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Bündnis: Die "Koalition der Willigen"

Ein ungleiches Bündnis von 30 Regierungen muss einer Mehrheit von Kriegsgegnern in seinen Ländern standhalten.

Die von den USA zusammengestellte "Koalition der Willigen" ist eine anfällige Konstruktion: Zwar haben 30 Regierungen von Großbritannien bis Usbekistan ihre Unterstützung für einen Krieg gegen Irak zugesagt, die Bevölkerung der beteiligten Staaten ist aber überwiegend dagegen. Zudem umfasst das Bündnis nur wenige politische Schwergewichte wie Großbritannien, Spanien oder Italien. Die Mehrheit der Willigen sind Entwicklungs- oder Schwellenländer. Und ihre konkreten Beiträge zu einem Krieg fallen sehr unterschiedlich aus.

"Moralische und militärische Unterstützung"

Am Dienstag listete das US-Außenministerium auf, welche Länder moralische oder militärische Unterstützung für eine "sofortige Entwaffnung Iraks" zugesichert haben: Äthiopien, Afghanistan, Albanien, Aserbaidschan, Australien, Dänemark, El Salvador, Eritrea, Estland, Georgien, Großbritannien, Island, Italien, Japan, Kolumbien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Nicaragua, die Niederlande, die Philippinen, Polen, Rumänien, die Slowakei, Spanien, Südkorea, Tschechien, die Türkei, Ungarn und Usbekistan.

Was sich hinter der Mitgliedschaft in dieser Koalition verbirgt, ist aber sehr unterschiedlicher Natur. Japan zum Beispiel will nur beim Wiederaufbau nach einem Krieg helfen. Die Philippinen haben den USA bislang nicht einmal Überflugrechte gewährt - was zahlreiche unwillige Länder wie Deutschland und Frankreich getan haben. Diese beiden befinden sich auf einer Art B-Liste von 15 Ländern, die nicht zur Koalition gehören, nach Angaben des US-Außenministeriums aber "unter bestimmten Umständen Unterstützung gewähren könnten".

Substanzielle militärische Unterstützung erhalten die USA nur von ihrem engsten Verbündeten Großbritannien. Premierminister Tony Blair hat 45.000 britische Soldaten in die Golfregion entsandt, dazu das größte Flottenaufgebot seit dem Falkland-Krieg 1982. Immerhin 2.000 Mann bietet Australien auf, auch sie stehen mit Kampfflugzeugen und Transportschiffen bereits im Mittleren Osten bereit.

Dagegen nimmt sich der Beitrag des spanischen Ministerpräsidenten und klaren Kriegsbefürworters Jose Maria Aznar bescheiden aus. Vor dem Hintergrund heftiger Proteste in der Bevölkerung schloss die Regierung am Dienstag die Entsendung von Truppen aus, versprach aber Unterstützung durch militärisches Personal, das nicht den Kampfverbänden angehört. Zudem boten die Spanier Kampfflugzeuge zum Schutz der Türkei an. Dort helfen jetzt schon - neben Deutschland mit seinen AWACs-Flugzeugen - die Niederlande aus: Sie haben Patriot-Raketen und 360 Soldaten zu deren Bedienung abgestellt, um die Türkei vor möglichen irakischen Vergeltungsmaßnahmen zu schützen. Auch die über Irak zerstrittene NATO hat Truppen in die Türkei entsandt.

Die türkische Regierung selbst startet jetzt einen zweiten Versuch, das Parlament zur Unterstützung der US-Kriegspläne zu bewegen. Zunächst sollte es allerdings nur um die Gewährung von Überflugrechten gehen, die im ersten Anlauf abgelehnte Stationierung von rund 60.000 Soldaten auf türkischem Territorium wollte Ankara noch nicht wieder zur Abstimmung bringen.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat kurz vor Ablauf des US-Ultimatums erklärt, dass sein Land den US-Luftstreitkräften Überflugrechte gewähren wird.

70 Soldaten aus Albanien

Überschwängliche Hilfsangebote kamen dagegen aus unerwarteter Ecke: So versprach das bettelarme und überwiegend muslimische Albanien eine Einheit von 70 Soldaten, die nicht zu den Kampfverbänden zählt. Zuvor hatte Albanien den USA bereits seinen Luftraum, seine Land- und Wasserwege sowie Trainingseinrichtungen zur Verfügung gestellt. Polen hat die Entsendung von 200 Soldaten angekündigt. Und Rumänien steuert Spezialisten für ABC-Waffen, Militärpolizisten und Minensuchtrupps bei, insgesamt 278 Mann.

Ungarn hat den USA alle Transportwege geöffnet und Einrichtungen zum Training irakischer Dissidenten zur Verfügung gestellt, die die US-Truppen nichtmilitärisch unterstützen sollen. Tschechien und die Slowakei schickten Chemiewaffen-Spezialisten nach Kuwait. Südkorea erklärte am Mittwoch, es denke über die Entsendung von Soldaten nach, um "die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern". Kampftruppen sollten aber nicht zum Einsatz kommen. Überraschend ist, dass Afghanistan auf der Liste auftaucht, nachdem Präsident Hamid Karsai sich mehrfach gegen einen Irak-Krieg ausgesprochen hat.

Ihre 15 inoffiziellen Unterstützer haben die USA nicht einzeln genannt. Bekannt sind jedoch begrenzte Zugeständnisse wie Überflug- und Transportrechte, logistische Unterstützung, zum Teil auch die Stationierung von US-Truppen, von folgenden Staaten: Ägypten, Bahrain, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Jordanien, Katar, Kroatien, Kuwait und Portugal.

William J. Kole