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Tommy Ray Franks: Amerikas Haudegen

Vier-Sterne-General Tommy Franks führt Bushs Armee am Golf - ein Stratege alter Schule mit Vietnam-Erfahrung. Allein auf Präzisionswaffen und Spezialeinheiten will er sich nicht verlassen.

Das Nervenzentrum dieses Krieges ist ein großer Container. Von dicken Ketten umzäunt, steht er in einer unscheinbaren Lagerhalle auf dem Militärstützpunkt As-Salijah im Golfstaat Katar. Der Container ist 22 Meter lang, sieben Meter breit, fensterlos und mit braunem Teppichboden ausgelegt. Unter Neonlicht sitzen 50 Offiziere auf Plastikstühlen an drei Tischreihen, zwischen Kabeln, Kopfhörern, Telefonen, Druckern und Schreddern, vor jeweils zwei bis vier Plasmabildschirmen und Laptops. Hier kommen Live-Bilder von Aufklärungsflugzeugen und Satelliten an, dazu verschlüsselte Mails der Soldaten von den Gefechtsfeldern im Irak. Hier ist jetzt der Arbeitsplatz des mächtigsten Soldaten der Welt.

Über Mikrofon hat General Tommy R. Franks

mit jedem seiner Feldkommandeure direkten Kontakt. Jeden Ort im Irak kann er sich ansehen. Zeigen Sie mir die feindlichen Elemente südlich von Bagdad. Zeigen Sie unsere Einheiten bei Basra. Jetzt alle Truppen. Zeigen Sie mir die Truppenbewegungen in den letzten 18 Stunden. Ein Mausklick genügt. Und es sieht so aus, dass Tommy Franks in den nächsten Wochen viel Zeit vor diesen Bildschirmen verbringen wird. Als der Fast-Zwei-Meter-Mann neulich, in einer lauwarmen Nacht, auf dem Airport von Doha die Gangway seiner Boeing 707 hinunterkam und in einen Wagen mit abgedunkelten Scheiben eilte, warf er den wartenden Reportern im Vorbeigehen nur ein Wort zu: "Showtime."

Aus militärischer Sicht könne der Krieg beginnen, hat er Präsident Bush schon in der vergangenen Woche gemeldet. Die Grundlagen für den amerikanischen Overkill stehen bereit: 300 000 Soldaten, 600 Kampfflugzeuge, fünf Flugzeugträger und ihre Verbände sind in der Region versammelt. "Wir schlagen auf den Feind wie mit einem Vorschlaghammer auf eine Walnuss ein", sagt General Chuck Swannack, Kommandeur der 82. Luftlande-Division. Mit nie gesehener Feuerkraft und nahezu simultanen Präzisionsschlägen aus der Luft und am Boden sollen die US-Truppen binnen Tagen bis Bagdad vordringen, wo Franks "die Säulen der Macht zerschlagen" will. Dabei weiß niemand so gut wie der Vier-Sterne-General, dass auch im Irak der alte Spruch gilt: "Kein Plan überlebt den ersten Feindkontakt."

Wird Saddam Hussein Ölfelder in die Luft sprengen

, sobald die Amerikaner losschlagen? Wird er jeden Tag Tausende Tonnen Öl in den Golf pumpen, um die 15 Entsalzungsanlagen in der Region zu zerstören und damit die Wasserversorgung zu gefährden? Wird er die eigene Bevölkerung angreifen, Geiseln nehmen, US-Attacken auf Krankenhäuser und Moscheen simulieren? Was wird sich sein berüchtigter Sohn Uday einfallen lassen, Befehlshaber der Militärzone Bagdad?

All das haben Tommy Franks, 57, und seine Planer über Monate auf dem Luftwaffenstützpunkt MacDill in Tampa, Florida, diskutiert. Bei solchen Konferenzen ist Franks fordernd, ruppig und bisweilen rechthaberisch. Sein Stab ist meist schon ab vier Uhr morgens im Büro, um sich auf die Fragen des Chefs vorzubereiten. Dann fährt der noch in seiner Wohnung in Tampa auf dem Trimmrad. "Wenn er kommt, kennt er schon viele Details", sagt ein Mitarbeiter. Und wenn bei Briefings die Zahlen nicht stimmen, kann der General fluchen wie ein Pferdekutscher.

Als Oberbefehlshaber des U.S. Central Command koordiniert Tommy Franks Militäreinsätze von Ägypten bis Zentralasien. Als regionaler CINC, wie es im Militärjargon heißt, als Commander-in-Chief ist er eine Art Prokonsul der Pax Americana in einer der gefährlichsten Regionen der Welt. Länder wie Sudan, Jemen, Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien, Iran fallen in seinen Kommandobereich. Hier muss er Überflugrechte und den Status von Stützpunkten aushandeln, dort die Jagd auf Osama bin Laden koordinieren oder die Invasion in den Irak. Dafür steht ihm ein Stab von 3200 Mitarbeitern zur Verfügung - mehr als Außen-, Handels-, Finanz- und Verteidigungsminister zusammengenommen haben. Er verfügt über ein weitgehend geheimes Budget, eigenes Flugzeug, eine eigene Helikopterstaffel, geht ein und aus bei Scheichs und Präsidenten. Franks gehört als Teil der amerikanischen "Vier-Sterne-Außenpolitik" ("Washington Post") zu jener Hand voll Generäle, die im Ausland mehr Einfluss haben als die meisten Diplomaten.

Mehr als ein Jahr ist es her, dass Präsident George W. Bush und sein Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Franks aufforderten, einen Schlachtplan zum Sturz Saddam Husseins zu entwickeln. Zwei- oder dreimal schickte Rumsfeld die Entwürfe wieder zurück. Denn Franks forderte fünf Divisionen und fünf Flugzeugträger, um den Job zu erledigen. Zu viel, zu behäbig, zu konventionell für den ungeduldigen Rumsfeld. Die Diskussionen und Streitereien zogen sich hin. Das Ergebnis ist eindeutig: Tommy Franks hat bekommen, was er wollte. Mehr noch sogar. Dafür hat er Rumsfeld versprochen, mehr Spezialeinheiten einzusetzen - eine Lieblingsidee des Verteidigungsministers -, um Bagdad schneller einzunehmen. Ein Beweis für die Hartnäckigkeit wie das Geschick des Vier-Sterne-Generals im Umgang mit seinem rauen zivilen Dienstherrn aus dem Pentagon. Und ein Erfolg, den viele dem Artilleristen nie zugetraut hätten - und Franks womöglich sich selbst nicht einmal.

"Er hat sich als vorzüglicher Krieger erwiesen"

, sagt der pensionierte General John Tilelli, im Golfkrieg 1991 Franks Vorgesetzter in der 1. Kavallerie-Division. "Dann musste er sich strecken, stand plötzlich im Rampenlicht und zeigte wirklich die Kompetenzen eines Diplomaten." Franks selbst sagt: "Nie hätte ich auch nur erträumt, solche qualifizierten Leute zu führen, wie ich das jeden Tag tue." Seine "Mentorin", wie er Ehefrau Cathy bezeichnet, sagt dazu bloß: "Zum General wird man nicht geboren."

Thomas Ray Franks, geboren zwei Monate vor dem Abwurf der ersten amerikanischen Atombombe 1945, der Sohn eines Mechanikers und einer Hausfrau, wuchs auf in Midland, wie man so aufwächst in einer Ölstadt im weiten Westen von Texas: zum heimlichen Taubenschießen mit Motorrad auf die Scharbauer-Ranch fahren, Zigarren rauchen, Margaritas trinken. 1948 war auch der Bush-Clan von der Ostküste hierher gezogen. Das Öl floss, Rolls- Royce öffnete eine Vertretung, George Bush senior saß im Kirchenvorstand, Gattin Barbara dominierte in den Zirkeln der Country-Clubs. Die Bushs lebten in derselben Stadt wie die Franks, aber in Wahrheit in einer anderen Welt.

Tommy Franks ging auf dieselbe High School wie die heutige First Lady Laura Bush. Ein Studium an der Universität von Texas brach er ab. 1965 ging er als Gefreiter zur Armee. Ein paar Streifen an der Uniform, dachte er, könne er gut gebrauchen. Zwei Jahre später lernte er bei einem Blind Date in der Kinovorführung von "Doktor Schiwago" Cathy Carley kennen. Nach der Verlobung diente der junge Leutnant zwölf Monate in Vietnam. Dort lenkte er Artilleriefeuer in Feindstellungen, bekam drei Verwundetenabzeichen und entwickelte Verständnis dafür, weshalb viele Soldaten nach der Rückkehr aus Vietnam ihren Beruf aufgaben. Wie er sich die Narben an den Beinen zuzog, sagt er selbst guten Freunde bis heute nicht.

Vietnam machte Tommy Franks erwachsen.

Er heiratete die Geschichtslehrerin Cathy, schloss ein Betriebswirtschaftsstudium, gesponsert von der Armee, mit Bestnote ab, wurde Vater einer Tochter. Mit seiner Frau hat er seitdem in US- Kasernen auf der ganzen Welt gelebt, in Deutschland, in der Türkei, in Saudi- Arabien, Äthiopien, Ägypten, Korea, Kuwait. Franks diente meist in Artillerie-Einheiten. Seine Generalstabslaufbahn begann Anfang der Neunziger.

Als stellvertretender Kommandeur der 1. Kavallerie-Division befehligte er Helikopter- und Bodeneinheiten, die Täuschungsmanöver an der saudischen Grenze durchführten. General Gordon Sullivan beauftragte ihn anschließend damit, das Heer nach dem Kalten Krieg umzustrukturieren. Ab 1995 kommandierte er die 2. Infanterie-Division in Südkorea und lernte dort das atomare Säbelrasseln des Diktators in Pjöngjang einzuschätzen.

Mit Saddam und dem Irak beschäftigt sich Franks seit 1997 intensiv. Sein Vorgesetzter, der Centcom-Chef Anthony Zinni machte Franks zum Kommandeur einer 9000 Mann starken Task-Force, die in Kuwait stationiert wurde, als Saddam Hussein die UN-Waffeninspektoren aus dem Land werfen wollte. Im Juli 2000 erhielt Tommy Franks seinen vierten Stern und wurde Nachfolger von Norman Schwarzkopf und Anthony Zinni als Oberbefehlshaber des Zentralkommandos.

Damit war er verantwortlich für alle amerikanischen Militäroperationen in einer Region mit über 500 Millionen Menschen, drei Weltreligionen, 18 großen Ethnien. Vor dem Streitkräfteausschuss des US-Repräsentantenhauses referierte General Franks im Frühjahr 2002 die Lage in den 25 Staaten seines Bereichs und benannte die US-Kernziele: Demokratie und Menschenrechte zu fördern und Amerikas Wohlstand zu sichern. Im Irak, sagte Franks, mache es die "Abwesenheit der UN-Waffeninspektoren" schwierig, "den gegenwärtigen Status von biologischen, chemischen Waffen und verbotener Raketenfähigkeit zu verifizieren". Derweil lege "Iran weiter hohe Priorität in die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen". Kurzfristig sei Saddam eine Herausforderung. "Langfristig ist Irans Streben nach regionaler Hegemonie eine größere Bedrohung." Zu Afghanistan vermerkte der Centcom-Chef drei Monate vor den Anschlägen in New York und Washington nur einen "destabilisierenden Einfluss" auf seine Nachbarn durch internen Krieg.

Am Morgen des 11. September 2001 ist Franks mit seiner Entourage auf Kreta. Auf dem Weg nach Pakistan, wo er Präsident Musharraf treffen will, legt seine Boeing 707 einen Tankstopp ein. Franks kauft in der Zwischenzeit auf dem Markt von Souda Oliven. Als er zum Flughafen zurückkehrt, fordert ihn ein Mitarbeiter auf, den Fernseher einzuschalten. Franks sieht, wie der entführte Jet in den zweiten Turm des World Trade Center fliegt. "Osama bin Laden", sagt er sofort. Er fliegt zurück zum Luftwaffenstützpunkt MacDill in Tampa, Florida. Am nächsten Tag bekommt er den Auftrag, gegen bin Laden und das Taliban-Regime in Afghanistan Krieg zu führen.

"Operation Enduring Freedom" ist kein Krieg

, der den Stärken des Artilleristen Tommy Franks entgegenkommt. Die Blaupausen in den Schubladen der Militärplaner taugen nichts. Sie kalkulieren bei einem Einsatz von 50 000 US-Soldaten in Afghanistan mit 1500 toten Amerikanern. Hatten die Russen in Afghanistan nicht 600 000 Soldaten eingesetzt, Gut 13 000 Tote und eine Niederlage zu beklagen? Franks verlässt sich auf die Verbündeten der Nordallianz und muss dafür in den ersten Tagen heftige Kritik einstecken: zu konventionell, zu langsam, zu analytisch. "Wer hätte je gedacht, dass unsere Soldaten vom Pferderücken aus die Kampfkraft von B-1- oder B-52-Bombern aus 10 000 Meter Höhe dirigieren würden", sagt Franks später.

Der Krieg ist die Bühne für neue Militärtechnologien, die vor allem dem Verteidigungsminister und Multimillionär Donald Rumsfeld am Herzen liegen: präzisionsgesteuerte Bomben, die von kleinen Kampftrupps am Boden ins Ziel geführt werden, überfallartige Einsätze von Spezialeinheiten statt ein großer Angriff mit Panzern und Artillerie alten Stils. Der Zivilist Rumsfeld redet mehrmals am Tag mit dem Militär Franks, den er offiziell lobt, aber intern für zu konservativ hält.

Am ersten Kriegstag spürt eine Predator-Drohne

Mullah Omar auf. Der Anführer der Taliban bewegt sich mit hundert Helfern in einem Konvoi durch Kabul. Die Drohne, ausgestattet mit zwei Hellfire-Raketen, schickt hochaufgelöste Bilder ins Hauptquartier nach Tampa. Soll Omar getötet werden? Tommy Franks muss entscheiden. Sein "Judge Advocate General", sein Rechtsberater in Uniform, der einem US-General zur Seite steht, sei wohl dagegen. "Also feuern wir nicht", soll Franks entschieden haben. Mullah Omar verschwindet in einem Haus. Franks befiehlt, auf vor dem Haus parkende Autos zu feuern "und zu sehen, wer rauskommt". Niemand kommt heraus. Verteidigungsminister Rumsfeld soll vor Wut Glas und Türen zerdeppert haben.

Tommy Franks hätte eigentlich Mitte 2002 in Pension gehen sollen, doch Präsident Bush bat ihn, ein Jahr länger zu bleiben. "Tommy hat alles gemacht, was wir wollten", lobte Bush seinen Feldherrn. Jetzt soll er noch den Krieg gegen Saddam gewinnen und dann für einen Jüngeren Platz machen. Als Nachfolger für Franks wird bereits Generalleutnant John P. Abizaid gehandelt, der heimliche Star unter Amerikas Spitzenmilitärs: libanesischer Abstammung, entscheidungsfreudig und willig, alte Doktrinen zu verwerfen. Er hat Nahostwissenschaften in Harvard und Stanford studiert, spricht fließend Arabisch, Deutsch und Italienisch. Seine Arbeit als Forscher an der Universität Amman Mitte der 90er Jahre, die viele damals für einen Karriereknick hielten, erweist sich heute als großer Vorteil: Abizaid reiste viele Male in den Irak, kennt das Land wie kein anderer hochrangiger Militär der USA. Seit Anfang des Jahres ist Abizaid der zweite Mann im Central Command hinter Tommy Franks. Er soll den Irak von morgen mitprägen, wenn sein Chef bereits durch das Schreiben von Memoiren und Vortragsreisen seine Generalpension vervielfachen wird.

Von Uli Rauss
Mitarbeit: Perry Kretz

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(