. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
30. März 2005, 09:42 Uhr

"Wir waren wohl manchmal zu laut, zu polternd"

Er war Außenminister, als die USA in den Irak-Krieg zog, und musste die Invasion vor der Uno begründen. Colin Powell im stern-Gespräch über seine schwersten Stunden, Telefonate mit Fischer und den Unruheherd, der ihn aus dem Bett treibt.

Colin Powell neben dem Diplomaten John Negroponte (l.): "Sie haben keine Ahnung von amerikanischer Politik"© Shannon Stapleton/Polaris

General Powell, vor der Tür steht ein silberner Sportwagen. Gehört der Ihnen?

Es ist eine Corvette, gerade gekauft, fährt knappe 300 Stundenkilometer. Ich mag schnelle Autos, obwohl ich gar nicht schnell fahren kann. Die Polizisten warten nur darauf, mir einen Strafzettel zu verpassen.

Jetzt haben Sie ja endlich wieder Zeit, sich ihrem Hobby zu widmen, alten Autos. Wie viele haben Sie inzwischen?

Sechs. Darunter zwei alte Volvos und ein babyblauer Mercedes 230 SL. Den habe ich meiner Frau zum 35. Hochzeitstag geschenkt.

Wie müssen wir uns den Rentner-Alltag eines der wichtigsten Männer der Welt vorstellen?

Es ist schon eine Veränderung. Ich halte wieder Vorträge, prüfe alle möglichen Angebote und überlege, wie ich mein Ansehen etwa bei der Armutsbekämpfung nutzen kann. Ich bin ja erst zwei Monate aus dem Amt.

Wird Ihnen nicht langweilig?

Nein. Wenigstens muss ich jetzt nicht mehr um 5.30 Uhr ins Büro fahren und mir um alle Dinge in der Welt Sorgen machen. Jetzt weckt mich mein Hund. Und die wichtigen Dinge liegen in der Verantwortung von Dr. Rice.

Wie oft ruft Condoleezza Rice denn an und fragt um Rat?

Wir kennen uns lange. Sie war eine junge Praktikantin, als ich im Nationalen Sicherheitsrat arbeitete. Sie ruft an, fragt nach meiner Meinung. Doch hier in Washington gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Wer draußen ist, muss sich von der Bühne fern halten, wenigstens für eine Weile. Auf der Bühne steht jetzt Dr. Rice.

Mit Designer-Stiefeln und harten Worten. Man nennt sie bereits "Madam Falke".

Sie macht ihren Job sehr gut. Sie sagt, ich sei ihr Mentor. Das freut mich.

Zu Präsident Bush hatten Sie ein unterkühltes Verhältnis, heißt es.

Wer das behauptet, hat keine Ahnung. Wir sind Freunde. Wir haben vier Jahre lang eng zusammengearbeitet. Und zwar bei allen wichtigen Themen. Vom Nahen Osten bis Nordkorea.

Und warum machten Sie nicht weiter?

Es war klar, dass ich gehen würde.

Waren Sie enttäuscht, dass Präsident Bush Sie nicht bat weiterzumachen? Dass Verteidigungsminister Rumsfeld im Amt blieb, Sie aber nicht?

Nein. Wir sprachen schon vor längerem darüber. Bereits damals stand fest, dass ich gehen würde. Das wusste Bush, das wusste ich.

Mit Vizepräsident Cheney sollen Sie sich aber so verkracht haben, dass sie nicht mehr miteinander sprechen.

Das ist eine Lüge. Ich kenne Cheney seit Jahrzehnten. Während des ersten Golfkrieges 1991 war er Verteidigungsminister und ich Vorsitzender der Vereinten Stabschefs. Wir haben so viel miteinander erlebt. Wir haben Kriege zusammen gefochten. Immer wieder waren wir dabei auch unterschiedlicher Meinung - damals wie heute. Aber Feinde waren wir nie.

Doch Sie galten als der Moderate, der Pragmatiker in einer von rechten Ideologen geprägten Regierung. Jetzt triumphieren die Neokonservativen.

Na ja. Haben wir nicht gerade eine erfolgreiche Europareise des Präsidenten erlebt? Sehen wir nicht gerade, wie George Bush und Condoleezza Rice der Welt die Hand entgegenstrecken?

Der erklärte UN-Gegner John Bolton wird Botschafter bei den UN. Der Hardliner Paul Wolfowitz soll die Weltbank in die US-Politik eingliedern. Selbst das Außenministerium klingt mehr und mehr wie das Weiße Haus selbst.

Vielleicht waren meine Ansichten oft weniger konservativ oder neokonservativ, wenn Sie so wollen. Bei vielen Themen brachte ich eine andere Sicht in die Diskussion. Das trug mir den Ruf ein, moderater als die anderen zu sein. Doch letztlich ist der Präsident für die Außenpolitik verantwortlich. Weder Herr Rumsfeld oder Frau Rice noch ich.

Konnten Sie sich je wirklich durchsetzen?

Ja. Das könnte ich Ihnen Punkt für Punkt aufzählen. Die Behauptung, der Präsident betreibe unilaterale Politik, ist einfach nicht richtig. Er lässt sich beraten, er hört zu.

Haben die Europäer dann etwa nicht richtig hingehört?

Es gab leider große Spannungen zwischen Europäern und den USA. Wir waren dabei wohl manchmal zu laut, zu direkt, zu polternd vielleicht. Da hat es die Europäer wohl manches Mal geschaudert. Worte wie "old Europe" ...

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 14/2005

  zurück
1 2 3
 
 
MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe