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+++ IS-Newsticker +++: Krisenbeauftragter soll die deutschen Geiseln befreien

Kurdische Kämpfer zwingen den IS zum Rückzug. Im Irak dagegen rücken die Dschihadisten vor. Das Geisel-Drama um zwei Deutsche auf den Philippinen geht weiter. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

+++ 22 Uhr: Steinmeier schickt Krisenbeauftragten auf die Philippinen +++

Der Krisenbeauftragte Rüdiger König sei von Außenminister Frank-Walter Steinmeier gebeten worden, auf die die Philippinen zu reisen, verlautet aus dem Auswärtigen Amt. König sei bereits dort eingetroffen. Nach Informationen der Internetseite Bild.de soll König Gespräche führen, um die Freilassung der deutschen Geiseln zu erreichen.

Die islamistischen Entführer der beiden Deutschen hatten Anfang Oktober mit der Ermordung einer der Geiseln in zwei Wochen gedroht, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Die der Al Kaida nahestehende Gruppe Abu Sayyaf verlangt ein Ende der deutschen Unterstützung der US-Militäraktionen gegen den IS sowie ein Lösegeld in Höhe von 5,6 Millionen Dollar.

+++ 21.55 Uhr: Kosovo-Geheimdienst befreit Jungen aus Hand der Dschihadisten +++

Im Zuge einer Geheimdienstoperation ist ein Junge aus dem Kosovo nach fünf Monaten aus den Händen der Dschihadisten in Syrien befreit und zurück in seine Heimat gebracht worden. Der acht Jahre alte Erion Zena traf Medienberichten zufolge am späten Mittwochabend auf dem Flughafen der Kosovo-Hauptstadt Pristina ein. Dort wurde er von seiner Mutter und der Kosovo-Präsidentin Atifete Jahjaga in Empfang genommen.

Jahjaga erklärt, der Vater des Jungen habe den Jungen gegen den Willen der Mutter mit nach Syrien genommen, wo er sich einer auch im Irak kämpfenden "Terrorgruppe" angeschlossen habe. In einer Erklärung des Kosovo-Regierungschefs Hashim Thaçi heißt es, der nationale Geheimdienst habe die Aktion zum Aufspüren und zur Rückführung des Jungen "erfolgreich abgeschlossen".

+++ 20.00 Uhr: Kurden drängen IS in Kobane zurück ++++

Unterstützt von US-Luftangriffen drängen kurdische Einheiten die Terrormiliz IS in der nordsyrischen Enklave Kobane zurück. Nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eroberten die Volksschutzeinheiten weitere Straßen im des Ortes zurück. Aber noch immer befindet sich rund ein Drittel der Stadt unter IS-Kontrolle.

Im Irak hingegen setzen die sunnitischen Extremisten nach Angaben aus den USA trotz immer heftigerer Luftangriffe der internationalen Koalition ihren Eroberungsfeldzug fort.

+++ 16.52 Uhr: Russland dementiert Geheimdienstkooperation mit USA +++

Die Regierung in Moskau weist Äußerungen von US-Außenminister John Kerry zu einer Kooperation der Geheimdienste beider Länder im Kampf gegen den IS zurück. Russland werde "keine 'Koalition' unterstützen, die ohne die Rückendeckung des UN-Sicherheitsrates geschmiedet wurde", teilt das Außenministerium mit. Kerry hatte am Dienstag nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Paris angegeben, beide Seiten hätten vereinbart, ihre Geheimdienstkooperation zur IS-Bekämpfung zu verstärken.

+++ 16.42 Uhr: US-Luftwaffe fliegt 14 Angriffe bei Kobane +++

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben seit Mittwoch 14 neue Luftangriffe auf Ziele nahe Kobane geflogen. Es seien "erfolgreich" 19 Gebäude, Kommandozentralen und Gefechtsstände unter IS-Kontrolle getroffen worden, teilt die US-Armee mit.

+++ 15.55 Uhr: Türkei soll Ausweisung syrischer Kurden planen +++

Die Regierung in Ankara will angeblich etwa 150 Mitglieder der größten syrischen Kurdenpartei ausweisen. Die Kurden protestierten gegen ihre geplante Abschiebung nach Kobane, berichtet der Abgeordnete Ibrahim Ayhan von der prokurdischen Partei HDP. Sie gehören demnach zu einer Gruppe von 270 Menschen, die der Partei der Demokratischen Union (PYD) oder ihrer Miliz, den Volksverteidigungseinheiten (YPG), angehören. Die Gruppe war letzte Woche aus Kobane in die Türkei gekommen. Die Behörden verdächtigten sie, Beziehungen zur verbotenen PKK zu unterhalten, und setzten sie umgehend fest - offiziell zur Überprüfung ihrer Identität.

Etwa hundert Mitglieder der Gruppe kehrten dem Abgeordneten zufolge nach ihrer Freilassung in der Nacht zum Dienstag nach Kobane zurück, wo sie sich den kurdischen Kämpfern anschlossen. Etwa 150 andere traten aus Protest gegen ihre Inhaftierung in der türkischen Grenzstadt Suruc in einen Hungerstreik. Sie wollten weder nach Kobane noch in ein anderes kurdisches Gebiet im syrischen Nordosten zurückkehren, sagt Ayan.

+++ 14.14 Uhr: Merkel will mit Asiens Staaten Terror bekämpfen +++

Kanzlerin Merkel will stärker als bisher gemeinsam mit den asiatischen Staaten gegen den islamistischen Terrorismus vorgehen. Bei der Zusammenarbeit in Sachen Extremismus und auch im Kampf gegen den IS "geht es darum, auch gerade mit den asiatischen Staaten zu besprechen, wie man Terrorismus bekämpfen kann, und auch gemeinsam zum Beispiel Dschihadisten ausfindig machen kann", sagt Merkel bei ihrem Eintreffen zum europäisch-asiatischen Gipfeltreffen in Mailand.

+++ 13.46 Uhr: Mutter reiste mit Kind aus München zum Dschihad +++

Österreichs Polizei nimmt auf Betreiben der Staatsanwaltschaft München eine Mutter fest, die zusammen mit ihrem achtjährigen Sohn und einem männlichen Begleiter in den Dschihad nach Syrien gezogen sein soll. Die 33-jährige Deutsche mit irakischen Wurzeln habe sich mit dem Kind und ihrem Begleiter nach Wochen im Kampfgebiet auf der Rückreise von Syrien nach Deutschland befunden, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Sie ermittelt gegen die Mutter und den 20-jährigen Begleiter - ein türkischstämmiger Deutscher, mit dem die Frau laut Staatsanwaltschaft nach islamischem Recht verheiratet ist - wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Die beiden sollen im August nach Syrien gereist sein, um sich dort dem bewaffneten Kampf dschihadistischer Gruppierungen anzuschließen. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagt, befand sich das Paar zusammen mit dem Sohn der Frau die vergangenen Wochen im Kampfgebiet. Der Junge kommt vorerst in Österreich in eine Jugendfürsorgeeinrichtung. Wann das Paar nach Deutschland überstellt wird, ist noch unklar.

+++ 11.55 Uhr: Mutmaßlicher Terrorhelfer festgenommen +++

Die Bundesanwaltschaft hat in Frankfurt einen mutmaßlichen Terrorhelfer einer Islamistengruppe festnehmen lassen. Der 27-jährige Soufiane K. sei dringend verdächtig, sich in Syrien der terroristischen Al-Nusra-Front angeschlossen zu haben, teilt die Behörde in Karlsruhe mit. Den Erkenntnissen zufolge reiste er im Juli 2013 von Rüsselsheim nach Syrien, um an der "gewaltsamen Einrichtung eines allein auf der Scharia gegründeten Gottesstaates mitzuwirken". Er habe eine Kampfausbildung absolviert, sich zwei Gewehre besorgt, an den täglichen Lagebesprechungen teilgenommen und Wachdienste für die Organisation übernommen.

Ende Juni habe er Syrien verlassen und sei nach Deutschland zurückgekehrt. Danach habe sich der Verdacht seiner Beteiligung an der Al-Nusra-Front erhärtet, sodass beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs ein Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung erwirkt worden sei.

+++ 11.25 Uhr: Kurden in Kobane geht Medizin aus +++

In Kobane werden offenbar Medikamente und Verbandszeug knapp. "Alle wichtigen Vorräte wie Bandagen, Antibiotika und Betäubungsmittel gehen zur Neige", berichtet Kurden-Sprecher Idris Nassan. Verletzte liegen demnach im Sterben, weil es keine Medikamente für sie gibt.

+++ 11.00 Uhr: Mehr als 660 Tote seit Beginn der Belagerung +++

Seit Beginn der Belagerung durch den IS vor einem Monat sind im Bodenkampf um Kobane laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 662 Menschen ums Leben gekommen. Aufseiten der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) seien bis gestern um Mitternacht 258 Kämpfer und in den Reihen des IS 374 Dschihadisten getötet worden. Weiterhin seien 20 Zivilisten und zehn mit der YPG-Miliz verbündete Kämpfer umgekommen. Hinzu kämen "hunderte Tote" durch die Luftangriffe der US-geführten Allianz gegen den IS.

Die in Großbritannien beheimatete Beobachtungsstelle verfügt in Syrien über ein dichtes Netzwerk an Informanten. Die Angaben der Organisation sind von unabhängiger Seite oft nicht zu bestätigen.

+++ 10.52 Uhr: Kurden sterben bei US-Luftangriff in Kobane +++

Ein von den USA angeführter Luftschlag gegen IS-Stellungen in Kobane hat offenbar versehentlich kurdische Todesopfer gefordert. Mindestens sechs Kämpfer der Volksschutzeinheiten (YPG) seien ums Leben gekommen, meldet die irakisch-kurdische Nachrichtenseite Rudaw. Idris Nassan, ein Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobane, bestätigt, dass mehrere YPG-Kämpfer bei dem fehlgeleiteten Luftschlag getötet worden seien. Auch eine Zivilistin sei umgekommen. "Die alliierten Flugzeuge hatten auf IS-Kämpfer gezielt", so Nassan. Die Dschihadisten hätten in der Nacht in einem zivilen Gebäude im Osten Kobanes Unterschlupf gesucht. Doch in dem Haus hätten sich bereits mehrere ältere kurdische Frauen versteckt.

+++ 10.22 Uhr: Deutscher IS-Terrorist droht Merkel +++

In einem Internet-Video fordert ein Islamist auf Deutsch seine "lieben Geschwister in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz" dazu auf, sich dem Krieg des Islamischen Staates anzuschließen. Zudem beschimpft der IS-Milizionär US-Präsident Barack Obama als schmutzigen Lügner und attackiert Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere europäische Staatschefs mit den Worten: "Die schmutzige Merkel! Nachdem du deine Geschenke abgegeben hast an Israel. Versammelt ihr euch alle! Hollande, Cameron, Putin! Versammelt euch gegen die Muslime. Ihr werdet nur verlieren!"

Nach Angaben der "Welt" handelt es sich bei dem Islamisten "Abu Dawud" um den Konvertiten Michael N., früher wohnhaft in Gladbeck. Er gelte laut Sicherheitskreisen als islamistischer Gefährder. Michael N. war eine Führungsperson der Salafisten-Organisation Millatu Ibrahim, die im Juni 2012 durch das Bundesinnenministerium verboten wurde. Im Sommer 2012 reiste er dem Bericht zufolge gemeinsam mit seiner Ehefrau aus Deutschland nach Ägypten aus. Später soll sich Michael N. kurzfristig in Libyen aufgehalten haben, bevor er nach Syrien gereist sei und sich dort dem Islamischen Staat angeschlossen habe.

+++ 9.47 Uhr: Kurden bestätigen IS-Teilrückzug aus Kobane +++

Ein Kurdenvertreter bestätigt Erfolge im Kampf gegen den IS in Kobane. Die US-geführte internationale Koalition habe die Terrormiliz "in den vergangenen Tagen effektiver bekämpft", berichtet Idriss Nassen per Telefon aus der belagerten Stadt. Die Extremisten kontrollierten inzwischen nur noch "weniger als 20 Prozent" von Kobane. Die kurdischen Kämpfer würden die IS-Milizionäre aus den östlichen und südöstlichen Stadtteilen "fortspülen", so Nassen weiter. Zugleich fordert er mehr Militärhilfe von der Staatengemeinschaft. "Wir brauchen mehr Luftangriffe, aber auch mehr Waffen und Munition, um sie am Boden bekämpfen zu können."

Nach US-Angaben wurden bei den Luftangriffen auf IS-Stellungen in und um Kobane mehrere hundert Kämpfer der Dschihadistengruppe getötet. Dennoch bestehe weiterhin die Gefahr, dass die Stadt gänzlich in die Hände der Extremisten falle.

+++ 8.50 Uhr: IS macht große Geländegewinne in Irak +++

Der Koordinator der von den USA angeführten Koalition gegen die Terrormiliz IS, der US-General im Ruhestand John Allen, spricht von einem "beträchtlichen" Geländegewinn der Terroristen im Irak. Bei den Luftangriffen auf die IS-Hochburgen im Irak und in Syrien gebe es allerdings "weder Sieger noch Besiegte", so Allen in Washington. Das Pentagon bezeichnet den Einsatz mittlerweile als "Operation Inherent Resolve" (etwa: Operation natürliche Entschlossenheit).

+++ 7.46 Uhr: Regierungsmitarbeiter in Malaysia unter IS-Verdacht +++

Unter den 14 in Malaysia festgenommenen mutmaßlichen islamischen Extremisten befindet sich auch ein Regierungsmitarbeiter, teilt die Polizei mit. Die Männer hätten beabsichtigt, dem Islamischen Staat beizutreten, berichtet Malaysias Polizeichef Khalid Abu Bakar nach den Festnahmen. Mittlerweile sei bekannt, dass sich unter ihnen auch ein 37-jähriger Mitarbeiter aus dem Energieministerium befinde, sagt Khalid. Der Beschuldigte soll an der Rekrutierung von Extremisten beteiligt gewesen sein und eigens dafür Geld erhalten haben.

+++ 5.42 Uhr: Kauder schließt Hilfen für die PKK nicht aus +++

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) schließt im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) eine Unterstützung der kurdischen Arbeiterpartei PKK nicht mehr aus. "Ich weiß, welche Probleme die Türkei mit der PKK hat, aber zuzuschauen, wie der IS wichtige Grenzstädte einnimmt und sich immer mehr zu einer Bedrohung der weltweiten Sicherheit entwickelt, kann nicht die Lösung sein", sagt Kauder "Spiegel Online". "Die Unterstützung von weiteren Gruppen schließe ich nicht aus. Aber das ginge sicher nicht gegen die Türkei, sondern nur mit ihr. Das gilt auch für eine Unterstützung der PKK."

Bislang unterstützt Deutschland die kurdischen Peschmerga-Kämpfer mit Waffen, um den Vormarsch der IS-Kämpfer im Nordirak zu unterstützen. Lieferungen an die PKK, die in Deutschland verboten ist und von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft wird, werden bislang ausgeschlossen. Das türkische Militär hatte zuletzt PKK-Stellungen im Osten des Landes angegriffen. Die Kurden werfen der Regierung in Ankara vor, der Kurden-Stadt Kobani an der syrisch-türkischen Grenze im Kampf gegen den IS nicht beizustehen.

+++ 0.27 Uhr: Kurdenpräsident fordert Hilfe vom Westen +++

Der kurdische Präsident Massud Barsani fordert mehr Hilfe des Westens im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). "Die internationale Gemeinschaft muss die Unterstützung maximieren, damit Kobane nicht bald komplett von ISIS (ursprüngliche Bezeichnung des IS) kontrolliert wird", sagt er der "Bild"-Zeitung". Er warnt vor einem drohenden Massaker in der seit Tagen schwer umkämpften Stadt im Norden Syriens. Dort zeige sich erneut, dass die Terrormiliz "keine Werte kennt und keinen Respekt für die Menschheit hat". Insgesamt benötigten die Kurden im Kampf gegen den IS eine bessere, modernere Bewaffnung. "Wir brauchen Panzer, Artillerie, gepanzerte Mannschaftswagen und Antipanzerraketen", so Barsani.

mad/ono/Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters