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+++ Liveticker zu Libyen +++: Rebellen erwarten Nato-Angriff auf Gaddafis Residenz

Wo versteckt sich Gaddafi? Das Pentagon glaubt, der Diktator hält sich im Land auf. Die Nato könnte in der Nacht Angriffe auf eine Gaddafi-Residenz fliegen. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker.

+++ 20.27 Uhr: Rebellen kontrollieren Flughafen +++

Die Rebellen haben den Flughafen der Hauptstadt Tripolis unter ihre Kontrolle gebracht, berichtet der Fernsehsender Al Arabija unter Berufung auf einen Sprecher der Rebellen.

+++ 19.07 Uhr: Rebellen erwarten Luftangriff auf Gaddafi-Residenz +++

Im Kampf um Tripolis erwarten die Aufständischen einen Nato-Luftangriff auf die in der Residenz von Muammar al Gaddafi verschanzten Truppen des libyschen Regimes. Der arabische TV-Nachrichtensender Al Arabija berichtete am Montag unter Berufung auf Rebellenkreise weiter, nach Sonnenuntergang würden Kampfjets die Mauern der Anlage bombardieren. In der Residenz, um die es seit der Nacht zum Montag heftige Gefechte gab, halten nach früheren Angaben der Rebellen mehrere hundert afrikanische Söldner die Stellung. Ein Überläufer soll zudem berichtet haben, dass sich auch der Gaddafi-Sohn Mutassim Billah al Gaddafi noch dort aufhalte.

+++ 19.04 Uhr: Ban Ki Moon sichert Libyen Übergangshilfe zu +++

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Libyen zugesichert, dass die Vereinten Nationen dem Land beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft nach Kräften helfen werden. "Die dramatischen Szenen in Tripolis, Libyen, zeigen, mit welchem Mut und Nachdruck sich das libysche Volk eine freie und demokratische Zukunft sichern will. Es ist nun äußerst wichtig, dass der Konflikt ohne weitere Verluste von Menschenleben beendet wird", erklärte Ban am Montag.

An die Anhänger des Gaddafi-Regimes appellierte der UN-Chef, die Gewalt sofort zu beenden und den Weg für einen reibungslosen Übergang zur Demokratie zu ebnen. "Dies ist ein hoffnungsvoller Moment, aber es liegen Risiken vor uns. Jetzt ist die Zeit für alle Libyer, nationale Einheit und Versöhnung in den Mittelpunkt zu stellen", sagte Ban.

Gesandte des UN-Generalsekretärs wollen sich noch in dieser Woche zu Gesprächen mit der Führung einer libyschen Übergangregierung treffen. Ban: "Die UN ist bereit, bei allen Fragen im Nachkonflikt helfend zur Seite zu stehen."

+++ 18.28 Uhr: Libyscher Attentäter stellt sich in Tunesien +++

Ein vom libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi entsandter Attentäter hat sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Tunis der tunesischen Armee gestellt. Der libysche Oberst Abdelrasak Radschhi sei von Gaddafi beauftragt worden, einen Anschlag auf eine arabische Botschaft in Tunis zu verüben, sagte der tunesische Oberst Mochtar Ben Nasser am Montag auf einer Pressekonferenz im Verteidigungsministerium in Tunis. Es seien sieben Kilo Sprengstoff und Zünder beschlagnahmt worden.

Radschhi sei nicht festgenommen worden. Vielmehr sei ihm dafür gedankt worden, dieses Attentat abgewendet zu haben, sagte Ben Nasser. Radschhi sagte auf der Pressekonferenz, der Anschlag habe die "tunesische Revolution" stören sollen. Tunesien hatte sich im Konflikt zwischen Gaddafi und den Rebellen lange neutral verhalten, am Sonntag aber schließlich den Nationalen Übergangsrat der Rebellen anerkannt.

+++ 18.27 Uhr: Gaddafi könnte in Libyen vor Gericht gestellt werde +++

Der Chefankläger beim Internationalen Strafgerichtshof hält ein Verfahren gegen Muammar al Gaddafi in Libyen noch vor einem Prozess in Den Haag für möglich. "Verbrechen in Libyen wurden vor allem an Libyern begangen", erklärte Staatsanwalt Luis Moreno-Ocampo am Montag nach Gesprächen mit Vertretern des libyschen Übergangsrates.

Das sogenannte Weltstrafgericht hatte am 27. Juni auf Antrag Moreno-Ocampos internationale Haftbefehle ausgestellt gegen Gaddafi, seinen Sohn und De-Facto-Premierminister Saif al Islam sowie gegen den Geheimdienstchef und Gaddafi-Schwager Abdullah Senussi.

In weiteren Gespräche mit dem Übergangsrat solle "der Weg vorwärts festgelegt werden", erklärte der Chefankläger. Dabei werde es um Möglichkeiten gehen, alle drei Gesuchten im Zusammenhang mit mutmaßlichen Verbrechen nach dem 17. Februar 2011 an den Internationalen Strafgerichtshof auszuliefern. Zugleich verwies Moreno-Ocampo aber darauf, dass "sie für vorher begangene Verbrechen in Libyen strafrechtlich verfolgt werden" könnten.

+++ 18.23 Uhr: UN-Gesandter sprach mit Konfliktparteien +++

Der UN-Sondergesandte für Libyen, Abdul Ilah al Chatib, hat in Tunis ein Gespräch mit Vertretern der Aufständischen und des Regimes von Muammar al Gaddafi geführt. Er betonte danach am Montag, dass es sich nicht um Verhandlungen gehandelt habe. Die Vereinten Nationen (UN) suchten weiter nach einer politischen Lösung für den Konflikt in Libyen. Einen Vorschlag für eine friedliche Lösung lehnten Vertreter der Rebellen bei dem Treffen ab. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa fand es im Haus eines in Tunesien ansässigen libyschen Geschäftsmannes statt.

+++ 18.08 Uhr: Pentagon: Gaddafi noch in Libyen +++

Der libysche Machthaber Muammar al Gaddafi befindet sich nach Informationen des US-Verteidigungsministeriums weiter in Libyen. Es gebe keine Informationen, dass Gaddafi das Land verlassen habe, sagte Pentagon-Sprecher David Lapan in Washington. Ein Diplomat in Tripolis hatte zuvor der Nachrichtenagentur AFP gesagt, der Machthaber befinde sich noch immer in seiner weitgehend zerstörten Residenz Bab al Asisija in der libyschen Hauptstadt. Der Präsident des Nationalen Übergangsrats der Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil, sagte dagegen, der Aufenthaltsort Gaddafis sei nicht bekannt.

+++ 17.39 Uhr: Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Gaddafi +++

Die Karlsruher Bundesanwaltschaft ermittelt nach Angaben eines Sprechers gegen das Regime des kurz vor dem Sturz stehenden libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi. Gegenstand der Prüfung seien "mehrere Strafanzeigen, die uns vorliegen", sagte Behördensprecher Marcus Köhler den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. Die Bundesanwälte ermittelten "mit dem Ziel, hier in Deutschland mögliche Beweise für den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu sichern". Laut der Bundesanwaltschaft gibt es einen Beobachtungsvorgang "wegen möglicher durch das libysche Regime begangener Straftaten nach dem Völkerstrafgesetzbuch". Ein möglicher Prozess werde aber auf jeden Fall vor dem Internationalen Strafgerichtshof stattfinden, so Köhler.

+++ 17.05 Uhr: Rebellenführer fürchtet Racheakte +++

Der Chef des Nationalen Übergangsrats der libyschen Rebellen, Mustafa Abdel Dschalil, hat seine Kämpfer vor Racheakten gegen Anhänger von Machthaber Gaddafi gewarnt und seinen Rücktritt angedroht. Er habe "Sorgen" wegen "Racheakten einzelner Kämpfer", sagte Dschalil bei einer Pressekonferenz in der ostlibyschen Rebellenhochburg Bengasi. "Das könnte ein Grund meinen Rücktritt sein." "Die Revolutionäre haben die Revolution gegen das Regime zuerst mit friedlichen Demonstrationen geführt. Sie haben dann die Verantwortung übernommen, militärisch vorzugehen und die Sicherheit in unseren Städten zu garantieren." Es dürfe aber keine Racheakte geben. Weiter sagte Dschalil, er widersetze sich "entschieden" außergerichtlichen Hinrichtungen.

+++ 16.33 Uhr: Rebellen befreien 900 Regimekritiker +++

Rebellenkämpfer haben nach Angaben regimekritischer Medien etwa 900 Häftlinge aus dem Gefängnis Ain Zara bei Tripolis befreit. Die meisten von ihnen seien politische Gefangene, berichteten die Medien weiter. In der westlibyschen Stadt Sawara gebe es unterdessen Kämpfe. Die Lage sei sehr brenzlig. Gaddafi-Truppen attackierten die Stadt aus drei Richtungen.

+++ 16.20 Uhr: Aufatmen bei deutschen Exil-Libyern +++

Auch die in Deutschland lebenden Exil-Libyer genießen bereits die neuen Freiheiten. Ab sofort können sie beispielsweise wieder ohne Angst vor Überwachung mit ihren Verwandten in Libyen telefonieren. "Nun ist wieder eine uneingeschränkte Kommunikation mit den Menschen im Land möglich", sagte der Sprecher der libyschen Gemeinde in Deutschland, Same Ghati, der "Rhein-Zeitung". Ein Grund ist die Festnahme der beiden Gaddafi-Söhne Saif al Islam und Al Saadi. "Saif al-Islam hatte zuvor mit Hilfe des Geheimdienstes alle Informationskanäle überwachen lassen", sagte Ghati. Wer es wagte, mit Verwandten zu kommunizieren, setzte seinen Gesprächspartner der Gefahr aus, bedroht oder sogar verhaftet zu werden.

+++ 16.17 Uhr: Arabische Liga unterstützt Rebellen +++

Die arabische Liga hat dem Übergangsrat der Rebellen in Libyen eine "vollständige Unterstützung" zugesagt. Der Generalsekretär der Liga, Nabil al Arabi, erklärte, an diesem Wendepunkt in der modernen Geschichte Libyens wünsche er der politischen Führung der Aufständischen Erfolg beim Übergang in eine neue Ära. Er kündigte Gespräche auf Ebene der Außenminister der arabischen Staaten an, um in Libyen einen friedlichen Übergang und Stabilität zu unterstützen.

+++ 15.35 Uhr: Ölpreis sinkt mit Erfolg der Rebellen +++

Wegen der Hoffnung auf ein schnelles Ende des Konflikts im Ölförderland Libyen sind die Ölpreise weiter gesunken. Libyen ist Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und musste die Ölförderung wegen des Bürgerkriegs in den vergangenen Monaten zeitweise einstellen.

+++ 15.20 Uhr: Nato hat fast 20.000 Einsätze geflogen +++

Seit Inkrafttreten der UN-Resolutionen zu Libyen am 31. März hat das Kommando unter Nato-Kommando insgesamt 19.877 Einsätze geflogen. Das teilte das Bündnis mit. Davon waren 7505 Gefechtsmissionen, also erfolgte oder beabsichtigte Angriffe auf Ziele. Auch zum Einrücken der Rebellen nach Tripolis am Wochenende waren Nato-Kampfjets im Einsatz. Insgesamt wurden dem Bündnis zufolge am Sonntag Libyen-weit 126 Einsätze geflogen, davon 46 als Gefechtsmissionen. Am Sonntag beschoss die Nato nach eigenen Angaben im Großraum Tripolis drei Kommandozentren, eine Militäranlage, zwei Radarstationen, neun Abschussrampen für Boden-Luft-Raketen, einen Panzer und zwei gepanzerte Fahrzeuge.

+++ 15.09 Uhr: Rebellenführung will Gaddafi lebend fangen +++

Die Führung der Aufständischen in Libyen will den untergetauchten Machthaber Gaddafi vor seine Richter bringen. "Wir hoffen, Gaddafi lebend gefangenzunehmen", sagte der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, auf einer von Fernsehsendern übertragenen Pressekonferenz in der Rebellenhochburg Bengasi. Die Welt solle Zeuge eines Prozesses gegen den "schlimmsten Diktator der Welt" werden, wie er Gaddafi nannte. Zudem kündigte Dschalil an, die neue Führung wolle nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes Frieden und Recht durchsetzen. "Wir streben nach einem Staat, in dem alle Menschen die gleichen Rechte haben", sagte er. "Wir streben nach Frieden, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit."

+++ 15.04 Uhr: Libyer besetzen Botschaft in Athen +++

Rund 25 in Griechenland lebende libysche Bürger haben die libysche Botschaft sowie eine libysche Schule in der Athener Vorstadt Palaio Psychiko besetzt. Der Botschafter befand sich nach Angaben von Diplomaten nicht im Gebäude. Die Besetzer skandierten bei ihrer Aktion Parolen gegen das Gaddafi-Regime, hissten die Fahne der Rebellen Libyens und zerstörten das Wappen des libyschen Regimes, wie das griechische Fernsehen zeigte. Widerstand gab es nach Augenzeugenberichten nicht. Eine offizielle Erklärung seitens der Botschaft lag nicht vor. Bei der griechischen Polizei wurde kein Antrag zur Räumung der Botschaft gestellt, sagte ein Sprecher des Ministeriums für Bürgerschutz in Athen.

+++ 15.02 Uhr: Libyer feiern und spotten über Gaddafi +++

Mit Spottgesängen wie "Nie wieder Lockenkopf" in Anspielung auf Gaddafis Haarpracht und "Sie haben Glatze gefasst", als die Festnahme des kahlköpfigen Gaddafi-Sohns Seif el Islam bekannt wird, machen die Anhänger der libyschen Revolution ihrer Verachtung für die Noch-Machthaber Luft. Großprojektionen von Konterfeis der Rebellen-Kämpfer werden frenetisch bejubelt, vermischt mit Gebetsrufen der Muezzine. Vom Hafen herauf erklingen die Nebelhörner ankernder Schiffe. Auch in Washington versammeln sich rund hundert Libyer vor dem Weißen Haus. Unter der Flagge der Rebellen singen sie: "Libyen ist frei, Danke Sarkozy, Danke Obama." Der französische und der US-Präsident hatten sich zu Beginn des Aufstandes in Libyen an die Spitze der internationalen Koalition zur Unterstützung der Rebellen gestellt. "Heute Abend sind wir zum ersten Mal in unserem Leben sehr, sehr stolz darauf, Libyer zu sein", sagt die 33-jährige Rania Swadek, die 1984 mit ihren Geschwistern in den USA politisches Asyl erbat. "Merci Sarkozy, thank you Obama", singt die Menge um sie herum. Auf einem Pappschild steht: "Endlich".

+++ 14.52 Uhr: Rebellen nehmen Gebäude des Staatsfernsehens ein +++

Die Aufständischen haben das Gebäude des Staatsfernsehens in der Hauptstadt Tripolis eingenommen. Der ganze Komplex sei in den Händen der Rebellen, berichteten Mitarbeiter des Senders der Nachrichtenagentur DPA. Zuvor war die Satellitenübertragung des Programms, das zu den Propaganda- Instrumenten des Regimes von Muammar al Gaddafi gehört, unterbrochen worden. Nach Angaben aus Tripolis wurde die Sendung dann aus einem Studio in Gaddafis Heimatstadt Sirte zunächst wieder aufgenommen.

+++ 14.30 Uhr: "Ärzte ohne Grenzen": Lage in Tripolis besorgniserregend +++

Die Lage von Verwundeten und Kranken in Tripolis ist nach Darstellung von Augenzeugen "ziemlich besorgniserregend", wie ein Helfer der französischen Organisation "Ärzte ohne Grenzen der Nachrichtenagentur DPA sagte. "Die Lage ist in Tripolis ist sehr angespannt. Und was die medizinische Versorgung angeht, so ist sie ziemlich besorgniserregend", sagte der zuständige Koordinator Jonathan Whittall in einem Telefoninterview. "In den vergangenen Tagen hat es viele Schießereien gegeben. Die Sicherheitslage ist völlig unberechenbar", so der Vertreter von "Ärzte ohne Grenzen". Er habe seit zwei Tagen eine Wohnung im Zentrum von Tripolis nicht mehr verlassen können, sagte er, während im Hintergrund Schüsse zu hören waren. "Ich wäre schon froh, wenn ich wenigstens wüsste, ob die Umgebung hier in Hand der Regierung oder der Aufständischen ist."

+++ 13.58 Uhr: Niemand weiß, wo Gaddafi steckt +++

Die Rebellen wissen nach eigenen Angaben nach wie vor nicht, wo sich Gaddafi aufhält. Niemand wisse, wo sich Gaddafi befinde, sagt der Chef des Übergangsrats der Aufständischen, Mustafa Abdul-Dschalil, dem Fernsehsender al Arabija.

+++ 13.41 Uhr: China will Libyen beim Wiederaufbau helfen +++

Die chinesische Regierung hat Libyen Unterstützung beim Wiederaufbau des Landes zugesagt. China respektiere die Entscheidung der Bevölkerung, Muammar al Gaddafi vertreiben zu wollen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking am Montag. "Wir hoffen, dass sich die Situation in Libyen frühzeitig stabilisiert, damit die Menschen dort ein normales Leben führen können." China sei bereit, mit der internationalen Gemeinschaft beim Wiederaufbau Libyens zusammenzuarbeiten.

+++ 13.31 Uhr: Gaddafi-Sohn soll nach Den Haag ausgeliefert werden +++

Der Internationale Strafgerichtshof verhandelt mit den Rebellen in Libyen über eine Überstellung des festgenommenen Gaddafi-Sohns Saif al Islam nach Den Haag. "Wir sind mit dem libyschen Übergangsrat im Gespräch über seine Auslieferung", sagte Sprecher Fadi el-Abdallah am Montag Reportern in Den Haag. Einzelheiten nannte er nicht. Angesichts der noch instabilen Lage in Tripolis sei auch noch völlig unklar, wann eine Überstellung möglich wäre.

+++ 12.54 Uhr: Chávez steht weiter zu Gaddafi +++

Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat die Haltung der USA und einiger europäischer Staaten im Libyenkonflikt verurteilt. "Die angeblich "demokratischen" Vereinigten Staaten und die europäischen Regierungen - nicht alle, aber jeder weiß welche - zerstören ganz Tripolis mit ihren Bomben, weil sie davon profitieren", sagte Chávez während eines Gottesdienstes. Venezuelas Präsident unterstützt weiterhin Muammar al Gaddafi im Kampf gegen die Aufständischen. Die westlichen Regierungen würden "ohne Rechenschaft" ein Massaker in Libyen anrichten und Häuser, Schulen oder Krankenhäuser zerstören, sagte Chávez. "Sie sagen, sie werfen Bomben ab, um Zivilisten zu retten. Das ist nur eine Entschuldigung, um sich einzumischen."

+++ 12:39 Uhr: Frankreich regt Treffen der Libyen-Kontaktgruppe an +++

Nach dem Vorrücken der libyschen Rebellen hat Frankreich ein Treffen der Libyen-Kontaktgruppe vorgeschlagen, das schon nächste Woche stattfinden könnte. Frankreich rege ein Sondertreffen der Gruppe "auf höchster Ebene" an, sagte der französische Außenminister Alain Juppé. Dabei könne ein Plan für das weitere Vorgehen der internationalen Gemeinschaft an der Seite des oppositionellen Übergangsrates ausgearbeitet werden. Juppé zeigte sich zufrieden über die Erfolge der Rebellen. Die Europäische Union hat den Rebellen Hilfe beim Aufbau eines demokratischen Staates versprochen. "In Libyen ist der Weg für Freiheit und Selbstbestimmung jetzt frei", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

+++ 12.23 Uhr: Verstärkung für Rebellen in Tripolis +++

Im Kampf um die libysche Hauptstadt Tripolis haben die Aufständischen Verstärkung bekommen. Aus ihrer östlich gelegenen Hochburg Misrata seien mehr als 1000 Bewaffnete nach Tripolis vorgestoßen, meldeten die Aufständischen. Die Kämpfe konzentrierten sich demnach auf das Gebiet um die Residenz von Muammar al Gaddafi. Dort haben sich nach diesen Angaben mehrere hundert afrikanische Söldner verschanzt. Auch in den von den Rebellen kontrollierten Straßenzügen der Stadt gebe es noch Heckenschützen auf den Dächern hoher Gebäude. Eine starke Präsenz von Gaddafi-Truppen gebe es auch um das Hotel Rixos, wo sich die aus Tripolis berichtenden internationalen Journalisten befinden.

+++ 12:20 Uhr: Polen soll libysche Rebellen mit Waffen unterstützt haben +++

Polen soll den libyschen Rebellen nach offiziell unbestätigten Berichten Waffen für den Kampf gegen die Regierungstruppen geliefert haben. Die polnische Nachrichtenagentur PAP meldet unter Berufung auf Quellen in Regierungskreisen, die Waffen seien im Frühjahr mit Zustimmung der Warschauer Regierung an die Aufständischen verkauft worden. Eine offizielle Bestätigung des Berichtes gab es zunächst nicht.

+++ 12.13 Uhr: Gaddafi-Treue kämpfen unbeirrt weiter +++

"Die Lage ist nicht stabil", sagt ein Vertreter der Rebellen der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefonat. "Überall wird geschossen." Gaddafi-Einheiten hätten Panzer im Bereich des Hafens von Tripolis und des Militärkomplexes des Machthabers in Stellung gebracht. Das Hauptproblem seien Scharfschützen. Nach eigenen Angaben haben die Rebellen große Verluste bei Kämpfen mit Gaddafi-treuen Truppen erlitten. Zahlreiche Aufständische seien getötet worden, sagt ein Vertreter der Rebellen.

+++ 11:54 Uhr: Nationaler Übergangsrat plant schnellen Umzug nach Tripolis +++

Der Nationale Übergangsrat will ein Machtvakuum in Libyen verhindern und plant einen schnellen Umzug von Bengasi nach Tripolis. Man werde in den kommenden Tagen einige Schwierigkeiten überwinden müssen, doch am Ende werde ein neues Libyen entstehen, sagte der Geschäftsführer des Übergangsrates für Großbritannien, Mahmud Nacua, am Montag dem britischen Sender BBC. Auch wenn an einigen Orten noch gekämpft werde, kontrolliere der Rat derzeit 95 Prozent von Libyen und Tripolis.

+++ 11:56 Uhr: Gaddafi-Sohn führt Truppen ins Zentrum von Tripolis +++

Gaddafis Sohn Chamis führt einem Medienbericht zufolge eine Truppeneinheit ins Zentrum von Tripolis. Die Truppen hätten Gaddafis Militärkomplex verlassen, berichtet der Fernsehsender al Arabija unter Berufung auf Rebellenkreise. Der Diktator soll sich weiterhin in der Hauptstadt aufhalten.

+++ 11.50 Uhr: Rebellen nehmen Gaddafi-Leibwächter gefangen +++

Die Aufständischen in Libyen haben nach eigenen Angaben einen ranghohen Leibwächter Gaddafis gefangen. Saad Masud habe versucht, sich mit einer größeren Summe Geldes auf dem Seeweg aus der umkämpften Hauptstadt Tripolis abzusetzen, berichteten die Aufständischen auf einer arabischen Internetseite. Ein ranghoher Offizier der Gaddafi-Truppen, Milad al Waser, sei bei einem Schusswechsel in seiner Villa erschossen worden. Er habe sich den Rebellen nicht ergeben wollen. Kämpfer der Aufständischen durchsuchen Villen in der Hauptstadt.

+++ 11.40 Uhr: Westerwelle: "Die Zeit des Diktators ist vorbei" +++

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat sich dafür ausgesprochen, dem bisherigen libyschen Machthaber Muammar al Gaddafi den Prozess zu machen. "Er wird sich auch vor Gericht verantworten müssen", sagte der FDP-Politiker. "Die Zeit des Diktators ist vorbei." Gaddafi habe eine "grausame Herrschaft" ausgeübt und einen Krieg gegen das eigene Volk geführt. Dafür müsse er sich juristisch verantworten - entweder im eigenen Land oder vor einem internationalen Gerichtshof.

+++ 11.35 Uhr: Bengasi feiert den Sieg der Rebellen +++

Die Menschen in Bengasi feiern ausgelassen das nahe Ende des Gaddafi-Regimes. Unzählige Libyer haben sich auf dem zentralen Platz der Rebellenhochburg versammelt, viele feuern Freudenschüsse ab, es sind Feuerwerke zu hören. Unterschiedlichen Angaben zufolge kontrollieren die Aufständischen zwischen 80 bis mehr als 90 Prozent der libyschen Hauptstadt, allerdings kämpft eine Reihe von Truppen noch gegen die Rebellen. Auseinandersetzungen soll es auch auf einigen Zufahrtstraßen nach Tripolis geben.

+++ 10.43 Uhr: Libysche Rebellen erwarten "Tag der Entscheidung"+++

Die Aufständischen in Libyen haben nach eigenen Angaben bereits 95 Prozent der Hauptstadt Tripolis erobert. "Heute ist der Tag der Entscheidung", sagte der Militärsprecher der Aufständischen in Bengasi, Ahmed al Bani, in einem Telefoninterview. Die Niederlage der Gaddafis Truppen von Gaddafi sei unabwendbar. Nach seinen Angaben war es am Montag in den anderen Kampfgebieten zunächst vergleichsweise ruhig. Gefechte habe es am Morgen nur in der Öl- und Hafenstadt Brega gegeben.

+++ 9:54 Uhr: Südafrika dementiert Gaddafi-Exil +++

Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane sagt, Gaddafi werde nicht in ihr Land kommen, um dort Asyl zu beantragen. Auch habe Südafrika kein Flugzeug nach Libyen geschickt, um Gaddafi einen Rückzug zu ermöglichen. Sie wisse nicht, wo Gaddafi sich aufhalte. Zugleich betont die Außenministerin, Südafrika werde im Falle eines Sturzes von Gaddafi eine Rebellenregierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht anerkennen.

+++ 9.33 Uhr: Britischer Außenminister mahnt zur Besonnenheit +++

Nach dem Fall des Regimes sei es das wichtigste, die öffentliche Ordnung in Tripolis aufrecht zu erhalten, sagte der britische Außenminister Alistair Burt. Vergeltungsmaßnahmen gegen Anhänger Gaddafis müssten verhindert werden. Burt betonte auch die Bedeutung einer ausreichenden Versorgung mit Wasser, Nahrung und Strom.

+++ 9.27 Uhr: EU fordert Gaddafi zum Rücktritt auf +++

Die Europäische Union fordert Gaddafi zum sofortigen Rücktritt auf.

+++ 9.18 Uhr: Gerüchte über Gaddafi-Exil +++

Laut des arabischen Nachrichtensender al Dschasira verhandeln Süfafrikanische Offizielle mit Vertretern Gaddafis über ein Exil des ehemaligen Machthabers.

+++ 9:12 Uhr: Ölpreis fällt nach Rebellen-Vormarsch +++

Angesichts des Vormarschs der Aufständischen in Libyen ist der Ölpreis im asiatischen Handel am Montagmorgen gesunken. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober fiel um 2,37 Dollar auf 106,25 Dollar, der Preis für die in New York gehandelte Sorte Light Sweet Crude um 25 Cent auf 82,01 Dollar.

+++ 08.08 Uhr: Berlin rechnet nicht mit deutschem Einsatz +++

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hält einen militärischen Einsatz Deutschlands in Libyen nach dem Sturz des Machthabers al Gaddafi weiterhin für nicht erforderlich. Die Frage stelle sich nicht, sagte er der "Rheinischen Post". "Wir setzen darauf, dass in einer Zeit nach Gaddafi dieses Land, wie andere arabische Staaten auch, aus eigener Kraft einen stabilen Staat aufrechterhalten kann. So ist es in Tunesien und in Ägypten." Für den Fall, dass stabile Verhältnisse in der Nach-Gaddafi-Zeit nur mit militärischer Unterstützung des Westens möglich sein sollten, sagte de Maizière: "Wenn es Anfragen an die Bundeswehr gibt, werden wir das konstruktiv prüfen, wie wir das immer tun."

+++ 7.56 Uhr: Panzer verlassen Gaddafi-Anwesen

Nach einem Bericht des Senders al Dschasira verlassen Panzer das Anwesen Gaddafis in Tripolis und nehmen einen Teil der Hauptstadt unter Beschuss.

+++ 7:29 Uhr: Gaddafi-Truppen noch nicht besiegt +++

Die Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi kämpfen nach Angaben der Rebellen noch immer in Tripolis. Sie kontrollierten 15 bis 20 Prozent der Stadt, sagt ein Sprecher im Sender al Dschasira.

+++ 04.45 Uhr: Obama verlangt von Gaddafi sofortigen Machtverzicht +++

US-Präsident Barack Obama hat Gaddafi und sein Regime aufgefordert, das Ende ihrer Herrschaft einzugestehen und aufzugeben, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Das Gaddafis Herrschaft stehe vor dem Zusammenbruch, die Menschen in Libyen hätten gezeigt, dass der "Wunsch nach Würde und Freiheit viel stärker ist als der eiserne Griff eines Diktators", hieß es in einer Erklärung des US-Präsidenten. Der "Revolutionsführer" müsse die Realität erkennen und die Macht sofort abgeben, so Obama weiter.

+++ 04.42 Uhr: Briten glauben an Ende des Gaddafi-Regimes +++

"Die Ereignisse in Tripolis machen deutlich, dass Gaddafis Ende nahe ist", teilte der britische Premierminister David Cameron mit. Gaddafi habe unglaubliche Verbrechen am eigenen Volk begangen. "Er muss nun gehen, damit die Bevölkerung nicht noch mehr leidet." Eine Nato-Sprecherin bezeichnete die Lage in Tripolis als unübersichtlich und rief Gaddafi ebenfalls zum Rücktritt auf. "Wir können erkennen, dass sich das Regime auflöst", sagte sie. Je schneller Gaddafi realisiere, dass er den Krieg gegen das eigene Volk nicht gewinnen könne, desto besser sei dies.

+++ 03.45 Uhr: "Ältester Gaddafi-Sohn unter Hausarrest"

Die libyschen Rebellen haben Mohammed al Gaddafi, den ältesten Sohn von Muammar al Gaddafi unter Hausarrest gestellt. Die Aufständischen würden für seine Sicherheit garantieren, sagte er in einem Telefoninterview des Fernsehsenders al Dschasira. Eine Gruppe von Rebellen habe sein Haus umstellt, und ihm sei Sicherheit für sich und seine Familie zugesichert worden. Der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates Mustafa Abdul Dschalil bestätigte dem Sender, weder Mohammed al Gaddafi noch dessen Familie seien verletzt. "Er wird in seinem Haus bleiben und ich garantiere für seine Sicherheit."

+++ 01.39 Uhr: Saif al Islam Gaddafi festgenommen +++

Die libyschen Rebellen kommen bei ihrem Vormarsch auf Tripolis offenbar rasch voran. Auf Bildern aus der Hauptstadt ist zu sehen, wie die Aufständischen den Grünen Platz, den wichtigsten Platz im Zentrum der Hauptstadt, erreichen, und die Menschen jubeln. Junge Männer schwenken Fahnen der Aufständischen, tanzen und rufen Allahu Akbar, einige geben Gewehrschüsse in die Luft ab. Unterdessen bestätigte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag die Festnahme von Gaddafis zweitältestem Sohn Seif al Islam. "Ich habe vertrauliche Informationen erhalten, wonach er festgenommen worden ist", sagte Chefankläger Luis Moreno Ocampo der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatte Rebellenchef Mustafa Abdel Dschalil gegenüber dem arabischen Fernsehsender al Dschasira Seif el Islams Festnahme verkündet. Er wird ebenso wie Gaddafi vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit per Haftbefehl gesucht.

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