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GESPERRT! Russland: Das Imperium kehrt zurück

Mit seiner Panzer-Politik in Georgien hat Russland den Westen kalt erwischt. Erstmals seit Sowjetzeiten zeigt der Kreml militärisch wieder ein Selbstbewusstsein, das die Welt zuletzt nur von den Ölbaronen kannte. Mit ihrem Geld machen sich die Russen im Kunstmarkt und an Stränden breit, kaufen Luxus-Boutiquen leer und treiben Immobilienpreise in die Höhe.

Von Andreas Albes

So lässig hat man Wladimir Putin lange nicht gesehen. Gerade hatte der Kreml alle Grenzen überschritten, war mit 12 000 Soldaten, 500 Panzern und Dutzenden Kampfjets in Georgien eingedrungen, hatte erstmals Gewalt gegen einen souveränen Staat angewandt, hatte die Prinzipien all seiner Bündnisse mit dem Westen über den Haufen geworfen - und der Premier federte die Gangway seiner Regierungsmaschine in der Kaukasusprovinz Nordossetien hinunter. Er trug Jeans und Polohemd; den Kragen seiner grauen Windjacke hatte er hochgeschlagen. Sein Auftritt war eine doppelte Botschaft: Russland vertritt seine Interessen in der Sache wieder rücksichtslos wie zu Sowjetzeiten, in der Form aber mit überraschender Raffinesse.

Entsetzt nahmen Michail Saakaschwilis Verbündete in Washington zur Kenntnis, dass der georgische Präsident in die Falle der Russen getappt war. Die hatten radikale Osseten zunächst ermuntert, den politischen Heißsporn mit Scharmützeln zu provozieren. Und selbst nach ersten Gegenangriffen hielten sie sich zurück, um Georgien dann den vernichtenden Schlag zu versetzen.

Dem Westen, vertreten durch Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und später auch durch Angela Merkel, blieb nur noch, einen Friedensplan auszuhandeln, der Saakaschwili kaltstellt. Der von den USA hofierte Jungdynamiker durfte nicht am Verhandlungstisch sitzen. Und sein Land, in dem die Bevölkerung zweier Provinzen mit übergroßer Mehrheit in Putins Reich drängt, wird ein Krisenherd bleiben. Trotz aller Unterstützungsrhetorik ist Georgiens Nato-Mitgliedschaft nun ferner als vor dem Fünf-Tage-Krieg. Russland hat erreicht, was es wollte. Und seine Botschaft an die Welt hätte deutlicher nicht ausfallen können: Das Imperium ist zurück.

Moskaus Machtbereich schrumpfte

Der Schock sitzt besonders tief bei jenen, deren Russlandbild noch von der Erinnerung an die frühen 90er Jahre geprägt ist, als der Westen Carepakete mit Schokolade, Nesquik und Milchpulver schickte, um den Menschen über die harten Winter zu helfen. Als Moskaus Machtbereich, der einst bis Boizenburg und Eisenach gereicht hatte, aufs russische Kernland schrumpfte, weit hinter jene Grenzen, die noch die letzten Zaren hielten. Von Polen bis Bulgarien traten seine alten Bruderstaaten der EU bei, ebenso die baltischen Sowjetrepubliken. Auch die Ukraine, Georgien und Moldawien machten sich Richtung Westen auf.

Spätestens seit Putin vergangenes Jahr vor einem neuen Kalten Krieg warnte, musste klar sein, dass die Russen weitere Demütigungen, zu denen sie auch den geplanten amerikanischen Raketenschild in Polen und Tschechien zählen, nicht hinnehmen wollen. Selbst unfähig, das Modernisierungstempo anderer Länder mitzuhalten, wollen sie auch nicht zusehen, wie ihre Nachbarn davonziehen. Aber statt ihr Reich zu demokratisieren, betonieren sie Putins Einparteiherrschaft. Und statt konsequent die Wirtschaft zu reformieren, rüsten sie ihre alte Militärmaschinerie auf und schickten nun auch noch ihre Panzer über die Grenze.

Dank gewaltiger Gas- und Erdölvorkommen werden sie umso reicher, je mehr der Rest der Welt unter dem steigenden Ölpreis ächzt - und sie drohen, den Gashahn als politische Waffe zu nutzen. Am Nordpol haben sie in vier Kilometern Tiefe ihre Flagge in den Meeresboden gerammt, um ihre Ansprüche auf die Bodenschätze der Arktis geltend zu machen. Russische Touristen bevölkern Strände, auf denen Deutsche, Niederländer oder Briten bislang unter sich waren. Und russische Investoren kaufen sich Firma für Firma im Westen ein. 2001 lag das Beteiligungsvolumen russischer Unternehmen im Ausland noch bei mickrigen 500 Millionen Dollar, heute sind es 24 Milliarden.

Auf Schalke für Gazprom jubeln

Wer mit der Tui nach Mallorca fliegt, sitzt in einem Flieger, der zu 15 Prozent dem Oligarchen Alexej Mordaschow gehört. Öger-Tours wird gerade mehrheitlich von dem Ex-KGB-Agenten Alexander Lebedew übernommen. Frauen, die sich Escada-Kleidchen leisten, tragen zu 27 Prozent Rustam Aksenenko. Dr. Scheller Cosmetics aus Eislingen ("our passion for your beauty") ist in Wahrheit "Kalina" aus Jekaterinburg, und in der Gelsenkirchener Veltins-Arena jubeln die Schalke-Fans auch für Gazprom. Über das Staatsunternehmen, inzwischen fünftgrößter Konzern der Welt, sagte Rumäniens Präsident kürzlich, es stelle eine größere Bedrohung dar als die Rote Armee während eines halben Jahrhunderts Besetzung.

Die einschlägigen Listen in den Finanzmagazinen zählen inzwischen 87 russische Milliardäre (Deutschland kommt nur auf 59). Unter ihnen so schillernde Figuren wie der 42-jährige Sulejman Kerimow, den die Presse "Playboy-Oligarch" nennt und der sich gerade anschickt, seinen dreiprozentigen Anteil an der Deutschen Bank auf neun Prozent aufzustocken. Dem breiteren Publikum ist Kerimow bekannt, seit er seinen Ferrari am Strandboulevard von Nizza so um eine Palme wickelte, dass der Wagen zweigeteilt wurde. Bei dem Unfall auf gerader Strecke in einer Tempo-50-Zone saß nicht Kerimows Gattin auf dem Beifahrersitz, sondern eine langbeinige TV-Moderatorin.

Auch in die internationale Spitzenforschung kaufen sich die Russen ein. In der Osdorfer Feldmark bei Hamburg, wo deutsche Wissenschaftler gerade die leistungsfähigste Röntgenlichtquelle der Welt austüfteln, beteiligen sie sich mit 250 Millionen Euro. Noch nie hat ein anderes Land so viel Geld in ein deutsches Forschungsprojekt gesteckt.

Der Kreml könnte wohl jeden Superreichen kaltstellen

Trifft man Oligarchen zum Interview, wiegeln sie stets ab: "Keine Sorge, das ist ganz normale Globalisierung. Mit Politik hat das nichts zu tun." Aber spätestens seit Michail Chodorkowskij praktisch über Nacht vom Besitzer des größten Ölkonzerns zum Bewohner der unteren Stockbettetage in einer Strafkolonie an der mongolischen Grenze abstieg, ist klar, dass das Verhältnis von Politik und Wirtschaft so einfach nicht ist. Es besteht der Verdacht, dass der Kreml gegen jeden Superreichen genügend in der Hand hat, um ihn kaltzustellen - sollte er auch nur versuchen, sich in die Politik einzumischen. Fast fünf seiner neun Jahre Haft hat Chodorkowskij inzwischen abgesessen. Ob das reicht, soll diesen Donnerstag ein südsibirisches Provinzgericht entscheiden.

Oleg Deripaska kommt mit der russischen Justiz besser klar. Der 40-Jährige gilt mit einem Vermögen von rund 40 Milliarden Dollar als der reichste aller Russen. Der Physiker, Herrscher über die Aluminiumproduktion des Landes, hatte in den USA wegen angeblicher Mafia-Kontakte vorübergehend Einreiseverbot; ehemalige Konkurrenten beschuldigen ihn gar des Auftragsmords. Von altgedienten Deripaska- Mitarbeitern hört man, dass er sie einst zum Vorstellungsgespräch mit den Worten empfing: "Sind Sie bereit, für mich ins Gefängnis zu gehen?"

Deripaska ist einer der treuesten Gefährten Wladimir Putins. Aus Loyalität versprach er, den maroden Kurort Sotschi zu den Olympischen Winterspielen 2014 mit zwei Milliarden Euro etwas aufzuhübschen. Dazu kaufte er sich mit zehn Prozent beim deutschen Baukonzern Hochtief ein und übernahm 30 Prozent an der österreichischen Konkurrenz Strabag.

Die Russen geben mehr aus

Überhaupt sind die Österreicher dick im Rubel-Business. Schon hat der Fremdenverkehrsverband ausgerechnet, dass ein russischer Tourist im Schnitt 250 Euro am Tag ausgibt, ein deutscher nur 114. Kitzbühel, das vor anderthalb Jahren noch eine "Russenquote" diskutierte, macht heute als "Kitzograd" Schlagzeilen, nachdem die russische Baumogulin Jelena Baturina ihre Liebe zu den Alpen entdeckt hat.

Baturina ist die Gattin des Moskauer Bürgermeisters Jurij Luschkow, 27 Jahre jünger als er und dessen ehemalige Sekretärin. In Kitzbühel erwarb die passionierte Golferin zunächst für 25 Millionen Euro den örtlichen Golfklub, und im Frühjahr 2009 wird ihr Fünf-Sterne-Golfhotel Grand Tirolia eröffnen. Dabei ist Nicht- EU-Bürgern eigentlich der Grunderwerb in Kitzbühel verboten - aber da drückten die Österreicher mal beide Augen zu: Um ihre Geschäfte zu legalisieren, gründete Baturina einfach eine Stiftung, die in Wien unter dem Namen "Beneco" registriert ist und als deren Nutznießer ihre Töchter Jelena und Olga eingetragen sind.

Baturina erweist sich als große Wohltäterin. Das örtliche ATP-Tennisturnier rettete sie vor dem Aus, nachdem der Hauptsponsor, eine Versicherung, abgesprungen war. Erst im Juni lud sie Stevie Wonder zu einem Exklusivkonzert ein, wobei sie die 4000 Karten einfach an die Bevölkerung verschenkte. Ein Österreicher schrieb dazu im Internet: "Es gibt do nix Scheneres, als wenn de Russn amoi die östareichische Wirtschaft ankurbln. Imma diese Vorurteile, san doch a nur Menschn."

Der russische Minderwertigkeitskomplex

Das ist natürlich die Kardinalfrage: Wie umgehen mit den Russen? In Moskau wird für zugereiste Westmanager mit großem Erfolg das Seminar "A Foreigner in Russia" angeboten. Seminarleiter Christopher Graham ist Brite. Die Russen hätten einen ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex, sagt Graham mit der ihm eigenen Höflichkeit. Es sei ein typischer Fehler, ihr Statusbewusstsein zu unterschätzen. Russische Männer lieben es, einzuladen und als Gönner aufzutreten. In einem Restaurant voreilig die Rechnung übernehmen zu wollen, könne da schnell als Beleidigung angesehen werden. Selbst wenn sich der Einladende mit der Summe tüchtig übernehme. Grahams Rat: "Stecken Sie ihm das Geld lieber hinterher heimlich zu."

Auch solle man es einem Russen nicht verübeln, wenn er beim Geschäftsessen, das Headset im Ohr, jeden Anruf annimmt. Was im Westen als despektierlich gilt, bedeute hier: Sieh, ich habe viele Freunde, du kannst mir vertrauen. Auch der Umgang mit Verträgen sei etwas an- ders. Für viele Russen seien unterschriebene Dokumente eher eine Art grobe Richtlinie. Irgendwann wirft dann Grahams russische Assistentin in die Runde: "Nur weil wir Russen wie Europäer aussehen, heißt das noch lange nicht, dass wir Europäer sind. Besser man behandelt uns wie Asiaten."

In der Tat betrachten sich über 70 Prozent der Russen nicht als Europäer. Als Asiaten aber schon gar nicht. Sondern einfach als Russen. Etwa die Hälfte sieht Europa als Gefahr für ihre Unabhängigkeit, und fast ein Drittel ist der Meinung, dass das System westlicher Demokratie in Russland nicht funktionieren würde.

Waren im Wert von 28 Milliarden Euro

Für viele westliche Unternehmen ist die attraktivste Seite an den modernen Russen ihr schier unersättlicher Konsumhunger. Deutschland exportierte vergangenes Jahr Waren im Wert von 28 Milliarden Euro nach Russland. Fast 4500 deutsche Unternehmen haben sich in Russland niedergelassen. Douglas, Real, Obi, Media Markt melden Rekordumsätze. Vor allem die Autoindustrie jubelt, denn mit 3,8 Millionen Neuzulassungen werden die Russen in diesem Jahr voraussichtlich erstmals Deutschland überholen. VW baut für eine Milliarde Euro ein Werk in Kaluga, Porsche weihte in der Hauptstadt gerade eine neue Niederlassung mit 7300 Quadratmeter Verkaufsfläche ein. Seit Kurzem ist in Kooperation mit Stardesigner Denis Simachev eine vergoldete Version des 911 auf dem Markt, und von Mercedes wird ein mit Swarowski-Kristallen besetztes SL-Modell angeboten.

Zentrum des russischen Größenwahns ist Moskau mit seinen mehr als zehn Millionen Einwohnern. Unweit des Kreml entsteht Moscow City mit 15 Wolkenkratzern, die so imposante Namen tragen wie "Hochzeitspalast", "Eurasia", "Imperia-Tower" oder "Tower 2000". Sieben von ihnen werden über 260 Meter in den Himmel ragen, höher als die Frankfurter Commerzbank- Zentrale, jahrelang das höchste Bürogebäude Europas. Im "Federation-Tower" (360 Meter ohne Antenne) werden gläserne Fahrstühle auf sechs Stockwerken durch ein Aquarium sausen. Und der "Russia Tower", dessen Architektur an eine überdimensionale Rakete erinnert, wird mit 612,2 Metern alles auf dem Alten Kontinent überragen.

Auch in der Kunstwelt ist Europas größte Megapolis dabei, Regeln, Preise und Geschmack zu bestimmen. Die Auktionshäuser Christie's und Sotheby's eröffneten unlängst Dependancen in Moskau und freuen sich darüber, dass die Russen bereit sind, auch für zweitklassige Werke jeden Preis zu bezahlen. Gelegentlich, so lästert ein Beobachter, säßen sie schon mal mit einer Flasche Schampus in der einen und einer Blondine an der anderen Hand im Publikum, um bevorzugt Bilder in knalligen Farben und mit möglichst monumentaler Wirkung zu erstehen.

Amy Winehouse gab einen Blitzauftritt

Auch der Oligarch Roman Abramowitsch mischt in der "Art Scene" mit, seit er mit der 26-jährigen Dascha Schukowa liiert ist. Ihr richtete er in Moskau eine Galerie ein, kaufte für 33 Millionen Dollar das Gemälde "Big Sue" von Lucian Freud und für 86 Millionen ein Triptychon von Francis Bacon und ließ zum Blitzauftritt in den frisch renovierten Räumen Amy Winehouse einfliegen.

Dass die Mehrheit der Russen von diesem unglaublichen Reichtum nicht profitiert, sorgt zwar für einen gewissen Unmut - für mehr aber nicht. Man ist sich einig, dass jeder, der es in den 90er Jahren zu Vermögen gebracht hat, ein Verbrecher sein muss. Andererseits ist ein neuer Multimilliardär auf der Forbes-Liste der Beweis dafür, dass Russland auf dem Weg zurück zur Weltmacht ist. Das Gefühl ist so identitätsstiftend, dass es Bettelarm und Superreich voll sentimentaler Erinnerung an die gute alte Sowjetzeit vereint.

Das hat keiner besser erkannt als Ex-Präsident Putin. Seine Beliebtheitswerte erreichten immer dann neue Höhepunkte, wenn er am lautesten gegen den "arroganten Westen" polterte. Den Kurzkrieg gegen Georgien unterstützen 78 Prozent der Russen. Bei der Parade anlässlich des Sieges über Hitlerdeutschland waren dieses Jahr zum ersten Mal seit 1990 wieder schwere Waffen über den Roten Platz gerollt, darunter Topol- Raketen, die Atomsprengköpfe 10.000 Kilometer weit transportieren können.

Die Wundertechnik funktioniert nicht

1,1 Millionen Soldaten hat Russland unter Waffen. Das Staatsfernsehen preist regelmäßig russische Waffentechnik, den superflachen Panzer T-95 zum Beispiel oder die superleichte U-Boot-Rakete "Bulawa" (Keule), die bei Tests auf Kamtschatka allerdings meist zu früh, zu spät oder gar nicht explodierte. Unabhängige Militärexperten sagen, die Wundertechnik stamme komplett noch aus der Sowjetzeit. Höchstens 50 Prozent des Fluggeräts seien in der Lage, vom Boden abzuheben. Die einzig wirkliche Innovation sei, dass die Soldaten seit Kurzem Socken statt wie bislang Fußlappen tragen.

Auch die russische Wirtschaft ist auf den zweiten Blick längst nicht so stark, wie der Prunk der Superreichen vermuten lässt. Ohne seine Öl- und Gasexporte erbringt Russland gerade mal die Wirtschaftsleistung von Staaten wie Dänemark oder Tschechien. Rekordverdächtige 3,8 Millionen Beamte, die jedes Jahr geschätzte 77 Milliarden Euro Schmiergeld kassieren, machen jede Geschäftsgründung zur Hölle.

Experten sagen Russland einen existenzbedrohenden Arbeitskräftemangel voraus, denn die Bevölkerung schrumpft, Frauen bringen im Schnitt nur noch 1,21 Kinder zur Welt (weniger als in Deutschland). Russische Männer werden laut Statistik gerade mal 60 Jahre alt, was Studien zufolge daran liegt, dass sie keinem Risiko aus dem Weg gehen, Arztbesuche eher für Frauensache halten und stattdessen lieber dem Wodka zusprechen. Der Pro-Kopf-Verbrauch der gesamten Bevölkerung liegt bei 17 Litern im Jahr.

Weltmacht schon wegen der Rohstoffe

Die gute Nachricht für die Russen ist: So schlecht kann es kaum kommen, dass Russland keine Weltmacht mehr sein wird. Es ist der größte Erdgas- und zweitgrößte Erdölexporteur; in Sibirien werden mehr Diamanten gefördert als irgendwo sonst (36 Millionen Karat pro Jahr), mit seinen Goldvorkommen liegt Russland im internationalen Vergleich auf Rang vier, dazu kommen immense Platin-, Uran-, Nickel-, Kobalt- und Silberreserven.

Doch warum schaffen es die Russen nicht, eine Straße von Moskau nach St. Petersburg zu bauen, die nicht an eine Schlaglochteststrecke erinnert? Warum haben Flughafengebäude in Großstädten wie Irkutsk mehr Ähnlichkeit mit einer Baubaracke als mit einem Terminal? Warum müssen in Sibirien immer noch Hunderte Dörfer ohne Strom auskommen und die Schulkinder bei minus 40 Grad im Freien pinkeln? Und wie kann Präsident Medwedew von Moskau als Finanzzentrum träumen, wenn gerade mal 25 Prozent der Russen ein Konto haben und das Ausfüllen eines Überweisungsformulars so kompliziert ist, dass oft sogar zwei Berater nötig sind? Am liebsten zahlen sie immer noch bar, wie kürzlich in der Mercedes-Filiale am Moskauer Leningradskij Prospekt, als für eine gepanzerte S-Klasse 22.000 1000-Rubel-Noten hingeblättert wurden.

Abend für Abend sitzen in Russland gestrandete Westmanager vor ihren Wodkagläsern und erzählen sich die kuriosesten Anekdoten, die belegen sollen, dass "der Russe" ineffektiv arbeite, absolut beratungsresistent sei, es aber am Ende doch irgendwie schaffe - meist mit viel Geld und im Westen eingekauftem Management. Ganz oben müsse natürlich einer sitzen, der allen kräftig in den Hintern tritt, am besten der Präsident persönlich.

Spitzenfunktionäre in allen sportlichen Disziplinen

Als Beispiel, dass Russland nur nach diesem Prinzip funktioniert, gilt der Sport. Nachdem das sowjetische Athletenpotenzial in den 90er Jahren nahezu verschlissen war, installierte Wladimir Putin in allen wichtigen Disziplinen Spitzenfunktionäre aus seinem Machtkreis. Ex-Geheimdienst-Direktor Patruschew wurde Vorsitzender der Volleyballvereinigung, um die Boxer kümmert sich Jewgenij Murow, Chef der Eliteleibwächter des Kreml, und Gazprom-Manager Alexander Medwedew führt den Eishockey-Verband. Und seit der Fußballeuropameisterschaft weiß jeder, dass der Holländer Guus Hiddink der Nationalelf Beine macht. Sportminister Witali Mutko ist nun persönlich für Russlands Kicker verantwortlich.

Dank der sportlichen Erfolge wächst das Selbstbewusstsein der Russen in immer neue Höhen. Seit dem sensationellen 3 : 1-Sieg der Russiskaja Sbornaja über Holland bei der Fußball-EM und dem Gewinn des ersten Eishockey-Weltmeistertitels seit 15 Jahren dröhnt es durch russische Kneipen: "Dawai! Lass uns den dritten Weltkrieg anfangen, wir haben eine Glückssträhne." Dass dieser Spruch durch die Ereignisse in Georgien einen blutigen Beigeschmack hat, stört kaum. Der grobschlächtige Patriotismus liegt voll auf Staatslinie. "Die Schwachen liebt man nicht, man hört nicht auf sie und beleidigt sie", sagt Vizepremier Sergej Iwanow. Wäre Russland erst mal mit dem Westen auf Augenhöhe, würden "die auch ganz anders mit uns reden".

Russland hat es satt, als Weltmacht von gestern behandelt zu werden, deren größte Leistungen es waren, 1957 den Sputnik als ersten Satelliten und 1961 Jurij Gagarin als ersten Menschen ins All zu schießen und den toten Lenin mit einer Frostschutzmischung aus Formalin, Chlor und Glyzerin zu konservieren. Die Russen verdrängen den internationalen Aufschrei über ihren Einmarsch in einen souveränen Staat und berauschen sich daran, dass das "Wall Street Journal" unter der Schlagzeile "Vladimir Bonaparte" ihren Premier mit Napoleon verglich. Wie schrieb schon der Dichter Fjodor Tjutschew: "Mit dem Verstand ist Russland nicht zu begreifen, mit dem allgemeinen Maße nicht auszumessen, es hat einen besonderen Charakter, an Russland kann man nur glauben."

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(