Die Sache mit der Fragestellung

22. Mai 2009, 17:41 Uhr

Vor einigen Tagen wurde eine Umfrage veröffentlicht, derzufolge 92 Prozent der Deutschen für eine Sperrung des Zugriffs auf kinderpornografische Website sind. Nun hat das Marktforschungsinstitut die Umfrage mit veränderter Fragestellung noch einmal durchgeführt. Ergebnis: Nur fünf Prozent sind für die Sperren. Was sagt uns dieser Widerspruch?

Internetsperren, Kinderpornosperre, Sperre, von der leyen

Ihre Kritiker verspotten Familienministerin von der Leyen wegen ihrer Internetsperren-Pläne als "Zensursula"©

Die Haltung der Bundesbürger zum konkreten Umgang mit Kinderporno-Seiten im Internet ist nicht eindeutig auszumachen - klar ist die allgemeine Ablehnung von Kinderpornografie im Netz, der Weg dorthin ist strittig. Zwei Umfragen von Infratest dimap innerhalb weniger Tage brachten jetzt widersprüchliche Ergebnisse - je nach Auftraggeber und Fragestellung.

Im Auftrag des Vereins Mogis (Missbrauchsopfer gegen Internetsperren) stellte das Institut fest, dass nur 5 Prozent von 1000 Befragten für eine Sperre sind. Am vergangenen Sonntag hatte die Deutsche Kinderhilfe unter Berufung auf eine von ihr ebenfalls bei Infratest dimap in Auftrag gegebene Umfrage mitgeteilt, dass eine überwältigende Mehrheit der Bürger die Internetsperren-Pläne der Bundesregierung befürworten. Die Deutsche Kinderhilfe will die Sperren ebenfalls.

Laut "Zeit Online" stellte das Institut für die Kinderhilfe folgende Frage: "Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von kinderpornografischen Seiten im Internet. Kritiker befürchten eine Zensur und bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren. Befürworter betonen dagegen, dass solche Sperren eine sinnvolle und wirksame Maßnahme gegen die Verbreitung solcher Bilder sind. Wie sehen Sie das: Sind Sie für ein Gesetz zur Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet oder dagegen?" Die Zustimmungsrate: 92 Prozent.

Die umfangreichere Ausgangsfragestellung im Auftrag des Vereins Mogis lautete dagegen: "Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Sperrung von Internetseiten mit kinderpornographischen Inhalten. In der Öffentlichkeit gibt es hierzu verschiedene Meinungen." Der ersten abgefragten Meinung ("Der Zugang zu Internetseiten mit Kinderpornographie sollte durch eine Sperre erschwert werden, das reicht aus, auch wenn die Seiten selbst dann noch vorhanden und für Jedermann erreichbar sind.") stimmten Infratest zufolge 5 Prozent zu. Der zweiten Meinung ("Internetseiten mit Kinderpornographie sollten konsequent gelöscht und die Betreiber strafrechtlich verfolgt werden.") pflichteten 92 Prozent bei, der dritten ("Internetseiten mit Kinderpornographie sollten im Internet frei zugänglich sein, es muss jeder selbst wissen, was er sich anschaut.") ganze 2 Prozent.

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KOMMENTARE (9 von 9)
 
bR4iNST0RM (25.05.2009, 14:55 Uhr)
Sinnfrei.
Bei der ersten Umfrage habe ich schon bezweifelt, ob der Befragte alle Informationen über die „Zensurinstallation“ von Frau Leyen bekommen hat. Die zweite Umfrage kommt zudem vom Verein Mogis (Missbrauchsopfer gegen Internetsperren), also von Menschen, die aus eigener Erfahrung weit mehr beurteilen können.
Eines ist auf jeden Fall klar: das bloße Aussperren bzw. Ausblenden von Kinderpornografie hilft niemandem! Außer Politiken, die sich auf die vermeintliche „Problem-gelöst-Schulter“ klopfen.
Ich persönlich finde es sträflich, mit einer unsinnigen und zudem noch perfekt manipulierbaren Internetzensur, gegen etwas vor zu gehen, was mit solchen Mitteln nicht zu verhindern ist! Das ist vergleichbar mit den Terrorgeneralverdachtsgesetzten eines Herrn Schäubles.
Schlicht Sinnlos und absolut gegen das, erst jüngst von der CDU/CSU so hoch gepriesene „Leuchtfeuer der Freiheit“ a.k.a. Grundgesetz!
Sternobyl (23.05.2009, 10:39 Uhr)
@michianso - Aufklärung ist nicht unsinnig
Bei der zweiten Umfrage wurden die Befragten besser über die Randbedingungen aufgeklärt und prompt entschieden sich die Befragten dramatisch anders.

Das zeigt nicht nur die Manipulierbarkeit von Umfragen sondern auch die Methodik mancher Politiker.

Ich bin mir sicher, dass Frau Leyen inzwischen von verschiedenen Leuten aufgeklärt wurde, wie ihre Sperrungen technisch funktionieren, und wenn sie heute immer noch auf diese Art der Sperrungen beharrt, mit den Randbedingungen an Heimlichkeiten, Unüberprüfbarkeiten und Maximalkollateralschäden für die freie Meinungsäußerung, dann ist das ganz sicher kein Versehen mehr oder "reines" Unwissen.
 
Etwas Subversiveres wie diese Politiker, die auf harmlos oder treud**f machen, und die dabei ganz nebenbei demokratische Freiheitsrechte demontieren, kann man sich für die Internetwelt kaum vorstellen: "Hoppala - aus Schusseligkeit Zensurinfrastruktur eingeführt." Danke, Frau Leyen.
 
Unsinnig war die zweite Umfrage ganz sicher nicht.
dreicon (23.05.2009, 09:40 Uhr)
@michianso - Nicht ganz verstanden?
Na, mein lieber @michianso, so ganz scheinen Sie den Artikel doch nicht verstanden haben. Es geht in diesem wohl nicht darum, ob, und wie viele Menschen dem Gesetzesvorhaben letztendlich zustimmen oder nicht, er möchte vielmehr darauf hinweisen, wie manipulierbar Umfragen oder Referenden, oder Plebiszite, wie man dererlei demoskopische Aktivitäten immer nennen mag, sind. Auf deutsch, durch adäquate Fragestellung kann ich immer das gewünschte Ergebnis erzielen. Ganz repräsentativ, natürlich,
michianso (23.05.2009, 08:08 Uhr)
Unsinnig
Was bitteschön soll dieser unsinnige Artikel und die Haarspalterei über die Sperrung?
.
Wenn zur Auswahl steht "Sperren" (egal mit welchen Details) oder "nicht Sperren", ist doch logisch, dass die meisten Sperren wählen. Ganz gleich, was das im Detail heisst, denn Sperren ist besser als nicht Sperren und mehr als zwei Optionen gibt es nunmal nicht.
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Wenn man die Umfrage detailliert und nun noch eine dritte, schärfere Möglichkeit bereitstellt, ist genauso logisch, dass man die schärfere Variante wählt, denn "Abschalten" ist noch besser als "Sperren".
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Die Aussage, dass nun nur noch 5% Prozent für das Gesetz sind, ist also vollkommen idiotisch!
Bebuquin (22.05.2009, 20:53 Uhr)
Tja, das passiert...
... wenn Internetausdrucker ohne Sachverstand in blinden Aktionismus für eine gute Sache kämpfen.
Dann glaubt man auch mal, dass eine simple DNS-Sperre wirksam wäre.
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(Alle anderen Möglichkeiten würden bedeuten, dass hier jemand doch andere Ziele verfolgt. Bei Zensursula, Guttenzwerg und dem Rollstuhltäter wäre dies aber auch vorstellbar...)
spamonmass (22.05.2009, 19:49 Uhr)
die kinderhilfe
ist ein sehr fragwürdiger verein. und weil er nur "kinder" im namen trägt, heißt es noch lange nicht, dass er seriös und glaubwürdig ist.
auf netzpolitik.org wurde breit darüber berichtet. jeder hat die möglichkeit sich selbst eine meinung zu bilden.
virtualtom (22.05.2009, 19:17 Uhr)
Laien fragen,
Laien antworten.
bernie-abg (22.05.2009, 18:59 Uhr)
Ist wie die Sache mit...
...der Statistik, welche man am besten selber fälscht.
simie (22.05.2009, 18:30 Uhr)
Unwissen über das Gesetz
Ich vermute, dass bei der Frage der Kinderhilfe, die meisten Teilnehmer aus Unwissenheit eine Sperrung gleichsetzen mit der Schließung einer Homepage und daher die hohe Zustimmungsrate erreicht wird. Den meisten ist einfach nicht bewusst, dass nur der Zugang erschwert (etwas) erschwert wird. Bei der zweiten Umfrage wird erst einmal die Wirkweise dieses Gesetzes ( nur Sperrung, keine wirklich erfolgsversprechenden Maßnahmen) erläutert und prompt hat man ganz andere Ergebnisse.
Es zeigt mal wieder dass dieser Verein Kinderhilfe zu Recht ziemlich umstritten ist.
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