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Kampf gegen den IS: Kämpfe um syrische Grenzstadt Kobane dauern an

Die Bundeswehr hat in Bayern mit der Ausblildung von Peschmerga-Kämpfern begonnen. Unterdessen gingen die Kämpfe um die kurdische Stadt Kobane in Syrien weiter. Alle Ereignisse des Tages im Überblick.

Das Video-Bild zeigt einen IS-Kämpfer, der eine Panzerfaust in der Nähe der kurdischen Stadt Kobane in Syrien abfeuert. Die Stadt liegt direkt an der türkischen Grenze.

Das Video-Bild zeigt einen IS-Kämpfer, der eine Panzerfaust in der Nähe der kurdischen Stadt Kobane in Syrien abfeuert. Die Stadt liegt direkt an der türkischen Grenze.

+++ 20.29 Uhr: Obamas Sicherheitsberaterin trifft syrische Opposition +++

Die Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, trifft im Weißen Haus mit Vertretern der syrischen Opposition zusammen. Im Mittelpunkt des Treffens stehen Pläne der USA zur Unterstützung der moderaten Kräfte in dem Land, wie aus einer am Samstag in Washington veröffentlichten Mitteilung hervorgeht.

Demnach nehmen an dem Gespräch am Freitag Vertreter der Nationalen Syrischen Koalition unter Leitung des Vorsitzenden Hadi al-Bahra teil. Es seien Wege erörtert worden, wie die USA die gemäßigte Opposition unterstützen könne, um die Terrormiliz IS zu stoppen und die Aussichten auf einen politischen Übergang in Syrien zu verbessern. Rice habe die Bereitschaft zur Hilfe bekräftigt und erneut betont, dass der syrische Präsident Baschar al-Assad jegliche Legitimität verloren habe, heißt es in der Mitteilung weiter.

+++ 20.00 Uhr: Raketen der IS-Miliz treffen Kurdenstadt Kobane +++

Erstmals treffen nach Angaben von Aktivisten am Samstag Raketen des IS die Kurdentstadt Kobane in Syrien. Dabei sei ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden, berichtet die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Gleichzeitig bombadieren Kampfjets der USA und arabischer Verbündeter erstmals Stellungen des IS nahe Kobane. Das bestätigt das US-Zentralkommando in Tampa (Florida). Dabei seien mehrere Fahrzeuge, Gebäude, eine Kommandoeinrichtung, ein Flugfeld und ein Ausbildungslager des IS beschädigt oder zerstört worden.

Die Türkei übertreibt Angaben zur Zahl kurdischer Flüchtlinge aus Syrien einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge stark. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat am Donnerstag mitgeteilt, mehr als 144 000 Menschen seien vor der IS-Terrormiliz aus der Region Kobane im Norden Syriens in die Türkei geflüchtet. Diese Angaben habe das UNHCR offenbar ungeprüft von der Türkei übernommen, schreibt die Zeitung.

+++ 19.06 Uhr: Britische Kampfjets kehren ohne Waffeneinsatz zurück +++

Einen Tag nach dem Beschluss des Unterhauses für eine militärische Beteiligung am Kampf gegen die Terrormiliz IS schickt Großbritannien erstmals voll bewaffnete Kampfjets los. Es seien jedoch keine Ziele bombardiert worden, teilt das Verteidigungsministerium in London am Samstag nach der Rückkehr der Flugzeuge nach Zypern mit. Stattdessen hätten die Piloten Aufklärungsmaterial mitgebracht, das nun an die irakischen Bodentruppen weitergereicht werden soll.

+++ 18.08 Uhr: Kurdische Soldaten beginnen Ausbildung in Bayern +++

In der Infanterieschule Hammelburg in Bayern beginnt die Ausbildung kurdischer Soldaten. Sie würden in der Handhabung von Panzerabwehrraketen des Typs "Milan" unterwiesen, sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Samstag in Berlin. Geplant war die Schulung von etwa 30 Kämpfern. Zur Bekämpfung der Dschihadisten Islamischer Staat (IS) sollen die Peschmerga-Soldaten im Nordirak unter anderem 500 dieser Raketen, 16 000 Gewehre und mehrere Millionen Schuss Munition bekommen. Deutschland will 10 000 Kämpfer ausrüsten.

+++ 16.12 Uhr: Drei türkische Polizisten bei Anschlag in Kurdengebiet getötet +++

Drei türkische Polizisten werden im kurdisch dominierten Grenzgebiet im Südosten des Landes bei einem Anschlag getötet. Das Fahrzeug der Beamten wird mit Raketenwerfern und Gewehren angegriffen, wie die Nachrichtenagentur Dogan am Samstag berichtet. Der Vorfall ereignet sich demnach am späten Freitagabend auf einer Straße zwischen den Städten Bitlis und Diyarbakir. Fünf Polizisten seien verletzt worden, sagte der Gouverneur von Bitlis, Orhan Öztürk. Drei von ihnen seien im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen.

+++ 15.05 Uhr: Flugzeug mit deutschen Waffen landet im Irak +++

Eine weitere Maschine mit deutschen Waffen trifft zur Unterstützung der kurdischen Peschmerga im Kampf gegen die Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat im Irak ein. Die Maschine startete in Leipzig und flog über Bagdad nach Erbil, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagt. An Bord habe sie Fahrzeuge, Waffen und Ausrüstung für die Kurden.

In Erbil im Nordirak sollen die sechs Waffenausbilder der Bundeswehr, die am Donnerstag mit Verspätung angekommen waren, die Kurden in die Waffen einweisen.

+++ 15.02 Uhr: Britische Luftwaffe fliegt Einsätze +++

Im Kampf gegen die Extremistenmiliz IS fliegen britische Militärjets über den Irak. Sie seien zum Angriff bereit, sollten Ziele identifiziert werden, erklärt das Verteidigungsministerium in London. Zwei Militärflugzeuge vom Typ Tornado starteten vom britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern. Wenige Minuten später folgte ein Tankflugzeug. Erst am Freitag hatte das britische Parlament mit großer Mehrheit für Luftschläge gegen IS im Irak gestimmt.

Seit August sind sechs britische Tornados, die normalerweise im britischen Marham stationiert sind, von Zypern aus im Einsatz. In den vergangenen sechs Wochen starteten sie wiederholt zu Aufklärungsflügen über dem Irak.

+++ 14.51 Uhr: Türkei will sich an Pufferzone beteiligen +++

Das türkische Militär könnte sich Präsident Recep Tayyip Erdogan zufolge am Aufbau einer Sicherheitszone zu Syrien beteiligen. Sollte es ein internationales Abkommen für einen solchen Bereich für Flüchtlinge geben, könnte auch die Türkei ihren Beitrag leisten, sagt Erdogan in einem Interview der Zeitung "Hürriyet".

Das Vorrücken des IS in Syrien hat eine Flüchtlingswelle in die Türkei ausgelöst. Bislang hat Erdogan der von den USA geführten Allianz die nötige Unterstützung im Kampf gegen den IS zwar zugesagt, Details aber offengelassen. "Bei der Verteilung der Verantwortlichkeiten hat jedes Land seine Pflicht", sagt Erdogan. "Was auch immer die Rolle der Türkei ist, die Türkei wird sie übernehmen." Luftangriffe alleine reichten nicht aus, sagt Erdogan weiter. Ohne Bodentruppen gebe es keine dauerhafte Lösung.

Auf türkischem Territorium an der Grenze zu Syrien schlagen erneut Geschosse ein, während sich IS-Kämpfer und kurdisches Militär Gefechte um die syrische Grenzstadt Kobane liefern. Zwei Menschen werden auf türkischer Seite verletzt.

+++ 10.45 Uhr: Irakische Soldaten töten versehentlich Verbündete +++

Die irakische Luftwaffe verwechselt bei Bombenangriffen versehentlich Stellungen des Islamischen Staates mit Stützpunkten einer verbündeten Schiitenmiliz. Acht Kämpfer der vom Schiitenprediger Muktada al-Sadr gegründeten "Friedensbrigade" seien getötet worden, teilt ein Sicherheitsbeamter mit. 17 weitere Kämpfer seien verletzt worden.

Bei einem Gefecht irakischer Bodentruppen mit der IS-Miliz in der Ortschaft Dudschail werden nach Militärangaben zwei Soldaten getötet. Acht weitere werden verletzt. Dudschail liegt rund 60 Kilometer vor Bagdad.

+++ 10.37 Uhr: USA weiten Luftangriffe in Syrien aus +++

Die US-Luftwaffe weitet ihre Angriffe gegen Stellungen der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat in Syrien aus. Die Kampfjets seien nahezu ununterbrochen im Einsatz, sagt ein ranghoher Vertreter des US-Verteidigungsministeriums in Washington. Nach Angaben von Aktivisten bombardieren die USA und ihre Verbündeten erstmals Ziele in der Provinz Homs.

Washington nennt keine Details zu den Zielen der Angriffe oder den daran beteiligten Staaten. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte weitet die US-geführte Militärallianz ihren Kampf gegen den IS auf die zentrale Provinz Homs aus. "Die US-arabische Koalition hat erstmals Stellungen des IS in der östlichen Wüste der Homs-Provinz attackiert", sagt der Chef der in Großbritannien beheimateten Nichtregierungsorganisation, Rami Abdel Rahman.

Auch Ziele in der Provinz Aleppo sowie die Stadt Raka, in der die Extremisten ihr Hauptquartier haben, seien angegriffen worden. Auch rund um die Stadt Tabka, wo IS-Kämpfer einen Luftwaffenstützpunkt besetzt halten, sind demnach Explosionen zu hören.

+++ 8.05 Uhr: US-Luftwaffe fliegt erneut Angriffe +++

Die US-Luftwaffe fliegt in der Nacht zum Samstag erneut Angriffe in Syrien. Ziele sind nach Angaben eines Pentagon-Mitarbeiter Stellungen von Kämpfern der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat. Angaben zu möglichen Opfern der Angriffe werden nicht gemacht.

+++ 7.27 Uhr: Özdemir fordert Türkei zu Abgrenzung von Dschihadisten auf +++

Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir fordert die Türkei auf, sich stärker von islamistischen Extremisten und insbesondere von IS abzugrenzen. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagt Özdemir, die Regierung in Ankara müsse "jetzt liefern". Sie sei bisher mit der IS-Miliz nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" umgegangen, um den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu stoppen. Doch das Mittel gegen Assad könne nicht der IS sein.

Özdemir begrüßt zugleich die Führungsrolle der USA im Kampf gegen die Dschihadisten und die Ebola-Seuche. "Wenn wir die USA nicht hätten, wären wir kraftlos", sagt der Grünen-Politiker. Keiner sonst könne in diesen Krisen die Führung übernehmen. Europa gebe für Verteidigung halb so viel aus wie die USA, verfüge aber nur über zehn Prozent der Leistung.

+++ 6.45 Uhr: USA wollen Tausende syrische Rebellen ausbilden +++

12.000 bis 15.000 vom Westen unterstützte Rebellen sind aus Sicht des US-Militärs nötig, um im Osten Syriens Landstriche von der radikalen Miliz IS zurückzuerobern. Nach Angaben des Pentagon sind bereits erste Teams in Saudi-Arabien angekommen. Sie sollen zunächst 5000 moderate Oppositionskräfte im ersten Jahr ausbilden. Das Programm sei auf mehrere Jahre ausgelegt. Es bestehe die Hoffnung, dass die Rebellen Vorteile aus den Luftschlägen gegen IS zögen.

+++ 6.31 Uhr: Iraks Christen greifen zu den Waffen +++

Eine christliche Miliz kämpft gegen den Islamischen Staat. Seit der Invasion der US-Armee im Irak im Jahr 2003 sind dort zahlreiche Milizen entstanden. Sie formierten sich meist entlang religiöser Grenzen, als Stammes-Milizen oder als kriminelle Organisationen. Keine dieser Milizen war exklusiv christlich.

Im Angesicht der drohenden Auslöschung des christlichen Erbes im Irak hat sich dies geändert. Mit der Miliz Dwech Nauscha - aramäisch für "künftige Märtyrer" - stellen sich die Christen erstmals mit einer eigenen Miliz den IS-Kämpfern entgegen. Die Aufnäher an ihren Armen zeigen eine Flagge, auf der blau-weiß-rote Streifen ein X bilden, in der Mitte ein blauer Stern mit einem goldfarbenen Punkt. Die Flagge weist die Kämpfer als Assyrer aus, als Angehörige der christlichen Minderheit des Irak.

mka/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters