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Essen, bis der Bauch schmerzt

Expertenrat

Dr. Simone Munsch vom Institut für Psychologie der Universität Basel antwortet
Spielen die Gene bei der Ess-Sucht eine Rolle? Generell muss man sagen, dass genetische Mechanismen von allen Faktoren bisher am schlechtesten untersucht sind. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass Betroffene besonders anfällig für seelische Störungen wie Depressionen oder Angstzustände sind. Teilweise versuchen sie, mit Essen negative Stimmungen zu regulieren, manchmal entstehen diese psychischen Symptome jedoch auch erst aufgrund des enorm hohen Leidensdrucks. Zudem scheinen Betroffene häufiger eine Veranlagung für Übergewicht in ihren Genen zu tragen.

Wo liegt die Grenze zwischen übermäßigem Essen und Essanfällen? Richtige Essanfälle gehen mit einem totalen Kontrollverlust einher. Betroffene wissen in diesem Moment nicht mehr, was sie tun. Das erklärt auch den ganz besonderen Leidensdruck dieser Menschen: Sie fühlen sich machtlos und ferngesteuert, können sich teilweise nicht mal richtig an den Anfall erinnern. Das Essverhalten zwischen den Attacken ist zudem extrem chaotisch und unstrukturiert. Mal essen Betroffene bis vier Uhr nachmittags nichts, um dann im Zuge eines Anfalls große Mengen an Nahrung zu verzehren.

Werden nur Dicke ess-süchtig? Im Vergleich mit gesunden und normalgewichtigen Personen sind sie tatsächlich schon früh sehr sensibel mit dem Thema Essen umgegangen oder litten in ihrer Kindheit vielleicht schon unter ein paar Pfunden zu viel. Diese Vorbelastung ist allerdings bei anderen Ess-Störungen wie Magersucht und Bulimie sehr viel ausgeprägter.

Welche Altersgruppe ist besonders gefährdet? Untersuchungen haben gezeigt, dass Binge-Eating besonders in zwei Altersgruppen anzutreffen ist: in einem Alter zwischen 20 und 30 Jahren und zwischen 40 und 50 Jahren.

An wen können sich Betroffene wenden? Die gute Nachricht ist, dass diese Art von Ess-Störungen gut behandelbar ist und die Erfolgsraten recht hoch sind. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft kann Betroffene beraten und Kontakte zu Fachleuten herstellen. Mittlerweile gibt es Leitlinien zum Umgang mit Binge-Eating, die in einer Therapie der Ess-Störung umgesetzt werden.

Nina Buschek/Nicole Simon
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