HOME

+++Liveticker zum Aufruhr in Ägypten+++: USA erhöhen den Druck

Die USA machen Druck auf Ägyptens Herrscher Mubarak. Erst legt sein Sprecher vor, dann zieht Präsident Obama nach. Alle Ereignisse in Ägpyten im Liveticker.

22:12 Uhr: Obamas Aufforderung an Mubarak

US-Präsident Barack Obama fordert Mubarak auf, sich nicht dem Willen der Bevölkerung zu verweigern. Er habe bislang zweimal mit Mubarak gesprochen, sagte Obama in Washington. Dabei habe er ihm nahegelegt, "darauf zu hören, was das ägyptische Volk vorbringt, und (...) ein Urteil zu fällen". Der ägyptische Präsident müsse sich vor allem fragen, wie er den politischen Übergang "effektiv, dauerhaft und legitim" gestalten wolle. Bei seinen Gesprächen hab er Mubarak gegenüber auch deutlich gemacht, dass "eine Rückkehr zu den alten Verhältnissen nicht funktionieren wird". Der Übergang müsse sofort erfolgen. Es könne keine Unterdrückung, keine Anwendung von Gewalt und keine Blockade von Informationen mehr geben.

21:13 Uhr: US-Druck steigt

Die USA erhöhen den Druck auf Mubarak und warnen vor wachsender Instabilität, sollten Reformen ausbleiben. Es gebe "konkrete Maßnahmen", die Mubarak und Vizepräsident Suleiman ergreifen könnten, um das Land auf einen Pfad "echten Wandels" zu führen, sagt der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Auf diese Weise könne vermieden werden, dass das arabische Land in das Chaos abdrifte, vor dem Mubarak selber gewarnt hatte. Kurz nach Gibbs wird sein Chef Barack Obama vor die Kameras treten.

20:45 Uhr: Ein Herz für Tiere

Gut, dass es die Tierschützer von Peta gibt. So geraten auch Hunde und Katzen im allgemeinen Tumelt in Kairo nicht in Vergessenheit. Speziell die Hunde und Katzen geflohener US-Bürger hat die Organisation im Visier. Sie fordert das US-Außenministerium allen Ernstes auf, sich um die verwaisten Vierbeiner zu kümmern. Viele der rund 2400 Amerikaner, die mit Hilfe des State Department aus Ägypten ausgeflogen wurden, hätten Haustiere zurückgelassen, heißt es im Brief an Außenministerin Hillary Clinton.

20:30 Uhr: Schafik schießt Mubarak-Rückzug aus

Der ägyptische Regierungschef Ahmed Schafik schließt eine Übergabe der Macht von Präsident Husni Mubarak an dessen Stellvertreter Omar Suleiman aus. Mubarak sei "eine Art Garant für die Stabilität" Ägyptens, sagte Schafik dem arabischen Fernsehsender El Arabija. Ein vorzeitiger Rückzug des Präsidenten komme zudem "aus rechtlichen Gründen" nicht in Frage. Die "New York Times" hatte berichtet, Washington dringe hinter den Kulissen auf die Bildung einer Übergangsregierung unter Führung Suleimans.

19:40 Uhr: ElBaradei dementiert

Ein Übersetzungsfehler? Oder haben sich die österreichischen Kollegen verhört? Was auch immer dahinter steckt, Mohamed ElBaradei distanziert sich auf einmal von den Äußerungen in dem Standard-Interview. Im Gespräch mit dem TV-Sender Al-Dschasira zeigt er sich sehr wohl willens, Präsident zu werden. Und der Standard hat den Satz "Nein, ich werde nicht antreten" gestrichen - und ersetzt durch: "Wenn es die Leute so wollen, würde ich selbstverständlich zur Verfügung stehen."

17:59 Uhr: ElBaradei verzichtet auf Präsidentenamt

Der Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei kündigt in einem Interview der österreichischen Zeitung "Der Standard" an, nicht das Präsidentenamt anzustreben. "Nein, ich werde nicht antreten. Das Beste, was ich tun kann, ist als ein Agent für den Wechsel zu wirken", sagt ElBaradei. Wenn der Wechsel käme, so el Baradei weiter, "hätte ich meine Pflicht getan." Natürlich wolle er auch in Zukunft eingebunden sein. "Aber wer bei den Wahlen antritt, ist im Moment wirklich nicht so wichtig", sagte er.

17:23 Uhr: "Rat der Weisen" spricht mit politischer Führung

Der "Rat der Weisen", der sich nach Beginn der Unruhen in Ägypten gebildet hatte, steht nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija im Dialog mit der politischen Führung des Landes. Den Angaben zufolge schickte dieser aus unabhängigen Persönlichkeiten bestehende Rat einen Vorschlag an das Büro von Vizepräsident Omar Suleiman. Dieser habe auch darauf geantwortet, hieß es. Zum Inhalt der Antwort wurden jedoch keine Angaben gemacht. Der Vorschlag sieht unter anderem vor, dass Mubarak zwar offiziell im Amt bleibt, Suleiman jedoch die Amtsgeschäfte im Wesentlichen übernimmt. Außerdem forderte der "Rat der Weisen" die Jugendprotestbewegung auf, Vertreter zu ernennen, die an Verhandlungen über einen friedlichen Machtwechsel beteiligt werden sollten.

16:58 Uhr: Regierung stellt Opfern Entschädigung in Aussicht

Die ägyptische Regierung will nach eigenen Angaben Bürger entschädigen, die durch die Unruhen Schäden erlitten haben. Der Hilfsfonds soll nach Angaben des Finanzministeriums umgerechnet rund 630 Millionen Euro umfassen. "Wir haben ausgerechnet, dass die Ausgaben ohne Belastung des Etats geleistet werden können", sagte Finanzminister Samir Radwan der Nachrichtenagentur Reuters.

Im ganzen Land sollen die Steuerbehörden ab sofort Schadenersatzforderungen von Autobesitzern, Ladeninhabern oder anderen Geschäftsleuten annehmen, denen im Zuge der teilweise gewaltsamen Proteste gegen die Regierung Schaden entstanden ist. Auch weite Teile der ägyptischen Wirtschaft wurden durch die seit mehr als einer Woche anhaltenden Demonstrationen in Mitleidenschaft gezogen. Banken und Börse blieben tagelang geschlossen.

16:20 Uhr: Staats-TV vermutet Muslimbrüder hinter Protesten

Das ägyptische Staatsfernsehen behauptet, die Muslimbruderschaft stehe hinter den Protesten auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Nach Angaben von al Dschasira bestreiten die Demonstranten in Kairo, dass die Proteste von den Muslimbrüdern organisiert seien.

In der Masse von Demonstranten auf dem Tahrir-Platz kursierten nach Angaben von al-Dschasira-Reportern Gerüchte, dass Präsident Mubarak zurückgetreten sei, die sich jedoch als falsch herausstellten. Nach anfänglichem Jubel machte sich Enttäuschung breit. Auch befürchten die Menschen, dass Gewalt ausbrechen wird, einige verlassen deshalb den Ort der Kundgebung.

15:47 Uhr: Ex-Minister wird an Ausreise gehindert

Der frühere Handels- und Wirtschaftsminister Mohammed Rachid Mohammed ist am Verlassen Ägyptens gehindert worden. Nach BBC-Informationen hat die Generalstaatsanwaltschaft seine Konten eingefroren.

Es handle sich um "Vorsichtsmaßnahmen", die bis zum Abschluss einer Untersuchung gegen mehrere ehemalige Vertreter der von Präsident Husni Mubarak am vergangenen Wochenende entlassenen Regierung gelten sollten, berichtete die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena am Freitag. Die Ermittlungen sollten klären, ob öffentliche Mittel veruntreut worden seien, hieß es. Am Donnerstag hatten die Staatsanwälte auch gegen den früheren Innenminister Habib al Adli sowie den Stahlunternehmer und Mubarak-Vertrauten Ahmed Ess Ausreiseverbote erlassen und deren Konten gesperrt.

15:46 Uhr: Rund 5000 Verletzte bei Unruhen

Rund 5000 Verletzte sind seit Beginn der Unruhen in Ägypten gezählt worden, berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija unter Berufung auf das ägyptische Gesundheitsministerium. Derzeit würden noch rund 80 Verletzte in den Krankenhäusern behandelt.

15:44 EU-Gipfel will sofortigen Übergang in Ägypten

Die EU-Staats- und Regierungschefs fordern einen sofortigen Übergang in dem krisengeschüttelten Ägypten. Der Übergang müsse zu einer Regierung führen, die auf einer breiten Basis stehe, beschlossen die EU-"Chefs" am Freitag in Brüssel. "Der Übergang muss jetzt beginnen", heißt in einer Erklärung, die während der Konferenz noch verschärft wurde. Zum ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak nahm die EU nicht explizit Stellung.

15:20 Angespannte Lage in Alexandria

Nach Angaben der BBC ist die Atmosphäre in der ägyptischen Stadt Alexandria weitaus angespannter als in Kairo. In den Straßen sind mehr Panzer und Soldaten positioniert, nicht jedoch auf dem Hauptplatz, auf dem sich die Demonstranten zusammengefunden haben.

15:13 Uhr: Kritik an Deutscher Botschaft

Mehrere in Ägypten lebende Deutsche haben das Krisenmanagement der Deutschen Botschaft in Kairo kritisiert. "Die Botschaft war nur sehr schwer oder gar nicht telefonisch zu erreichen", schreibt etwa der Deutsche Jan Rohde in einem Brief an Botschafter Michael Bock, der der Deutschen Presse-Agentur (DPA) vorliegt.

"Die sogenannte Krisennummer war bis vor kurzem im Netz auf keiner Seite verfügbar und wurde nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda weitergegeben", kritisierte der in Kairo bei einem Pharmaunternehmen arbeitende Mann, der zwei Tage am Flughafen auf seine Ausreise warten musste. Die in Kairo forschende Doktorandin Maria Roeder sagte der DPA: "Das Hauptproblem ist, dass die Botschaft zu spät reagiert und das Problem am Flughafen unterschätzt hat." Auch in der "Süddeutschen Zeitung" äußerten mehrere Deutsche ähnliche Kritik.

14:42 Uhr: Wieder Zusammenstöße in Kairo

Arabische Reporter berichteten über vereinzelte Zusammenstöße zwischen Regimegegnern und Anhängern des Präsidenten Mubarak in Kairo, Alexandria und Port Said. Ein Augenzeuge in Kairo sagte, bei den Pro-Mubarak-Gruppen in Kairo handele es sich weniger um Demonstranten als vielmehr um Schlägertrupps, die versuchten, den Anti-Mubarak-Demonstranten den Weg abzuschneiden. Ein Reporter von Al-Arabiya sagte, Mubarak-Anhänger hätten Demonstranten mit Steinen beworfen. Mindestens acht Menschen seien verletzt worden.

14:30 Uhr: Angriff auf al Dschasira

Das Büro des arabischen Fernsehsenders al Dschasira in Kairo ist nach eigenen Angaben angegriffen worden. Unbekannte seien in das Büro eingedrungen und hätten die Ausrüstung zerstört, erklärte al Dschasira an seinem Sitz in Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar.

Am Sonntag hatte die ägyptische Regierung den Satellitensender mit einem Verbot belegt. Al Dschasira hatte bis dahin umfangreich über die Demonstrationen gegen Präsident Husni Mubarak berichtet. Am Montag wurden sechs al-Dschasira-Journalisten in Kairo vorübergehend festgenommen. In den vergangenen Tagen erlitten auch viele andere ausländische Medienvertreter zunehmende Gewalt und Repressionen.

14:24 Uhr: Westerwelle fordert Schutz von Ausländern

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat von der ägyptischen Regierung angesichts der Übergriffe auf ausländische Journalisten in Kairo einen besseren Schutz verlangt. Die Sicherheitsbehörden müssten unverzüglich dafür sorgen, dass Demonstranten, ausländische Beobachter und Journalisten besser geschützt werden, sagte Westerwelle am Freitag nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Berlin. Die Verantwortlichen für die Gewalteinsätze müssten durch die Justiz zur Verantwortung gezogen werden. Die Übergriffe hätten eine neue Dimension erreicht.

14:08 Uhr: Funktionäre sollen vor Gericht

In Ägypten sollen angeblich demnächst mehrere Funktionäre des alten Regimes vor Gericht gestellt werden, denen man Korruption nachsagt. Das meldete die ägyptische Nachrichtenwebsite "Youm7" unter Berufung auf Justizkreise. Namentlich wurden in dem Bericht folgende Politiker genannt, die das Land nicht mehr verlassen dürfen: Der entlassene Innenminister Habib al-Adli, NDP-Politiker und Stahlmagnat Ahmed Ezz, Tourismusminister Suheir Garana und Wohnungsbau-Minister Ahmed al-Maghrabi. Die Ermittlungen gegen diese Männer würden eröffnet, "sobald sich die Lage wieder beruhigt hat", hieß es.

13:30 Uhr: Armee soll Reportern helfen

Das ägyptische Kabinett weist die Armee nach eigenen Angaben an, ausländische Journalisten bei deren Arbeit zu unterstützen. Mehrere Reporter in Kairo waren attackiert worden.

13:25 Uhr: Chef der Arabischen Liga zur Stippvisite auf Tahrir-Platz

Kurzzeitig ist auch der Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, auf dem Tahrir-Platz zu den Demonstranten gestoßen. Er wechselte ein paar Worte mit den Menschen, verschwand dann aber in sein Büro im Gebäuder der Liga, das direkt neben dem Platz liegt.

Mussa war vor einigen Jahren bereits als Nachfolger von Mubarak im Gespräch. Zuvor hatte er in einem Interview mit einem französischen Radiosender seine Bereitschaft signalisert, für das Amts des Präsidenten zu kandidieren.

13:00 Uhr: Oppositionsmitglieder werden festgenommen

Die Jugendbewegung 6. April, die von Anfang an zum harten Kern der Anti-Mubarak-Demonstranten gehörte, sechs ihrer Mitglieder seien festgenommen worden. Engi Hamdi, eine Sprecherin der Bewegung, sagte: "Soll das etwa der Dialog mit der Opposition sein, den Vizepräsident Omar Suleiman gemeint hat." Ihren Angaben zufolge wurden die Aktivisten in einem Café im Kairoer Stadtteil Faisal festgenommen, kurz nachdem sie sich zu einem Gedankenaustausch mit dem Oppositionellen und Friedensnobelpreisträger Mohammed el Baradei getroffen hatten.

12:58 Uhr: Armee verstärkt Präsenz

Aljazeera berichtet, dass die Armee ihre Präsenz auf dem Tahrir-Platz in Kairo verstärkt. Noch immer warten tausende Menschen vor den Einlasskontrollen darauf, auf den Platz gelassen zu werden. Das Zentrum der ägyptischen Hauptstadt ist heillos überfüllt.

12:40 Uhr: Zehntausende treffen sich zum Freitagsgebet

Zehntausende Menschen haben sich am Freitag auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos zum Freitagsgebet versammelt. Erstmals beteten die Gegner der Regierung von Präsident Husni Mubarak gemeinsam auf dem Platz, der zum Symbol ihres seit Tagen andauernden Protests geworden ist. "Dies ist eine ägyptische Bewegung, alle sind zu Muslimen und Christen geworden, sie sind gekommen, ihre geraubten Rechte einzufordern", sagte der Imam Chaled el Marakbi, der das Gebet leitete.

Wer auch immer mit den Demonstranten verhandeln wolle, müsse zu ihnen auf den Platz kommen, denn sie hätten keine Partei, die sie vertrete, sagte der Imam weiter. Während des Gebets für die während der Proteste getöteten Demonstranten weinte der Imam, bevor das Gebet mit dem an Mubarak gerichteten Ruf "Verschwinde, verschwinde" endete.

12:25 Uhr: Deutschland setzt Rüstungsexporte aus

Angesichts der eskalierenden Lage in Ägypten hat die Bundesregierung Rüstungsexporte in das nordafrikanische Land vorerst gestoppt. Im Moment seien sämtliche Anträge ausgesetzt, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin. Die Anträge auf entsprechende Exporte müssten dem Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt werden, es erfolge aber keine Bearbeitung, "so dass keine weiteren Rüstungsexporte nach Ägypten erfolgen können".

Zudem wurde nach Angaben des Auswärtigen Amts der ägyptische Botschafter am Freitagmorgen einbestellt. Staatssekretär Wolf-Ruthart Born habe ihm "ganz nachdrücklich" die Haltung der Bundesregierung vorgetragen, wonach es keine Gewalt gegen Demonstranten geben dürfe und Übergriffe auf deutsche Staatsangehörige sowie ausländische Journalisten "inakzeptabel" seien.

12:16 Uhr: Ban Ki Moon fordert freie Wahlen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat freie Wahlen in Ägypten gefordert. Diese seien die Voraussetzung für eine effektive Regierung, sagte er bei einem Besuch in der Berliner Humboldt-Universität. "Dieser Prozess sollte sofort beginnen. Es gibt keine Zeit zu verlieren."

Der UN-Generalsekretär sprach sich erneut für eine Beendigung des Konflikts in Ägypten und einen politischen Neuanfang aus. Die Gewalt und die Einschränkungen für die internationale Presse seien inakzeptabel, sagte er. Rede- und Versammlungsfreiheit seien grundlegende Menschenrechte.

12:07: Berlusconi stärkt Mubarak den Rücken

Unverhoffter Verbündeter: Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi sprach sich dafür aus, dass Staatspräsident Husni Mubarak den Übergang führen solle. "Ich hoffe, dass es in Ägypten einen Übergang zu einem demokratischeren System ohne Umsturz geben kann, mit einem Präsidenten wie Mubarak (...)", sagte Berlusconi beim EU-Gipfel in Brüssel. Mubarak werde vom Westen und dort vor allem von den USA als weiser Mann gesehen.

11:39 Uhr: Harte Verhöre von Journalisten

Drei Journalisten des französischen Privatsenders TF1 sind in Ägypten 15 Stunden lang festgehalten und verhört worden, meist mit verbundenen Augen. Nach ihrer Freilassung in der Nacht zu Freitag gehe es ihnen aber gut, sagte TF1-Informationschefin Catherine Nayl der Nachrichtenagentur AFP. Bewaffnete Männer in Zivil hatten das Fernsehteam am Donnerstagmorgen in Kairo festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht. TF1 werde seine acht Journalisten trotz des Zwischenfalls nicht aus Ägypten abziehen, aber vorsichtiger in der Berichterstattung über die Proteste gegen Präsident Husni Mubarak sein, kündigte Nayl an. In den vergangenen Tagen wurden mehrere Fälle von Journalisten bekannt, die in Ägypten bei der Arbeit behindert wurden.

11:19 Uhr: "Hey Leute, es reicht"

Der ägyptische Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi sagte nach Angaben des Senders Al-Arabija auf dem Tahrir-Platz: "Hey Leute, es reicht. Der Mann wird nicht mehr kandidieren." Tantawi fügte hinzu: "Sagt dem Oberhaupt der Muslimbrüder, dass er den Dialog akzeptieren soll." Der Minister gab sich volksnah und sprach in ägyptischem Dialekt zu den Demonstranten.

11:04 Uhr: Ehemaliger Außenminister schließt Kandidatur nicht aus

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, schließt eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl in Ägypten nicht aus. "Ich stehe meinem Land natürlich zur Verfügung", sagte Mussa dem französischen Radiosender Europe 1. Auch eine Mitarbeit in einer parteiübergreifenden neuen Regierung hält Mussa für möglich. Er gehe davon aus, dass Husni Mubarak bis zum Ende seiner Amtszeit Ende August Präsident bleiben werde, ergänzte Mussa. Der 74-Jährige war unter Mubarak zehn Jahre lang Außenminister.

10:50 Uhr: Ajatollah Ali Chamenei meldet sich zu Wort

Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei bezeichnete bei den Freitagsgebeten in Teheran den Aufstand in Ägypten als "Islamische Befreiungsbewegung". Die Ereignisse hätten eine besondere Bedeutung für den Iran. Zugleich rief Chamenei das ägyptische Volk auf, den Protest fortzusetzen, bis ein auf der "islamischen Religion basierendes Regime des Volkes" gebildet sei. Die Geistlichen sollten das Volk unterstützen, forderte Chamenei. Zugleich hoffe er, dass sich die Armee mit den Menschen verbünde. "Der größte Feind der Armee ist das zionistische Regime, nicht das Volk", sagte der iranische Geistliche.

10:38 Uhr: EU wird keinen Rücktritt Mubaraks fordern

Die EU-Staats- und Regierungschefs werden dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann zufolge auf ihrem Gipfel in Brüssel nicht den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak fordern. "Ich gehe nicht davon aus, dass der Gipfel einen Beschluss fasst, wer zurücktreten soll", sagte Faymann vor Beginn des Treffens. Dieses wird sich neben den Themen Energiepolitik und Euro-Schuldenkrise auch mit dem Aufstand in Ägypten befassen.

10:11 Uhr: Ashton fordert Dialog mit dem Volk

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat einen Dialog zwischen der Regierung in Ägypten und der Opposition des nordafrikanischen Landes gefordert. Es sei "absolut entscheidend", dass nun Gespräche zwischen beiden Seiten starteten, sagte Ashton in Brüssel zu Beginn eines EU-Gipfels, bei dem es unter anderem um die Lage in Ägypten gehen sollte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Wir erwarten, dass die ägyptischen Sicherheitskräfte heute dafür sorgen, dass an diesem entscheidenden Freitag freie und friedliche Demonstrationen für die Menschen möglich sind."

10:06 Uhr: Muslimbrüder ohne Präsidentschaftskandidat

Ägyptens Muslimbruderschaft will nach den Worten eines führenden Mitglieds keinen Kandidaten bei der Präsidentenwahl in dem arabischen Land stellen. "Wir haben deutlich gesagt, dass wir keine Ambitionen auf eine Kandidatur für das Präsidentenamt oder Posten in einer Regierungskoalition haben", sagte Mohammed al-Beltagi von der derzeit verbotenen islamistischen Partei dem Fernsehsender Al-Dschasira.

Vertreter der ägyptischen Regierung hätten der Muslimbruderschaft in Aussicht gestellt, offiziell als Partei anerkannt zu werden, ergänzte Al-Beltagi. "Wir sind erst nach Ende des Mubarak-Regimes zu Gesprächen bereit", erklärte Al-Beltagi.

09:58 Uhr: Verteidigungsminister besucht Tahrir-Platz

Nach Angaben des TV-Senders Al-Arabija besucht der ägyptische Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi zusammen mit mehreren Generälen der Armee den Tahrir-Platz. Beim ägyptischen Staatsfernsehen heißt es dazu: "Verteidigungsminister Tantawi inspiziert die Lage am Tahrir-Platz".

09:51 Uhr: Zehntausend Menschen auf dem Tahrir-Platz

Etwa zehntausend Menschen haben sich bereits am Freitagmorgen auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo versammelt. Augenzeugen berichteten, in der Innenstadt hätten insgesamt rund 1000 Soldaten Stellung bezogen. Polizisten seien, abgesehen von einigen Beamten der Verkehrspolizei, nicht zu sehen. Beobachter sagten, nach dem Mittagsgebet würden Hunderttausende Demonstranten erwartet. Die Protestgruppen befürchten, dass wieder gewalttätige Anhänger von Präsident Husni Mubarak in Aktion treten. Sie könnten versuchen, den Demonstranten, die sich in den Moscheen der Stadt versammeln wollten, den Weg zum Tahrir-Platz abzuschneiden.

09:07 Uhr: Panzerfäuste auf Geheimpolizei

In Al-Arisch auf der Sinai-Halbinsel haben bewaffnete Männer am Freitagmorgen die Zentrale der Geheimpolizei mit Panzerfäusten angegriffen. Nach Angaben von Augenzeugen brach ein Feuer in dem Neubau aus, der neben mehreren Verwaltungsgebäuden liegt. In Al-Arisch hatte es in den vergangenen Tagen ebenso wie in Kairo, Alexandria und Suez Protestaktionen gegen die Staatsmacht gegeben.

09:06 Uhr: Steinmeier übt Kritik an EU

Der frühere Außenminister und heutige SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat der EU in Bezug auf den Ägypten-Konflikt "Sprachlosigkeit" vorgeworfen. "Ich bin einigermaßen erstaunt darüber, wie lange die EU überhaupt gebraucht hat, um Sprache zu finden", sagte Steinmeier im ARD-"Morgenmagazin". Die EU habe dazu wesentlich länger gebraucht als die USA. Zudem höre er auch zum jetzigen Zeitpunkt aus den Erklärungen der EU und von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) "Besorgnis", er sehe aber "keine Aktivitäten".

"Mubarak ist Geschichte", sagte Steinmeier mit Blick auf den durch die Massenproteste unter massivem Druck stehenden ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak. "Mubarak wird beiseite treten", fügte der SPD-Politiker hinzu. "Die Frage ist nur, ob im September oder, wenn die Amerikaner mit ihren Verhandlungen im Hintergrund Erfolg haben, vielleicht schon früher."

09:02 Uhr: Demonstranten rufen zu Sternmarsch auf

Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt bereiten sich Regierungsgegner am elften Protesttag auf eine Großdemonstration nach dem Freitagsgebet vor. Die Organisatoren riefen zu einem Sternmarsch zum Tahrir-Platz, zum Gebäude des staatlichen Fernsehens und zum Parlament auf. Zu Tagesanbruch waren Rufe wie "Lasst uns Mubarak stürzen" zu hören. Die geplante Kundgebung stand unter dem Motto "Tag des Abgangs". Die Nacht zum Freitag blieb vergleichsweise ruhig.

08:44 Uhr: Armee kontrolliert Ausweise

Hunderte Demonstranten haben die Nacht erneut auf dem Tahrir-Platz im Herzen von Kairo verbracht. Die Armee kontrolliert an den Zugängen die Ausweise. Immer wieder kommen einzelne Demonstranten und bringen Lebensmittel und Medikamente zum Kundgebungsort.

07:05 Uhr: Armee will sich weiter zurückhalten

Die ägyptische Armee hat sich nach US-Angaben weiter Zurückhaltung auferlegt und will nicht gegen die Demonstranten in Kairo vorgehen. US-Generalstabschef Mike Mullen sagte im US-Fernsehen, die ägyptische Militärführung habe ihm versichert, dass sie nicht auf die eigene Bevölkerung schießen werde. Mullen hatte am Mittwoch mit seinem ägyptischen Kollegen, General Sami Enan, telefoniert.

07:00 Uhr: Vizepräsident bestreitet Schlägertrupps

Der ägyptische Vizepräsident Omar Suleiman widersprach Berichten, dass Schlägertrupps der Regierung Demonstranten der Opposition angegriffen und getötet hätten. "Sie haben sich sehr anständig verhalten" sagte Suleiman dem US-Sender ABC.

03:00 Uhr: USA arbeiten Vorschlag zum Rücktritt aus

Nach Informationen der "New York Times" arbeitet die US-Regierung zusammen mit ägyptischen Regierungsbeamten an einem Vorschlag für den sofortigen Rücktritt von Präsident Husni Mubarak. Die Macht solle eine Übergangsregierung unter Vizepräsident Omar Suleiman an der Spitze übernehmen.

Die Übergangsregierung solle die Unterstützung des Militärs haben, berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungsbeamte und arabische Diplomaten am Donnerstagabend (Ortszeit).

Mubarak lehnt bisher einen sofortigen Rücktritt strikt ab. Wenn er jetzt zurücktrete, breche in Ägypten Chaos aus, sagte er dem TV-Sender ABC.

kng/mlr/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters