Er war Außenminister, als die USA in den Irak-Krieg zog, und musste die Invasion vor der Uno begründen. Colin Powell im stern-Gespräch über seine schwersten Stunden, Telefonate mit Fischer und den Unruheherd, der ihn aus dem Bett treibt.

Colin Powell neben dem Diplomaten John Negroponte (l.): "Sie haben keine Ahnung von amerikanischer Politik"© Shannon Stapleton/Polaris
Es ist eine Corvette, gerade gekauft, fährt knappe 300 Stundenkilometer. Ich mag schnelle Autos, obwohl ich gar nicht schnell fahren kann. Die Polizisten warten nur darauf, mir einen Strafzettel zu verpassen.
Sechs. Darunter zwei alte Volvos und ein babyblauer Mercedes 230 SL. Den habe ich meiner Frau zum 35. Hochzeitstag geschenkt.
Es ist schon eine Veränderung. Ich halte wieder Vorträge, prüfe alle möglichen Angebote und überlege, wie ich mein Ansehen etwa bei der Armutsbekämpfung nutzen kann. Ich bin ja erst zwei Monate aus dem Amt.
Nein. Wenigstens muss ich jetzt nicht mehr um 5.30 Uhr ins Büro fahren und mir um alle Dinge in der Welt Sorgen machen. Jetzt weckt mich mein Hund. Und die wichtigen Dinge liegen in der Verantwortung von Dr. Rice.
Wir kennen uns lange. Sie war eine junge Praktikantin, als ich im Nationalen Sicherheitsrat arbeitete. Sie ruft an, fragt nach meiner Meinung. Doch hier in Washington gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Wer draußen ist, muss sich von der Bühne fern halten, wenigstens für eine Weile. Auf der Bühne steht jetzt Dr. Rice.
Sie macht ihren Job sehr gut. Sie sagt, ich sei ihr Mentor. Das freut mich.
Wer das behauptet, hat keine Ahnung. Wir sind Freunde. Wir haben vier Jahre lang eng zusammengearbeitet. Und zwar bei allen wichtigen Themen. Vom Nahen Osten bis Nordkorea.
Es war klar, dass ich gehen würde.
Nein. Wir sprachen schon vor längerem darüber. Bereits damals stand fest, dass ich gehen würde. Das wusste Bush, das wusste ich.
Das ist eine Lüge. Ich kenne Cheney seit Jahrzehnten. Während des ersten Golfkrieges 1991 war er Verteidigungsminister und ich Vorsitzender der Vereinten Stabschefs. Wir haben so viel miteinander erlebt. Wir haben Kriege zusammen gefochten. Immer wieder waren wir dabei auch unterschiedlicher Meinung - damals wie heute. Aber Feinde waren wir nie.
Na ja. Haben wir nicht gerade eine erfolgreiche Europareise des Präsidenten erlebt? Sehen wir nicht gerade, wie George Bush und Condoleezza Rice der Welt die Hand entgegenstrecken?
Vielleicht waren meine Ansichten oft weniger konservativ oder neokonservativ, wenn Sie so wollen. Bei vielen Themen brachte ich eine andere Sicht in die Diskussion. Das trug mir den Ruf ein, moderater als die anderen zu sein. Doch letztlich ist der Präsident für die Außenpolitik verantwortlich. Weder Herr Rumsfeld oder Frau Rice noch ich.
Ja. Das könnte ich Ihnen Punkt für Punkt aufzählen. Die Behauptung, der Präsident betreibe unilaterale Politik, ist einfach nicht richtig. Er lässt sich beraten, er hört zu.
Es gab leider große Spannungen zwischen Europäern und den USA. Wir waren dabei wohl manchmal zu laut, zu direkt, zu polternd vielleicht. Da hat es die Europäer wohl manches Mal geschaudert. Worte wie "old Europe" ...
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 14/2005