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Ukraine-Krise: Nato will Kiew bei Modernisierung der Armee helfen

Die Ukraine-Krise beherrscht den Nato-Gipfel. Das Bündnis sucht Wege, Moskau in die Schranken zu weisen. In der Ukraine wird weiter gekämpft. Der Rückblick auf den Tag im sternNewsticker.

Demonstrantinnen bitten Nato um Hilfe für Ukraine

Demonstrantinnen bitten Nato um Hilfe für Ukraine

Die Ukraine-Krise stellt die Nato vor die größte Herausforderung seit dem Kalten Krieg. Auf dem Gipfel in Wales wird voraussichtlich die Bildung einer schnellen Eingreiftruppe beschlossen - die Nato rückt wieder mehr gen Osten. Ein Sieben-Punkte-Plan von Russlands Präsident Wladimir Putin wird skeptisch betrachtet. Unterdessen gehen die Kämpfe zwischen der ukrainischen Armee und den prorussischen Separatisten weiter. Die Ereignisse im Newsticker.

+++ 21.54 Uhr: Nato will Kiew bei Modernisierung der Armee helfen +++

Die Nato sagt der Ukraine Hilfe bei der Modernisierung ihrer Armee zu. "Wir haben ein umfassendes und zugeschnittenes Maßnahmenpaket gepackt, damit die Ukraine besser für ihre eigene Sicherheit sorgen kann", teilt Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Newport mit. Die Hilfe betrifft die Bereiche Logistik, Kommando- und Kommunikationsstrukturen sowie Cyber-Abwehr. Zudem will die Nato die Ukraine bei der Versorgung verwundeter Soldaten unterstützen sowie bei der Reform seiner Streitkräfte beraten und ihren "strategischen Austausch" mit Kiew verstärken.

+++ 20.50 Uhr: EU erwägt Sanktionen gegen Russlands Verteidigungsminister +++

Die geplanten Strafmaßnahmen der EU gegen Russland werden möglicherweise auch den russischen Verteidigungsminister treffen. Sergej Schoigu stehe zusammen mit etwa 20 weiteren Menschen aus dem Umfeld von Präsident Putin auf einer Sanktionsliste, die zwischen den 28 EU-Botschaftern diskutiert werde, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf zwei EU-Vertreter.

Die EU will am Freitag ein neues Sanktionspaket verabschieden. Mit den neuen Strafmaßnahmen gegen Russlands Wirtschaft und einflussreiche Politiker reagiert die Union auf Berichte über eine direkte Beteiligung russischer Soldaten an den Gefechten in der Ostukraine.

+++ 20.28 Uhr: Merkel bekräftigt Nein zu Nato-Beitritt der Ukraine +++

Bundeskanzlerin Merkel spricht sich für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen der Nato und der Ukraine aus, lehnt aber einen Beitritt zum Bündnis erneut ab. "Es geht nicht um eine Mitgliedschaft der Nato", betont sie am Rande des Nato-Gipfels in Newport. Merkel versichert Kiew die Solidarität der Nato und ihre grundsätzliche Bereitschaft zu weiteren Sanktionen gegen Russland. Gleichzeitig bekräftigt sie die Bereitschaft zu Gesprächen mit Moskau.

+++ 20.14 Uhr: Nato sieht keine militärische Lösung +++

Kanzlerin Merkel sagt, bei der Nato habe es einen breiten Konsens gegeben, dass es keine militärische Lösung in der Ukraine geben kann. Man sei bereit, mit Russland über eine politische Lösung zu reden.

+++ 18.32 Uhr: Hollande nennt Bedingungen für spätere Kriegsschiff-Lieferung +++

Nach dem Stopp des umstrittenen Kriegsschiff-Geschäfts mit Russland hat die französische Regierung Bedingungen für die Auslieferung der zwei Hubschrauberträger genannt. Nötig seien ein Waffenstillstand in der Ukraine und ein politisches Abkommen zur Lösung des Konflikts, sagte Frankreichs Präsident François Hollande beim Nato-Gipfel. Das hatte ein Sprecher des Außenministeriums bereits am Nachmittag bekannt gegeben. Hollande fügte hinzu: Er schließe aber eine Lieferung noch im Oktober explizit nicht aus.

+++ 18.17 Uhr: Keine Waffenhilfe von Polen +++

Polen wird nach den Worten von Präsident Bronisław Komorowski derzeit keine Waffen an den östlichen Nachbarn Ukraine liefern. Poroschenko habe einen entsprechenden Wunsch bei einem Vier-Augen-Gespräch am Rande des Nato-Gipfels nicht geäußert, sagt Komorowski in Newport. Grundsätzlich sei Polen bereit, der Ukraine bei der Modernisierung seiner Armee zu helfen. Dies müsste aber in Friedenszeiten geschehen.

+++ 18.04 Uhr: Nato entscheidet nicht über Waffenlieferung +++

Die Entscheidung über Waffenlieferungen an die Ukraine liegt nach den Worten von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nicht in den Händen des Militärbündnisses. "Die Allianz als solche liefert keine Waffen, weil sie keine besitzt", sagt Rasmussen beim Nato-Gipfel. Die Entscheidung über Waffenlieferungen liege damit allein bei den einzelnen Staaten. Deutschland lehnt es ab, Waffen an die Ukraine zu schicken, liefert aber Schutzausrüstung.

+++ 18.02 Uhr: Merkel will Telefondiplomatie mit Putin fortsetzen +++

Merkel setzt weiter auf Telefondiplomatie mit Putin. "Wenn es mir nötig und sinnvoll erscheint, um im Sinne einer friedlichen politischen Lösung des Konflikts voranzukommen, werde ich natürlich weiter mit dem russischen Präsidenten reden", versichert die Kanzlerin. "Es muss jetzt schnell zu einer politischen Lösung kommen." Trotz aller unterschiedlichen Positionen sei es richtig, miteinander zu sprechen.

+++ 17.28 Uhr: Steinmeier äußert leichte Zuversicht +++

Außenminister Steinmeier sieht eine Chance auf eine Entschärfung des Konflikts. Es gebe derzeit eine Situation, in der "leichter Optimismus oder Zuversicht aufkeimt, dass man vielleicht auf dem Wege in Richtung einer Entschärfung des Konflikts ist", sagt Steinmeier am Rande des Nato-Gipfels. "Natürlich ist es zu früh, im Augenblick Erwartungen zu äußern." Er könne jedoch mitteilen, dass sich Präsident Poroschenko "ganz vorsichtig zuversichtlich gezeigt hat, dass jetzt doch eine Phase eingetreten ist, in der ernsthaft verhandelt wird".

+++ 16.49 Uhr: Separatisten wollen Sicherheitszone einrichten +++

Ein Anführer der Separatisten erklärt zum Waffenstillstands-Angebot, sie wollten eine Sicherheitszone einrichten. Diese solle unter Aufsicht der OSZE gestellt werden. Außerdem solle ein Korridor für Flüchtlinge und humanitäre Hilfen geschaffen werden.

+++ 16.51 Uhr: US-Geheimdienst-Pensionäre warnen Merkel vor Fehlinformationen +++

Eine Gruppe ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter warnt Kanzlerin Merkel, nicht auf mögliche Fehlinformationen der Amerikaner hereinzufallen. "Die Vorwürfe einer großen russischen Invasion in der Ukraine scheinen nicht von vertrauenswürdigen Geheimdienstinformationen gestützt zu werden", behaupten sieben pensionierte Ex-Regierungs- und Militärmitarbeiter in einem offenen Brief an Merkel, der jüngst veröffentlicht wurde.

Die Fotos der Nato und der USA von russischen Truppen und Panzern in der Ukraine könnten falsch sein, meint die Gruppe, die sich "Geheimdienstveteranen für gesunden Menschenverstand" nennt (Veteran Intelligence Professionals for Sanity). Die Autoren vermuten, dass die USA mit ihrem anti-russischen Kurs versuchen, die Aufnahme der Ukraine in die Nato zu befördern. Deshalb hätten sie auch im Februar einen "Staatsstreich" in Kiew unterstützt. Sie vergleichen die Vorwürfe des Westens gegen Russland mit der Argumentation der Amerikaner vor dem Irakkrieg 2003. Die US-Regierung erklärte damals, die Iraker besäßen Massenvernichtungswaffen, was sich als falsch herausstellte.

+++ 15.55 Uhr: Schwere Kämpfe nahe Mariupol +++

Heftige Explosionen erschüttern den Rand der ukrainischen Hafenstadt Mariupol. Ukrainische Soldaten sagen der Nachrichtenagentur AFP, sie würden versuchen, einen Angriff gepanzerter Fahrzeuge der prorussischen Rebellen abzuwehren. "Wir leisten Widerstand, doch das ist sehr schwierig mit Gewehren gegen gepanzerte Fahrzeuge", so ein ukrainischer Freiwilliger an einer Straßensperre am Rande der Stadt.

Der Angriff der Separatisten war seit Tagen erwartet worden, nachdem diese mehrere Orte an der Straße zur russischen Grenze erobert hatten. Mariupol liegt am Asowschen Meer rund 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Separatisten hatten die Hafenstadt im Frühjahr unter ihre Kontrolle gebracht, doch wurde sie Mitte Juni von den Regierungstruppen wieder zurückerobert.

+++ 15.41 Uhr: Separatisten stimmen Waffenruhe unter Bedingungen zu +++

Auch die Anführer der Separatisten erklären ihre Bereitschaft zu einer Waffenruhe. Auf der Website der Separatisten heißt es, die Regierungschefs der selbsterklärten "Volksrepubliken" von Lugansk und Donezk könnten die Anordnung für die Waffenruhe am Freitag um 15.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 MESZ) erteilen. Bedingung sei, dass die Vertreter der Ukraine den von Russland vorgelegten Friedensplan unterzeichneten.

+++ 15.15 Uhr: Moskau lehnt Änderung der Nato-Russland-Grundakte ab +++

Moskau weist Rufe nach einer Änderung der Grundakte des Nato-Russland-Rates entschieden zurück. Nur alle Vertragsparteien zusammen könnten das Dokument ändern, sagt Außenminister Sergej Lawrow. Die Grundakte beschränkt die Stationierung von Soldaten in Osteuropa. Lawrow wirft den USA vor, die Führung in Kiew aktiv zu einer harten Haltung gegenüber den moskautreuen Separatisten in der Ostukraine und gegenüber Russland zu drängen. Er äußert Verständnis für die Forderungen der prorussischen Separatisten. "Sie wollen auf dem Boden leben, auf dem sie geboren wurden und auf dem ihre Vorfahren lebten", sagt der Minister. "Das ist ganz normal für ein europäisches zivilisiertes Land, in dem nationale Minderheiten leben", meint Lawrow.

+++ 14.35 Uhr: Poroschenko will am Freitag Friedensplan unterzeichnen +++

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erwartet nach eigenen Worten, dass am Freitag bei einem Treffen der Kontaktgruppe ein Abkommen für einen Friedensplan unterzeichnet wird. Sollte das Treffen bestätigt werden, werde er für die ukrainischen Streitkräfte ab Freitag 13 Uhr eine Waffenruhe anordnen. Das Dokument werde ein Stufenplan für eine friedliche Lösung des Konflikts sein, sagt Poroschenko am Rande des Nato-Gipfels in Newport.

+++ 14 Uhr: Litauen kritisiert Merkel +++

Der litauische Regierungschef Algirdas Butkevicius kritisiert das Festhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Nato-Russland-Gründungsakte. Das trage nicht zu einer schnellen Problemlösung bei, sagt er im litauischen Radio. Merkel hat angekündigt, auf dem Nato-Gipfel in Wales trotz der Ukraine-Krise frühere Absprachen mit Russland zur beschränkten Stationierung von Nato-Truppen an der Ostflanke nicht infrage stellen zu wollen. 

+++ 13.58 Uhr: Nato vermutet Tausende russische Soldaten in Ukraine +++

In der Ukraine halten sich nach Einschätzung der Nato derzeit mehrere tausend Soldaten mit Hunderten Panzern und gepanzerten Fahrzeugen auf. "Bei der Disposition der russischen Streitkräfte in der Ukraine können wir keine wesentliche Veränderung erkennen", sagt ein Nato-Offizier am Rande des Gipfeltreffens der Militärallianz. Weitere 20.000 russische Soldaten seien nahe der Grenze aufmarschiert. Zuletzt hatte die Nato lediglich von deutlich mehr als 1000 russischen Soldaten gesprochen, die sich in den umkämpften Gebieten im Osten der Ukraine aufhielten.

+++ 12.55 Uhr: Russland warnt Ukraine vor Nato-Beitritt +++

Der neue Anlauf der Ukraine zur Nato-Mitgliedschaft gefährdet nach Darstellung Moskaus einen möglichen Waffenstillstand und Friedensvertrag für den umkämpften Osten des Landes. Kiews Ankündigung, den blockfreien Status der Ukraine zu beenden und nach einem gescheiterten Versuch im Jahr 2008 abermals den Nato-Beitritt anzustreben, komme angesichts der laufenden Vermittlungsbemühungen zur Unzeit, kritisiert Russlands Außenminister Sergej Lawrow. "Das ist ein offensichtlicher Versuch, die Bemühungen zum Beginn eines Dialogs über die Garantie der nationalen Sicherheit zu sabotieren", wird Lawrow von russischen Nachrichtenagenturen zitiert.

+++ 12.40 Uhr: Deutsche Bauern zunehmend unter Preisdruck +++

Angesichts deutlich gesunkener Butterpreise wirft der Bauernverband dem deutschen Lebensmittelhandel vor, die Folgen des russischen Einfuhrstopps auszunutzen. "Die aktuelle Verunsicherung der Märkte wird genutzt, um Einkaufspreise zu optimieren", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Europäische Anbieter würden derzeit zunehmend auf den deutschen Markt ausweichen, weil sie ihre Waren nicht mehr nach Russland ausführen dürften. Deutsche Bauern stünden deshalb unter einem starken Preisdruck. "Der Druck auf die Märkte ist erheblich. Das bekommen die Erzeuger direkt zu spüren", sagt Krüsken. Diese Entwicklung sei bei Obst und Gemüse sowie bei Milch zu spüren. Die Fleischerzeuger hätten schon länger mit dem Problem zu kämpfen, da Russland schon vor mehreren Monaten den Import von Schweine- und Rindfleisch untersagt habe.

+++ 11.40 Uhr: "Speerspitze" gegen Russland +++

Zur Unterstützung der osteuropäischen Alliierten gegen Russland hat die Nato ihre Präsenz dort etwa bei der Luftraumüberwachung bereits verstärkt. Dies solle "so lange wie nötig" so bleiben, kündigt Rasmussen an. Geplant sind zudem vermehrte Übungen wechselnder Kampftruppen und neue Stützpunkte mit Führungs- und Logistikexperten. Die könnten Medienberichten zufolge in den drei Baltenstaaten sowie Polen und Rumänien eingerichtet werden, was der Nato zufolge aber erst nach dem Gipfel von den militärischen Planern geklärt werden soll. Ferner ist die Modernisierung von Häfen und Flughäfen sowie die Stationierung militärischer Ausrüstung in der Region vorgesehen.

Der Ausbau der Strukturen in Osteuropa dient dazu, eine neue schnelle Eingreiftruppe im Krisenfall in kürzester Zeit dorthin verlegen zu können. "So kann diese neue Truppe leicht reisen und hart zuschlagen, wenn nötig", sagt Rasmussen. Diese Spezialtruppe soll etwa 4000 Soldaten stark und die neue "Speerspitze" der bereits bestehenden Nato-Reaktionsstreitmacht ("Nato Response Force") sein. Das Ziel ist einem ranghohen Nato-Vertreter zufolge, dass die in Rotation von den Mitgliedstaaten gestellten Truppen aus ihren jeweiligen Heimatländern innerhalb von zwei Tagen in einem bedrohten Nato-Land einsatzbereit sind. Die Kosten für die Truppe werden Paloméros zufolge bei "mehreren hundert Millionen Euro" im Jahr liegen.

+++ 11.20 Uhr: Granateinschläge in Donezk +++

Augenzeugen in der Rebellenhochburg Donezk berichten von Granateinschlägen in der Nacht. In Petrowka südlich der Stadt soll es auch Tote gegeben haben, was sich zunächst nicht bestätigen lässt.

+++ 10.50 Uhr: Rasmussen: "Russland greift Ukraine an" +++

Russland greift nach den Worten des Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen die Ukraine an. Zum Plan Putins ergänzt er, dass alle Bemühungen für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts begrüßt würden. Es zähle aber, was tatsächlich im ukrainischen Konfliktgebiet passiere. Russlands Außenminister Lawrow warnt gleichzeitig davor, die Neutralität der Ukraine infrage zu stellen.

+++ 10.06 Uhr: Moskau geht von Mistral-Lieferung aus +++

Trotz der von Frankreich ausgesetzten Lieferung rechnet Russland weiter damit, den Hubschrauberträger der Mistral-Klasse zu erhalten. "Wir haben keine Nachricht, dass der Vertrag nicht mehr gelten sollte", sagt Oleg Botschkarjow von der militärischen Regierungskommission. Die Ausbildung von 400 russischen Matrosen, die später auf dem Schiff arbeiten sollen, gehe in Frankreich normal weiter. "Man muss in aller Ruhe weiterarbeiten, bis die Atmosphäre (in der Ukrainekrise) sich ändert", so Botschkarjow laut Agentur Interfax. Er recnet nicht mit einem völligen Stopp der Lieferung. "Wem will Frankreich ein Schiff verkaufen, das nach russischen Anforderungen gebaut wurde? Seinen Nato-Partnern sicher nicht." Sollte die französische Führung dennoch den Vertrag annullieren, seien die vereinbarten Strafzahlungen in Höhe von angeblich bis zu drei Milliarden Euro wohl unausweichlich.

+++ 9.45 Uhr: Russland zu Deeskalation bereit +++

Russland signalisiert seinen Willen, zu einer Entspannung der Ukraine-Krise beizutragen. "Gemeinsam mit der OSZE sind wir bereit, praktische Schritte zu einer Deeskalation zu unternehmen", sagt Außenminister Sergej Lawrow der Nachrichtenagentur Interfax. Lawrow bezieht sich auf einen Plan zur Beilegung des Konflikts, den Präsident Wladimir Putin am Mittwoch vorgelegt hat. Die Konfliktparteien in Kiew und in den Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk sollten diese Vorschläge in Erwägung ziehen, sagt Lawrow.

+++ 9.06 Uhr: Von der Leyen will an Nato-Vereinbarung mit Russland festhalten +++

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen weist Forderungen aus Osteuropa nach einer dauerhaften Stationierung von Nato-Truppen zurück. Deutschland fühle sich nach wie vor an die mit Moskau vereinbarte Nato-Russland-Grundakte von 1997 gebunden, sagt die Ministerin. "Diese gemeinsamen Regeln der Sicherheit sind uns wichtig, die wollen wir nicht aufgeben", sagt sie. Zwar habe Russland einige der Vereinbarungen gebrochen. Es werde aber "eine Zeit geben nach Putin, nach der Krise", mahnt die Ministerin.

Die mit Moskau geschlossene Grundakte legt unter anderem fest, dass die Nato auf die Stationierung von Kampftruppen in größerem Umfang in den neuen Nato-Mitgliedsländern Osteuropas verzichtet. Polen und andere Nato-Staaten in der Region argumentieren, Russland habe mit seinem militärischen Vorgehen in der Ukraine gegen die Akte verstoßen, weswegen sich auch die Nato nicht mehr an die Vereinbarungen halten müsse.

Dazu sagte von der Leyen: "Deutschland hat eine andere Haltung." Sie schließt Waffenlieferungen an die Ukraine weiterhin aus. Der Konflikt müsse diplomatisch gelöst werden. "Wir haben einen Gesprächskanal zu Putin", sagt sie. "Die Bundeskanzlerin hat einen ganz besonderen Draht."

+++ 9 Uhr: Heftige Kämpfe +++

Trotz jüngster Friedensbemühungen liefern sich Armee und Aufständische in der Ostukraine erneut schwere Gefechte. Die prorussischen Separatisten hätten den von Regierungseinheiten besetzten Flughafen von Donezk unter Feuer genommen, berichten Medien aus der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik.

"Wir haben zwei Angriffsringe um den Flughafen gezogen - den Soldaten bleibt nur, zu kapitulieren oder zu sterben", sagt der Separatistenführer Wladimir Kononow. Bereits Ende Mai hatten die militanten Gruppen eine Großoffensive auf den Airport gestartet. Dabei waren mehr als 50 Aufständische ums Leben gekommen.

+++ 8.12 Uhr: Rückkehr zum "Prinzip der Abschreckung" +++

Der ehemalige Vorsitzende des Nato-Militärausschusses Klaus Naumann bezeichnet die Idee einer schnellen Nato-Eingreiftruppe als "Signal der Bündnissolidarität". "In gewisser Weise kehren wir zurück zum Prinzip der Abschreckung", sagte der General a.D. im Deutschlandfunk. Aber man müsse verhindern, in den Kalten Krieg zurückzufallen.

In Deutschland habe sich die Illusion breitgemacht, man könne alles durch Verhandlungen lösen. "Das ist blanker Unsinn."

+++ 6.40 Uhr: Sondertreffen mit Poroschenko +++

Noch vor Beginn des Nato-Gipfels in Wales will der britische Premierminister David Cameron mit US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko über die Krise in dessen Land beraten. Auch der französische Präsident Francois Hollande und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi sollten an dem Treffen am Donnerstagmorgen teilnehmen, heißt es in britischen Regierungskreisen. Poroschenko werde den Staats- und Regierungschefs eine aktuelle Einschätzung der Lage liefern. Die Zusammenkunft solle die klare Botschaft senden, dass die westlichen Staaten die Souveränität der Ukraine unterstützten und es an Russland sei, für eine Deeskalation zu sorgen.

+++ 6.06 Uhr: "Sanktionen sind wirkungslos" +++

Die EU will noch härtere Sanktionen gegen Russland verhängen, doch Experten bezweifeln die Wirksamkeit solcher Wirtschaftstrafen. "Sanktionen gegen Russland sind grundsätzlich zum Scheitern verurteilt. Sie sind denkbar ungeeignet, um Russlands Politik in eine gewünschte Richtung zu lenken", sagt Dirk Ulbricht vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Bislang haben die Sanktionen das Gegenteil bewirkt: Nämlich dass wir mittlerweile bei einer nicht offiziellen militärischen Intervention angelangt sind", meinte der Experte weiter.

+++ 5.22 Uhr: Schulz: "Weitere Eskalation verhindern" +++

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) appelliert zum Auftakt des Nato-Gipfels in Wales an alle Teilnehmer, eine weitere Eskalation im Verhältnis mit Russland zu vermeiden. Schulz fordert in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", der Gesprächsfaden mit Russland dürfe "gerade in Krisenzeiten nicht reißen". "Was wir jetzt brauchen, ist kein Säbelrasseln, sondern beharrliche Diplomatie", so Schulz. Die Europäer müssten alles tun, "um eine weitere Eskalation zu verhindern".

+++ 3.45 Uhr: Millionaufwand für Nato-Krisentruppe +++

Die von der Nato geplante Kriseneingreiftruppe kostet das Bündnis "mehrere hundert Millionen Euro" im Jahr. Diese Prognose äußert der Nato-General Jean-Paul Paloméros vor dem Nato-Gipfel. "Soldaten in Bereitschaft zu halten, verursacht bestimmte Kosten." Dies sei der Preis für "eine glaubwürdige Verteidigung und eine glaubwürdige Allianz". "Wir werden effizienter sein", fügt Paloméros hinzu, der in Norfolk in den USA eines der beiden strategischen Hauptquartiere des Bündnisses führt und für die Modernisierung der Nato zuständig ist.

Auch der Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen knüpft an die geplante Kriseneingreiftruppe große Hoffnungen und verkündet via Twitter: "Die Vorbereitungen für den Nato-Gipfel sind abgeschlossen. Wir sind auf einem guten Weg, eine Entscheidung zu treffen, die die Nato schneller, leistungsfähiger und flexibler machen wird."

+++ 3.33 Uhr: Obama und Cameron demonstrieren Einigkeit +++

US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron haben vor dem Nato-Gipfel Einigkeit in der Ukraine-Krise demonstriert. "Mit der illegalen Annexion der Krim und der Entsendung von Truppen auf ukrainisches Gebiet" habe Russland "die Regeln verletzt" und "das Fundament eines souveränen Staates untergraben", erklärten Obama und Cameron in einem gemeinsamen Beitrag für die Londoner "Times". Russland unternehme den Versuch, einen "souveränen Staat" vom Recht auf Demokratie abzubringen, heißt es im Beitrag Obamas und Camerons weiter. "Wir sollten das Recht der Ukraine mittragen, seine demokratische Zukunft selbst zu bestimmen."

mad/ivi/dho/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters