darf nicht sein, dass wir zuschauen, wie unabhängige OSZE-Beobachter als vermeintliche Kriegsgefangene von diesen Terroristen festgehalten werden. Jedes Blutvergießen in der Ostukraine muss verhindert werden, aber gleichzeitig braucht es ein entschiedeneres Vorgehen der ukrainischen Armee gegen die von Russen gesteuerten Aggressionen."

+++ 18.51 Uhr: Lawrow fordert "dringende Maßnahmen" für Deeskalation

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat sich in einem Telefonat mit seinem US-Kollegen John Kerry für "dringende Maßnahmen" zur Deeskalation der Lage in der Ukraine ausgesprochen. In dem Gespräch sagte Lawrow am Samstag nach Angaben des russischen Außenministeriums, vor allem müsse die ukrainische Armee ihren Einsatz gegen russischsprachige Regierungsgegner im Osten des Landes beenden. Außerdem müssten "die aggressiven Aktionen der Ultranationalisten vom Rechten Sektor gestoppt" werden.

+++ 18.01 Uhr: Steinmeier fordert Freilassung von OSZE-Team +++

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die unverzügliche Freilassung der OSZE-Militärbeobachter gefordert, die in der Ostukraine von prorussischen Separatisten festgehalten werden. Die Gruppe befinde sich leider nach wie vor in der Gewalt von Separatisten, sagte Steinmeier am Samstagnachmittag in Berlin. "Wir tun alles in unserer Macht stehende, um die festgehaltenen Personen wieder in Freiheit zu bringen."

17.48 Uhr: Separatisten wollen Gefangenenaustausch +++

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine wollen die von ihnen verschleppten OSZE-Militärbeobachter gegen inhaftierte Rebellen austauschen. Unter den am Freitag festgesetzten Männern sind auch vier Deutsche. Der selbsternannte Bürgermeister der Stadt Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, sagte am Samstag vor Journalisten, ein Gefangenenaustausch sei eine Möglichkeit. "Die Junta in Kiew hält unsere Genossen und Kameraden fest, deshalb ist es eine Möglichkeit. Wir sind bereit für einen Austausch", sagte Ponomarjow mit Blick auf von der ukrainischen Regierung inhaftierte Separatisten.

+++ 16.30 Uhr: Kein Wasser mehr für die Krim +++

Die ukrainische Regierung hat die Wasserversorgung der von Russland annektierten Halbinsel Krim offenbar unterbrochen. Der rund 400 Kilometer lange Nord-Krim-Kanal sei nahezu trockengelegt, meldete die ukrainische Agentur Unian am Samstag unter Verweis auf entsprechende Fotos. Die Wasseragentur in Kiew widersprach den Berichten. Sie warf allerdings der moskautreuen Führung der Krim vor, Wasser ohne gültige Verträge abzuschöpfen. Die Behörden der Halbinsel sollen Kiew mehr als 100 000 Euro schulden, was die Krim bestreitet.

+++ 15.55 Uhr: CSU sieht weitere Sanktionen gegen Russland skeptisch +++

Die CSU steht weiteren Sanktionen gegen Russland skeptisch gegenüber - würde sie aber mittragen. "Es gibt zur Diplomatie keine Alternative", sagt Parteichef Horst Seehofer. Für den Fall, dass es internationale Vereinbarungen über zusätzliche Strafmaßnahmen gebe, habe Kanzlerin Angela Merkel aber die Unterstützung der CSU. Man müsse Geduld aufwenden, um die Krise mit Hilfe der Diplomatie zu überwinden. Man wolle mithelfen, die Ukraine demokratisch und wirtschaftlich zu festigen. Das Land habe eine wichtige Brückenfunktion zu Russland.

+++ 14.49 Uhr: Jazenjuk wirft Russland Versuch zur Provozierung eines Kriegs vor +++

Der ukrainische Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk wirft Russland vor, mit der Verletzung des ukrainischen Luftraums einen Krieg provozieren zu wollen. "Russische Militärflugzeuge haben heute Nacht den ukrainischen Luftraum sieben Mal durchkreuzt und verletzt", sagt Jazenjuk. "Der einzige Grund ist, die Ukraine zu provozieren, einen Krieg zu beginnen." Jazenjuk hatte Russland bereits gestern vorgeworfen, einen "dritten Weltkrieg" anzetteln zu wollen.

+++ 14.32 Uhr: EU-Diplomaten beraten Montag über Sanktionen +++

EU-Diplomaten beraten am Montag in Brüssel über weitere Sanktionen gegen Moskau. Laut einem EU-Vertreter wird es dabei um Strafmaßnamen der "Stufe zwei" gehen, darunter Konto- und Visasperren gegen führende russische Regierungsvertreter. Mehrere europäische Staaten und die USA hatten in den vergangenen Tagen eine Ausweitung der wegen der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland verhängten Sanktionen angekündigt. Der "Preis für die Aktionen Russlands" müsse erhöht werden, erklärten die G7-Staaten in einer Erklärung.

+++ 13.58 Uhr: OSZE-Verhandlungsteam reist in die Ostukraine +++

Ein Verhandlungsteam der OSZE macht sich auf den Weg in die Ostukraine, um vor Ort die Freilassung der in Slawjansk festgesetzten Militärbeobachter zu erreichen. So heißt es in Regierungskreisen in Berlin. Zu der von prorussischen Separatisten festgehaltenen Gruppe gehören vier Deutsche, unter ihnen drei Bundeswehroffiziere und ein Dolmetscher.

+++ 13.17 Uhr: Auswärtiges Amt verhandelt über Freilassung der Gefangenen +++

Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes verhandelt offenbar mit den Separatisten im ostukrainischen Slawjansk über eine Freilassung der gefangengenommenen Beobachter. "In enger Absprache mit der OSZE wird alles Mögliche getan, auch in Kontakten mit denen, die die Beobachtergruppe derzeit festhalten, um mit allem Nachdruck auf eine schnellstmögliche Freilassung hinzuwirken", erklärt eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Am Morgen habe der Krisenstab getagt, der auch mit den Regierungen Russlands und der Ukraine in Kontakt stehe.

+++ 11.53 Uhr: Ein Gefangener muss medizinisch versorgt werden +++

Einer der von pro-russischen Separatisten Gefangenen braucht offenbar dringend medizinische Hilfe. Das teilt der ukrainische Geheimdienst mit. Die Gefangenen würden unter unmenschlichen Bedingungen im Keller des Terroristen-Hauptquartiers festgehalten. Der ukrainische Sicherheitsdienst sei bereit, die für einen der festgehaltenen Beobachter notwendige medizinische Hilfe zu leisten, heißt es weiter. Die Separatisten sollen dieses Angebot jedoch abgelehnt haben.

"Die Terroristen wollen die Geiseln als menschliche Schutzschilde einsetzen", erklärt der Geheimdienst. Die Gefangennahme der Beobachter sei von einem russischen Staatsbürger geplant und koordiniert worden, der für den Geheimdienst seines Landes arbeite. Russland weist Vorwürfe zurück, wonach es mit Truppen oder Agenten im Osten der Ukraine aktiv ist.

+++ 11.35 Uhr: Milizenführer: Gefangene sind keine Beobachter der OSZE +++

Die in der Ukraine Gefangenen sind offenbar keine Beobachter der OSZE. Das sagt der prorussische Milizenführer der ostukrainischen Stadt Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarew der "Bild"-Zeitung. "Wir haben insgesamt zwölf Personen festgenommen, darunter vier ukrainische Offiziere", so Ponomarew. "Sie sind keine Geiseln, sie sind Kriegsgefangene." Es ginge ihnen gut und sie würden von Sicherheitsdiensten untersucht.

"Denn sie haben keine Genehmigung für ihre angebliche Beobachtermission", sagt Ponomarew: "Sie hatten Karten dabei, in denen unsere Checkpoints markiert sind, und andere Dinge, die sie verdächtig machen, dass sie Spione sind." Sie hätten eine andere Mission und nicht um eine Berechtigung gefragt. Separatisten bezeichnen OSZE-Geiseln als Nato-Spione.

+++ 11.33 Uhr: Donezk-Regierung hat Entwurf für Referendum-Stimmzettel +++

Russische Medien kündigen schon seit Wochen ein weiteres Referendum an, für die Donezk-Region. Dort soll am 11. Mai ein Referendum stattfinden, das über die Unabhängigkeit der Region entscheiden soll. Das berichtet etwa das russische Portal Life News. Auf den Wahlzetteln werde nur eine einzige Frage zu finden sein: "Befürworten Sie die Konsolidierung der Nationalrepublik Donezk?" Der Sprecher der Übergangsregierung in Donezk, Denis Pushilin, erklärt laut dem Portal: "Bei dem Referendum wird nur diese eine Frage gestellt, weil wir frei über unser Schicksal verfügen können, wenn wir erst die Unabhängigkeit gewinnen."

+++ 10.52 Uhr: Russland will sich für Freilassung der OSZE-Beobachter einsetzen +++

Russland will sich einem Agenturbericht zufolge für die Freilassung der in der Ostukraine gefangengenommenen OSZE-Beobachter einsetzen. "Wir sind der Meinung, dass diese Menschen so bald wie möglich freikommen müssen", sagt der russische OSZE-Botschafter Andrej Kelin der Nachrichtenagentur Itar-Tass zufolge. Als OSZE-Mitglied werde sein Land alle nötigen Schritte einleiten.

+++ 07.35 Uhr: Separatisten bekräftigen Vorwürfe gegen Militärbeobachter +++

Prorussische Separatisten in der Ostukraine bekräftigen ihre Spionagevorwürfe gegen die festgesetzten Militärbeobachter auch aus Deutschland. "Diese Menschen sind Berufssoldaten - im Unterschied zu einem OSZE-Team, mit dem ich mich vor kurzem normal unterhalten habe", sagt der Separatistenführer und selbsternannte Bürgermeister der Stadt Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow. Der Verdacht liege nahe, dass die Gruppe "Sabotageakte" im Auftrag der ukrainischen Regierung vorbereiten wolle.

Ponomarjow bezeichnet die festgesetzten Mitarbeiter als "Kriegsgefangene, wie die Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung berichtet, die sich auf ihren Korrespondenten vor Ort bezieht. Die Aktivisten würden "bald" über eine mögliche Freilassung entscheiden. Dem OSZE-Team gehe es gut, erklärte der Separatistenführer gegenüber "bild.de". "Wir haben gerade ein Schwein geschlachtet, also muss niemand hungern.“

Regierungseinheiten zerstörten bei ihrer "Anti-Terror-Operation" vor Slawjansk eigenen Angaben zufolge vier Straßensperren der Separatisten. Die Stadt im krisengeschüttelten Osten der Ex-Sowjetrepublik ist von Sicherheitskräften eingekreist.

+++ 04.41 Uhr: G7-Länder wollen "zügig" neue Sanktionen gegen Russland +++

Die G7-Staaten einigen sich darauf, "zügig" neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Schon am Montag könnten die zusätzlichen Strafmaßnahmen verhängt werden.

Zur Begründung heißt es, Russland habe keine konkreten Handlungen unternommen, um die Genfer Einigung auf einen Friedensplan in der Ukraine zu unterstützen. Stattdessen habe Moskau die Spannungen "mit einer zunehmend besorgniserregenden Rhetorik und anhaltenden bedrohlichen militärischen Manövern" weiter eskalieren lassen. In der Mitteilung kündigten die G7-Mächte an, nun "volle rechtliche und praktische Konsequenzen" gegen den illegalen russischen Versuch zu vollziehen, die Krim und Sewastopol zu annektieren.

+++ 00.23 Uhr: OSZE hofft auf baldigen Kontakt mit festgehaltenen Beobachtern +++

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geht davon aus, dass sie bald einen direkten Kontakt zu den festgehaltenen Beobachtern bekommt. "Wir hoffen, dass das morgen (Samstag) möglich sein wird", sagt der Vizechef des OSZE-Krisenpräventionszentrums, Claus Neukirchin. Die OSZE sei aber nicht der Verhandlungspartner für die prorussischen Kräfte, da es sich bei den Festgehaltenen nicht um Mitglieder der eigentlichen OSZE-Beobachtermission handle. Es sei eine bilaterale Mission unter Leitung des Verifikationszentrums der Bundeswehr auf Einladung der ukrainischen Regierung. Daher würden Verhandlungen durch die Bundesrepublik geführt, so Neukirch.

+++ 00.01 Uhr: Pentagon wirft Russland Verletzung des ukrainischen Luftraums vor +++

Die USA haben Russland die Verletzung des ukrainischen Luftraums vorgeworfen. Russische Militärflugzeuge seien in den vergangenen 24 Stunden wiederholt in den ukrainischen Luftraum eingedrungen, erklärte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Steven Warren, am Freitag. Er rief Moskau auf, "sofortige Schritte zu einer Deeskalation der Situation" zu unternehmen.

cf/jen/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters