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+++ Liveticker zur Lage in Ägypten +++: Mubarak tritt ab - Obama sieht Zeitenwende

Jubel auf dem Tahrir-Platz in Kairo und im ganzen Land: Präsident Husni Mubarak ist zurückgetreten. Die Armee übernimmt die Macht. Liveticker zur Lage in Ägypten.

21:10 Uhr: +++Obama sieht Zeitenwende+++

US-Präsident Barack Obama hat den Rücktritt des ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak begrüßt. Die Stimme des Volkes sei gehört worden. Nach dem Rückzug Mubaraks sei Ägypten nicht mehr dasselbe Land wie vorher. "Aber dies ist nicht das Ende des Wandels in Ägypten, das ist ein Anfang", sagte Obama in Washington. Es stünden sicher schwierige Tage bevor, an deren Ende "echte" Demokratie stehen müsse.

Der Präsident rief das ägyptische Militär auf, die Rechte des Volkes zu achten. Er forderte die Aufhebung des Ausnahmezustandes sowie Verfassungsänderungen, die den den Weg zu freien und fairen Wahlen ebneten. Es müssten breite Teile der Gesellschaft in den Veränderungsprozess einbezogen werden.

Laut dem TV-Sender CNN war der US-Präsident vorab von Mubaraks Rücktritt informiert worden.

20:22 Uhr: +++Sarkozy spricht von historischem Moment+++

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy bezeichnete den Rücktritt Mubaraks als historischen Augenblick. "Frankreich würdigt diese couragierte und notwendige Entscheidung", ließ der Staatschef mitteilen.

20:12 Uhr: +++Ägypter feiern am Brandenburger-Tor+++

Der Jubel aus Ägypten schwappt nach Berlin. Dort hat sich eine eine Demonstration von Ägyptern in eine spontane Freundenfeier verwandelt. Die rund 300 Demonstranten erreichte die Nachricht aus Kairo auf ihrem Weg zum Brandenburger Tor. Sie tanzten bis in den Abend hinein und stimmten Freudengesänge an. Dabei schwenkten sie Nationalfahnen und riefen "Hoch lebe Ägypten".

20:03 Uhr: +++Schweiz friert Mubarak-Vermögen ein+++

Die Schweizer Regierung hat mit sofortiger Wirkung alle möglichen Gelder des zurückgetretenen ägyptischen Präsidenten und seines Umfelds eingefroren. Mit diesem Schritt solle eine Veruntreuung der Vermögenswerte des ägyptischen Staates verhindert werde, erklärte das Außenministerium am Freitagabend.

19:57 Uhr: +++Militär kündigt Erklärung an+++

Wie soll die Übergangszeit nach Mubarak aussehen? So recht weiß das derzeit noch niemand in Kairo. Das Militär hat eine Erklärung angekündigt, wie das Land am Nil wieder stabilisiert werden soll. Die Legitimität der Maßnahmen hänge von der Zustimmung des Volkes ab, hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung des Militärrates.

19:05 Uhr +++Oberkommandierer empfängt Demonstranten+++

Der ägyptische Oberkommandierende Mohammed Hussein Tantawi begrüßt am Abend vor dem Präsidentenpalast in Kairo feiernde Demonstranten. Die Regimegegner bejubeln dort den Rücktritt des Staatspräsidenten Husni Mubarak. Tantawi ist Verteidigungsminister und Vorsitzender des Obersten Militärrates, der von Mubarak die Macht übernommen hat.

18:51 Uhr +++US-Vize Biden mahnt+++

US-Vizepräsident Joe Biden mahnt nach dem Rücktritt Mubaraks eine vom Volk bestimmte Zukunft für das arabische Land an. Mubaraks Abgang sei ein "entscheidender Moment" in der Geschichte. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Zukunft Ägyptens vom ägyptischen Volk bestimmt wird", sagt Biden in einer ersten Reaktion der US-Regierung.

17:58 Uhr +++ Merkel begrüßt Rücktritt +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt den Schritt Mubaraks. Der Präsident habe seinem Volk einen Dienst erwiesen. Nun müsse es freie Wahlen geben. Ägypten solle die Verträge mit Israel einhalten. "Wir sind alle Zeugen eines historischen Wandels", sagte sie in Berlin. Die Kanzlerin betonte, sie wünsche den Ägyptern eine Gesellschaft "ohne Korruption, Zensur, Verhaftung und Folter". Die Entwicklung in Ägypten müsse jetzt unumkehrbar gemacht und friedlich gestaltet werden.

17:53 +++ Westerwelle: Zeugen eines historischen Umbruchs +++

Außenminister Guido Westerwelle hat den Rücktritt von Ägyptens Präsident Husni Mubarak begrüßt. "Wir sind Zeugen eines historischen Umbruchs", sagte Westerwelle in New York. "Er lobte die Entscheidung des bisherigen Staatschefs. "Wir freuen uns, dass der Weg frei ist für einen politischen Neuanfang." Die Bundesregierung sei bereit, im Rahmen einer engen Partnerschaft beim demokratischen Wandel zu helfen.

17:30 Uhr +++ Frenetischer Jubel auf dem Tahrir-Platz +++

Mit Jubel und Siegesgesänge feiert die ägyptische Opposition den erzwungenen Rücktritt von Präsident Husni Mubarak. Auf dem zentralen Tahrir-Platz im Zentrum von Kairo tanzen und hüpfen Hunderttausende Regimegegner unter ägyptischen Fahnen, wie Augenzeugen berichteten. "Das Volk hat das Regime gestürzt", skandieren Demonstranten. Der frenetische Jubel setzte bereits während der kurzen Erklärung eingesetzt, mit der Vizepräsident Omar Suleiman den Rücktritt Mubaraks bekanntgegeben hatte.

Unklar bleibt die Rolle Suleimans, dem Mubarak am Vortag weitere Amtsvollmachten übertragen hatte. Das Militär kündigte für den Abend eine weitere Erklärung an.

17:17 Uhr +++ Respekt für Mubarak +++

EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton äußert Respekt für den Schritt Mubaraks. Die EU sei bereit, Ägypten zu helfen.

17:09 Uhr +++ Präsident Mubarak erklärt Rücktritt +++

Die Ära Mubarak ist zu Ende. Der ägyptische Vizepräsident Omar Suleiman erklärte am Freitag im staatlichen Fernsehen, Mubarak sei zurückgetreten und habe die Führung des Landes in die Hände der Streitkräfte gelegt. Es wurden keine weiteren Angaben gemacht. Mubarak hatte sich kurz zuvor nach Angaben des staatlichen Fernsehens in den Badeort Scharm el Scheich abgesetzt.

Hunderttausende Demonstranten auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo reagierten am 18. Tag der Proteste gegen das Regime mit frenetischem Jubel. Oppositionspolitiker und Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei sagte laut BBC: "Das ist der schönste Tag meines Lebens."

17:02 Uhr +++ Generalsekretär tritt zurück +++

Der Generalsekretär der ägyptischen Regierungspartei NDP, Hossam Badrawi, hat am Freitag seinen Rücktritt erklärt. Er habe diesen Schritt nach nur einer Woche im Amt verkündet, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija aus Kairo weiter. Badrawi hatte am Vortag bereits den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak angesichts der andauernden Proteste von Regimegegnern zum Rücktritt aufgefordert.

16.43 Uhr +++ Polizei erschießt Protestierer +++

Sicherheitskräfte erschießen in der Provinzhauptstadt Al-Arisch auf dem nördlichen Sinai einen Demonstranten. Eine aufgebrachte Menge hätte eine Polizeiwache stürmen wollen und sei dabei mit Polizeikräften zusammengestoßen, berichteten Augenzeugen. Das Opfer, ein junger Mann, sei von Scharfschützen erschossen worden, die auf Dächern postiert waren.

Wenige Stunden zuvor ist es in Rafah, der Grenzstadt zum Gazastreifen, zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen, als die Demonstranten aus Vorfreude über einen möglichen Rücktritt Mubaraks in die Luft geschossen hatten. Bereits in der Nacht zuvor hatten Protestierende Polizeiwachen in der Stadt angegriffen.

16:20 Uhr +++ Westerwelle fordert Gewaltlosigkeit +++

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat angesichts der sich ausweitenden Proteste in Ägypten erneut für Gewaltlosigkeit plädiert. "Es ist wichtig, dass Demonstrationen stattfinden können, ohne dass die Menschen Gewalt fürchten müssen", sagte Westerwelle am Freitag vor Beginn einer Debatte im UN-Sicherheitsrat in New York.

16:15 Uhr +++ Letzte deutsche Urlauber kommen bald zurück +++

In den kommenden Tagen werden die letzten deutschen Ägypten-Urlauber zurück in Deutschland erwartet. Eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) sagte, die deutschen Reiseveranstalter hätten "kaum noch Gäste" in dem von Protesten erschütterten Land. Die Rückkehr der letzten Gäste werde für das Wochenende oder den Beginn der kommenden Woche erwartet. Wie viele deutsche Urlauber sich derzeit noch in Ägypten aufhalten, konnte die Sprecherin nicht sagen.

15:31 Uhr +++ Wichtige Erklärung im TV angekündigt +++

Das ägyptische Fernsehen kündigt eine wichtige und dringende Erklärung des Präsidialamtes an. Sie soll in Kürze folgen.

Der ägyptische Finanzminister sagte zu Reuters Insider TV: "Der Suezkanal bleibt geöffnet, der Betrieb läuft reibungslos." Der Kanal ist einer der wichtigsten Wasserwege für die Weltwirtschaft.

15:30 Uhr +++ ElBaradei: Proteste fortsetzen

Die oppositionellen Muslimbrüder und der Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei appellierten an die Demonstranten, ihre Proteste fortzusetzen. Ziel sei es, Staatspräsident Husni Mubarak zum sofortigen Rücktritt zu bewegen. "Setzt eure Revolution fort, egal, wie lange es dauert und was immer es kostet", teilte die größte Oppositionsgruppe, die Muslimbruderschaft, am Freitag mit.

ElBaradei forderte die Ägypter ebenfalls auf, ihre Straßenproteste fortzusetzen. "Die ganze Nation ist auf den Straßen. Der einzige Ausweg für das Regime ist der zu gehen", schrieb er via Kurzmitteilungsdienst Twitter. "Die Macht des Volkes kann nicht gebrochen werden. Wir werden uns durchsetzen." Er hoffe darauf, dass sich auch die Soldaten anschließen.

15:04 Uhr +++ Bestätigung für Mubaraks Flucht +++

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat Kairo am Freitag verlassen. Das bestätigte jetzt die ägyptische Regierungspartei. Am 18. Tag der Proteste gegen sein Regime sei der Staatschef mit seiner engsten Familie in einem Hubschrauber nach Scharm el Scheich am Roten Meer geflogen und dort gelandet, wurde weiter erklärt. Dort hat Mubarak eine Ferienvilla. Augenzeugen in Kairo berichteten, ein Hubschrauber sei am späten Mittag vom Präsidentenpalast im Kairoer Stadtteil Heliopolis aus abgeflogen.

Landesweit sind in Ägypten mehr als eine Million Menschen gegen Präsident Husni Mubarak auf die Straße gegangen. Allein im Stadtzentrum von Kairo versammelten sich auf dem Tahrir-Platz, vor dem Präsidentenpalast und vor dem Staatsfernsehen mehrere hunderttausend Menschen. Auch in mehreren anderen Städten des Landes versammelten sich die Menschen zu großen Demonstrationen.

14:35 Uhr +++ Mubarak in Scharm el Scheich eingetroffen? +++

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak ist einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders al Arabija zufolge in Scharm el Scheich am Roten Meer eingetroffen. Der Präsident sei in Begleitung seiner Familie, berichtete der Sender. Mubarak hat dort eine Ferienvilla.

14:16 Uhr +++ Mubarak unterwegs in sein Ferienhaus? +++

Augenzeugen in Kairo berichteten, ein Hubschrauber sei am späten Mittag vom Präsidentenpalast in Kairo aus abgeflogen. Aus Scharm el Scheich, wo Mubarak eine Ferienvilla hat, berichteten ägyptische Medien über eine verstärkte Präsenz der Sicherheitskräfte am Flughafen. Eine Bestätigung über die Reise Mubarak in den Urlaubsort gab es aber nicht. Ein Rückzug nach Scharm el Scheich war in den vergangenen Tagen mehrfach als eine gesichtswahrende Option für Mubarak genannt worden.

13:55 Uhr +++Mubarak unterwegs nach Scharm el Scheich? +++

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak soll Kairo verlassen haben. Aus ägyptischen Sicherheitskreisen in Kairo heißt es, Mubarak sei in einem Hubschrauber vom Präsidentenpalast aus gestartet. Das Ziel der Reise sei unklar. Es galt als möglich, dass Mubarak nach Scharm el-Scheich ans Rote Meer geflogen sein könnte. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht

13:30 Uhr: +++ Flüchtet Mubarak?+++

Der arabische Fernsehsender al Arabija meldet, dass Husni Mubarak das Land verlassen haben soll. Eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht. Al Arabija hatte zuletzt als erster Sender berichtet, dass der ägyptische Präsident nicht entgegen anderslautenden Gerüchten, nicht zurücktreten werde

12:30 Uhr +++ Merkel: Mubaraks Angebote sind zu wenig +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die teilweise Machtabgabe des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak für unzureichend. Zugleich forderte sie die ägyptische Regierung auf, nicht gewaltsam gegen die Demonstranten vorzugehen. "Die Enttäuschung der Demonstranten und der Demokratiebewegung ist verständlich", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen der Kanzlerin. Das angekündigte Ende des Ausnahmezustands sei gut. Aber: "Es reicht nicht, was er (Mubarak) in Aussicht gestellt hat."

12:25 Uhr +++ Hunderttausende demonstrieren in Kairo +++

Hunderttausende Anhänger der ägyptischen Opposition haben in Kairo nach dem Freitagsgebet gegen das Regime von Präsident Husni Mubarak demonstriert. In wütenden Sprechchören verlangten die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz endlich einen Rücktritt Mubaraks. Am späten Mittag drängten weitere Demonstranten auf den Platz. Mubarak hatte am Vorabend einige seiner Befugnisse an Vizepräsident Omar Suleiman abgegeben, einen Rücktritt aber abgelehnt. Der Protestbewegung geht das nicht weit genug.

11:35 Uhr +++ ElBaradei vertraut dem Militär +++

Die ägyptische Armee wird sich nach Einschätzung des Oppositionspolitikers Mohammed ElBaradei nie gegen die Demonstranten richten. "Die Armee ist Teil des Volkes. Wenn die Soldaten die Uniform ausziehen, vor allem die einfachen Soldaten, dann haben sie dieselben Probleme wie all die anderen Menschen", sagte der Friedensnobelpreisträger der Wiener Zeitung "Die Presse". Das Militär müsse sich nun eindeutig auf die Seite der Bevölkerung stellen, forderte er. "Aber es muss klar sein: Die Rolle der Armee besteht darin, den Staat zu beschützen, und nicht darin, ihn zu führen."

11:30 Uhr +++ Staatsfernsehen weiter abgeriegelt +++

Die ägyptische Armee hat das Staatsfernsehen in Kairo weiter abgeriegelt. Soldaten zogen mit zusätzlichen Waffen auf und ließen nur noch wichtige Mitarbeiter in das Gebäude, wie Augenzeugen berichteten.

11:20 Uhr +++ Militär stützt Mubaraks Entscheidung +++

Die ägyptischen Streitkräfte haben sich hinter die Entscheidung von Präsident Husni Mubarak gestellt, nicht zurückzutreten und die meisten Amtsbefugnisse seinem Stellvertreter Omar Suleiman zu übertragen. Eine entsprechende Erklärung gaben die Streitkräfte nach einem Treffen des Obersten Rats unter Leitung von Verteidigungsminister Hussein Tantawi ab.

11:00 Uhr +++ Militär kündigt freie und faire Wahlen an +++

Die ägyptische Armeeführung hat Garantien für einen politischen Reformprozess im Land abgegeben. In einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung kündigte das Oberkommando an, es werde den Weg zu freien und fairen Wahlen und einer demokratischen Gesellschaft sichern.

10:15 Uhr +++ Menschenkette um das Rundfunkgebäude +++

In Kairo bilden Demonstranten eine Menschenkette um das Gebäude des staatlichen Fernsehens und hindern die Angestellten daran, zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen. Die Armee bewachen zwar die Zugänge zu der Straße, die zum Fernsehgebäude führt, hinderten die Demonstranten aber nicht am Zutritt.

9:50 Uhr +++ Militär mischt sich angeblich nicht ein +++

Der ägyptische Finanzminister sagt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, seine Regierung funktioniere. Das Militär mische sich in die Angelegenheiten nicht ein.

9:45 Uhr +++ ElBaradei: Totales Chaos +++

Der Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei sagt in einem Interview der österreichischen Zeitung "Die Presse", die ägyptische Führung befinde sich in einem "totalen Chaos".

9.20 Uhr +++ Warnung vor Putsch +++

Der ägyptische Finanzminister warnt in einem Interview des britischen Senders BBC vor einem Militärputsch in seinem Land. Dies wäre schlecht für alle.

Eine kleine Gruppe fordert vor dem Präsidentenpalast den Rücktritt Mubaraks. Soldaten schreiten nicht ein. Aus Sorge vor den Entwicklungen in Ägypten eröffnen wichtige europäische Aktienbörsen im Minus.

8:15 Uhr +++ Militär kündigt Erklärung an +++

Der Oberste Rat der ägyptischen Streitkräfte hat laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur MENA am Freitagmorgen ein "wichtiges" Treffen abgehalten. Es wurde die Veröffentlichung einer Erklärung an das Volk angekündigt.

7:30 Uhr +++ Hinweise auf Militärputsch verdichten sich+++

Angesichts dieser Zuspitzung ist der Oberste Rat des Militärs zu einer Sitzung zusammengekommen. Das Gremium sei in ständiger Tagung, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen - ein Status, der normalerweise nur in Kriegszeiten gilt. Der Rat untersuche, "welche Maßnahmen und Vorkehrungen getroffen werden könnten, um die Nation zu schützen, ihre Errungenschaften und die Ziele ihres großen Volkes", hieß es bei der Armee. Beobachter werteten die Erklärung als Indiz dafür, dass die Generale nun die Macht übernommen haben. Überschrieben war die Mitteilung als "Kommunique Nummer eins" - eine Sprachwahl, die auf einen Putsch hindeuten könnte.

Fernsehberichte zeigten Verteidigungsminister Feldmarschall Hussein Tantawi und rund zwei Dutzend Offiziere mit versteinerten Mienen an einem runden Tisch sitzen. Staatschef Husni Mubarak und sein Vize Omar Suleiman, ein früherer General und ehemaliger Geheimdienstchef, waren bei der Sitzung nicht dabei.

7:00 Uhr +++ Westerwelle fordert Gewaltverzicht +++

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich besorgt über die neuen Entwicklungen in Ägypten geäußert. Im ZDF-"Morgenmagazin" zeigte sich der Minister überzeugt, dass die Rede des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak "zu keiner Befriedung" der Situation führen werde. Westerwelle forderte das ägyptische Regime auf, bei den erwarteten neuerlichen Demonstrationen keine Gewalt anzuwenden. Dies bedeute, dass Demonstranten "nicht niedergeknüppelt werden, dass sie keine Gewalt fürchten müssen und dass die Sicherheitsbehörden diese Demonstration auch schützen".

6:30 Uhr +++ "Ägypten wird explodieren" +++

Mubarak hatte auch am Donnerstagabend nicht den von vielen erwarteten Rücktritt erklärt. Er erklärte in einer Fernsehansprache, er sei bereit zu weiteren Verfassungsänderungen, um einen sanften Machtübergang und freie und faire Wahlen zu sichern. Den von vielen seiner Gegner erhofften Amtsverzicht sprach er aber nicht aus. Der ägyptische Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei rief das Militär nach der Rede zum Eingreifen auf. "Ägypten wird explodieren", sagte der Friedensnobelpreisträger mit Blick auf die enttäuschten Demonstranten in Kairo. "Die Armee muss jetzt das Land retten", sagte ElBaradei über Twitter. "Ich rufe die ägyptische Armee auf, sofort einzugreifen."

Wie der arabische Nachrichtensender al Dschasira in der Nacht zum Freitag berichtete, kam es überall im Land zu Protestkundgebungen, da sich Mubarak weiter weigert, als Präsident zurückzutreten. Enttäuscht, dass Mubarak nur Teile der Amtsgeschäfte an seinen Vizepräsidenten Omar Suleiman abgibt, aber nicht offiziell zurückgetreten ist, gingen die Demonstrationen am frühen Freitagmorgen unvermindert weiter.

+++ Opposition hofft auf 20 Milllionen Demonstranten +++

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo, dem Zentrum der Demokratiebewegung, waren immer noch Zehntausende Demonstranten. Tausende standen vor dem Präsidentenpalast und dem Gebäude des staatlichen Rundfunks und Fernsehens. Viele fühlen sich von Mubarak, der seit 30 Jahren an der Macht ist, verraten. Die Opposition erwartet bis zu 20 Millionen Demonstranten in ganz Ägypten. Suleiman rief die Unzufriedenen auf, nach Hause und wieder an die Arbeit zu gehen.

+++ Obama enttäuscht +++

US-Präsident Barack Obama zeigte sich enttäuscht über die Rede Mubaraks. In einer schriftlichen Erklärung sagte er, dem ägyptischen Volk sei eine "Übertragung der Macht" versprochen worden, aber es sei bisher nicht klar, dass dieser Übergang "unverzüglich, bedeutungsvoll und ausreichend" sei. Obama rief die ägyptische Führung auf, sich klar gegenüber dem eigenen Volk und der Welt zu äußern. Das sei ihre Verantwortung. US-Fernsehkommentatoren sprachen von der bisher schärfsten Washingtoner Stellungnahme seit Beginn der Unruhen in Ägypten.

Obama ging nicht direkt darauf ein, dass Mubarak entgegen allgemeiner Erwartungen nicht seinen Rücktritt erklärte, sondern stattdessen lediglich Machtbefugnisse an Suleiman übertrug. Obama sagte jedoch, die ägyptische Regierung müsse einen "glaubwürdigen, konkreten und unmissverständlichen Pfad in Richtung einer echten Demokratie einschlagen, und sie haben diese Gelegenheit noch nicht beim Schopf ergriffen".

nik/Reuters/AFP/DPA / DPA / Reuters