VG-Wort Pixel

+++Liveticker Libyen+++ Gaddafi - lieber Tod als Rücktritt


Libyens Staatschef will "Revolutionsführer" bleiben und zur Not den Märtyrertod sterben. Das Ausland holt derweil seine Leute aus dem Land. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker.

+++18:50 Uhr: Griechen helfen Chinesen+++

Die größte Evakuierungsaktion starten die Chinesen mit Hilfe Griechenlands. Vier griechische Fähren würden zwischen Tripolis und der Mittelmeerinsel Kreta pendeln, um Chinesen, aber auch Bürger anderer Staaten in Sicherheit zu bringen, teilt das griechische Ministerium für Bürgerschutz mit. Allein 15.000 Chinesen sollen so in Sicherheit gebracht werden. Zwei Fähren sollten noch am Abend nach Tripolis auslaufen. Bereits am Nachmittag war ein griechischer Frachter in den kleinen libyschen Hafen von Ras Lanuf eingelaufen, um griechische Bürger abzuholen.

+++ 17:50 Uhr: Großbritannien schickt Fregatte nach Libyen +++

Auch Großbritannien bereitet die Evakuierung seiner Bürger aus Libyen vor. Außenminister William Hague kündigte binnen 48 Stunden die Entsendung eines Charter-Flugzeuges nach Libyen an. Die britische Regierung bemühe sich derzeit um die Landeerlaubnis und Genehmigungen der libyschen Behörden. Außerdem schicke Großbritannien die Fregatte "Cumberland" mit einem Eingreifteam an Bord in die Gewässer vor Libyen, um britische Bürger zu unterstützen. Das Schiff befinde sich momentan im östlichen Mittelmeer. Es gebe Anzeichen, dass die staatliche Ordnung in Libyen zusammenbreche. Hague verwies auf den Rücktritt etlicher Botschafter und Diplomaten sowie Berichte über Minister in Libyen, die die Seiten gewechselt hätten.

+++ 17:41 Uhr: Gaddafi: Innenminister von Aufständischen getötet +++

Der libysche Oberst Muammar al Gaddafi sagte bei seiner Rede im staatlichen Fernsehen, Aufständische hätten in der östlichen Stadt Bengasi den Innenminister Abdulfattah Junis getötet.

+++ 17:25 Uhr: Libysches Schiff vor Malta +++

Ein libysches Schiff scheint sich Malta zu nähern, vermutlich mit desertierenden Soldaten an Bord. Das sagte ein maltesischer Regierungsbeamter der Nachrichtenagentur DPA in Valletta. Er konnte keine genaue Zahl der Besatzungsmitglieder an Bord nennen. Das Schiff dürfte noch am Dienstag Malta erreichen, 24 Stunden nachdem zwei libysche Piloten mitten in den Unruhen und der blutigen Gewalt gegen Regimegegner in Libyen mit ihren Kampfflugzeugen nach Malta desertiert waren.

+++ 17:00 Uhr: Gaddafi wird nicht zurücktreten +++

Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi hat sich in einer Ansprache an sein Volk gewandt und erklärt, er wolle in seiner Funktion als "Revolutionsführer" weiterhin im Land bleiben. "Muammar Gaddafi hat keinen offiziellen Posten, von dem er zurücktreten könnte", sagte Gaddafi im Staatsfernsehen. "Muammar Gaddafi ist Revolutionsführer", fügte er mit Blick auf die Forderungen nach seinem Rücktritt hinzu. "Das ist mein Land, das Land meiner Eltern und Vorfahren." Der Staatschef äußerte sich nach Angaben des Staatsfernsehens damit erstmals seit dem Beginn der Proteste in seinem Land in einer Live-Übertragung. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, Gaddafi habe bereits das Land verlassen.

+++ 16:10 Uhr: Fidel Castro mischt sich ein +++

Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro geht davon aus, dass die USA das Unruheland Libyen mit Hilfe der Nato besetzen wollen. "Für mich ist absolut klar, dass die Regierung der Vereinigten Staaten keinerlei Interesse am Frieden in Libyen hat", schreibt Castro, ein alter Freund von Staatschef Muammar al Gaddafi, in einem nun veröffentlichten Kommentar für kubanische Staatsmedien. "Sie wird nicht zögern, der Nato den Befehl zu geben, in dieses reiche Land einzumarschieren, vielleicht sogar schon in den nächsten Stunden oder Tagen."

Castro weiter: "Man kann mit Gaddafi einverstanden sein oder nicht." Doch es werde noch dauern, bis die Wahrheit über die Unruhen in Libyen herauskomme. Er könne sich nicht vorstellen, dass Gaddafi sein Land verlasse, um damit seiner Verantwortung zu entgehen. "Ein ehrenvoller Mensch wird immer gegen jede Ungerechtigkeit eintreten, die gegen ein Volk auf der Welt begangen wird", schrieb Castro weiter. "Und das Schlimmste wäre, in diesem Moment angesichts des Verbrechens zu schweigen, das die Nato gegen das libysche Volk vorbereitet."

+++ 16:00 Uhr: Drei deutsche Flugzeuge in Tripolis gelandet +++

In der libyschen Hauptstadt Tripolis sind drei Sondermaschinen gelandet, um Bundesbürger nach Deutschland zurückzuholen. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, sollen die beiden Transall-Militärtransporter sowie der Airbus der Lufthansa noch im Lauf des Dienstags zurückfliegen. Erwartet wurde, dass der Großteil der etwa 400 Bundesbürger, die sich noch in Libyen aufhielten, ausreisen wollten. Die Lufthansa richtete am Flughafen einen Sonderschalter ein, um die Aktion zu koordinieren.

Angesichts der anhaltenden Unruhen hatte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) den Deutschen in Libyen empfohlen, jede Ausreisemöglichkeit zu nutzen. Auch eine Evakuierung auf dem Seeweg werde geprüft. Der Airbus A340-600 der Lufthansa bietet Platz für 300 Passagiere. Er wurde nach Angaben der Lufthansa gegen 19.15 Uhr in Frankfurt zurückerwartet. An Bord der beiden Transall ist jeweils Platz für 60 bis 70 Passagiere.

+++ 15:30 Uhr: Regime beschuldigt Jugendliche und al Kaida +++

Jugendbanden mit Verbindungen zum Ausland und al Kaida sind nach Ansicht der libyschen Regierung schuld an der Gewalt der vergangenen Tage. "Was wir in Libyen sehen, ist nur eine Gruppe Jugendlicher, die von anderen Menschen aus ausländischen Kreisen, al Kaida und anderen verdächtigen Zirkeln ausgenutzt werden", hieß es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung des Verteidigungsministeriums.

+++ 15.08 Uhr: Gaddafi wird Ansprache halten +++

Staatschef Gaddafi werde in Kürze eine Ansprache haten, meldet der TV-Sender al Arabija unter Berufung auf das libysche Staatsfernsehen

+++ 14.59 Uhr: Opposition: Tobruk ist in unseren Händen +++

Bewohner von Tobruk sagen der Nachrichtenagentur Reuters, sie hätten die Kontrolle in der ostlibyschen Stadt übernommen. Sie halten die Hand zum Victory-Zeichen hoch.

+++ 14:23 Uhr: Ex-Libyer protestieren in Kairo +++

Vor der libyschen Vertretung in Alexandria fordern Hunderte Ägypter und Libyer den Botschafter auf, sich von Gaddafi abzuwenden. Sie drohen damit, in das Gebäude einzudringen und eine Sitzblockade zu beginnen.

+++ 14:21 Uhr: Ashton: Armee soll sich zurückhalten +++

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton rief die libysche Armee zur Zurückhaltung auf. "Wir fordern die libysche Armee auf, nicht gegen die eigenen Bürger gewaltsam vorzugehen", sagte die Sprecherin Ashtons. Am Montag hatten die EU-Außenminister bereits die Eskalation der Gewalt in dem nordafrikanischen Land verurteilt.

+++ 14:15 Uhr: Moskau fürchtet islamistischen Flächenbrand+++

Kremlchef Dmitri Medwedew sieht in den Protesten im Nahen Osten die Gefahr eines jahrzehntelangen islamistischen Flächenbrandes. Die Unruhen in der arabischen Welt und im Nahen Osten könnten zum Zerfall dicht bevölkerter Staaten und zur Machtergreifung von extremistischen Fanatikern führen, warnte Medwedew am Dienstag bei einer Sitzung des russischen Antiterror-Komitees. "Das würde einen Flächenbrand auf Jahrzehnte und eine weitere Ausbreitung des Extremismus bedeuten - man muss dieser Wahrheit ins Auge sehen", sagte Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax.

+++ 14:10 Uhr: Luftbrücke nach Kairo +++

Die ägyptische Regierung hat eine Luftbrücke nach Libyen eingerichtet, um dort lebende Landsleute in die Heimat zu holen. Am Mittag startete nach Angaben eines Behördensprechers vom Flughafen Kairo aus eine erste zivile Maschine nach Tripolis. Im Laufe des Tages sollten noch fünf weitere Maschinen der staatlichen Gesellschaft EgyptAir sowie zwei Militärflugzeuge nach Tripolis und Sirte aufbrechen. Es wird geschätzt, dass sich vor Beginn der Unruhen etwa 1,5 Millionen Ägypter in Libyen aufhielten. Die meisten von ihnen sind Gastarbeiter. Es blieb zunächst unklar, ob die Libyer den Ägyptern Landeerlaubnis erteilen.

+++ 14:08 Uhr: Opposition kontrolliert die Grenzen +++

Die Grenze Libyens zu Ägypten ist nach Berichten eines Reporters der Nachrichtenagentur Reuters in der Hand von Oppositionellen. Die Gegner des Machthabers Gaddafi seien mit Kalaschnikow-Sturmgewehren und Schlagstöcken bewaffnet, so der Reporter. Einer der Demonstranten habe ein durch Schmierereien entstelltes Bild von Gaddafi falsch herum gehalten. Darauf habe gestanden: "Der Metzger-Tyrann, Mörder von Libyern", sagte der Reuters-Reporter, der sich in der libyschen Grenzstadt Musaid aufhielt.

+++ 13:25 Uhr: Libyscher US-Botschafter wendet sich von Gaddafi ab +++

Der libysche Botschafter in den USA bricht mit seiner Regierung. Er diene dem "diktatorischen Regime" nicht mehr, sagt er dem Sender ABC. Gaddafi solle gehen "und unser Volk in Ruhe lassen".

+++ 13:00 Uhr: Gaddafi soll sich in Kaserne verschanzt haben +++

Staatschef Gaddafi soll sich in einer Kaserne in Tripolis verschanzt haben. Der abtrünnige Diplomat Abdulmoneim al Honi sagte der Nachrichtenagentur DPA in einem Telefoninterview: "Er ist jetzt in Bab al Asisijah. Das Gelände dort ist sechs Quadratkilometer groß. Außer diesem Stützpunkt gibt es jetzt nur noch zwei Kasernen, die von Gaddafi und seinen Anhängern gehalten werden." Al Honi hatte Anfang dieser Woche aus Protest gegen die Gewalt des Regimes seinen Dienst als Vertreter Libyens bei der Arabischen Liga in Kairo quittiert.

Eine der noch von Gaddafi-Getreuen kontrollierten Militärstützpunkte sei die al Saadi-Kaserne östlich von Sirte, der Geburtsstadt des Staatschefs. "Der Rest des Landes wird jetzt von der Jugend kontrolliert", sagte al Honi. Zu dem Video, das Gaddafi im Staatsfernsehen ausstrahlen ließ, erklärte al Honi lachend: "Das war mal wieder eine Merkwürdigkeit aus dem Schatz der Merkwürdigkeiten von Gaddafi."

+++ 12:56 Uhr: Frankreich fliegt seine Bürger aus+++

Die Franzosen schicken drei Militärflugzeuge nach Libyen, um seine Landsleute auszufliegen. Es leben rund 750 Franzosen vor Ort.

+++12:50 Uhr: Schrecken in Zahlen+++

Eine traurige Bilanz: Seit Beginn der Unruhen sind in Libyen nach Schätzungen der Opposition mehr als 560 Menschen getötet worden. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldet, etwa 1400 Menschen würden noch vermisst.

+++12:40 Uhr: Evakuierungen laufen auf Hochtouren+++

Europas Regierungen haben alle Hände voll zu tun mit Evakuierungen Ihrer Landsleute. So will das Auswärtige Amt in Berlin deutsche Staatsbürger mit einer weiteren Lufthansa-Maschine aus dem Land holen. Das Flugzeug soll am Nachmittag in Tripolis landen. Wegen der unsicheren Lage in Libyen arbeitet das Außenamt "mit Hochdruck" aber auch an Plänen, Deutsche "mit anderen Mitteln aus dem Land zu holen. Derzeit befinden sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes noch etwa 400 Bundesbürger dort. Laut italienischen Militärkreisen will auch die Regierung in Rom heute Flugzeuge nach Libyen schicken, um Landsleute außer Landes zu bringen.

+++ 12:08 Uhr: Ölpreis schnellt in die Höhe +++

Die Eskalation in Libyen hat den Ölpreis kräftig steigen lassen. Die Furcht der Anleger vor einem Übergreifen der Unruhen auf andere erdölexportierende Länder in Nordafrika und am Persischen Golf sorgte für den höchsten Stand der Rohölpreise seit zweieinhalb Jahren. Insbesondere US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich drastisch: mit 94,49 Dollar kostete ein Fass zeitweise 9,6 Prozent mehr als noch am Montagabend und damit so viel wie seit Oktober 2008 nicht mehr.

+++ 11:23 Uhr: Türkei schifft 25.000 Staatsbürger aus +++

Angesichts der Situation will die Türkei ihre rund 25.000 Staatsbürger in dem nordafrikanischen Land mit Schiffen nach Hause holen. Zwei Passagierschiffe und zwei Tragflügel-Schnellfähren sollen im Pendelverkehr eingesetzt werden, berichteten türkische Nachrichtensender. Die prekäre Sicherheitslage lasse die Entsendung von Flugzeugen nicht zu, erklärten die Behörden. Bisher seien knapp 1100 Türken aus Libyen zurückgekehrt, erklärte Regierungssprecher Cemil Cicek.

+++ 11:08: UN fordert Aufklärung über Staatsgewalt +++

Die Vereinten Nationen haben eine internationale Untersuchung des brutalen Vorgehens von Libyens Herrscher Muammar al Gaddafi gegen die Oppositionsbewegung gefordert. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay sagte, die libysche Führung könnte angesichts der "systematischen Angriffe auf die Bevölkerung" wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden. Pillay verlangte das "unverzügliche Ende der schweren Menschenrechtsverletzung" in dem nordafrikanischen Land.

+++ 10.11 Uhr: Landebahnen in Benghasi zerstört +++

Nach Angaben des ägyptischen Außenministers Ahmed Abul Gheit sind die Landebahnen in der libyschen Stadt Benghasi zerstört. Auf dem Flughafen der Stadt seien keine Landungen möglich, sagte er in Kairo. Eine nach Libyen entsandte Maschine der Fluggesellschaft Turkish Airlines hatte am Montag nicht in Bengasi landen können und musste ohne Passagiere in die Türkei zurückkehren.

+++ 8.51 Uhr: Situation in Libyen unklar +++

Zur Lage in Tripolis am frühen Dienstagmorgen gab es unterschiedliche Angaben. Wegen heftigen Regens waren viele Menschen zuhause. "Ich befinde mich im Osten von Tripolis und kann keine Zusammenstöße erkennen", sagte ein Bewohner der Hauptstadt. Andere berichteten zuvor von Schüssen und Kampfflugzeugen.

+++ 8.45 Uhr: Westerwelle glaubt nicht mehr an die Gaddafis +++

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sieht die libysche Führung vor dem Aus. "Eine Herrscherfamilie, die das eigene Volk mit Bürgerkrieg bedroht, die ist am Ende", sagte der Minister im ZDF.

+++ 8.24 Uhr: Ägypten verstärkt Grenzkontrollen +++

Ägypten verstärkt nach Informationen aus Militärkreisen die Bewachung seiner Grenze zu Libyen. Zugleich soll der Grenzübergang Sallum für kranke und verletzte Libyer rund um die Uhr geöffnet sein. Es ist einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen den beiden Ländern.

+++ 8.19 Uhr: Auch China sorgt sich wegen der Unruhen+++

China äußert sich besorgt über die Unruhen. Die Regierung in Peking hoffe, dass Libyen "die soziale Stabilität und Normalität" wiederherstellen könne.

+++ 8.12 Uhr: Ex-Justizminister: Gaddafi hat Söldner engagiert +++

Der zurückgetretene libysche Botschafter in Indien sagte der Nachrichtenagentur Reuters, afrikanische Söldner aus verschiedenen Ländern würden Gaddafi beistehen und Libyer töten. Dies habe einheimische Soldaten dazu veranlasst, die Seite zu wechseln.

+++ 6.55 Uhr: Libysche Botschaft in Malaysia besetzt +++

Rund 200 Demonstranten haben kurzfristig die libysche Botschaft in Malaysia besetzt. Die Botschaft verurteilte das "barbarische, kriminelle Massaker und die totale Auslöschung unserer unschuldigen Zivilisten" scharf.

+++ 6.34 Uhr: Botschafter: Regime bombardiert Demonstranten +++

Der libysche Botschafter in Indien, der wegen des gewaltsamen Vorgehens der Behörden gegen die Proteste zurückgetreten war, sagte, die Führung in Tripolis habe mit Kampfflugzeugen Zivilisten angegriffen. "Ich appelliere an die fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat. Jetzt ist die Zeit gekommen, um das libysche Volk fair und aufrichtig zu schützen", sagte Ali al Essaui.

ben/nik/DPA/Reuters/AFP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker