Vor einigen Tagen wurde eine Umfrage veröffentlicht, derzufolge 92 Prozent der Deutschen für eine Sperrung des Zugriffs auf kinderpornografische Website sind. Nun hat das Marktforschungsinstitut die Umfrage mit veränderter Fragestellung noch einmal durchgeführt. Ergebnis: Nur fünf Prozent sind für die Sperren. Was sagt uns dieser Widerspruch?

Ihre Kritiker verspotten Familienministerin von der Leyen wegen ihrer Internetsperren-Pläne als "Zensursula"© Axel Schmidt/DDP
Die Haltung der Bundesbürger zum konkreten Umgang mit Kinderporno-Seiten im Internet ist nicht eindeutig auszumachen - klar ist die allgemeine Ablehnung von Kinderpornografie im Netz, der Weg dorthin ist strittig. Zwei Umfragen von Infratest dimap innerhalb weniger Tage brachten jetzt widersprüchliche Ergebnisse - je nach Auftraggeber und Fragestellung.
Im Auftrag des Vereins Mogis (Missbrauchsopfer gegen Internetsperren) stellte das Institut fest, dass nur 5 Prozent von 1000 Befragten für eine Sperre sind. Am vergangenen Sonntag hatte die Deutsche Kinderhilfe unter Berufung auf eine von ihr ebenfalls bei Infratest dimap in Auftrag gegebene Umfrage mitgeteilt, dass eine überwältigende Mehrheit der Bürger die Internetsperren-Pläne der Bundesregierung befürworten. Die Deutsche Kinderhilfe will die Sperren ebenfalls.
Laut "Zeit Online" stellte das Institut für die Kinderhilfe folgende Frage: "Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von kinderpornografischen Seiten im Internet. Kritiker befürchten eine Zensur und bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren. Befürworter betonen dagegen, dass solche Sperren eine sinnvolle und wirksame Maßnahme gegen die Verbreitung solcher Bilder sind. Wie sehen Sie das: Sind Sie für ein Gesetz zur Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet oder dagegen?" Die Zustimmungsrate: 92 Prozent.
Die umfangreichere Ausgangsfragestellung im Auftrag des Vereins Mogis lautete dagegen: "Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von Internetseiten mit kinderpornographischen Inhalten. In der Öffentlichkeit gibt es hierzu verschiedene Meinungen." Der ersten abgefragten Meinung ("Der Zugang zu Internetseiten mit Kinderpornographie sollte durch eine Sperre erschwert werden, das reicht aus, auch wenn die Seiten selbst dann noch vorhanden und für Jedermann erreichbar sind.") stimmten Infratest zufolge 5 Prozent zu. Der zweiten Meinung ("Internetseiten mit Kinderpornographie sollten konsequent gelöscht und die Betreiber strafrechtlich verfolgt werden.") pflichteten 92 Prozent bei, der dritten ("Internetseiten mit Kinderpornographie sollten im Internet frei zugänglich sein, es muss jeder selbst wissen, was er sich anschaut.") ganze 2 Prozent.